Ich war heute mit meinem Kleinen im Kino: wir haben uns „Bee-Movie – Das Honigkomplott“ angeschaut. Ein sehr netter Film; lustig; interessant – kann ich nur empfehlen (auch für Erwachsene). Ich will eigentlich auch gar nicht wirklich über den Film meckern – aber eine Kleinigkeit ist mir aufgefallen, die ich als Anlass für diesen Beitrag nehmen möchte. Der Film beginnt mit einem Zitat:
„Nach den bekannten Gesetzen der Physik ist es Bienen unmöglich zu fliegen. Ihre kleinen Flügeln können so einen schweren Körper gar nicht in der Luft halten. Die Bienen allerdings interessieren sich nicht, was die Menschen denken und fliegen trotzdem.“
Das ist natürlich ganz schlechte Wissenschaft und auch nicht unbedingt etwas, was man Kindern, die ja sicher die Zielgruppe für diesen Film darstellen, vermitteln möchte. Dieses Zitat ist eine Variation des besser bekannten „Hummel-Paradoxons“, das meistens ungefähr so lautet:
„Nach allen bekannten Gesetzen der Aerodynamik kann eine Hummel nicht fliegen. Der Hummel ist das egal – sie fliegt einfach!“.
Eine kurze (sicher nicht komplette und nur auf deutsch) Google-Suche liefert immerhin mehr als 1000 Treffer für dieses Zitat. Meistens findet man es im Rahmen irgendwelcher Pseuodo-Motivationskurse, um zu demonstrieren, das man alles schaffen kann, egal, wie die Dinge stehen. Dafür ist das allerdings ein ziemlich schlechter „Beweis“: denn wenn es irgendwas gibt, um das man nicht umhin kommt, dann sind das die Naturgesetze! Wenn unsere aufgestellten Naturgesetze wirklich nicht erlauben würden, das Hummeln fliegen, dann wäre das ein Zeichen dafür, das die Physiker die Naturgesetze besser nochmal anders formulieren sollten – denn anscheinend würden sie dann nicht stimmen… Das „Hummel-Paradoxon“ findet man oft auch in esoterischen/pseudowissenschaftlichen Kreisen, wo damit demonstriert werden soll, wie unfähig die Wissenschaft nicht ist… Und wenn die Wissenschaftler nicht mal fähig sind, zu erklären, wie eine Hummel fliegt, dann sollen sie, was Dinge wie Wünschelruten, Homöopathie, Astrologie, etc angeht, besser ganz den Mund halten…
Aber natürlich ist das Paradoxon gar kein Paradoxon… Die Wissenschaft weiß sehr wohl, wie und warum Hummeln fliegen… Die Sache hat in den 1930ern als eine Art Studentenscherz an der Uni Göttingen rund um den bekannten Aerodynamiker Ludwig Prantl begonnen. Angeblich haben beim abendlichen Bier in einem Wirtshaus ein Biologe und ein Aerodynamiker darüber diskutiert wie Hummeln fliegen – und der Aerodynamiker hat das ganze kurz auf einem Bierdeckel überschlagsmäßig berechnet. Dabei kam heraus, das es eigentlich nicht klappen sollte mit dem Hummelflug. Natürlich hat sich der Aerodynamiker später weiter Gedanken darüber gemacht und kam schnell drauf, wo der Fehler lag: er hatte die Flügeln der Hummeln als steif angenommen obwohl sie das natürlich nicht sind. Und da sie das nicht sind, erzeugen sie u.a. Wirbel, die für den nötigen Auftrieb sorgen… Das wurde sogar nochmal extra 1996 an der Universität Cambridge von Charles Ellington nachgewiesen. (Hier ist nochmal eine (englische) Zusammenfassung der ganzen Geschichte.)
Wer also weiterhin mit diesem Hummel-Mythos hausieren geht, der ist weder originell noch sonderlich witzig – sondern zeigt höchstens seine/ihre Ignoranz was die Wissenschaft angeht…