{"id":28175,"date":"2025-04-11T07:00:54","date_gmt":"2025-04-11T05:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2025\/04\/11\/sternengeschichten-folge-646-coatlicue-die-mutter-der-sonne\/"},"modified":"2025-05-14T17:41:22","modified_gmt":"2025-05-14T15:41:22","slug":"sternengeschichten-folge-646-coatlicue-die-mutter-der-sonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2025\/04\/11\/sternengeschichten-folge-646-coatlicue-die-mutter-der-sonne\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 646: Coatlicue &#8211; die Mutter der Sonne"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/audio.podigee-cdn.net\/1867694-m-cc8122a8e230a35be0353efadab8854b.mp3?source=feed\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/cCLcsP1z0Uw\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">Apple<\/a>]<a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/646-sternengeschichten-folge-646-coatlicue-die-mutter-der-sonne\/embed?context=external&#038;token=Myt2qZ-l2trBfoz5Aqnj0w\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 646: Coatlicue &#8211; die Mutter der Sonne<\/strong><\/p>\n<p>Wie ist die Sonne entstanden? Die kurze Version und die, die man fast immer irgendwo zu h\u00f6ren bekommt geht so: Zuerst war da eine gro\u00dfe kosmische Wolke aus Gas und diese Wolke ist dann irgendwann kollabiert, zum Beispiel weil sich in der N\u00e4he ein Stern vorbei bewegt hat oder ein \u00e4lterer Stern in der Umgebung explodiert ist. Das hat das Gleichgewicht der Wolke gest\u00f6rt und sie ist unter ihrem eigenen Gewicht in sich zusammengefallen. Das Gas hat sich verdichtet, so sehr, dass irgendwann die Kernfusion eingesetzt hat und ein Stern entstanden ist. Und diese Erkl\u00e4rung ist nicht falsch. Aber sie l\u00e4sst sehr viel aus und sehr viel davon ist sehr interessant. <\/p>\n<p>Zwischen dem Kollaps der Wolke und der fertigen Sonne passiert noch jede Menge, auf das m\u00f6chte ich heute aber nicht eingehen &#8211; \u00fcber diese Prozesse habe ich auch schon in jeder Menge anderer Folgen gesprochen. Heute geht es um das, was vor dem Kollaps der Wolke passiert ist beziehungsweise um das, was dazu gef\u00fchrt hat, dass die Wolke kollabiert ist. Es geht also um Dinge, die vor der Geburt der Sonne passiert sind, also gewisserma\u00dfen um die Vorfahren unserer Sonne.<\/p>\n<p>Zuerst aber m\u00fcssen wir eine Angelegenheit kl\u00e4ren: Wie um Himmels Willen soll man so etwas erforschen? Das ist alles ja schon Milliarden Jahre her. Wir k\u00f6nnen ja nicht in der Zeit zur\u00fcck reisen und wir k\u00f6nnen nicht einmal in der Zeit zur\u00fcck schauen, was in der Astronomie ja tats\u00e4chlich geht. Aber auch nur, wenn wir gleichzeitig in die Ferne schauen. Wenn wir Objekte betrachten, deren Licht Milliarden Jahre zu uns gebraucht hat, dann sehen wir sie auch so, wie sie vor Milliarden von Jahren ausgesehen haben. Aber das geht bei der Sonne nicht. Die ist ja keine Milliarden Lichtjahre entfernt sondern direkt hier, bei uns. Also: Wie wollen wir rausfinden, was in der Vergangenheit passiert. Das ist nicht einfach, aber nicht unm\u00f6glich. Denn die Vergangenheit hat Spuren hinterlassen, zum Beispiel in Form von sogenannten kurzlebigen Radionukleiden. So bezeichnet man radioaktive Elemente, deren Halbwertszeit weniger als 100 Millionen Jahren betr\u00e4gt. Die werden \u00fcberall im Universum bei diversen astrophysikalischen Prozessen erzeugt und sind daher auch \u00fcberall. Und weil das Zeug \u00fcberall ist, war es auch in der Wolke aus der die Sonne entstanden ist. Und wir finden diese Elemente auch heute noch in den Meteoriten, die ja die \u00dcberbleibsel aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems sind. Sie sind das Material, aus dem keine Planeten entstanden sind; das nicht Teil der Sonne geworden ist und wir k\u00f6nnen aus der Untersuchung der Meteoriten R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Zusammensetzung der Wolke ziehen, aus der Sonne und Sonnensystem entstanden ist.<\/p>\n<p>Wir finden in den Meteoriten zum Beispiel das Element Iridium 129 und wir finden es in ziemlich genau der Menge, in der es auch \u00fcberall sonst in der Milchstra\u00dfe zu finden ist. Das ist wenig \u00fcberraschend; das ist genau das, was man erwarten w\u00fcrde. Es gibt aber andere Elemente, bei denen das nicht so ist. Aluminium 26 zum Beispiel oder Eisen 60. Von denen finden wir mehr, als man erwarten w\u00fcrde. Das bedeutet, dass das nicht einfach Material ist, das halt einfach schon da war, als das Sonnensystem entstanden ist, weil diese Elemente halt \u00fcberall in der Milchstra\u00dfe zu finden sind. Das bedeutet, dass Elemente wie Aluminium 26 oder Eisen 60 nicht allzu lange vor der Geburt der Sonne nochmal lokal entstanden sind. Oder anders gesagt: Bevor die kosmische Wolke zur Sonne kollabiert ist, m\u00fcssen Prozesse abgelaufen sein, die nochmal frisches Aluminium 26 und Eisen 60 produziert haben. <\/p>\n<p>Was sind das f\u00fcr Prozesse? Wir wissen, dass diese Elemente zum Beispiel bei Supernova-Explosionen gebildet werden k\u00f6nnen, also dann, wenn ein massereicher Stern sein Leben explosiv beendet, nachdem in seinem Inneren die Kernfusion aufgeh\u00f6rt hat. Und lange Zeit war das auch die \u00fcbliche Erkl\u00e4rung: Eine Supernova hat in der Umgebung der kosmischen Wolke stattgefunden und dort die ganzen kurzlebigen Radionukleide reingepustet. Das ist nicht unrealistisch, aber wenn man das alles im Detail durchrechnet, dann gibt es Probleme. Um die beobachteten Mengen an Aluminium 26 und Eisen 60 in die kosmische Wolke zu bringen, m\u00fcsste so eine Supernova in so geringer Entfernung zur Wolke stattfinden, dass dadurch die Entstehung neuer Sterne massiv behindert wird. Weil so eine Supernova-Explosion kann zwar den Kollaps einer Wolke und damit die Sternentstehung ausl\u00f6sen. Findet sie zu nah an der Wolke statt, kann sie aber auch, vereinfacht gesagt, das Gas der Wolke so aufheizen und in der Gegend verteilen, so dass keine Sterne daraus entstehen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Das ganze muss also anders stattgefunden haben und bevor wir uns anschauen, wie das ausgesehen haben k\u00f6nnte, m\u00fcssen wir noch einen wichtigen Punkt kl\u00e4ren. Ich habe bis jetzt immer gesagt: Die Wolke kollabiert und daraus entsteht die Sonne. Und das ist auch richtig, aber es entsteht nicht nur die Sonne. Diese Wolken sind riesig und aus ihrem Kollaps entsteht weit mehr als nur ein Stern. Die Sonne hat hunderte oder tausende Geschwister; aus dem Kollaps sind jede Menge Sterne entstanden. Das ist wichtig, wenn wir verstehen wollen, wie das damals alles abgelaufen ist. <\/p>\n<p>Angefangen hat alles mit einer Riesenmolek\u00fclwolke, also einer enorm gro\u00dfen kosmischen Wolke, die vor allem aus Wasserstoff besteht. Und &#8222;enorm gro\u00df&#8220; hei\u00dft hier, dass die Wolke durchaus ein paar hundert Lichtjahre gro\u00df gewesen sein kann. Dort entstehen jede Menge massereiche Sterne, die so hei\u00df brennen, dass sie schon nach ein paar Millionen Jahren ihren Brennstoff f\u00fcr die Kernfusion aufgebraucht haben und als Supernovae explodieren. Dabei produzieren diese Sterne unter anderem jede Menge Eisen 60, dass sich in der Umgebung verteilt. Gleichzeitig regen die Supernova-Explosionen die Entstehung neuer Sterne an, weil sie weiteres Gas der Wolke zum kollabieren bringen. Es entsteht ein Sternhaufen, also jede Menge eng benachtbarte Sterne von denen mindestens einer wirklich gro\u00df ist, also eine Masse hat, die gr\u00f6\u00dfer als die 32fache Masse der Sonne ist. So ein gro\u00dfer Stern hat auch einen massiven Sternwind, dass hei\u00dft, er schleudert st\u00e4ndig Material aus seinen \u00e4u\u00dferen Schichten hinaus ins All. Und zu dem Material, dass solche gro\u00dfen Sterne st\u00e4ndig hinaus ins All pusten, geh\u00f6rt auch Aluminium 26. Gleichzeitig sorgen die Sternwinde daf\u00fcr, dass das Wasserstoffgas in der Wolke verdichtet wird. Wir haben nun also in der Umgebung dieser Riesensterne schalenartige Strukturen aus verdichteten Wasserstoff, in denen sich einerseits das Eisen 60 von den Sternen vom Anfang befindet und andererseits das Aluminium 26 aus den Sternwinden der gro\u00dfen Sterne, die danach gekommen sind. Und aus diesen verdichteten Bereichen entstehen nun noch einmal neue Sterne, und einer davon ist unsere Sonne. <\/p>\n<p>Man kann das alles entsprechend im Computer modellieren und schauen, wie viele Sterne jeweils entstehen m\u00fcssen, wann wie viele Sterne zur Supernova werden m\u00fcssen, wie viele gro\u00dfe Sterne mit Sternwind es braucht, und so weiter und dann pr\u00fcfen, welche Konfiguration am besten geeignet ist, um die beobachteten Mengen an Eisen 60 und Aluminium 26 im Sonnensystem zu erkl\u00e4ren. Das Ergebnis sieht dann so aus:<\/p>\n<p>Die Sonne ist, wenn man so will, die Enkelin eines Sternenkomplexes aus ein paar zehntausend massereichen Sternen. Sie ist die Tochter eines sehr massereichen Sterns, der Teil eines Sternhaufens war, der um die 1200 Sterne beinhaltet hat. Und die Sonne selbst ist gemeinsam mit ungef\u00e4hr 600 Geschwistern entstanden. Und nat\u00fcrlich hat man sich auch schon einen Namen f\u00fcr die &#8222;Mutter der Sonne&#8220; \u00fcberlegt, also diesen Stern mit mehr als 32 Sonnenmassen, der mit seinem Sternwind das Aluminium 26 erzeugt hat, das wir heute in den Meteoriten beobachten und das Wasserstoffgas so verdichtet hat, dass daraus sp\u00e4ter die Sonne mit ihren Geschwistern entstehen hat k\u00f6nnen. Matthieu Gounelle und Georges Meynet, die beiden Forscher die dieses Modell entwickelt haben, haben ihm den Namen &#8222;Coatlicue&#8220;. W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt bedeutet das &#8222;Die mit dem Schlangenrock&#8220; und es ist der Name einer aztekischen G\u00f6ttin. Einer G\u00f6ttin, die unter anderem die Mutter des aztekischen Sonnengottes ist. <\/p>\n<p>Die Mutter unserer Sonne existiert allerdings nicht mehr. Coatlicue ist schon vor Milliarden von Jahren als Supernova explodiert. So gro\u00dfe Sterne leben nicht lange, weil die Kernfusion in ihrem Inneren so enorm schnell abl\u00e4uft. Aber ihre kleine Tochter, die Sonne, hat zum Gl\u00fcck ein viel l\u00e4ngeres Leben vor sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][Apple]Spotify][Facebook] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. 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