{"id":28165,"date":"2025-03-07T07:00:30","date_gmt":"2025-03-07T06:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2025\/03\/07\/sternengeschichten-folge-641-w44-die-supernova-und-das-fluechtende-schwarze-loch\/"},"modified":"2025-05-14T17:41:17","modified_gmt":"2025-05-14T15:41:17","slug":"sternengeschichten-folge-641-w44-die-supernova-und-das-fluechtende-schwarze-loch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2025\/03\/07\/sternengeschichten-folge-641-w44-die-supernova-und-das-fluechtende-schwarze-loch\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 641: W44 &#8211; Die Supernova und das fl\u00fcchtende schwarze Loch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/audio.podigee-cdn.net\/1809808-m-4ce4ea05dbaf6e7aef419edb65e27f34.mp3?source=feed\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/Vaca-OIUx2g\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">Apple<\/a>]<a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/641-sternengeschichten-folge-641-w44-die-supernova-und-das-fluchtende-schwarze-loch\/embed?context=external&#038;token=AhTWnub8TwynqrzvK1sz0Q\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p>Sternengeschichten Folge 641: W44 &#8211; Die Supernova und das fl\u00fcchtende schwarze Loch<\/p>\n<p>Am 31. Dezember 1958 hat der niederl\u00e4ndische Astronom Gart Westerhout die Ergebnisse seiner Beobachtungen mit dem Dwingeloo-Radioteleskop ver\u00f6ffentlicht, dass damals mit einem Durchmesser von 25 Metern das gr\u00f6\u00dfte der Welt war. Er hat damit unter anderem die Gegend um den galaktischen \u00c4quator abgesucht und dabei im Sternbild Adler einen Supernova-\u00dcberrest entdeckt. Das ist, wenig \u00fcberraschend, dass, was \u00fcbrig bleibt, wenn ein gro\u00dfer Stern am Ende seines Lebens bei einer Supernova explodiert. Also jede Menge Gas, das sich mit hoher Geschwindigkeit in alle Richtungen ausbreitet. Damals war es nur ein Eintrag in einem Katalog, mit der Bezeichnung W44. Heute ist der Supernova-\u00dcberrest W44 Thema jeder Menge wissenschaftlicher Arbeiten und ein einzigartiges Forschungsobjekt, das uns vielleicht zeigt, wie man das Unsichtbare in der Milchstra\u00dfe entdecken kann.<\/p>\n<p>Fangen wir mit den Grundlagen an. W44 ist um die 10.000 Lichtjahre von uns entfernt. Der Supernova-\u00dcberrest ist zwischen 17.000 und 20.000 Jahren alt; vielleicht auch \u00e4lter, das l\u00e4sst sich leider nicht so genau sagen. Das erste, was W44 besonders macht, ist seine Umgebung. Der Supernova\u00fcberrest befindet sich direkt in einer Molek\u00fclwolke. Das sind die riesigen Wolken aus Gas und Staub die sich \u00fcberall zwischen den Sternen befinden und aus denen neue Sterne entstehen k\u00f6nnen. Normalerweise sind Supernova\u00fcberreste halbwegs symmetrisch, weil das Gas aus den \u00e4u\u00dferen Schichten des explodierenden Sterns in alle Richtungen davon geschleudert wird. Bei W44 ist das nicht so. In der nordwestlichen Region sieht man die charakteristischen Gasstr\u00f6me eines Supernova\u00fcberrestes. In der s\u00fcd\u00f6stlichen Ecke dagegen sto\u00dfen diese Gase auf das Gas der Molek\u00fclwolke. So eine Wechselwirkung zwischen Supernova und Molek\u00fclwolke kann man nur ganz selten beobachten und alleine das macht W44 schon besonders und genau deswegen wird so intensiv daran geforscht. Unter anderem hat das auch der japanische Astronom Masaya Yamada von der Keio Universit\u00e4t mit seinem Team gemacht. Sie wollten herausfinden, wie viel Energie von der Supernova-Explosion auf das Gas der Molelek\u00fclwolke \u00fcbertragen wird, unter anderem deswegen, weil diese Energie nat\u00fcrlich dort die Entstehung neuer Sterne anregen kann. Entdeckt haben sie aber etwas ganz anderes mit dem sie \u00fcberhaupt nicht gerechnet haben.<\/p>\n<p>Wenn man herausfinden will, wie viel Energie von der Supernova auf die Molek\u00fclwolke \u00fcbertragen wird, muss man messen, wie sich das Gas bewegt und vor allem wie schnell sich das Gas bewegt. Dabei haben Yamada und sein Team eine Region entdeckt, wo sich das Gas enorm schnell bewegt. Es war mit \u00fcber 100 Kilometer pro Sekunde unterwegs, was deutlich schneller ist, als sich Gas dort bewegen sollte. Dieser Bereich aus schnellem Gas ist ungef\u00e4hr 2 Lichtjahre gro\u00df und sehr lang gestreckt. Es sieht aus wie ein Finger aus Gas, der sich aus der Wolke nach au\u00dfen streckt. Die Spitze dieses Fingers ist dabei am schnellsten unterwegs, mit circa 120 Kilometer pro Sekunde, der Rest ist langsamer. Die Energie, die n\u00f6tig ist, um diese Gasmassen so stark zu beschleunigen, ist ein paar Dutzend Mal gr\u00f6\u00dfer als alles, was die Supernova liefern h\u00e4tte k\u00f6nnen. Was also passiert dort? Was treibt das Gas mit dieser enormen Geschwindigkeit durchs All?<\/p>\n<p>Yamada und sein Team habe zwei M\u00f6glichkeiten vorgeschlagen. Die erste haben sie das &#8222;Explosionsmodell&#8220; genannt. Es f\u00e4ngt alles ganz normal an, mit dem explodierenden Stern, der seine Gasschichten hinaus ins All schleudert. Wenn dann auf einmal hinter so einer Gasschicht noch eine Explosion stattfindet, k\u00f6nnte die daf\u00fcr sorgen, dass ein Teil des Gases noch st\u00e4rker beschleunigt wird und sich Finger ausbildet, wie der, den man beobachtet hat. Nur: Was soll da explodieren? Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re eine zweite Supernova, die unabh\u00e4ngig von der ersten stattgefunden hat. Die Chancen, das in einer vergleichsweise kleinen Region des Weltalls zwei Sterne so kurz hintereinander explodieren, sind zwar gering. Aber unm\u00f6glich ist es nicht. <\/p>\n<p>Genauso wie eine andere Ursache f\u00fcr die Explosion. Vielleicht ist es auch so gelaufen: Der urspr\u00fcngliche Stern explodiert und schleudert sein Gas in alle Richtungen, soweit ist alles wie vorhin. Dann aber trifft dieses Gas auf ein Hindernis, n\u00e4mlich ein schwarzes Loch. Das Gas, das in der N\u00e4he dieses schwarzen Lochs vorbei str\u00f6mt, wird davon angezogen, wirbelt enorm schnell herum und bildet eine Scheibe um das Loch. Dabei wird sehr viel Strahlung frei, die den Rest der urspr\u00fcnglichen Gasschichten wie eine Explosion antreibt. Man kann sich das schwarze Loch wie eine Art Tretmine vorstellen. Das schwarze Loch ist irgendwann sehr viel fr\u00fcher entstanden, aus einem noch viel gr\u00f6\u00dferen Stern, der am Ende seines Lebens ebenfalls explodiert und dann kollabiert ist. Das ist aber schon so lange her, dass man hier keine Supernova\u00fcberreste mehr erkennen kann; das ganze Gas ist weg und das schwarze Loch liegt unsichtbar f\u00fcr den Rest der Welt herum. Dann aber kommt vor ein paar zehntausend Jahren die j\u00fcngere Supernova und schleudert ihr Gas durch die Gegend. Es str\u00f6mt in alle Richtung, ein Teil davon trifft auf das schwarze Loch, dass dadurch quasi aktiviert wird. Das Loch beschleunigt das Gas stark, bevor es verschluckt wird und dabei wird enorm viel Strahlung frei. Oder anders gesagt: Die Mine wird aktiviert, sie explodiert und treibt den Rest des Gases voran. <\/p>\n<p>Das ist schon recht spektakul\u00e4r, was aber auch f\u00fcr das zweite Modell gilt, das &#8222;Schu\u00df-Modell&#8220;. Es k\u00f6nnte auch sein, dass sich von irgendwo anders her im Weltall ein sehr dichtes, sehr schnelles Objekt auf den Supernova\u00fcberrest und die Wolke zubewegt hat. Das wirkt dann quasi so wie eine Pistolenkugel, die in die Gasmassen hinein geschossen wird und wenn diese Kugel schnell genug unterwegs ist, kann sie Gas mit sich rei\u00dfen und so die beobachtete Fingerstruktur bilden. In der Spitze des 2 Lichtjahre langen Gasfingers w\u00fcrde sich in diesem Modell immer noch das dichte, schnelle Objekt befinden, das bei seinem Flug das Gas mit sich nimmt. Und was f\u00fcr ein dichtes, schnelles Objekt k\u00f6nnte das sein? Das ist das spannende an der Sache: Auch hier kommt eigentlich nur ein schwarzes Loch in Frage. Beide Modelle zur Erkl\u00e4rung der seltsamen Gasfinger-Struktur ben\u00f6tigen ein schwarzes Loch. Im ersten Fall, beim Explosionsmodell ist es ein recht kleines schwarzes Loch, das nur circa 3,5 Mal so viel Masse wie unsere Sonne hat. Bei Schu\u00df-Modell muss es mehr sein; da braucht man um die 36 Sonnenmassen. <\/p>\n<p>Was es genau ist, kann man nur durch genauere Beobachtungen herausfinden. Der eigentlich wichtige Punkt aber ist: W44 hat uns vielleicht einen Weg ge\u00f6ffnet, wie man ansonsten unsichtbare schwarze L\u00f6cher entdecken kann. Wir wissen, dass es jede Menge davon in der Milchstra\u00dfe geben muss. Alle ausreichend gro\u00dfe Sterne werden zu schwarzen L\u00f6chern, wenn sie nicht mehr genug Material f\u00fcr die Kernfusion haben. Aber schwarze L\u00f6cher kann man eben nicht sehen. Man sieht nur ihre Auswirkungen auf ihre Umgebung, zum Beispiel wenn da irgendwo Gas oder anderes Material ist, dann in sie f\u00e4llt und davor noch jede Menge Strahlung abgibt. Wir k\u00f6nnen die Anwesenheit eines schwarzen Lochs auch bemerken, wenn es Teil eines Doppel- oder Mehrfachsternsystems ist oder sich vergleichsweise nahe an anderen Sternen vorbei bewegt. Dann sehen wir den Einfluss der Gravitationskraft des schwarzen Lochs auf die Sterne und k\u00f6nnen auf seine Anwesenheit schlie\u00dfen. Ein isoliertes schwarzes Loch, das sich allein irgendwo im Weltall befindet, k\u00f6nnen wir allerdings nicht sehen. Aber, das hat uns die Erforschung von W44 gezeigt, wenn wir uns die Molek\u00fclewolken und Supernova\u00fcberreste genau anschauen und nach Gas suchen, dass sich schneller bewegt, als es sollte: Dann haben wir eine Chance, den schwarzen L\u00f6chern auf die Spur zu kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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