{"id":27957,"date":"2024-03-01T07:00:30","date_gmt":"2024-03-01T06:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2024\/03\/01\/sternengeschichten-folge-588-fomalhaut-der-staubige-mund-des-fisches\/"},"modified":"2025-05-14T17:39:35","modified_gmt":"2025-05-14T15:39:35","slug":"sternengeschichten-folge-588-fomalhaut-der-staubige-mund-des-fisches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2024\/03\/01\/sternengeschichten-folge-588-fomalhaut-der-staubige-mund-des-fisches\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 588: Fomalhaut &#8211; der staubige Mund des Fisches"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/audio.podigee-cdn.net\/1378566-m-c7fc4158fbfb043afb1456371dce4044.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/NAy4T9OBB5Y\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">Apple<\/a>]<a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>][<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/588-sternengeschichten-folge-588-fomalhaut-der-staubige-mund-des-fisches\/embed?context=external\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 588: Fomalhaut &#8211; der staubige Mund des Fisches<\/strong><\/p>\n<p>25 Lichtjahre von der Erde entfernt hat der Fisch sein riesiges Maul ge\u00f6ffnet. Denn das ist es, was der arabische Name des Sterns Fomalhaut bedeutet: Das &#8222;Maul des Fisches&#8220;. Und passenderweise befindet sich der Stern auch im Sternbild &#8222;S\u00fcdlicher Fisch&#8220;. Von Mitteleuropa aus ist es und damit auch der Stern nur im Sp\u00e4tsommer zu sehen, aber Fomalhaut geh\u00f6rt zu den hellsten Sternen am Himmel; er ist der 18. hellste Stern, wenn man genau sein will. Er ist daher schon in den fr\u00fchesten Sternkatalogen zu finden aber wie beeindruckend dieser Stern wirklich ist, haben wir erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt, als wir ihn mit gro\u00dfen Teleskopen beobachtet haben.<\/p>\n<p>Aber bleiben wir zuerst noch bei den Grundlagen. Fomalhaut ist hell; er leuchtet ungef\u00e4hr 17 mal so hell wie unsere Sonne. Er ist auch knapp doppelt so gro\u00df und schwer wie unser Stern und dementsprechend hei\u00dfer, mit einer Oberfl\u00e4chentemperatur von \u00fcber 8000 Grad. Er geh\u00f6rt zum Spektraltyp A, das bedeutet, dass es sich um einen gro\u00dfen, hei\u00dfen und noch recht jungen Stern handelt; Fomalhaut ist erst gut 400 Millionen Jahre alt und wie es bei so gro\u00dfen Sternen \u00fcblich ist, wird er auch nicht allzu lange existieren und nur knapp eine Milliarde Jahre alt werden.<\/p>\n<p>Fomalhaut muss sein vergleichsweise kurzes Sternenleben aber nicht alleine verbringen; er ist Teil eines Dreifachsternsystems &#8211; allerdings eines, das ein wenig un\u00fcblich ist. Sein erster Partner ist der Stern TW Piscis Austrini, oder auch Fomalhaut B. Es handelt sich um einen kleineren, eher sonnen\u00e4hnlichen Stern, der aber fast ein ganzes Lichtjahr von Fomalhaut entfernt ist. So gro\u00dfe Distanzen sind bei Doppelsternen eher un\u00fcblich und der dritte Stern des Systems ist noch weiter entfernt. Fomalhaut C oder auch LP 876-10 ist ein kleiner roter Zwergstern mit einem Abstand von 2,5 Lichtjahren. Trotzdem h\u00e4ngen alle drei zusammen und das sie ein Mehrfachsystem bilden, bei dem die einzelnen Sterne so weit auseinander liegen, ist nicht die einzige Besonderheit. Aber dazu kommen wir sp\u00e4ter noch, jetzt werfen wir einen genaueren Blick auf Fomalhaut. <\/p>\n<p>Schon 1983 hat man dort einen Infrarot-Exzess entdeckt. Und mit &#8222;Exzess&#8220; ist keine wilde Party gemeint, sondern ein \u00dcberschuss. Oder anders gesagt: Man hat mehr Infrarotstrahlung gesehen, als bei einem Stern wie Fomalhaut eigentlich zu erwarten war. Die Ursache daf\u00fcr war schnell gefunden: Der Stern ist von einer Scheibe aus Staub umgeben. Dieser Staub wird durch die Strahlung des Sterns aufgeheizt und gibt die W\u00e4rme dann wieder ab, in Form von Infrarotstrahlung. Fomalhaut war einer der ersten Sterne, bei denen man so etwas entdeckt hat, aber bis man seine Staubscheibe auch im Detail sehen konnte, hat es noch ein wenig gedauert. Zum Gl\u00fcck haben wir mittlerweile viele Infraroteleskope im Weltall, die die W\u00e4rmestrahlung des Staubs detektieren und ein genaues Bild der Scheibe um Fomalhaut machen k\u00f6nnen. Beziehungsweise: Der Scheiben, denn es gibt mehrere. Der Stern ist von Staubringen umgeben von denen der innerste fast direkt am Stern dran ist. Die Staubteilchen dort sind sehr klein, nur ein paar Dutzend Nanometer gro\u00df. Gr\u00f6\u00dfere Partikel gibt es weiter au\u00dfen in einem Ring, der &#8211; wenn man ihn unser Sonnensystem versetzen w\u00fcrde, so breit w\u00e4re wie der Abstand zwischen den Umlaufbahnen von Merkur und Erde. Dann kommt eine L\u00fccke und dann noch eine breite \u00e4u\u00dfere Staubscheibe, die so breit ist wie fast das ganze Sonnensystem bis hin zur Umlaufbahn von Neptun und sich bei einem Abstand von gut 130 Astronomischen Einheiten befindet, also mehr als dreimal so weit, wie der Pluto von der Sonne entfernt ist. <\/p>\n<figure id=\"attachment_36857\" aria-describedby=\"caption-attachment-36857\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Fomalhaut_Dusty_Debris_Disk_MIRI_Compass_Image-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fomalhaut_Dusty_Debris_Disk_MIRI_Compass_Image-1-1024x885-1.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"553\" class=\"size-large wp-image-36857\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36857\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Fomalhaut_Dusty_Debris_Disk_(MIRI_Compass_Image).png\">Bild: Public Domain<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Staub um einen Stern herum ist erstmal nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich. Alle Sterne fangen mit Staub an; sie entstehen ja aus gro\u00dfen Wolken voller Gas und Staub und davon bleibt immer ein bisschen was \u00fcbrig, das sich dann in einer Scheibe um den jungen Stern herum ansammelt. Wir k\u00f6nnen die ganzen Staubteilchen nat\u00fcrlich nicht direkt sehen. Aber wie ich schon gesagt habe: Sie erw\u00e4rmen sich durch die Strahlung des Sterns und sie geben die W\u00e4rme in Form von Infrarotstrahlung wieder ab. Und die Wellenl\u00e4nge dieser Strahlung h\u00e4ngt von der Gr\u00f6\u00dfe der Staubteilchen ab. Deswegen wissen wir auch, dass die Staubteilchen in der \u00e4u\u00dferen Scheibe circa ein paar Mikrometer gro\u00df sind. Und das ist interessant: Denn Staub dieser Art sollte eigentlich rein durch den Druck der Strahlung des Sterns quasi davon gepustet werden. Das geht vergleichsweise schnell und bei einem Alter von 400 Millionen Jahre sollte nichts mehr davon \u00fcbrig sein. <\/p>\n<p>Jetzt ist da aber noch was und zwar jede Menge und das bedeutet, dass dieser Staub immer wieder nach produziert werden muss. Das kann durch Kollisionen passieren: Wenn sich dort viele Asteroiden und Kometen tummeln, dann k\u00f6nnen die miteinander zusammensto\u00dfen und dabei Staub produzieren. Aus den Beobachtungsdaten kann man ausrechnen, dass man ungef\u00e4hr 10 Billionen Kometen mit einer typischen Gr\u00f6\u00dfe von einem Kilometer braucht, um so viel Staub zu produzieren, wie man bei Fomalhaut beobachtet. Das klingt nach viel &#8211; das ist auch viel &#8211; aber es ist nicht unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel. Auch die Erde ist von einer Wolke aus Kometen umgeben &#8211; der Oortschen Wolke \u00fcber die ich in Folge 321 mehr erz\u00e4hlt habe &#8211; und man sch\u00e4tzt, dass sich dort ebenfalls ein paar Billionen Objekte befinden. Wir wissen auch, dass sich die Objekte der Oortschen Wolke urspr\u00fcnglich in einer Scheibe in den inneren Bereichen des Sonnensystems befunden haben und wir wissen, dass es auch bei uns heute noch Scheiben aus Asteroiden und Kometen gibt, die wir &#8222;Asteroideng\u00fcrtel&#8220; nennen. Hinter der Bahn des Neptun ist zum Beispiel der Kuiperg\u00fcrtel und der muss bei der Entstehung des Sonnensystems eine gesamte Masse gehabt haben, die ungef\u00e4hr dem 30fachen der Erdmasse entspricht. Bei Fomalhaut braucht man eine entsprechende Masse im Ring von 110 Erdmassen, was &#8211; wie gesagt &#8211; nicht unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel mehr ist.<\/p>\n<p>Und wir d\u00fcrfen nicht vergessen: Fomalhaut ist sehr viel j\u00fcnger als die Sonne. Unser Stern ist 5 Milliarden Jahre alt; Fomalhaut erst 400 Millionen Jahre. Wir hatten sehr viel mehr Zeit, in der das ganze Zeug, das fr\u00fcher da war, in die Oortsche Wolke oder den interstellaren Raum verabschiedet hat. Fomalhaut sitzt, vereinfacht gesagt, immer noch in einer gro\u00dfen Menge des Staubs rum, aus dem er geboren worden ist. Obwohl, das ist schon fast zu vereinfacht. Wenn das so w\u00e4re, dann w\u00e4re da ja NUR Staub und das trifft vermutlich sogar auf die inneren Scheiben zu. In der \u00e4u\u00dferen Scheibe muss sich der Staub aber schon zu gr\u00f6\u00dferen Objekten, eben den Kometen und Asteroiden, zusammengeballt haben und die produzieren jetzt neuen Staub durch Kollision.<\/p>\n<figure id=\"attachment_36858\" aria-describedby=\"caption-attachment-36858\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ALMA_observes_a_ring_around_the_bright_star_Fomalhaut-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ALMA_observes_a_ring_around_the_bright_star_Fomalhaut-1-1024x697-1.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"436\" class=\"size-large wp-image-36858\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36858\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:ALMA_observes_a_ring_around_the_bright_star_Fomalhaut.jpg\">Bild: public domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber wenn sich aus dem Staub Asteroiden und Kometen gebildet haben: Haben sich da vielleicht auch schon Planeten gebildet? Weil so ist es ja bei uns weitergegangen: Zuerst war nur Staub, dann Asteroiden und Kometen und daraus sind dann die Planeten entstanden. Und die L\u00fccke zwischen den Staubringen bei Fomalhaut wei\u00dft auch darauf hin, dass da vielleicht schon gr\u00f6\u00dfere Objekte sind, die mit ihrer Gravitationskraft den Staub durcheinander bringen. Tats\u00e4chlich hat man 2008 die Entdeckung eines Planeten bei Fomalhaut verk\u00fcndet. Und nicht nur das, man hat diesen Planeten sogar gesehen. Das Hubble-Weltraumteleskop hat ein Bild gemacht, bei dem der Planet als kleiner Lichtpunkt inmitten der Staubringe von Fomalhaut zu sehen war. Ungef\u00e4hr so halb so schwer wie Jupiter, und circa 114 mal weiter von seinem Stern entfernt als die Erde von der Sonne. Man hat dem Planeten den Namen &#8222;Dagon&#8220; gegeben, nach einem mesopotamischen Wetter-Gott, der als Fisch dargestellt wurde. Und wenn es Dagon wirklich geben w\u00fcrde, dann w\u00e4re er ein nicht nur enorm spannender Planet, sondern auch der erste Planet gewesen, den man direkt auf diese Art gesehen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Aber ich verwende nicht umsonst den Konjunktiv. Man hatte schon einige Jahre nach seiner Entdeckung vermutet, dass es vielleicht etwas anders ist; eventuell kein Planet sondern eine dichte Wolke aus Staub und Tr\u00fcmmern, die bei einer Kollision zwischen zwei gr\u00f6\u00dferen Asteroiden entstanden ist. Das konnte 2020 best\u00e4tigt werden: In den Daten der vergangenen Jahre sah man deutlich, dass der &#8222;Planet&#8220; immer gr\u00f6\u00dfer wurde und gleichzeitig immer weniger hell leuchtete. Also genau das, was man erwartet, wenn sich eine Tr\u00fcmmerwolke im Laufe der Zeit immer weiter ausbreitet. <\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass es dort keine Planeten gibt. Aber entweder haben wir sie noch nicht entdeckt, oder aber sie m\u00fcssen erst noch entstehen. Und wenn nicht dort, dann vielleicht bei Fomalhaut C. Denn auch bei dem kleinen, fernen Begleitstern hat man 2013 eine Staubscheibe entdeckt. Und auch dort hat man Hinweise auf die Existenz von Kometen und Asteroiden gefunden. Ich habe vorhin schon erw\u00e4hnt, dass das Dreifachsternsystem wegen seiner gro\u00dfen Abst\u00e4nde au\u00dfergew\u00f6hnlich ist; ein Dreifachsternsystem mit zwei Staubscheiben ist allerdings WIRKLICH was besonderes. Was auch immer da im Maul des Fisches passiert, wird die Astronomie noch lange Zeit besch\u00e4ftigen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"4bef7707e08d42f9ac034cd1192cd030\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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