{"id":27854,"date":"2023-12-01T07:00:21","date_gmt":"2023-12-01T06:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/12\/01\/sternengeschichten-folge-575-omega-centauri\/"},"modified":"2025-05-14T17:34:31","modified_gmt":"2025-05-14T15:34:31","slug":"sternengeschichten-folge-575-omega-centauri","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/12\/01\/sternengeschichten-folge-575-omega-centauri\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 575: Omega Centauri"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/audio.podigee-cdn.net\/1287420-m-12cf97a4180e9e1fb80436985c860989.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/VodUpXh05Sk\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">Apple<\/a>]<a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>][<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/575-sternengeschichten-folge-575-omega-centauri\/embed?context=external&#038;token=CLyZkbzlgALsCzmpepT1RQ\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 575: Omega Centauri<\/strong><\/p>\n<p>Betrachtet man das Sternbild des Zentauren, dann sieht man an seinem R\u00fccken einen sehr schwach leuchtenden nebligen Fleck. Und wenn man diesen Fleck wirklich betrachten will, dann sollte man auch wissen, dass das Sternbild von Mitteleuropa aus so gut wie gar nicht sichtbar ist; am besten ist es also, man befindet sich auf der S\u00fcdhalbkugel. Idealerweise hat man auch eine Sternkarte mit dabei, damit man in den vielen Sternen die Figur des mythologischen Wesens, halb Mensch, halb Pferd erkennen kann und wei\u00df, wo der R\u00fccken ist. Und ein Fernglas schadet auch nicht, denn der schwach leuchtende neblige Fleck leuchtet wirklich nur sehr schwach, wenn man ohne Hilfsmittel hinsieht. Aber wenn dann alles klappt, kann man sich dar\u00fcber freuen, den Kugelsternhaufen Omega Centauri gesehen zu haben!<\/p>\n<p>Ich habe ihn schon in den Folgen 444 und 516 kurz erw\u00e4hnt, aber weil es ein wirklich spannendes Himmelsobjekt ist, lohnt es sich, auch einmal l\u00e4nger dar\u00fcber zu reden und genau das werde ich jetzt tun. Das Sternbild des Zentauren kannte man schon in der Antike und der griechische Astronom Ptolem\u00e4us hat in seinem Werk &#8222;Almagest&#8220; schon vor fast 2000 Jahren darauf hingewiesen, dass da \u00fcber der Schulter des Wesens ein leuchtender Punkt ist. Im 17. Jahrhundert bekam das Objekt dann vom deutschen Astronom Johann Bayer die Bezeichnung &#8222;Omega Centauri&#8220;, was eigentlich eine Bezeichnung f\u00fcr einen Stern ist. Aber Bayer hatte f\u00fcr seine Arbeit auch noch kein Teleskop zur Verf\u00fcgung &#8211; der englische Astronom Edmond Halley ein paar Jahrzehnte sp\u00e4ter aber schon. Und er stellte korrekt fest, dass es sich bei Omega Centauri nicht um einen Stern handelt, als er das Objekt im Jahr 1677 bei seinen Beobachtungen von der S\u00fcdhalbkugel aus beobachtet hat.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert wurde es dann als &#8222;Nebel&#8220; in den entsprechenden astronomischen Listen gef\u00fchrt und erst 1826 wurde Omega Centauri als das bezeichnet, was er wirklich ist: N\u00e4mlich ein Kugelsternhaufen. Der schottische Astronom James Dunlop schrieb in seiner Arbeit &#8222;Ein Katalog von Nebeln und Haufen in der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re&#8220;, dass es sich dabei um eine &#8222;wundersch\u00f6ne Kugel aus Sternen&#8220; handelt, die zur Mitte hin immer dichter werden.<\/p>\n<p>Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie ein Kugelsternhaufen aussieht. Der Name ist definitiv nicht falsch gew\u00e4hlt: Es ist eine kugelf\u00f6rmige Ansammlung von Sternen. In der Mitte stehen sie sehr dicht beeinander, zum Rand hin werden es immer weniger. Alle Sterne eines Haufens sind durch ihre wechselseitigen Gravitationskr\u00e4fte aneinander gebunden und man findet diese Objekte meistens in den \u00e4u\u00dfersten Bereichen einer Galaxie. Sie und die Sterne aus denen sie bestehen sind typischerweise sehr alt und ebenso typischerweise findet man in so einem Haufen ein paar hunderttausend Sterne. <\/p>\n<figure id=\"attachment_36742\" aria-describedby=\"caption-attachment-36742\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/omegacentauri.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/omegacentauri-1024x934-1.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"584\" class=\"size-large wp-image-36742\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36742\" class=\"wp-caption-text\">Omega Centauri (<a href=\"https:\/\/esahubble.org\/images\/heic0809a\/\">Bild: NASA, ESA and the Hubble Heritage Team (STScI\/AURA)<br \/>Acknowlegement: A. Cool (San Francisco State Univ.) and J. Anderson (STScI)<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Omega Centauri ist aber alles andere als typisch. Dieser Haufen hat einen Durchmesser von 150 Lichtjahren und besteht aus gut 10 Millionen Sternen. Damit ist er der gr\u00f6\u00dfte Kugelsternhaufen in unserer Milchstra\u00dfe und auch der hellste, den wir am Nachthimmel sehen k\u00f6nnen und das, obwohl er gut 16.000 Lichtjahre von uns entfernt ist. 10 Millionen Sterne in einer Kugel von 150 Lichtjahren Durchmesser: Das ist schon einiges. In der Zentralregion von Omega Centauri stehen die Sterne wirklich dicht an dicht. Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Sternen dort liegt bei circa einem Zehntel Lichtjahr. Der Abstand der Sonne von ihrem n\u00e4chsten Nachbarstern betr\u00e4gt 4 Lichtjahre. <\/p>\n<p>Wir wissen noch nicht genau, wie Kugelsternhaufen entstehen. Aber wir gehen davon aus, dass die Sterne dort alle mehr oder weniger zur gleichen Zeit aus der selben riesigen kosmischen Gaswolke entstanden sind. Das passt auch zu den Beobachtungen, die zeigen, dass die Sterne in den meisten Kugelsternhaufen alle mehr oder weniger gleich alt sind. Und wieder zeigt sich, dass Omega Centauri alles andere als typisch ist. Hier gibt es Sterne diverser Generationen und das sagt uns, dass Omega Centauri vielleicht gar kein Kugelsternhaufen ist, sondern nur so aussieht als w\u00e4re er einer.<\/p>\n<p>Wir wissen ja auch, dass die Milchstra\u00dfe in der Vergangenheit immer wieder kleinere Galaxien verschluckt hat. In der Umgebung gro\u00dfer Galaxien gibt es jede Menge kleinere Zwerggalaxien. Wenn die sich zu nahe kommen, kann die gr\u00f6\u00dfere Galaxie die kleineren Sternensysteme mit ihrer Gravitationskraft regelrecht auseinander rei\u00dfen. Ich habe in Folge 177 ausf\u00fchrlich \u00fcber diese Prozesse gesprochen &#8211; aber am Ende so eines Vorgangs verteilen sich die Sterne der Zwerggalaxie in der Milchstra\u00dfe und es bleiben kaum Spuren zur\u00fcck. Wir k\u00f6nnen aber mit etwas Gl\u00fcck noch &#8222;Sternstr\u00f6me&#8220; beobachten, also quasi lange Ketten aus Sternen, die sich um und durch die Milchstra\u00dfe winden und die die letzten \u00dcberbleibsel sich aufl\u00f6senden Zwerggalaxien sind. Wenn so eine Zwerggalaxie aber einen sehr dicht mit Sternen besiedelten Zentralbereich hat, kann der die Aufl\u00f6sung vielleicht \u00fcberleben. Eben weil die Sterne dort so dicht an dicht stehen, halten sie sich durch ihre Gravitationskraft quasi gegenseitig fest. Die weiter au\u00dfen liegenden Sterne der Zwerggalaxie werden im Laufe der Zeit abgel\u00f6st und verteilen sich, aber der Zentralbereich bleibt \u00fcbrig und sieht dann aus wie &#8211; ja, eine gro\u00dfe Kugel aus Sternen. Genau so also, wie Omega Centauri. Und weil es eben kein Kugelsternhaufen ist, sondern die zentrale Region einer ehemaligen Galaxie, findet man in Omega Centauri nicht nur mehr Sterne als erwartet sondern auch Sterne mit unterschiedlichem Alter. <\/p>\n<p>Im Jahr 2019 wurde dann tats\u00e4chlich auch ein Sternstrom entdeckt, der sich ganz in der N\u00e4he von Omega Centauri befindet. Die Sterne, die diesen Strom bilden haben ein \u00e4hnliches Alter wie die in Omega Centauri und Computersimulationen der Bewegung der Sterne haben gezeigt, dass dieser Strom tats\u00e4chlich seinen Ursprung in Omega Centauri hat. Der Sternstrom hat den Namen &#8222;Fimbulthul&#8220; bekommen, nach einem Fluss aus der nordischen Mythologie und mit dieser Entdeckung ist ziemlich klar, dass Omega Centauri wirklich der letzte \u00fcberlebende Rest einer ehemaligen Galaxie ist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MarcYg2T9Aw?si=DRDxuoEhYNswAk7m\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Und wenn das so ist: Sollte man dort nicht noch etwas anderes finden? In den Zentren der gro\u00dfen Galaxien befindet sich ja ein supermassereiches schwarzes Loch. Steckt in Omega Centauri also auch eines drin? Na ja &#8211; das ist schwer zu sagen. Wir wissen, dass supermassereiche schwarze L\u00f6cher in den Zentren der GROSSEN Galaxien sind, also in Galaxien wie der Milchstra\u00dfe oder der Andromedagalaxie. Bei Zwerggalaxien ist das nicht so klar. Wenn, dann sind es auf jeden Fall schwarze L\u00f6cher, die deutlich weniger Masse haben. Nicht ein paar Millionen oder Milliarden mal so viel Masse wie die Sonne, sondern vielleicht nur ein paar zehntausend mal so viel. <\/p>\n<p>Im Jahr 2008 hat man sich die Bewegung der Sterne im innersten Bereich von Omega Centauri ganz genau angesehen. Wie schnell sich Sterne in so einem Haufen bewegen h\u00e4ngt ja unter anderem von der Gesamtmasse des Haufens ab. Die Beobachtungen haben aber gezeigt, dass sich die Sterne in Omega Centauri schneller bewegen als sie es sollten, wenn da wirklich nur die Menge an Sternen drin ist, die wir sehen k\u00f6nnen und sonst nichts. Um die Bewegung der Sterne zu erkl\u00e4ren fehlen noch circa 40.000 Sonnenmassen, die sich im Zentrum des Haufens befinden m\u00fcssen. Oder anders gesagt: Im Zentrum von Omega Centauri befindet sich ein schwarzes Loch mit der 40.000fachen Masse der Sonne.<\/p>\n<p>Solche Objekte nennt man &#8222;intermedi\u00e4re schwarze L\u00f6cher&#8220; oder &#8222;mittelgro\u00dfe schwarze L\u00f6cher&#8220; um sie von den stellaren schwarzen L\u00f6cher zu unterscheiden, die beim Tod eines gro\u00dfen Sterns entstehen und von den supermassereichen schwarzen L\u00f6cher in den Zentren der gro\u00dfen Galaxien abzugrenzen. Wir haben bis jetzt noch nicht so viele von diesen mittleren schwarzen L\u00f6chern entdeckt, was schade ist. Denn wir wissen ja immer noch nicht genau, wie die supermassereichen schwarzen L\u00f6cher entstehen. Aber wenn wir w\u00fcssten, dass es in gro\u00dfen Kugelsternhaufen h\u00e4ufiger solche mittleren schwarzen L\u00f6cher gibt, w\u00e4re das eine spannende Information. Denn es ist klar, dass die supermassereichen schwarzen L\u00f6cher nicht direkt entstehen k\u00f6nnen. Nach allem was wir wissen ist es nicht m\u00f6glich, dass da irgendwas ist, was in sich zusammenf\u00e4llt und am Ende ein schwarzes Loch mit der millionen- oder milliardenfachen Sonnenmasse bildet. Andererseits dauert es auch wirklich lange, bis ausreichend viele kleine schwarze L\u00f6cher miteinander kollidieren, um so ein supergro\u00dfes Ding zu formen. Wenn es aber eine gro\u00dfe Anzahl mittlerer schwarzer L\u00f6cher gibt, k\u00f6nnten die vielleicht der Ausgangspunkt f\u00fcr die Entstehung der supermassereichen schwarzen L\u00f6cher sein.<\/p>\n<p>Das mittelgro\u00dfe Loch von Omega Centauri w\u00fcrde jedenfalls gut ins Bild passen; es h\u00e4tte genau die Masse, die man f\u00fcr eine Zwerggalaxie erwartet. Allerdings haben sp\u00e4tere Arbeiten gezeigt, dass Omega Centauri vielleicht doch kein schwarzes Loch hat. Das liegt daran, dass man nicht exakt bestimmen kann, wo sich das Zentrum des Haufens tats\u00e4chlich befindet. Und je nachdem \u00e4ndern sich auch die Berechnungen der Sternbewegungen um das Zentrum herum. Vielleicht passt mit der Bewegung also eh alles und es braucht kein schwarzes Loch im Zentrum. Oder es gibt doch eines, aber mit weniger Masse als gedacht.<\/p>\n<p>Klar ist auf jeden Fall: Omega Centauri ist ein \u00e4u\u00dferst spannendes Objekt, egal ob da jetzt ein schwarzes Loch drin ist oder nicht. Es ist der letzte Rest einer fremden Galaxie, der sich mitten in unserer eigenen Milchstra\u00dfe befindet &#8211; da lohnt es sich, genauer hinzusehen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6c99b99fbfb5410f92e3484e16ca4ed1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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