{"id":27807,"date":"2023-10-20T07:00:25","date_gmt":"2023-10-20T05:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/10\/20\/sternengeschichten-folge-569-galaktische-gezeiten\/"},"modified":"2025-05-14T17:33:41","modified_gmt":"2025-05-14T15:33:41","slug":"sternengeschichten-folge-569-galaktische-gezeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/10\/20\/sternengeschichten-folge-569-galaktische-gezeiten\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 569: Galaktische Gezeiten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/audio.podigee-cdn.net\/1248952-m-5b563e1b494e0178a1c2ddc7f23df1b5.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/6aSxScjJiCo\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/569-sternengeschichten-folge-569-galaktische-gezeiten\/embed?context=external&#038;token=GpT62e2hlkQ3_mmv41cy0w\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 569: Galaktische Gezeiten<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man von Gezeiten spricht, denkt man zuerst an den Mond. Kein Wunder, denn die Gezeiten, die wir hier auf der Erde erleben sind ja auch h\u00f6chst beeindruckend. Ebbe und Flut an den K\u00fcsten der Meere haben im Laufe der Geschichte gro\u00dfen Einfluss auf unsere Kultur gehabt, auf den Handel, die Schifffahrt, und so weiter. Und diese Gezeiten werden vom Mond verursacht. <\/p>\n<p>Oder besser gesagt: Sie werden auch vom Mond verursacht. F\u00fcr ein Drittel der Gezeitenwirkung die wir beobachten, ist die Sonne verantwortlich. Denn die Gezeiten sind nichts, was speziell mit dem Mond zu tun hat. Gezeitenkr\u00e4fte sind ein viel umfassenderes Ph\u00e4nomen. Gezeiten sind eine spezielle Auswirkung der Gravitationskraft. Jeder K\u00f6rper mit Masse \u00fcbt eine Gravitationskraft auf jeden anderen K\u00f6rper mit Masse aus und zwar umso st\u00e4rker, je gr\u00f6\u00dfer die beteiligten Massen sind und je geringer der Abstand zwischen ihnen ist. Bei den Gezeiten kommt es aber nicht auf die St\u00e4rke der Gravitationskraft an, sondern auf den Unterschied zwischen Gravitationskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass es um einen Gradient in der Gravitationskraft geht und DAS bedeutet, dass die Gezeiten etwas sind, was entsteht, wenn an unterschiedlichen Orten unterschiedlich starke Gravitationskr\u00e4fte wirken. Ich habe in Folge 161 der Sternengeschichten schon sehr ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt, wie die Gezeiten auf der Erde verursacht werden und wir haben festgestellt, dass das im Detail eine ziemlich knifflige Angelegenheit ist. Aber die Grundlage des Ph\u00e4nomens besteht darin, dass unterschiedliche Orte der Erdoberfl\u00e4che unterschiedlich weit vom Mond entfernt sind. Und weil die St\u00e4rke der Gravitationskraft eben auch vom Abstand abh\u00e4ngt, ist auch die Gravitationskraft, die der Mond auf diese unterschiedlichen Orte aus\u00fcbt, unterschiedlich stark &#8211; selbst wenn es nur um ein paar tausend Kilometer Unterschied im Abstand zum Mond geht. Diese Unterschiede sind nat\u00fcrlich trotzdem gering, aber sie k\u00f6nnen sich in den Ozeanen der Erde so auswirken und verst\u00e4rken, dass am Ende Ebbe und Flut entstehen.<\/p>\n<p>Dass der Mond f\u00fcr den Gro\u00dfteil der Gezeitenwirkung verantwortlich ist, liegt nur daran, dass er der Erde so nahe ist. Die Sonne ist deutlich weiter entfernt, hat aber auch eine viel gr\u00f6\u00dfere Masse. Insgesamt reich das aus, dass auch sie noch eine relevante Gezeitenkraft aus\u00fcben kann, weil eben auch unterschiedliche Orte der Erde unterschiedlich weit von der Sonne entfernt sind. Sie sind auch unterschiedlich weit von der Venus weg, dem Mars, und so weiter. Aber abseits von Sonne und Mond sind alle anderen Himmelsk\u00f6rper des Sonnensystems entweder zu klein, zu weit entfernt oder beides, so dass die von ihnen ausge\u00fcbte Gezeitenkraft vernachl\u00e4ssigbar gering ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_36692\" aria-describedby=\"caption-attachment-36692\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/husum1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/husum1-1024x768-1.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"size-large wp-image-36692\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36692\" class=\"wp-caption-text\">Viel Wasser&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber wir m\u00fcssen im Sonnensystem ja nicht halt machen. Wie gesagt: Gezeiten sind ein ganz allgemeines Ph\u00e4nomen. Womit wir jetzt bei den galaktischen Gezeiten sind. Wenn wir eine Galaxie wie unsere Milchstra\u00dfe in ihrer Gesamtheit betrachten, dann \u00fcbt sie nat\u00fcrlich ebenfalls eine Gravitationskraft aus. All die Sterne, die Gaswolken, die dunkle Materie und der Rest aus dem sie besteht hat Masse und mit dieser Masse erzeugt sie eine Gravitationskraft mit der sie zum Beispiel andere Galaxien in ihrer Umgebung beeinflusst. Die Masse in der Galaxis ist aber nicht gleichm\u00e4\u00dfig verteilt. Im Zentralbereich der Milchstra\u00dfe sind die Sterne dicht gedr\u00e4ngt; dort finden sich auch sehr viel mehr Sterne als weiter au\u00dfen und auch das supermassereiche schwarze Loch sitzt dort. Im Gegensatz zu den d\u00fcnn besiedelten \u00e4u\u00dferen Regionen der Milchstra\u00dfe \u00fcbt die Zentralregion also eine starke Gravitationskraft aus.<\/p>\n<p>Unser Sonnensystem liegt ungef\u00e4hr 25.000 Lichtjahre von dieser Zentralregion entfernt. Wenn wir jetzt also eine Linie durch die Sonne zum Zentrum der Milchstra\u00dfe ziehen, dann wird die Gravitationskraft entlang dieser Linie in Richtung Zentrum immer st\u00e4rker und in die andere Richtung immer schw\u00e4cher. Stellen wir uns vor, dass die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne gerade an dem Punkt angelangt ist, der dem galaktischen Zentrum am n\u00e4chsten ist. Dann wird sie eine st\u00e4rkere Gravitationskraft sp\u00fcren als wenn sie sich auf dem genau gegen\u00fcberliegenden Punkt befindet. Sie ist also Gezeitenkr\u00e4ften ausgesetzt, die vom Zentrum der Galaxis ausge\u00fcbt werden. Hat das irgendwelche Auswirkungen und wenn ja, welche?<\/p>\n<p>Nun: Der Abstand zwischen Erde und Sonne betr\u00e4gt 150 Millionen Kilometer. Der Abstand zwischen zwei einander gegen\u00fcberliegenden Punkten ihrer Bahn betr\u00e4gt das doppelte, also 300 Millionen Kilometer. Das ist nichts im Vergleich zu den 25.000 Lichtjahren Abstand zum galaktischen Zentrum. Das ist 800 Millionen mal weiter entfernt! Die Gravitationskraft der nahen Sonne ist der absolut dominierende Einfluss auf die Erde; ob sie 300 Millionen Kilometer n\u00e4her oder weiter weg vom galaktischen Zentrum ist, spielt f\u00fcr sie absolut keine Rolle. Die galaktischen Gezeiten sind f\u00fcr die Erde irrelevant.<\/p>\n<p>Aber das bedeutet nicht, dass man diese galaktischen Gezeiten komplett ignorieren k\u00f6nnte. Bleiben wir noch ein wenig im Sonnensystem. Die Erde ist der Sonne relativ nahe, aber es gibt auch Himmelsk\u00f6rper, die weiter entfernt sind. Die Asteroiden im Kuiperg\u00fcrtel hinter der Neptunbahn zum Beispiel. Oder die noch weiter entfernten Objekte in der Oortschen Wolke. Da kann der Abstand zur Sonne bis zu einem Lichtjahr betragen und das ist eine ganz andere Situation. In diesen fernen Regionen ist die Gravitationskraft der Sonne so schwach, dass die Kometen und Asteroiden der \u00e4u\u00dferen Oortschen Wolke ebenfalls nur extrem schwach an die Sonne gebunden sind. Sie bewegen sich nahe der Grenze, an der es \u00fcberhaupt keine Bindung mehr gibt und der gravitative Einfluss der anderen Sterne in der Nachbarschaft \u00fcberwiegt. Das ist das Konzept der Hill-Sph\u00e4re das ich in Folge 257 der Sternengeschichten schon ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt habe. Die Hill-Sph\u00e4re um einen K\u00f6rper herum ist der Bereich, in dem seine eigene Gravitation dominiert. Der Mond befindet sich zum Beispiel in der Hill-Sph\u00e4re der Erde; w\u00e4re er weiter weg, w\u00fcrde er sich unabh\u00e4ngig von uns um die Sonne bewegen und nicht noch zus\u00e4tzlich um die Erde kreisen.<\/p>\n<p>Und die Objekte in der Oortschen-Wolke sind eben gerade noch so innerhalb der Hill-Sph\u00e4re der Sonne. Das bedeutet, dass schon geringste St\u00f6rungen reichen k\u00f6nnen, um sie der Sonne zu entrei\u00dfen. Und die galaktischen Gezeiten k\u00f6nnen genau so eine geringe St\u00f6rung sein. Wie genau der Einfluss der galaktischen Gezeiten auf die Oortsche Wolke des Sonnensystem ist, wissen wir allerdings nicht. Wir k\u00f6nnen das in Computersimulationen untersuchen und wissen daher, dass es m\u00f6glich ist. Wir gehen davon aus, dass die St\u00f6rungen durch die galaktischen Gezeiten einer der Prozesse ist, durch den es dort drau\u00dfen immer wieder mal unruhig wird und wodurch dann zum Beispiel auch Kometen ins innere Sonnensystem abgelenkt werden. Aber beobachten k\u00f6nnen wir das nat\u00fcrlich nicht; daf\u00fcr ist die Oortsche Wolke viel zu weit entfernt.<\/p>\n<p>Wir wissen aber, dass die galaktischen Gezeiten auch anderswo Einfluss haben. Es gibt zum Beispiel Doppelsterne, wo die beiden Sterne sehr weit voneinander entfernt sind; bis zu 10.000 mal weiter entfernt als die Erde von der Sonne. Galaktische Gezeiten k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass diese Systeme instabil werden. Und es gibt auch Planeten, die andere Sterne in enorm gro\u00dfer Entfernung umkreisen. Auch hier k\u00f6nnen die galaktischen Gezeiten daf\u00fcr sorgen, dass solche Planetensysteme instabil werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_36691\" aria-describedby=\"caption-attachment-36691\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/husum2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/husum2-1024x768-1.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"size-large wp-image-36691\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36691\" class=\"wp-caption-text\">&#8230; wenig Wasser<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch auf noch gr\u00f6\u00dferer Ebene zeigt sich der Einfluss: Wenn sich zwei Galaxien nahe kommen, dann sorgen die Gezeitenkr\u00e4fte, die sie aufeinander aus\u00fcben, f\u00fcr enorme Verformungen. Galaxien k\u00f6nnen so ihre Spiralarme verlieren; interstellare Gaswolken k\u00f6nnen so durcheinander gewirbelt werden, das auf einen Schlag jede Menge neue Sterne entstehen, und so weiter.<\/p>\n<p>Und vielleicht sind die galaktischen Gezeiten am Ende sogar f\u00fcr das Leben auf der Erde verantwortlich. Gut, das ist ein wenig weit hergeholt. Aber wir wissen, dass die chemischen Bausteine aus denen sich das Leben auf der Erde entwickelt hat, vermutlich durch die Einschl\u00e4ge von Asteroiden und Kometen gekommen sind. Einschlagen tun diese Objekte auch ohne galaktische Gezeiten &#8211; aber es gibt auch die Panspermie-Hypothese, von der ich in Folge 123 erz\u00e4hlt habe: Die Bausteine oder vielleicht sogar primitive Mikroorganismen selbst k\u00f6nnten anderswo im Weltall entstanden und mit Asteroiden und Kometen von Stern zu Stern gereist sein. Das ist, wie gesagt, eher unwahrscheinlich aber es ist nicht unm\u00f6glich. Und ein Mechanismus, der daf\u00fcr sorgen kann, dass ein Stern Kometen und Asteroiden verliert, so dass sie sich auf den Weg zu anderen Sternen machen k\u00f6nnen, sind die galaktischen Gezeiten. Vielleicht verdanken wir unsere Existenz also einer gro\u00dfen kosmischen Abfolge von Ebbe und Flut.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6601e170956e4fb0b3c03518b22fbaf7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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