{"id":27687,"date":"2023-06-16T07:05:23","date_gmt":"2023-06-16T05:05:23","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/06\/16\/sternengeschichten-folge-551-marietta-blau-und-die-zertruemmerungssterne\/"},"modified":"2025-05-14T17:28:38","modified_gmt":"2025-05-14T15:28:38","slug":"sternengeschichten-folge-551-marietta-blau-und-die-zertruemmerungssterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/06\/16\/sternengeschichten-folge-551-marietta-blau-und-die-zertruemmerungssterne\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 551: Marietta Blau und die Zertr\u00fcmmerungssterne"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/main.podigee-cdn.net\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_1128414_sternengeschichten_folge_551_marietta_blau_und_die_zertrummerungssterne.mp3?v=1686212916\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/S6iaXRPsXuU\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/551-sternengeschichten-folge-551-marietta-blau-und-die-zertrummerungssterne\/embed?context=external&#038;token=JlXPNjaaV-QSbMr2eG24MA\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 551: Marietta Blau und die Zertr\u00fcmmerungssterne<\/strong><\/p>\n<p>In der heutigen Folge geht es unter anderem um &#8222;Zertr\u00fcmmerungssterne&#8220;. Das klingt astronomisch, immerhin kommt das Wort &#8222;Sterne&#8220; darin vor. Und es hat auch mit Astronomie zu tun, nur etwas anders als man denkt. Wir fangen aber nicht mit Sternen an, sondern mit Marietta Blau. Sie wurde am 29. April 1894 in Wien geboren. Sie wuchs in einer wohlhabenden und gebildeten Familie auf, ihr Vater war Jurist und Musikverleger, und Marietta konnte die Matura abschlie\u00dfen und ab 1914 an der Universit\u00e4t Wien ein Studium beginnen. Sie entschied sich f\u00fcr Physik und Mathematik und schloss 1919 ihre Doktorarbeit am Institut f\u00fcr Radiumforschung ab. Da wurde nicht nur Radium erforscht; es war eine Forschungseinrichtung zur Untersuchung der Radioaktivit\u00e4t &#8211; die erste der Welt \u00fcbrigens. Radioaktivit\u00e4t wurde erst 1896 entdeckt; das Element Radium entdeckten Marie und Pierre Curie erst 1898 und dieses neue physikalische Ph\u00e4nomen hat damals die Welt der Wissenschaft enorm interessiert. So sehr, dass man in Wien 1910 ein eigenes Institut gegr\u00fcndet hat und der erste Leiter diese Instituts f\u00fcr Radiumforschung in Wien war der Physiker Stefan Meyer. Er war Assistent von Victor Franz Hess und wer sich noch an Folge 317 erinnert, wird wissen, dass Hess die kosmische Strahlung entdeckt hat. Dazu kommen wir aber sp\u00e4ter noch einmal.<\/p>\n<p>Marietta Blau jedenfalls hat sich auch f\u00fcr Radioaktivit\u00e4t interessiert und unter der Betreuung von Stefan Meyer eine Dissertation mit dem Titel &#8222;\u00dcber die Absorption divergenter Gammastrahlung&#8220; geschrieben; sich also mit der hochenergetischen radioaktiven Strahlung besch\u00e4ftigt. Ihr Doktoratsstudium konnte sie beenden; immerhin. Das war damals f\u00fcr Frauen nicht normal und dass Frauen \u00fcberhaupt erst zum Studium zugelassen waren, war zu Blaus Zeiten noch nicht so lange her. Und dass eine Frau nach ihrem Studium an einer Universit\u00e4t forscht, war in \u00d6sterreich damals auch nicht vorgesehen. Blau konnte also keine akademische Laufbahn einschlagen und ging nach Berlin, um dort in einer Fabrik f\u00fcr R\u00f6ntgenr\u00f6hren zu arbeiten. 1921 bekam sie eine Anstellung als Assistentin an der Universit\u00e4t in Frankfurt am Main, wo sie den \u00c4rzten die physikalischen Grundlagen der Radiologie beigebracht hat; ihnen also erkl\u00e4rt hat, wie R\u00f6ntgenstrahlung funktioniert und wie man sie f\u00fcr medizinische Zwecke einsetzen kann. Dieser Schritt war wichtig f\u00fcr ihre Karriere, denn dort musste sie sich nicht nur mit der Physik der Radioaktivit\u00e4t besch\u00e4ftigen, sondern auch mit Fotografie. In der Medizin geht es ja darum, R\u00f6ntgenbilder zu machen und das ging damals selbstverst\u00e4ndlich noch analog. Man hatte also Photoplatten, die mit bestimmten chemischen Substanzen bestrichen waren, die auf Licht oder eben auf radioaktive Strahlung reagieren und so ein Bild erzeugen k\u00f6nnen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_35145\" aria-describedby=\"caption-attachment-35145\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/cosmiclattetitel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/cosmiclattetitel-1024x318-1.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"199\" class=\"size-large wp-image-35145\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35145\" class=\"wp-caption-text\">Wie so oft bei Frauen in der Naturwissenschaft: Es gibt von Marietta Blau leider kein Bild unter einer freien Lizenz.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als 1923 die Mutter von Marietta Blau sehr krank wurde, ging sie wieder zur\u00fcck nach Wien und nahm eine unbezahlte Arbeitsstelle am Institut f\u00fcr Radiumforschung an. F\u00fcr ihren Lebensunterhalt musste sie selbst sorgen, was sie aber nicht davon abhielt, ihrer Forschung nachzugehen. Marietta Blau hat damals probiert, die Photoplatten als Nachweismethode f\u00fcr atomare und subatomare Teilchen zu nutzen. Wenn man damals Radioaktivit\u00e4t nachweisen wollte, dann hat man meistens sogenannte &#8222;Szintillationsz\u00e4hler&#8220; benutzt. Der funktioniert, vereinfacht gesagt, mit einem St\u00fcck Material, dass einen kleinen Lichtblitz erzeugt, wenn energiereiche Strahlung darauf trifft. Diese sehr schwachen Blitze konnte man dann z\u00e4hlen und aus ihrer H\u00e4ufigkeit auf die Art der eintreffenden Strahlung schlie\u00dfen beziehungsweise auf die Existenz der Teilchen, die die Strahlung erzeugt haben. Das war m\u00fchsam und fehleranf\u00e4llig. Eine andere Methode ist die &#8222;Nebelkammer&#8220;, von der ich in Folge 510 ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlt habe. Hier beobachtet man winzige, k\u00fcnstliche Wolken, die in einer speziellen Umgebung in einem Messger\u00e4t erzeugt werden, wenn radioaktive Strahlung oder entsprechende Teilchen durchsausen. Auch das war nicht einfach, vor allem, wenn man dauerhafte Aufzeichnungen haben wollte.<\/p>\n<p>Marietta Blau hat deswegen begonnen, mit Photoemulsionen zu experimentieren. Gemeinsam mit ihrer Assistentin Hertha Wambacher testete sie verschiedene chemische Substanzen, tauschte sich mit den Firmen aus, die fotografische Filme hergestellt haben, hat an der Zusammensetzung, der Dicke der Schichten, und so weiter gefeilt bis sie am Ende eine Methode hatte, bei der man mit den Photoplatten tats\u00e4chlich die Spuren von Teilchen &#8222;sehen&#8220; konnte. Die chemische Schicht, die Emulsion, muss dabei besonders gleichm\u00e4\u00dfig sein, nicht zu dick und nicht zu d\u00fcnn, aber wenn alles passt, dann kann man dort die Spuren von Teilchen sehen, die zum Beispiel bei radioaktiven Zerfallsprozessen erzeugt werden. Wenn diese Teilchen auf die Photoplatten treffen, erzeugen sie dort eine chemische Reaktion und entsprechende Spuren, die &#8211; wie ein normales Foto &#8211; entwickelt und fixiert werden k\u00f6nnen. Aus der L\u00e4nge, der Dicke und der Form der Spuren kann man rekonstruieren, um welches Teilchen es sich gehandelt hat. Blau und Wambacher konnten so die Spuren von Alpha-Teilchen identifizieren, also der niederenergetischen radioaktiven Strahlung; sie konnten Protonen finden, die Bausteine der Atomkerne, und sogar die elektrisch ungeladenen Neutronen nachweisen. Diese Teilchen wurden erst 1932 entdeckt und nur ein paar Monate nachdem die Entdeckung bekannt gegeben wurde, konnten Blau und Wambacher die Neutronen auch mit ihrer Methode finden. <\/p>\n<p>Dass es sich bei dieser Arbeit nicht einfach nur um eine Spielerei handelt, zeigt die Verleihung des Haitinger-Preises den die Akademie der Wissenschaft im Jahr 1936 an die beiden Frauen verlieh. 1937 wurde es dann richtig spannend. Blau und Wambacher platzierten ihre Photoplatten am Hafelekar in Tirol. 2300 Meter \u00fcber dem Meer; hoch \u00fcber Innsbruck, platzierten sie ihre Platten um damit die kosmische Strahlung nachzuweisen. Jetzt sind wir wieder bei Victor Hess. Der hat 1912 entdeckt, dass aus dem Weltall st\u00e4ndig jede Menge radioaktive Strahlung auf die Erde trifft. Diese kosmische Strahlung wird von der Sonne, aber auch von allen anderen Sternen und diversen anderen Prozessen im All erzeugt. Zum Gl\u00fcck sch\u00fctzt uns die Atmosph\u00e4re der Erde und auch das Magnetfeld vor dem Gro\u00dfteil der Strahlung. Aber je h\u00f6her man sich befindet, desto mehr kommt noch durch. <\/p>\n<figure id=\"attachment_36536\" aria-describedby=\"caption-attachment-36536\" style=\"width: 559px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/blauwambacher1937_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/blauwambacher1937_2.png\" alt=\"\" width=\"559\" height=\"444\" class=\"size-full wp-image-36536\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36536\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/140585a0\">Bild: Blau &#038; Wambacher (1937)<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_36537\" aria-describedby=\"caption-attachment-36537\" style=\"width: 609px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/blauwambacher1937.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/blauwambacher1937.png\" alt=\"\" width=\"609\" height=\"659\" class=\"size-full wp-image-36537\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36537\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/140585a0\">Bild: Blau &#038; Wambacher (1937)<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Tats\u00e4chlich konnten Blau und Wambacher die kosmische Strahlung mit ihrer Methode sehen: Sie sahen &#8222;Zertr\u00fcmmerungsterne&#8220;. Also Spuren auf ihren Platten, bei der von einem Punkt sternf\u00f6rmig jede Menge Linie ausgingen. Damit so etwas entstehen kann, muss ein sehr hochenergetisches Teilchen kommen, auf die Photoplatte treffen, wo es dann eines der Atome der chemischen Emulsion &#8222;zertr\u00fcmmert&#8220;, also Protonen und Neutronen aus dem Atomkern rausschl\u00e4gt, die dann selbst wieder neue Kernreaktionen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. So kriegt man die sternf\u00f6rmigen Spuren und der &#8222;Zertr\u00fcmmerungsstern&#8220; war ein Beleg f\u00fcr die durch die kosmische Strahlung ausgel\u00f6sten Kernreaktionen; das, was man heute mit dem Fachbegriff &#8222;Spallation&#8220; bezeichnet. Die Spallation durch kosmische Strahlung ist ein spannender und wichtiger Prozess; sie ist zum Beispiel der einzige Weg, wie das chemische Element Bor entstehen kann. Durch Kernfusion, also die Verschmelzung von kleineren Atomkernen zu gr\u00f6\u00dferen beziehungsweise durch Kernspaltung gr\u00f6\u00dferer Kerne in kleinere geht das nicht; daf\u00fcr hat Bor nicht die passende Anzahl an Protonen im Kern. Aber wenn kosmische Strahlung auf die richtigen Materialien trifft, kann sie genau die richtigen Atomkernbausteine raushauen, damit am Ende Bor-Atome \u00fcbrig bleiben. <\/p>\n<p>Bor ist ein wichtiges Element f\u00fcr uns Menschen; wir brauchen es f\u00fcr unsere Knochen und die Funktion des Gehirns. Nicht viel, aber wenn es nicht da ist, dann fehlt es uns. Und der Prozess, der dieses Element erzeugt, ist genau der, den Blau und ihre Assistentin Wambacher nachweisen konnten. Mit diesen Forschungsergebnissen w\u00e4re es normalerweise kein Problem gewesen, eine Professur und eine fixe Stelle an einer Universit\u00e4t zu bekommen. Aber nicht im Jahr 1937; nicht in \u00d6sterreich und nicht wenn man eine Frau ist und noch dazu aus einer j\u00fcdischen Familie kommt. Blau und Wambacher bekamen noch den Lieben-Preis der Akademie der Wissenschaften verliehen und ein Jahr sp\u00e4ter musste Blau das Land verlassen (Wambacher \u00fcbrigens konnte bleiben; sie war keine J\u00fcdin und  hatte sich mit den Nationalsozialisten arrangiert). Nach einem kurzen Zwischenstopp in Oslo landete sie in Mexiko, wo sie durch Vermittlung von Albert Einstein einen Job als Lehrerin an einer h\u00f6heren Schule f\u00fcr Ingenieure bekam. Nebenbei forschte sie noch ein wenig; bastelte sich selbst Messger\u00e4te, nutzte dann aber die erste Gelegenheit, um in die USA zu \u00fcbersiedeln. 1944 bekam sie dort einen Job in der Wirtschaft, sp\u00e4ter dann endlich wieder eine wissenschaftliche Stelle an der Columbia University in New York. Ab 1948 besch\u00e4ftigte sie sich dort mit der Datenauswertung von Teilchenbeschleunigern; wurde 1950 auch amerikanische Staatsb\u00fcrgerin. 1950 schlie\u00dflich wurde der Nobelpreis f\u00fcr Physik verliehen und zwar &#8222;f\u00fcr die Entwicklung der photografischen Methode zur Untersuchung von nuklearen Prozessen&#8220;. Allerdings nicht an Marietta Blau, sondern an den britischen Physiker Cecil Powell. Er hat die Methode von Blau und Wambacher f\u00fcr seine Forschung genutzt und damit ein paar Teilchen nachweisen k\u00f6nnen, die bis dahin noch nicht nachweisbar waren. Den Nobelpreis bekam er auch f\u00fcr diesen Nachweis, aber eben auch explizit f\u00fcr die Entwicklung der Methode mit den Photoplatten. <\/p>\n<p>Dass Blau den Nobelpreis nicht erhalten hat, ist einer der gro\u00dfen Fehler des Nobelpreiskomitees. Blau (und Wambacher) wurden sogar von Erwin Schr\u00f6dinger f\u00fcr den Nobelpreis vorgeschlagen; der Preis wurde aber trotzdem nur an Cecil Powell verliehen und der hat es geschafft, in seiner Nobelpreisrede kein einziges Mal den Namen &#8222;Marietta Blau&#8220; zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Marietta Blau bekam 1956 eine Stelle als Professorin an der Universit\u00e4t von Miami, kehrte aber dennoch 1960 nach \u00d6sterreich zur\u00fcck (Wambacher starb schon 1950). Sie begann dort wieder am Institut f\u00fcr Radiumforschung zu arbeiten; sie leitete eine Arbeitsgruppe an der Daten des europ\u00e4ischen Kernforschungszentrums CERN ausgewertet wurden und betreute Doktorarbeiten. Aber, hat sich das Institut wohl gedacht, wir haben die Frau nicht bezahlt als sie vor dem Krieg hier gearbeitet hat, warum also sollen wir sie jetzt bezahlen? Die Stelle von Blau war unbezahlt und die Akademie der Wissenschaft verlieh ihr 1962 zwar einen weiteren Preis &#8211; den Erwin Schr\u00f6dinger-Preis f\u00fcr ihr Lebenswerk &#8211; ging aber nicht so weit, sie in die Akademie aufzunehmen. <\/p>\n<p>Mariette Blau starb im Jahr 1970 in Wien, an Krebs und v\u00f6llig verarmt. Keine wissenschaftliche Zeitschrift hielt es damals f\u00fcr notwendig, einen Nachruf auf sie zu verfassen. Und selbst heute ist ihr Name nicht so bekannt, wie er es sein sollte. Noch im Jahr 2012 ist, anl\u00e4sslich des hundertsten Jubil\u00e4ums der Entdeckung der kosmischen Strahlung, eine lange Arbeit erschienen, in der die Entwicklung der entsprechenden Forschung von damals bis heute dargestellt wurde, allerdings ebenfalls unter <a href=\"https:\/\/pubs.aip.org\/physicstoday\/article\/65\/10\/8\/413828\/Marietta-Blau-in-the-history-of-cosmic-rays\">Auslassung des Beitrags<\/a> von Blau und Wambacher. <\/p>\n<p>Immerhin: Im Jahr 2004 hat die Stadt Wien eine Stra\u00dfe nach ihr benannt; in ihrer ehemaligen Schule h\u00e4ngt eine Gedenktafel und ein H\u00f6rsaal der Universit\u00e4t Wien tr\u00e4gt ihren Namen. Angesichts dessen, was sie in der Wissenschaft geleistet hat, ist das aber ohne jeden Zweifel viel zu wenig.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/41b1d6c5e0ec45dd9b664b605bec38ef\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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