{"id":27573,"date":"2023-03-24T07:00:25","date_gmt":"2023-03-24T06:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/03\/24\/sternengeschichten-folge-539-der-transit-der-venus\/"},"modified":"2025-05-14T17:26:34","modified_gmt":"2025-05-14T15:26:34","slug":"sternengeschichten-folge-539-der-transit-der-venus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/03\/24\/sternengeschichten-folge-539-der-transit-der-venus\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 539: Der Transit der Venus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/main.podigee-cdn.net\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_1041494_sternengeschichten_folge_539_der_transit_der_venus.mp3?v=1678348173\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/dZu5ga9kmwk\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/539-sternengeschichten-folge-539-der-transit-der-venus\/embed?context=external&#038;token=OJpgxWuKh3qmjQEVbhN0Hg\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 539: Der Transit der Venus<\/strong><\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch sehr gut an den 8. Juni 2004. Vor allem deswegen, weil am n\u00e4chsten Tag meine Defensio stattgefunden hat, also der Vortrag, bei dem ich die Ergebnisse meiner Doktorarbeit pr\u00e4sentieren musste und je nachdem wie diese Ergebnisse von meinen Kolleginnen und Kollegen beurteilt w\u00fcrden, w\u00fcrde ich mein Studium erfolgreich abschlie\u00dfen oder nicht. Ich war also entsprechend nerv\u00f6s und hatte gar nicht so viel Zeit, mich dem seltenen astronomischen Ereignis zu widmen, das an diesem Tag stattfand: Dem Transit der Venus vor der Scheibe der Sonne. Von der Erde aus gesehen ist die Venus am 8. Juni 2004 genau vor der Sonne vorbei gezogen. Wenn man die Sonne &#8211; nat\u00fcrlich nur mit entsprechenden Filtern &#8211; mit einem Teleskop beobachtet hat, hat man einen kleinen dunklen Punkt gesehen, der schnurgerade seinem Weg \u00fcber ihre helle Oberfl\u00e4che folgt. Etwas besser erinnere ich mich an den 6. Juni 2012, als der n\u00e4chste Venustransit stattgefunden hat. Ich wei\u00df nicht, ob und an welche Transits sich die H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer dieses Podcasts erinnern, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es nur die Transits am 8. Juni 2004 und am 6. Juni 2012 gewesen sein k\u00f6nnen. Denn der letzte Transit vor 2004 fand im Jahr 1882 statt. Und auch wenn dieser Podcast noch sehr lange im Internet verf\u00fcgbar sein sollte, w\u00e4re ich doch \u00fcberrascht, wenn hier jetzt jemand mith\u00f6rt, der oder die den Transit gesehen hat, der auf das Ereignis im Jahr 2012 gefolgt ist. Das w\u00e4re n\u00e4mlich der 11. Dezember 2117 und falls es doch so sein sollte: Hallo Zukunft, viele Gr\u00fc\u00dfe aus dem fr\u00fchen 21. Jahrhundert!<\/p>\n<p>Aber was ist so besonders, wenn die Venus vor der Sonne vorr\u00fcber zieht? Und warum passiert so etwas zweimal im Abstand von knapp 8 Jahren und \u00fcber hundert Jahre davor und danach nicht? Die Antwort auf beide Fragen ist faszinierend und deswegen soll es in dieser Folge genau darum gehen. Die Antwort auf die erste Frage habe ich zum Teil schon in Folge 263 gegeben. Da ging es um die L\u00e4ngeneinheiten in der Astronomie und eine die sehr weit verbreitet ist, ist die Astronomische Einheit. Eine Astronomische Einheit ist genau 149 Millionen 597 870,7 Kilometer lang. Heute ist der Wert einfach so festgelegt, aber urspr\u00fcnglich war die Astronomische Einheit als der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne definiert. Und der Abstand zwischen Sonne und Erde ist ja durchaus eine fundamentale Gr\u00f6\u00dfe. Es ist absolut wichtig zu wissen, wie weit unser Planet von der Sonne entfernt ist beziehungsweise \u00fcberhaupt zu wissen, wie weit irgendwas von irgendwas anderem im Sonnensystem entfernt ist. Aber wie hat man das rausgefunden? Die komplette Geschichte dieser Forschung w\u00fcrde mehr als nur eine Podcastfolge f\u00fcllen, aber die kurze Version geht so: <\/p>\n<p>Die relativen Abst\u00e4nde zwischen den Himmelsk\u00f6rpern lassen sich recht einfach herausfinden. Seit den grundlegenden Arbeiten von Johannes Kepler und Isaac Newton im 17. Jahrhundert wissen wir im Grunde dar\u00fcber Bescheid, wie sich die Planeten um die Sonne bewegen. Wir wissen, dass sie sich schneller oder langsamer bewegen, je nachdem wie weit sie von der Sonne entfernt sind. Das dritte Keplersche Gesetzt sagt uns sogar direkt, wie die Umlaufzeiten der Planeten und ihre mittleren Abst\u00e4nde zur Sonne zusammenh\u00e4ngen. Mit diesem Wissen kann man zum Beispiel herausfinden, dass der Mars im Mittel 1,5 mal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde. Und dass der Jupiter gut 5 mal weiter von der Sonne weg ist als die Erde. Aber das sind eben relative Abst\u00e4nde. Wenn wir absolute Zahlen haben wollen, also zum Beispiel wissen wollen, wie viele Kilometer es von der Sonne bis zum Jupiter sind, dann m\u00fcssen wir auch den Abstand zwischen Erde und Sonne in absoluten Zahlen kennen. Wie misst man das? Man kann ja nicht einfach hinfliegen und dann auf den Tacho schauen; schon gar nicht im 17. Jahrhundert. Aber es geht, wenn man einen Venustransit beobachtet. Die Idee dazu nennt sich Parallaxe und dar\u00fcber habe ich ja schon \u00f6fter gesprochen. Wenn ich ein und das selbe Objekt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachte, dann scheint es sich gegen\u00fcber dem Hintergrund zu bewegen. Wie stark diese scheinbare Bewegung ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt davon ab, wie weit die unterschiedlichen Beobachtungspositionen auseinander sind. <\/p>\n<p>Das ist auch so, wenn man von der Erde aus die Venus beobachtet. Je nachdem, von welchem Ort aus man die Beobachtung anstellt, wird man die Venus vor einem leicht anderen Hintergrund sehen. Das ist immer so, aber es ist besonders gut zu beobachten, wenn die Venus gerade direkt vor der Sonne zu sehen ist. Schaut man zum Beispiel von einem Punkt weit im Norden aus dem Transit zu, dann wird man die Venus n\u00e4her am Mittelpunkt der Sonne vorbei ziehen sehen als von einem Beobachtungspunkt im S\u00fcden, wo die scheinbare Bahn der Venus weiter auf der Sonnenscheibe hinauf rutscht. Von S\u00fcden aus gesehen verbringt die Venus als weniger Zeit direkt vor der Sonne, weil ihr Weg vor der Sonnenscheibe n\u00e4her am Rand der Sonne stattfindet und damit k\u00fcrzer als als der Weg, den man von Norden sieht. Es gibt noch ein paar mehr Effekte die man ber\u00fccksichtigen muss, aber das ist das Prinzip. Man stellt unterschiedliche Beobachtungen von unterschiedlichen Orten der Erde w\u00e4hrend eines Venustransits an. Und misst so genau wie m\u00f6glich die Zeit, die die Venus braucht um von einem Rand der Sonne zum anderen zu gelangen. Der Unterschied in den Messungen h\u00e4ngt davon ab, wie weit die Beobachtungsposten auseinander sind, und vom Abstand zwischen Erde und Venus. Die Distanz zwischen den Beobachtungsstationen auf der Erde kann man messen. Die Dauer des Transits ebenso. Und damit hat man alle Informationen die man braucht um die Distanz zwischen Erde und Venus in absoluten Zahlen zu berechnen, womit dann auch der Abstand zwischen Erde und Sonne berechnet werden kann und alle anderen Abst\u00e4nde im Sonnensystem.<\/p>\n<figure id=\"attachment_36405\" aria-describedby=\"caption-attachment-36405\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fort_Venus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fort_Venus.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"428\" class=\"size-full wp-image-36405\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36405\" class=\"wp-caption-text\">Fort Venus auf Tahiti, gebaut zur Transitbeobachtung im 18. Jahrhundert (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Fort_Venus.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Methode war insofern enorm praktisch, weil man nicht, wie sonst bei der Parallaxe, den Winkel messen muss, um den sich ein Objekt scheinbar vor dem Hintergrund bewegt. Das ist sehr aufwendig und schwer exakt zu bewerkstelligen. Bei einem Venustransit reicht es aber, die Dauer zu messen, die die Venus vor der Sonne verbringt. Und Zeitmessung war auch im 18. Jahrhundert schon einigerma\u00dfen genau m\u00f6glich. Also zu der Zeit, als Edmond Halley im Jahr 1716 als erster die Idee hatte, den Abstand zwischen Erde und Sonne auf diese Weise zu berechnen. Bl\u00f6d nur, dass damals kein Venustransit in Reichweite war. Der letzte fand im Jahr 1639 statt und war \u00fcberhaupt der erste, der nachweislich beobachtet worden ist (so etwas sieht man ja nicht mit freiem Auge und man muss vorher genau berechnen, wann so ein Ereignis stattfindet, wenn man es sehen will). Halley konnte rechnen und wusste, dass der n\u00e4chste Transit am 6. Juni 1761 stattfinden w\u00fcrde. Der damals 60j\u00e4hrige Astronom konnte sich denken, dass er dieses Ereignis nicht mehr erleben w\u00fcrde, hat aber seine j\u00fcngeren Kollegen aufgefordert, sich diese Gelegenheit gef\u00e4lligst nicht entgehen zu lassen. Was diese auch nicht getan haben. \u00dcberall auf der Welt versuchte man im Jahr 1761 die n\u00f6tigen Messungen anzustellen und das gleiche ist auch noch acht Jahre sp\u00e4ter passiert, als 1769 der n\u00e4chste Transit stattgefunden hat. Es gab jede Menge Schwierigkeiten, Abenteuer und man kann wunderbare Geschichten \u00fcber dieses quasi erste weltweite Forschungsprojekt erz\u00e4hlen. Was ich aber ein anderes Mal tun werde. Am Ende jedenfalls hatte man ein Ergebnis, das aber nicht so genau war, wie gehofft. Die Messungen waren schwieriger als gedacht; 1769 lief es dann schon ein wenig besser und man kam auf einen Abstand zwischen Erde und Sonne von 153 Millionen Kilometer. Schon recht nahe am richtigen Wert, noch besser war es dann beim Transit von 1882. Auch acht Jahre davor gab es einen Transit, aber 1874 war der Transit von fast ganz Europa aus unsichtbar, was eine wirklich genaue Messung behindert hat. Aber 1882 lief es ein wenig besser und man konnte den Wert der Astronomischen Einheit ein wenig genauer bestimmen.<\/p>\n<p>Und vielleicht ist dem einen oder der anderen etwas aufgefallen. Es gab zwei Transits in den Jahren 2004 und 2012. Und zwei in den Jahren 1761 und 1769. Und zwei in den Jahren 1874 und 1882. Mal abgesehen von den langen Zeitr\u00e4umen dazwischen finden Venustransits offensichtlich immer gleich doppelt stand, mit einem zeitlichen Abstand von acht Jahren. Das kann doch kein Zufall sein? Ist es nat\u00fcrlich auch nicht, sondern wunderbare Himmelsmechanik. Wenn die Venus von der Erde aus gesehen vor der Sonne steht, nennt man das eine &#8222;untere Konjunktion&#8220; und sie findet alle 583,92 Tage statt. Warum? Weil die Erde f\u00fcr eine Runde um die Sonne 365,256 Tage braucht. Ein Umlauf in 365,256 Tagen, das entspricht einer Geschwindigkeit von 0,0027 Uml\u00e4ufen pro Tag, was zugegebenerma\u00dfen eine etwas komische Weise ist eine Geschwindigkeit anzugeben, aber absolut ausreichend f\u00fcr unsere Zwecke. Die Venus bewegt sich mit 0,00445 Umlaufen pro Tag und der Unterschied zwischen beiden Geschwindigkeiten betr\u00e4gt 0,00171 Uml\u00e4ufe pro Tag. Oder ein kompletter Umlauf um die Sonne alle 583,92 Tage. Anders gesagt: Alle 583,92 Tage steht die Venus wieder in einer unteren Konjunktion. Jetzt gibt es aber nicht alle 583,92 Tage einen Venustransit.<\/p>\n<p>Das liegt darin, dass die Venusbahn ein bisschen in Bezug auf die Erdbahn geneigt ist. Die Linie an der sich die Ebene der Venusbahn und die Ebene der Erdbahn schneiden nennt man die Knotenlinie und diese Linie hat zwei Knotenpunkte, n\u00e4mlich dort wo sich die Venusbahn mit der Knotenlinie schneidet. Einmal kommt die Venus quasi von oben nach unten durch die Ebene der Erdbahn und einmal von unten nach oben. Und nur wenn die Venus w\u00e4hrend einer unteren Konjunktion genau in einem Knotenpunkt steht, gibt es einen Venustransit. Wenn wir mal davon ausgehen, dass das zu einem bestimmten Zeitpunkt so ist &#8211; wann passiert das das n\u00e4chste Mal? Nicht nach 583,92 Tagen, dann steht die Venus von der Erde aus gesehen zwar wieder vor der Sonne, aber nicht auf der Knotenlinie sondern irgendwo anders und damit von der Erde aus gesehen ein St\u00fcck \u00fcber oder unter der Sonne. Wir wollen jetzt wissen, wann sich eine untere Konjunktion wiederholt, in der die Venus auf der Knotenlinie steht. Ich spare mir jetzt ein wenig Mathematik und komme gleich zum Ergebnis, n\u00e4mlich der Tatsache, dass die Erde f\u00fcr acht Uml\u00e4ufe um die Sonne fast genau so lange braucht wie die Venus f\u00fcr 13 Runden. Im ersten Fall sind es 2922,048 Tage, im zweiten Fall 2921,113 Tage. Das nennt sich eine 8:13 Resonanz und hei\u00dft: Nach acht Jahren stehen Erde und Venus also in Bezug auf die Sonne wieder so wie zuvor. Wenn die Venus heute auf der Knotenlinie steht, dann wird sie das in acht Jahren wieder tun. Und jetzt schauen wir noch mal auf die 583,92 Tage von vorhin, also die Periode mit der sich eine untere Konjunktion wiederholt. Wenn wir das mit 5 multiplizieren, dann landen wir bei 2919,6 Tagen. Was sehr nahe an den 2922 bzw 2921 Tagen liegt, die wir f\u00fcr die 8:13 Resonanz berechnet haben. W\u00e4hrend der acht Jahre, die vergangen sind, seit die Venus das letzte Mal auf der Knotenlinie gestanden ist, haben f\u00fcnf untere Konjunktionen stattgefunden und die letzte davon zuf\u00e4llig wieder fast genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Venus das n\u00e4chste mal auf der Knotenlinie stand. Und das &#8222;fast&#8220; ist es, dass die Sache noch ein wenig komplizierter macht. Denn wir haben jetzt rausgefunden, warum sich Venustransits nach acht Jahren wiederholen. Aber noch nicht, warum sie sich nicht ALLE acht Jahre wiederholen. Das liegt an den knapp 2,5 Tagen Unterschied zwischen den beiden Perioden, also der 8:13 Resonanz und der 5fachen Periode der unteren Konjunktion. Ich spare mir wieder die entsprechende Rechnerei, aber wegen dieser Differenz ist die Venus nach acht Jahren 2,5 Tage fr\u00fcher vor Ort als die Erde. W\u00e4hrend der 2,5 Tage die die Erde braucht um den Punkt zu erreichen, von dem aus ein Venustransit zu sehen ist, bewegt sich nat\u00fcrlich auch die Venus weiter. Ein St\u00fcck von der Knotenlinie weg und damit auch ein St\u00fcck nach oben oder unten in Bezug auf die Erdbahn. Um circa 269.000 Kilometer, was einem Winkel von 0,36 Grad entspricht. Der Winkel, den die Sonne von der Erde aus gesehen \u00fcberdeckt ist aber nur 0,5 Grad gro\u00df. Wenn die Venus als zum Beispiel beim ersten Transit gerade am unteren Rand der Sonnenscheibe zu sehen war, dann wird sie beim n\u00e4chsten Transit acht Jahre sp\u00e4ter 0,36 Grad weiter oben stehen. Und nochmal acht Jahre sp\u00e4ter wieder 0,36 Grad weiter oben und damit schon \u00fcber der Sonne. Es ist kein Transit mehr zu sehen, f\u00fcr lange Zeit. Wie lange?<\/p>\n<figure id=\"attachment_36406\" aria-describedby=\"caption-attachment-36406\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1280px-Venuskonstellation.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1280px-Venuskonstellation.svg_.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"922\" class=\"size-full wp-image-36406\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36406\" class=\"wp-caption-text\">Erd- und Venusbahn (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Venuskonstellation.svg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das sehen wir, wenn wir uns die Umlaufzeiten noch ein wenig genauer anschauen. Die 8:13 Resonanz von vorhin war zwar halbwegs exakt, aber nicht ganz. Sehr viel exakter ist die \u00dcbereinstimmung zwischen 243 Erdjahren, 395 Uml\u00e4ufen der Venus und 152 Wiederholungen der unteren Konjunktion (das d\u00fcrfen jetzt alle selbst nachrechnen). Nur alle 243 Jahre wiederholt sich die Situation eines Venustransits also wirklich exakt. Und da es ja zwei Knotenpunkt gibt, kriegen wir alle 243 geteilt durch 2 Jahre, also alle 121,5 Jahre einen Transit. Das Transitpaar, das in den Jahren 2117 und 2125 stattfinden wird (oder stattgefunden hat; nochmal Hallo an die Zukunft!) ist die Wiederholung des Transitpaares, das 243 Jahre zuvor in den Jahren 1874 und 1882 stattgefunden hat. Die Transits aus den Jahren 2004 und 2012 sind die Wiederholung der Transits von 1761 und 1769. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df, das waren viele Zahlen in dieser Folge. Aber so ist die Astronomie eben auch. Und ich finde es ziemlich erstaunlich, dass man mit gar nicht so komplizierter Mathematik so fundamentale Rechnungen anstellen kann. Wir haben ja wirklich nicht mehr als die Grundrechenarten ben\u00f6tigt und ein bisschen simple Geometrie. Und am Ende konnten wir damit die Ausma\u00dfe des Sonnensystems bestimmen und die Abst\u00e4nde zu den Planeten, lange bevor wir in der Lage waren, dorthin zu fliegen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/f908dfcedc394c0fb05d14b1a1c8d7c5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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