{"id":27560,"date":"2023-02-27T18:53:06","date_gmt":"2023-02-27T17:53:06","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/02\/27\/transhumanis-bis-zum-ende-und-einsteins-gehirn-die-buchempfehlungen-vom-februar-2023\/"},"modified":"2025-05-14T17:26:26","modified_gmt":"2025-05-14T15:26:26","slug":"transhumanis-bis-zum-ende-und-einsteins-gehirn-die-buchempfehlungen-vom-februar-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/02\/27\/transhumanis-bis-zum-ende-und-einsteins-gehirn-die-buchempfehlungen-vom-februar-2023\/","title":{"rendered":"Transhumanismus bis zum Ende und Einsteins Gehirn: Die Buchempfehlungen vom Februar 2023"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem Umzug meines Blogs von ScienceBlogs.de an diesen neuen Ort habe ich noch viele Baustellen, die bearbeitet geh\u00f6ren. Unter anderem habe ich <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2022\/10\/01\/anarchisten-am-mond-die-buchempfehlungen-vom-september-2022\/\">seit September 2022 keine Buchempfehlungen mehr geschrieben<\/a>. Damit m\u00f6chte ich jetzt wieder anfangen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was ich von Oktober bis jetzt alles gelesen habe. Aber die meiste Zeit habe ich mit einem Buch &#8211; bzw. einer sechsteiligen Serie &#8211; verbracht. Und ein zweites habe ich auch gerade beendet. Also genug Material f\u00fcr einen Artikel und mit dem geht es jetzt los.<\/p>\n<p><b>Transhumanismus bis zum Ende<\/b><\/p>\n<p>In den letzten Wochen hat mich <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3me5oTR\">&#8222;The Eschaton Sequence&#8220;<\/a> von John C. Wright besch\u00e4ftigt. Ich bin bei der Recherche zu einer <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/520-sternengeschichten-folge-520-der-tote-diamantenstern\">Podcastfolge<\/a> darauf gesto\u00dfen und dann sehr schnell h\u00e4ngen geblieben. Die Serie besteht aus den B\u00e4nden <i>Count to a Trillion, The Hermetic Millennia, The Judge of Ages<br \/>\nThe Architect of Aeons, The Vindication of Man und Count to Infinity<\/i>. Sie ist auf deutsch leider nicht erh\u00e4ltlich, aber trotzdem absolut empfehlenswert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/counttoinfinity.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/counttoinfinity-526x800-1.jpg\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"800\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-36375\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt im fr\u00fchen 23. Jahrhundert. Die Erde hat gerade einen gro\u00dfen Krieg hinter sich, der mit biologischen Waffen gef\u00fchrt worden ist, die politischen Lager haben sich verschoben und aus irgendeinem Grund sind Spanien und Indien als f\u00fchrende Nationen auf die B\u00fchne getreten. Deswegen beginnt auch das zweite Weltraumzeitalter der Menschheit mit einer Mission unter der F\u00fchrung einer spanisch-indischen Crew und einem Captain aus Monaco (!). Ziel ist der Stern BPM 37093, der (in der fiktiven Handlung) als Objekt aus Anti-Materie identifiziert wurde und wo man schon vorher ein seltsames au\u00dferirdisches Artefakt entdeckt hat; ein Ding, bedeckt mit Schriftzeichen die nur rudiment\u00e4r entziffert werden konnten.<\/p>\n<p>Mit an Bord ist Menelaus Montrose; Spezialist f\u00fcr die Mathematik des &#8222;Monuments&#8220; der zu Beginn der Reise mit einer auf der au\u00dferirdischen Technik basierenden Methode versucht, seine Intelligenz zu erh\u00f6hen um das Artefakt entschl\u00fcsseln zu k\u00f6nnen. Klappt aber nicht, zumindest nicht gleich und Montrose wird verr\u00fcckt. Er wacht \u00fcber 100 Jahre sp\u00e4ter wieder auf; in einer Welt die von der Crew des zur\u00fcckgekehrten Raumschiffs beherrscht wird. Mit der mitgebrachten Antimaterie sind sie in der Lage, der Welt einen Frieden unter ihrer Herrschaft aufzuzwingen. Montrose &#8211; jetzt ein &#8222;posthuman&#8220; und intelligenter als alle anderen, soll dabei helfen, aus den Mitgliedern der Crew ebenfalls \u00fcberintelligente Wesen zu machen, die ihren Geist in einen Computer hochladen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So circa zumindest; das was ich bis jetzt erz\u00e4hlt habe, umfasst etwa die H\u00e4lfte des ersten Teils. Und dass das quasi noch gar nichts ist, sieht man unter anderem daran, dass das erste Buch zwar circa im Jahr 2230 beginnt, Band sechs aber im Jahr circa 130.000 (und wo es endet will ich nicht verraten). <\/p>\n<p>Montrose jedenfalls stellt fest, dass er nicht der einzige posthuman ist; w\u00e4hrend des interstellaren Flugs, den er wegen Verr\u00fccktheit nicht mitbekommen hat, wurden Rania geboren (durch k\u00fcnstliche Befruchtung) und ihre Intelligenz ist ebenfalls auf mysteri\u00f6se Weise durch das Monument erh\u00f6ht worden. Montrose und Rania heiraten, sehr zum Mi\u00dffallen von Ximen del Azarchel, dem letzten Captain des Schiffs. Rania hat durch intuitives Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Monument festgestellt, dass die Erde in ein paar Jahrtausenden von einer \u00fcberm\u00e4chtigen Alien-Zivilisation \u00fcberfallen und versklavt werden wird. Und dass es eine noch m\u00e4chtigere Zivilisation gibt, im mehr als 30.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen M3. Also macht sie sich auf den Weg dorthin, um die unbekannten Wesen zu \u00fcberzeugen, die Menschheit zu sch\u00e4tzen. Montrose bleibt zur\u00fcck und sein Job ist es, die Menschheit in den Jahrzehntausenden bis zu Ranias R\u00fcckkehr auf ein technisches Niveau zu bringen, das die Aliens vom Wert der Menschen \u00fcberzeugt. <\/p>\n<p>Soweit die Ausgangslange; aber wer denkt, dass das schon alles ist, liegt falsch. John C. Wright nimmt die Sache mit dem Transhumanismus enorm ernst. Montrose probiert die Jahrzehntausende bis zur R\u00fcckkehr seiner Frau irgendwie zu \u00fcberstehen; die verbleibende Crew unter Del Azarchel verfolgt dabei ihre eigenen Pl\u00e4ne und experimentieren mit den Menschen. Unterschiedlichste augmentierte, verbesserte, umgeformte, absurde Menschenrassen wechseln sich ab; Menschen werden zu Computern; Computern zu Menschen; denkende Maschinen von der Gr\u00f6\u00dfe ganzer Planeten werden konstruiert und damit sind die Visionen von Wright f\u00fcr die Zukunft der Welt immer noch am Anfang. <\/p>\n<p>Die Eschaton-Sequenz ist ein h\u00f6chst originelles Buch; es ist enorm spannend und genau wegen der Spannung und der extremen Visionen von Wright kommt man auch mit der immer komplexer werdenden Sprache klar. Und es ist genau genommen gut, dass die Sprache des Buches sich \u00e4ndert. Immerhin geht es darum, eine Welt zu beschreiben, in der die Menschen keine Menschen mehr sind, sondern etwas ganz anderes, aus den Menschen erwachsenes. Diese aus unserer Sicht extrem fremden Welten und Wesen m\u00fcssen sich nat\u00fcrlich auch extrem fremd verhalten und nach Ma\u00dfst\u00e4ben handeln, die uns unverst\u00e4ndlich erscheinen. Ganz kann Wright das nat\u00fcrlich nicht durchziehen, sonst w\u00fcrde man vom Buch ja \u00fcberhaupt nichts mehr verstehen. Aber er transportiert die Fremdheit eines transhumanen Universums sehr gut. <\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde gerne noch weiter erz\u00e4hlen von dem, was im Buch passiert &#8211; aber dann m\u00fcsste ich spoilern. Nur so viel: Die Erde ist ziemlich bald nicht mehr Ort der Handlung und wie Wright es schafft, astronomische Ph\u00e4nomene konsistent als etwas v\u00f6llig anders zu deuten, ist beeindruckend. Die Eschaton-Sequenz funktioniert, weil Wright es schafft, ein Universum zu schaffen, das faszinierend und fremd gleichzeitig ist. Und weil mit Montrose, dem &#8222;Judge of Ages&#8220; und Del Azarchel, dem &#8222;Master of the World&#8220; ein fast schon religi\u00f6ses Paar von Antagonisten existiert, das trotz aller Ver\u00e4nderung eine gewisse Kontinuit\u00e4t \u00fcber die \u00c4onen der Handlung bietet. <\/p>\n<p>Ich kann die Serie absolut empfehlen, auch wenn ich kein gro\u00dfer Fan der realen philosophischen Str\u00f6mung des Transhumanismus bin. Aber das was Wright da geschrieben hat ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Wer die B\u00fccher in der Print-Version liest, wird schnell die ausf\u00fchrlichen Anh\u00e4nge finden, die einen \u00dcberblick \u00fcber die sehr komplexe Geschichte des Wright-Universums bieten; wer die Serie als Ebook liest wei\u00df jetzt Bescheid. <\/p>\n<p><b>Das Gehirn von Albert Einstein<\/b><\/p>\n<p>Gehirne ohne K\u00f6rper und die Existenz des Geistes \u00fcber das Ende des K\u00f6rpers hinaus gibt es auch in <a href=\"https:\/\/amzn.to\/41tfxfK\">&#8222;Einsteins Hirn&#8220;<\/a> von Franzobel. Aber mit Science Fiction hat dieser Roman absolut gar nichts zu tun. Franzobel erz\u00e4hlt die Geschichte von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Harvey\">Thomas Harvey<\/a>, einem amerikanischen Pathologe, der nach dem Tod von Albert Einstein im Jahr 1955 f\u00fcr dessen Obduktion zust\u00e4ndig war. Und dabei &#8211; gegen den Willen Einsteins und seiner Angeh\u00f6rigen &#8211; dessen Gehirn konserviert hat. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/einsteinshirn-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/einsteinshirn-490x800-1.jpg\" alt=\"\" width=\"490\" height=\"800\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-36374\" \/><\/a><\/p>\n<p>Franzobels Roman ist ein <i>Roman<\/i>, keine Biografie und vermutlich sollte man das Buch nicht einmal als biografischen Roman lesen. Es ist eine Geschichte, die auf dem wahren Leben von Harvey basiert und sich daran orientiert. Aber sich ansonsten all die Freiheiten nimmt, die sich ein Roman nehmen kann. Harveys reales Leben war gleichzeitig \u00f6de und aufregend; er verlor seine Zulassung als Arzt, wechselte st\u00e4ndig den Wohnort, schlug sich mit diversen Jobs durch und hatte das Hirn immer dabei. Im Roman entwickelt Harvey eine Obsession gegen\u00fcber Einsteins Gehirnmasse und es ist kein allzu gro\u00dfer Spoiler, wenn man festh\u00e4lt, dass nat\u00fcrlich kommt, was kommen muss: Das Hirn von Einstein spricht zu Harvey. So eine Situation hat Klamauk-Potenzial; man k\u00f6nnte daraus eine Science-Fiction-Geschichte machen. Franzobel l\u00e4sst diese offensichtlichen Wege links liegen und hat eine fiktiv-reale Lebensgeschichte eines Mannes aufgeschrieben, der gleichzeitig st\u00e4ndig scheitert und doch irgendwie zufrieden ist. Eines Mannes, der st\u00e4ndig Schwierigkeiten mit den Menschen in seiner Umgebung hat und sich nicht von der Beziehung zu Einstein l\u00f6sen kann, um ihm die Erl\u00f6sung zu bringen. Einsteins Geist weigert sich aber standhaft, an Gott zu glauben. <\/p>\n<p>Thomas Harvey und Einsteins Hirn reisen durch die USA, erleben gemeinsam die Mondlandung, Woodstock, den Vietnamkrieg und andere Schl\u00fcsselmomente der Geschichte. Das Buch ist eine Mischung aus Roadtrip und Sinnsuche; eine wilde Mixtur aus Alltag und Wahnsinn. Ich habe es mit gro\u00dfer Freude gelesen.<\/p>\n<p><b>Das wars<\/b><\/p>\n<p>Das war es vorerst. Ich habe definitiv vor, die Buchbesprechungen wieder regelm\u00e4\u00dfig am Monatsende zu schreiben. Denn es gibt so viele B\u00fccher und wenn man ein gutes Buch gefunden hat, dann will man anderen davon erz\u00e4hlen. Und von den schlechten B\u00fcchern ebenso \ud83d\ude09<\/p>\n<p><i><span style=\"font-size: xx-small;\">Die Links zu den B\u00fccher sind Amazon-Affiliate-Links. Beim Anklicken werden keine pers\u00f6nlichen Daten \u00fcbertragen.<\/span><\/i><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ddfc0c2cc35d4cc98aaaf7381c80a16d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Umzug meines Blogs von ScienceBlogs.de an diesen neuen Ort habe ich noch viele Baustellen, die bearbeitet geh\u00f6ren. Unter anderem habe ich seit September 2022 keine Buchempfehlungen mehr geschrieben. Damit m\u00f6chte ich jetzt wieder anfangen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was ich von Oktober bis jetzt alles gelesen habe. 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