{"id":27506,"date":"2023-01-13T08:00:30","date_gmt":"2023-01-13T07:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/01\/13\/sternengeschichten-folge-529-das-galaktische-antizentrum\/"},"modified":"2025-05-14T17:25:12","modified_gmt":"2025-05-14T15:25:12","slug":"sternengeschichten-folge-529-das-galaktische-antizentrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2023\/01\/13\/sternengeschichten-folge-529-das-galaktische-antizentrum\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 529: Das galaktische Antizentrum"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150-1.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/audio.podigee-cdn.net\/987313-m-926b9a6eb59247ec5a5945d1d5395bee.mp3 \">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/L9c-w92USLk\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/529-sternengeschichten-folge-529-das-galaktische-antizentrum\/embed?context=external&#038;token=uHaDSz8Gbpg4lC7b4En5Ew\"><\/script><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Sternengeschichten Folge 529: Das galaktische Antizentrum<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum unserer Galaxie ist jede Menge los. In einer Kugel mit circa 3 Lichtjahren Durchmesser rund um das Zentrum dr\u00e4ngen sich 10 Millionen Sterne &#8211; und dass das sehr viele Sterne sind, sieht man schnell, wenn man sich \u00fcberlegt, dass zwischen unserer Sonne und dem ihr n\u00e4chstgelegenen Stern ein Abstand von vier Lichtjahren ist. Inmitten dieses Sterngewusels im Zentrum der Milchstra\u00dfe sitzt ein gewaltiges schwarzes Loch das vier Millionen mal mehr Masse hat als unsere Sonne. Seine Schwerkraft schleudert die Sterne mit enormen Geschwindigkeiten herum; die Bewegung der Sterne im Zentrum ist generell eher chaotisch und die ganze Gegend nicht sonderlich lebensfreundlich. Wenn einer der Sterne als Supernova explodiert, dann werden seine vielen nahen Nachbarn dadurch ebenfalls beeinflusst und die gesamte kosmische Strahlung all dieser dicht an dicht stehenden Sterne w\u00e4re f\u00fcr die Existenz von Leben ebenfalls nicht sehr zutr\u00e4glich. Wir k\u00f6nnen froh sein, dass wir gut 25.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt sind, in den \u00e4u\u00dferen Bereichen der Milchstra\u00dfe geht es ein wenig beschaulicher zu. W\u00e4re unsere Galaxie eine Stadt, dann w\u00fcrden wir in Vororten leben, quasi im Speckg\u00fcrtel der Milchstra\u00dfe. <\/p>\n<p>Aus unserer Sicht ist es spannend, auf das Zentrum zu blicken; gerade weil dort so viel passiert. Genau so spannend kann es aber auch sein, in die entgegengesetzte Richtung zu blicken. Also, um im Bild zu bleiben, nicht hinein ins wuselnde Stadtzentrum sondern hinaus, aufs platte Land, dort wo wirklich gar nichts mehr los ist. Zumindest scheinbar, denn wenn es um die Milchstra\u00dfe geht, kann man aus der Beobachtung des galaktischen Antizentrums \u00fcberraschend viel lernen.<\/p>\n<p>Und dazu sollten wir vielleicht kl\u00e4ren, was mit einem &#8222;Antizentrum&#8220; \u00fcberhaupt gemeint ist. Das Zentrum ist klar; dass ist die Mitte und bei einer im Wesentlichen scheibenf\u00f6rmigen Struktur wie unserer Milchstra\u00dfe ist das auch einigerma\u00dfen leicht zu definieren. Da kann es nur ein Zentrum geben &#8211; aber was ist das Gegenteil der Mitte? Der Rand? Ja, und Nein. In der Astronomie wird als &#8222;galaktisches Antizentrum&#8220; einfach der Punkt bezeichnet, der von uns aus gesehen dem galaktischen Zentrum genau gegen\u00fcberliegt. Wir k\u00f6nnen daf\u00fcr wieder auf das praktische Bild der Himmelskugel zur\u00fcckgreifen. Wir tun so, als w\u00e4ren wir in der Mitte des Universums und sehen alle Sterne und andere Himmelsk\u00f6rper wie auf einer gro\u00dfen Kugelschale um uns herum. So schaut es ja auch tats\u00e4chlich aus, wenn wir zum Himmel blicken und lange Zeit hat man auch geglaubt, dass die Welt exakt so organisiert ist und die Sterne wirklich nur Lichter sind, die auf irgendeiner fernen Kristallsph\u00e4re montiert sind. Die Realit\u00e4t ist nat\u00fcrlich eine andere, aber es ist in manchen F\u00e4llen praktisch, so zu tun, als w\u00fcrde es die Himmelskugel tats\u00e4chlich geben. Auf dieser fiktiven Sph\u00e4re sehen wir das Zentrum der Milchstra\u00dfe auf jeden Fall dort, wo sich das Sternbild Sch\u00fctze am Himmel befindet. Und wenn wir uns jetzt einmal um 180 Grad drehen, dann schauen wir auf die Sternbilder Fuhrmann und Stier. Genau an der Grenze zwischen ihnen findet wir den Stern Elnath, der zu den 50 hellsten Sternen des Himmels geh\u00f6rt und daher gut zu sehen ist. Wenn wir auf diesen Stern schauen, dann schauen wir fast genau auf das galaktische Antizentrum. <\/p>\n<figure id=\"attachment_36291\" aria-describedby=\"caption-attachment-36291\" style=\"width: 874px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/antizentrum.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/antizentrum.png\" alt=\"\" width=\"874\" height=\"552\" class=\"size-full wp-image-36291\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36291\" class=\"wp-caption-text\">Galaktisches Antizentrum (<a href=\"https:\/\/www.cosmos.esa.int\/web\/gaia\/edr3-galactic-anticentre\">Bild: Background: ESA\/Hubble, Sketch: ESA\/Gaia\/DPAC<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sch\u00f6n und gut &#8211; aber warum sollte uns das interessieren? Dort sitzt kein schwarzes Loch um das sich alles dreht; dort sausen keine Sterne wild herum. Dort ist, wie es sich f\u00fcr ein Antizentrum geh\u00f6rt &#8211; nicht viel los. Aber genau das ist auch der Grund, warum diese Gegend f\u00fcr die Forschung interessant ist. Wir k\u00f6nnen ein weiteres Mal den Vergleich zwischen Stadt und Land verwenden. In der Stadt und vor allem im Stadtzentrum passiert jede Menge. Da geschehen neue Dinge; es er\u00f6ffnen neue Gesch\u00e4fte; es schlie\u00dfen Gesch\u00e4fte, die neuen Filme und Theaterst\u00fccke werden dort als erstes aufgef\u00fchrt, und so weiter. Es ist alles sehr lebendig und die Dinge \u00e4ndern sich schnell. Drau\u00dfen am Land l\u00e4uft alles ein wenig langsamer ab. Es gibt weniger Ver\u00e4nderung und manchmal kommt es einem so vor, als w\u00e4re die Zeit dort stehen geblieben. Das ist, wenn es um den Vergleich von Stadt und Land geht, nat\u00fcrlich ein wenig \u00fcbertrieben. Aber auch nicht v\u00f6llig falsch und beim galaktischen Antizentrum definitiv korrekt.<\/p>\n<p>Die Sterne, die sich dort drau\u00dfen, am Rand der Milchstra\u00dfe befinden, bewegen sich viel langsamer als die, die weiter drinnen ihre Runden ziehen. Die Abst\u00e4nde zwischen den Sternen sind viel, viel gr\u00f6\u00dfer und damit auch die gravitativen St\u00f6rungen, die sie aufeinander aus\u00fcben. Das bedeutet, dass wir dort auch die Vergangenheit der Milchstra\u00dfe besonders gut erforschen k\u00f6nnen. Unsere Galaxis war ja nicht immer genau so, wie wir sie heute sehen. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, jetzt die gesamte Geschichte einer Galaxie zu erz\u00e4hlen. Die Milchstra\u00dfe ist alt, fast so alt wie das Universum selbst. Aber bei ihrer Entstehung war sie &#8211; so wie alle anderen Galaxien &#8211; noch nicht so gro\u00df wie heute sondern eine vergleichsweise kleine Gruppe von Sternen. Sie ist durch die Verschmelzung mit anderen kleinen Galaxien gewachsen und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wie ich in Folge 418 erz\u00e4hlt habe, wird sie in ein paar Milliarden Jahren mit der Andromedagalaxie verschmelzen und eine noch gr\u00f6\u00dfere Galaxie werden. Es ist schwer, heute noch Spuren dieser vergangenen Wachstumsschritte zu finden. Die Sterne haben sich im Laufe der Zeit miteinander vermischt und wenn wir ins hektische Zentrum der Milchstra\u00dfe schauen, finden wir gar keine Spuren mehr von dem, was fr\u00fcher vielleicht war.<\/p>\n<p>In den Au\u00dfenbereichen l\u00e4uft es aber &#8211; wie gesagt &#8211; ein wenig langsamer ab. Unterschiede zwischen verschiedenen Sternengruppen k\u00f6nnen dort unter Umst\u00e4nden immer noch beobachtet werden; es war noch zu wenig Zeit, als dass sich auch dort alles vermischt hat. St\u00f6rungen wirken sich nur langsam aus und die aus der Verschmelzung zweier Galaxien entstandenen Besonderheiten bleiben l\u00e4nger bestehen. Beim Blick nach au\u00dfen k\u00f6nnen wir auch nicht nur die Au\u00dfenbereiche der galaktischen Scheibe beobachten sondern gleichzeitig auch den Halo, also die gro\u00dfe kugelf\u00f6rmige Region um die Scheibe der Milchstra\u00dfe herum. Dort befinden sich jede Menge alte Kugelsternhaufen, Gaswolken und alte Einzelsterne und auch die Sternstr\u00f6me, von denen ich in Folge 177 erz\u00e4hlt habe und die die letzten \u00dcberreste von fremden Galaxien sind, die die Milchstra\u00dfe fr\u00fcher mal verschluckt hat. <\/p>\n<p>Dazu kommt: Der Blick ins Zentrum der Milchstra\u00dfe ist uns fast komplett durch Staubwolken verstellt und wir brauchen Radio- und Infrarotteleskope, um dort etwas zu sehen. In Richtung Antizentrum ist naturgem\u00e4\u00df weniger los und wir k\u00f6nnen sehr viel besser und genauer beobachten, was dort passiert. Zum Beispiel mit dem GAIA-Weltraumteleskop, dass bei seiner exakte Vermessung von knapp 2 Milliarden Sternen der Milchstra\u00dfe nat\u00fcrlich auch das galaktische Antizentrum untersucht hat. Wir wissen jetzt, wie schnell und in welche Richtung sich die Sterne dort bewegen und die Daten sind \u00e4u\u00dferst interessant. Ich spare mir die mathematisch-wissenschaftlichen Details dieser Analyse &#8211; aber ein Ergebnis besteht zum Beispiel in der Erkenntnis, dass die Scheibe der alten, quasi urspr\u00fcnglichen Scheibe der Milchstra\u00dfe sehr viel kleiner ist als die heutige. Die Sterne, die aus der Verschmelzung der Milchstra\u00dfe mit der Gaia-Enceladus-Galaxie vor gut 9 Milliarden Jahren stammen, reichen weit \u00fcber diese urspr\u00fcngliche Scheibe hinaus (davon habe ich im Detail in Folge 480 gesprochen). Man hat auch entdeckt, dass die Scheibe der heutigen Milchstra\u00dfe in den Au\u00dfenbereichen ein wenig verbogen ist und hat auch diverse andere Hinweise auf gravitative St\u00f6rungen und Einfl\u00fcsse entdeckt. Worin sie genau bestehen, ist noch nicht eindeutig bekannt. <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/KcbwA1xhA6A\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Aber auch hier wird die weitere Erforschung des Antizentrums neue Erkenntnisse bringen. Es ist wirklich ein ganz besonderer Ort. Wenn es um das Verst\u00e4ndnis von Galaxien an sich geht, haben wir ja enorm viel aus der Beobachtung anderer Galaxien gelernt. Lange bevor wir wussten, welche Form unsere eigene Milchstra\u00dfe hat, haben wir die vielen unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten bei anderen, weit entfernten Sternensystemen gesehen. Wir sitzen ja mitten in der Galaxis und so wie man mitten im Wald vor lauter B\u00e4umen kaum etwas \u00fcber die Form des Waldes sagen kann, ist es schwer, die Milchstra\u00dfe von innen heraus zu verstehen. Aber wenn es um die Au\u00dfenbereiche einer Galaxie geht, hilft uns die Beobachtung ferner Objekte nicht viel. Denn dort befinden sich nunmal wenig Sterne und es ist schon schwer genug, weit entfernte Galaxien zu beobachten, weil von da nur so wenig Licht zu uns kommt. Die noch viel lichtschw\u00e4cheren Au\u00dfenbereiche dieser Galaxien sind im Detail so gut wie gar nicht zu untersuchen. Bei unserer Milchstra\u00dfe klappt das aber recht gut; wir sitzen ja quasi auf halben Weg zwischen Zentrum und Rand. Und wenn wir den Blick vom Trubel in der Mitte abwenden und auch ab und zu mal in die scheinbar langweiligen Regionen drau\u00dfen am galaktischen &#8222;Land&#8220; werfen, k\u00f6nnen wir dort Dinge lernen, die wir nirgendwo anders herausfinden k\u00f6nnen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/8ede8ecc770044b89f5318e1fc9de139\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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