{"id":27405,"date":"2008-09-25T11:55:10","date_gmt":"2008-09-25T09:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/09\/25\/osterreich-schafft-die-studiengebuhren-ab\/"},"modified":"2025-05-14T17:24:23","modified_gmt":"2025-05-14T15:24:23","slug":"osterreich-schafft-die-studiengebuhren-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/09\/25\/osterreich-schafft-die-studiengebuhren-ab\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreich schafft die Studiengeb\u00fchren ab!"},"content":{"rendered":"<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"3419\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-5b2c40e660bdcbd185c39ff7337e4d4a-demo_1.jpg\" alt=\"i-5b2c40e660bdcbd185c39ff7337e4d4a-demo_1.jpg\" \/><\/form>\n<p>Bis zum Jahr 2000 war ein Studium in \u00d6sterreich noch wirklich frei. Jeder konnte studieren was er oder sie wollte; es gab keinen Numerus Clausus oder sonstige Einschr\u00e4nkungen (nat\u00fcrlich musste man Matura\/Abitur haben). Und das Studium selbst war bis auf eine kleine Verwaltungsgeb\u00fchr kostenlos. <\/p>\n<p>Dann kam im Jahr 2000 die Mitte-Rechts-Regierung aus \u00d6VP und FP\u00d6 und Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer (die bis dahin in jedem Interview behauptete das unter ihr keine Studiengeb\u00fchren eingef\u00fchrt werden) f\u00fchrte Studiengeb\u00fchren ein. Im Wahlkampf 2006 machte die SP\u00d6 die Abschaffung der Studiengeb\u00fchren zu einer ihrer Hauptversprechen. Als sie dann aber als st\u00e4rkste Partei gemeinsam mit der \u00d6VP eine Regierung bildeten, \u00e4nderte sich nichts: die Studiengeb\u00fchren blieben. Vor ein paar Jahren wurden dann wegen bestimmter EU-Richtlinien auch Zugangsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr verschiedene Studieng\u00e4nge (z.B. Medizin, Psychologie, Biologie, etc) eingef\u00fchrt. N\u00e4chsten Sonntag wird schon wieder ein <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/09\/ich-argere-mich-uber-die-osterreichische-politik.php\">neuer Nationalrat in \u00d6sterreich gew\u00e4hlt<\/a>. Und gestern fand im Parlament eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Sitzung statt in der alle Parteien in wechselnden Koalitionen noch schnell die verschiedensten Gesetze beschlossen. Eine seltsame Koalition aus SP\u00d6, Gr\u00fcnen und der FP\u00d6 beschloss dabei die <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/?url=\/?id=1220459076715\">Abschaffung der Studiengeb\u00fchren<\/a> und der meisten Zugangsbeschr\u00e4nkungen (ausgenommen die f\u00fcr Medizin und Psychologie)<\/p>\n<p>Ich finde das sehr gut! Prinzipiell k\u00f6nnte man ja \u00fcber Studiengeb\u00fchren reden. <i>Wenn<\/i> es vern\u00fcnftige und einfache Regelungen f\u00fcr sozial schw\u00e4chere Studenten gibt und <i>wenn<\/i> die Studienbedingungen Geb\u00fchren rechtfertigen, <i>dann<\/i> w\u00fcrden sie vielleicht sogar sinnvoll sein.<br \/>Aber davon war \u00d6sterreich weit entfernt! Auch nach der Einf\u00fchrung der Geb\u00fchren haben sich die Studienbedingungen nicht wesentlich verbessert. Immer noch durften sich die Studenten mit \u00fcberf\u00fcllten H\u00f6rs\u00e4len (teilweise sogar <a href=\"https:\/\/fm4.orf.at\/connected\/49727\/main?tmp=3753\">einst\u00fcrzenden H\u00f6rs\u00e4len<\/a>!), veralteter Infrastruktur, \u00fcberf\u00fcllten Seminaren und Praktikas mit semesterlangen Wartezeiten und zu wenig Lehrpersonal f\u00fcr zuviel Studenten herum\u00e4rgern. Nur, dass sie nun auch noch daf\u00fcr bezahlen durften.<\/p>\n<p>Auch die Zulassungsbeschr\u00e4nkungen waren typisch \u00f6sterreichisch eine chaotische Angelegenheit. Es gab keine gemeinsame Regelung; jede Universit\u00e4t bzw. jeder Studiengang konnte selbst entscheiden wie die Studenten ausgew\u00e4hlt werden. Das reichte von &#8222;Wir schauen uns den Lebenslauf an und suchen uns jemanden aus&#8220; bis hin zu gro\u00dfen Zulassungspr\u00fcfungen.<\/p>\n<p>Die \u00d6VP hat jedenfalls bis gestern noch alles m\u00f6gliche versucht um die Abschaffung zu verhinderen und dabei f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten den Teufel an die Wand gemalt. Sie hat sogar eine Umfrage veranstaltet um zu zeigen, dass die gro\u00dfe Mehrheit der \u00d6sterreicher f\u00fcr die Beibehaltung der Geb\u00fchren ist. Und tats\u00e4chlich: 71% der Menschen wollen die Geb\u00fchren weiterhin. Das ist auch verst\u00e4ndlich wenn man sich den &#8222;neutralen&#8220; und &#8222;objektiven&#8220; <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/?url=\/?id=1220459076715\">Text der Frage<\/a> ansieht:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die Studienbeitr\u00e4ge von 363,- Euro pro Semester haben die<br \/>\nDurchschnittsdauer um 1 Jahr verk\u00fcrzt. Daher gibt es kaum noch<br \/>\nStudierende die keine Pr\u00fcfung ablegen. Rund jeder 3. Studierende an<br \/>\nFachhochschulen und jeder 5. Studierende an Universit\u00e4ten bekommt durch<br \/>\neine Studienf\u00f6rderung die Studienbeitr\u00e4ge ersetzt. Was meinen Sie:<br \/>\nSollen die Studienbeitr\u00e4ge abgeschafft werden und der Steuerzahler f\u00fcr<br \/>\nden Einnahmenausfall (150 Mio. Euro pro Jahr) aufkommen, oder sollen<br \/>\ndie Studienbeitr\u00e4ge erhalten bleiben, da sie ein moderater Beitrag zu<br \/>\nden Kosten eines Studiums sind?&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Was soll man da noch dazu sagen. Gestern hatten sie dann noch versucht, die Abschaffung vom Ergebnis einer Volksabstimmung abh\u00e4ngigen zu machen &#8211; ebenfalls erfolglos.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die \u00d6VP, auch die Rektoren der meisten Universit\u00e4ten (die den Wegfall der Studiengeb\u00fchren nat\u00fcrlich ersetzt bekommen) sind nicht gl\u00fccklich mit dieser Entscheidung. Sie bef\u00fcrchten nun einen Ansturm auf die Unis und zu viele neue Studenten.<\/p>\n<p>Prinzipiell halte ich es f\u00fcr keine schlechte Sache wenn sich in \u00d6sterreich mehr junge Leute f\u00fcr ein Studium entscheiden. Mit einer Akademikerquote von 14% liegt \u00d6sterreich weit unter dem OECD-Durchschnitt (mit 24% ist der genauso hoch wie die Akademikerquote in Deutschland). Da sollte man dringend Anreize schaffen, um mehr Leute an die Unis zu holen.<br \/>Ich verstehe auch, dass die Rektoren sich vor einem Ansturm f\u00fcrchten. Die meisten Universit\u00e4ten kommen jetzt schon nicht mehr der Masse an Studenten klar und es wird immer weiter an Personal gespart. Aber der vern\u00fcnftige Weg (zumindest meiner Meinung nach) w\u00e4re, die finanzielle Lage der Unis zu verbessern damit sie die Studenten vern\u00fcnftig und angemessen ausbilden k\u00f6nnen. Aber die \u00d6VP und viele Rektoren scheinen lieber auf Abschreckung durch Studiengeb\u00fchren und Zulassungsbeschr\u00e4nkungen zu setzen um die Studentenzahlen niedrig zu halten.<\/p>\n<p>H\u00e4tte es zu meiner Zeit schon Numerus Clausus oder Zulassungspr\u00fcfungen gegeben, dann w\u00e4re ich heute wohl kein Astronom. In der Schule war ich n\u00e4mlich ziemlich schlecht in Mathematik. Nicht, weil ich es nicht verstanden h\u00e4tte &#8211; aber unser Lehrer war da nicht sehr motiviert und konnte kaum Interesse f\u00fcr das Thema wecken. Was Mathematik wirklich ist habe ich erst auf der Uni gelernt und bin dann auch schnell richtig gut darin geworden.<\/p>\n<p>Mir ist klar, das es wohl wirklich einige Leute gibt, die besser nicht an die Universit\u00e4t gegangen w\u00e4ren. Viele junge Menschen beginnen wohl einfach nur aus Mangel an Alternativen bzw. sogar vielleicht aus Langeweile ein Studium. <br \/>Wenn man hier eine gewissen Kontrolle \u00fcber die Studienzahlen haben m\u00f6chte, dann w\u00e4re es vielleicht besser eine Art &#8222;Testphase&#8220; ins Studium einzubauen. Es sollte also weiterhin jeder das Studium beginnen k\u00f6nnen das er oder sie gerne will. Aber z.B. nach 2 Semstern k\u00f6nnte dann \u00fcberpr\u00fcft werden, ob die Wahl wirklich sinnvoll ist. Das soll nicht bedeuten dass dann nach einer gewissen Zeit einfach 50% &#8222;rausgepr\u00fcft&#8220; werden! Aber man kann f\u00fcr jeden Studiengang gewisse Kriterien definieren, die nach bestimmter Zeit erf\u00fcllt werden m\u00fcssen. Wer das kann, der studiert weiter.<\/p>\n<p>Das ganze Thema ist nicht einfach und auch in \u00d6sterreich wird sich noch einiges tun m\u00fcssen. Aber die Abschaffung der Studiengeb\u00fchren und Zugangsbeschr\u00e4nkungen in ihrer bisherigen Form ist auf jeden Fall schon mal ein Fortschritt!<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zum Jahr 2000 war ein Studium in \u00d6sterreich noch wirklich frei. Jeder konnte studieren was er oder sie wollte; es gab keinen Numerus Clausus oder sonstige Einschr\u00e4nkungen (nat\u00fcrlich musste man Matura\/Abitur haben). Und das Studium selbst war bis auf eine kleine Verwaltungsgeb\u00fchr kostenlos. 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