{"id":27403,"date":"2008-09-23T20:48:54","date_gmt":"2008-09-23T18:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/09\/23\/auf-der-suche-nach-verlorenen-zeit\/"},"modified":"2025-05-14T17:24:23","modified_gmt":"2025-05-14T15:24:23","slug":"auf-der-suche-nach-verlorenen-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/09\/23\/auf-der-suche-nach-verlorenen-zeit\/","title":{"rendered":"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"},"content":{"rendered":"<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"3390\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-6cd9dc38ca6d451651665f174b1fa507-proust_tn.jpg\" alt=\"i-6cd9dc38ca6d451651665f174b1fa507-proust_tn.jpg\" \/><\/form>\n<p>Heute muss ich mal ein bisschen Eigenwerbung machen. Ich habe n\u00e4mlich ein neues Blog aufgemacht. Das hat diesmal nichts mit Wissenschaft zu tun sondern mit meiner zweiten gro\u00dfen Leidenschaft &#8211; den B\u00fcchern.<\/p>\n<p>Das Thema des Blogs ist schnell beschrieben: Ich lese ein Buch und blogge dar\u00fcber. Und ich meine wirklich <strong>ein<\/strong> Buch. Ein einziges. Und zwar &#8222;<a href=\"https:\/\/www.proustblog.de\/\"><i>Auf der Suche nach der verlorenen Zeit<\/i><\/a>&#8220; von <i>Marcel Proust<\/i>. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht ob jemand dieses Buch schon mal gelesen hat? Es ist &#8211; zumindest meiner Meinung nach &#8211; ein \u00e4u\u00dferst gutes Buch. Aber verdammt schwer zu lesen. Der f\u00fcr Proust typische Schreibstil macht die Lekt\u00fcre nicht unbedingt leicht. Ich selbst lese ja wirklich viel und gerne. Und bis jetzt habe ich auch alle B\u00fccher die ich begonnen habe auch (fast) immer zu Ende gelesen. Nur an Proust bin ich immer gescheitert. Ich habe schon 3 Versuche hinter mir und es dabei nur bis zur H\u00e4lfte des dritten Bandes geschafft. <i>&#8222;Auf der Suche nach der verlorenen Zeit&#8220;<\/i> ist n\u00e4mlich nicht nur schwer zu lesen sondern auch sehr lang \ud83d\ude09 In meiner Ausgabe sind es 4194 Seiten.<\/p>\n<p>Daher habe ich mir vor meinem vierten Leseversuch etwas besonderes \u00fcberlegt. Wenn ich regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber das gelesene schreibe, dann f\u00e4llt es mir vielleicht 1) leichter weiter zu machen und 2) sind l\u00e4ngere Lesepausen nicht so schlimm weil ich ja meine Aufzeichnungen habe. Im Gegensatz zu anderen B\u00fcchern kann man n\u00e4mlich bei <i>&#8222;Auf der Suche nach der verlorenen Zeit&#8220;<\/i> nicht einfach mal eben zwischendurch ein bisschen lesen. Der Schreibstil mit seinen exzessiven Beschreibungen und fast schon unertr\u00e4glich langsamen Handlung macht es unm\u00f6glich nur <i>kurz<\/i> in dem Buch zu lesen. Man braucht immer einige Zeit, um sich wieder an den Stil zu gew\u00f6hnen (so geht es zumindestens mir). <\/p>\n<p>Dann dachte ich mir, dass ich zus\u00e4tzliche Motivation gewinnen w\u00fcrde, wenn ich das ganze auch noch ver\u00f6ffentliche. Also habe ich vor 3 Jahren eine <a href=\"https:\/\/www.astro.uni-jena.de\/%7Eflorian\/proust\/proust.html\">Homepage<\/a> dazu eingerichtet. Damals noch ganz normal und kein Blog. Das mit der &#8222;\u00f6ffentlichen Lekt\u00fcre&#8220; hat auch gut funktioniert &#8211; bis die Sache dann September 2006 wieder eingeschlafen ist.<\/p>\n<p>ABER: mein Konzept war nicht so schlecht. Als ich vor kurzem das Buch wieder mal in der Hand hatte und ich Lust bekam, wieder weiterzulesen ging das ganz problemlos. Dank meiner Aufzeichnungen hab ich den Anschluss sehr schnell wiedergefunden.<\/p>\n<p>Ich habe mich dann auch entschlossen das Projekt zu modernisieren und in ein echtes Blog umzuwandeln. Und deswegen existiert jetzt das <a href=\"https:\/\/www.proustblog.de\/\">Proustblog<\/a>!<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"3386\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/www.proustblog.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-5c3bbdd9ef63f27eccaee48ad71e861b-proustlogo-thumb-450x78-1.jpg\" alt=\"i-5c3bbdd9ef63f27eccaee48ad71e861b-proustlogo-thumb-450x78.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p>Ich hoffe, dass ich diesmal nicht wieder so schnell aussteige und das Buch endlich mal zu Ende lesen kann! Aufmunternde und anfeuernde Kommentare helfen dabei sicher \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Und vielleicht bekommt ja der eine oder die andere dann auch selbst Lust, das Buch zu lesen? Ich kann es jedenfalls nur empfehlen! Auch wenn es schwer zu lesen ist &#8211; es ist wirklich gut! Zum Einstieg empfehle ich &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Proust-Leben-ver%C3%A4ndern-kann-Anleitung\/dp\/3596137349\">Wie Proust ihr Leben ver\u00e4ndern kann<\/a>&#8220; von <i>Alain de Botton<\/i>. Das macht wirklich Lust aufs Lesen.<\/p>\n<p>Und damit jeder wei\u00df, worauf er sich einl\u00e4sst kommt zum Abschluss noch ein Satz aus dem Buch &#8211; und zwar der l\u00e4ngste des ganzen Werks:<\/p>\n<blockquote><p><em>Diejenigen der alten Verdurinschen M\u00f6bel, die hier, manchmal sogar unter<br \/>\nBeibehaltung einer bestimmten Anordnung, erneut Platz gefunden hatten und<br \/>\ndenen ich selbst in La Raspeliere wiederbegegnet war, f\u00fcgten in den<br \/>\ngegenw\u00e4rtigen Salon Teile des alten ein, die augenblicksweise mit nahezu<br \/>\nhalluzinatorischer Deutlichkeit jenen fr\u00fcheren noch einmal<br \/>\nheraufbeschworen, gleich darauf aber fast unwirklich schienen, weil sie<br \/>\ninmitten der umgebenden Wirklichkeit Bruchst\u00fccke einer untergegangenen<br \/>\nWelt, die man an einem anderen Orte w\u00e4hnte, wiedererstehen lie\u00dfen: ein aus<br \/>\nTr\u00e4umen entstiegenes Kanapee zwischen neuen, sehr wirklichen Sesseln,<br \/>\nkleine, mit rosa Seide bezogene St\u00fchle, eine durchwirkte Tischdecke auf<br \/>\ndem Spieltisch, die zur W\u00fcrde einer person erhoben schien, denn wie eine<br \/>\nPerson besa\u00df sie eine Vergangenheit, ein Ged\u00e4chtnis, behielt sie doch im<br \/>\nkalten Dunkel des Salons am Quai Conti jene Br\u00e4unung bei, welche die durch<br \/>\ndie Fenster der Rue Montalivet einfallende Sonnenstrahlung (deren genaue<br \/>\nStunde die Decke ebenso gut kannte wie Madame Verdurin selbst) bewirkt<br \/>\nhatte, sowie die, die durch die Glasfenster der Gegend bei Doville sich<br \/>\nergo\u00df &#8211; wohin man jenes Requisit mitgenommen und wo es den ganzen Tag \u00fcber<br \/>\nden Blumengarten hinweg das tiefe Tal \u00fcberschaut hatte in Erwartung der<br \/>\nStunden, da Cottard und der Geiger ihre Kartenspiele absolvieren w\u00fcrden &#8211;<br \/>\noder auch ein Strau\u00df aus Veilchen und Stiefm\u00fctterchen in Pastell, Geschenk<br \/>\neines befreundeten gro\u00dfen K\u00fcnstlers, der seither verstorben war, einziges<br \/>\nhinterbliebenes Fragment eines Lebens, das sonst keine Spuren hinterlassen<br \/>\nhatte; jetzt sprach nur dieses Bild noch  &#8211; in ganz summarischen Z\u00fcgen &#8211;<br \/>\nvon einem gro\u00dfen Talent und von einer langen Freundschaft, als einziges<br \/>\n\u00dcberbleibsel erinnerte es noch an Elistirs sanften Blick, an die sch\u00f6ne,<br \/>\nf\u00fcllige und traurige Hand, mit der er immer gemalt hatte; ein gef\u00e4lliges<br \/>\nDurcheinander, eine Wirrnis aus Geschenken der Getreuen, die der<br \/>\nHausherrin \u00fcberallhin gefolgt waren und schlie\u00dflich die feste Pr\u00e4gung<br \/>\neines Charakterzuges, einer Schicksalslinie angenommen hatten, eine F\u00fclle<br \/>\nvon Blumenstr\u00e4u\u00dfen und Pralinenschachteln, die hier wie dort in einer ganz<br \/>\ngleichen Art von \u00fcppigem Wachstum wuchernd sich entfalteten; eine<br \/>\nmerkw\u00fcrdige Einsprengung aus sonderbaren und \u00fcberfl\u00fcssigen Objekten, jenen<br \/>\nDingen, die noch aussehen, als kommen sie eben erst aus der Verpackung<br \/>\nhervor, in der sie als Geschenk \u00fcberreicht worden sind, und die das ganze<br \/>\nLeben hindurch bleiben, was sie zun\u00e4chst gewesen sind, n\u00e4mlich Geschenke<br \/>\nzum 1. Januar, alle jene Gegenst\u00e4nde endlich, die man von den anderen<br \/>\nnicht h\u00e4tte trennen k\u00f6nnen, die aber f\u00fcr Brichot, den alten Besucher der<br \/>\nVerdurinschen Feste, eine Patina und Weichheit bekommen hatten, wie sie<br \/>\nDingen eigen sind, denen ein geistiges Abbild ihrer selbst in unserem<br \/>\nInnern eine Art von Tiefe hinzuzuf\u00fcgen scheint &#8211; alles dies lie\u00df perlend<br \/>\nin ihm jeweils T\u00f6ne erwachen, welche in seinem Herzen geliebte Ankl\u00e4nge<br \/>\nweckten: verworrene Erinnerungen, die gerade hier in diesem ganz und gar<br \/>\ndie Gegenwart verk\u00f6rpernden Salon, indem sie vereinzelte Lichtflecke<br \/>\nschufen &#8211; sowie an einem sch\u00f6nen Tage die Sonne im Viereck geradezu in die<br \/>\nAtmosph\u00e4re eines Raumes hineingezeichnet &#8211; die M\u00f6bel und Teppiche<br \/>\ngleichsam ausschnitten und mit einer Rahmenlinie umzogen, wobei sie von<br \/>\neinem Kissen zu einer Blumenvase, einem Hocker zu einem noch lose<br \/>\nanhaltenden Duft, einer Beleuchtungsart zu einem Vorherrschen bestimmter<br \/>\nFarben hin\u00fcbereilten und in plastischer und gleichzeitig beseelter Gestalt<br \/>\neine Form vor Augen r\u00fcckten, welche gleichsam die ideale, allen<br \/>\naufeinanderfolgenden Heimen anhaftende Urgestalt des Salons der Verdurins<br \/>\nwar.<br \/>\n<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>Nachtrag: Ich sehe gerade, dass das hier mein 150ter Eintrag bei ScienceBlogs ist&#8230;<\/em><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute muss ich mal ein bisschen Eigenwerbung machen. 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