{"id":27379,"date":"2008-09-13T16:12:19","date_gmt":"2008-09-13T14:12:19","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/09\/13\/ein-mysterioses-objekt-am-himmel\/"},"modified":"2025-05-14T17:24:20","modified_gmt":"2025-05-14T15:24:20","slug":"ein-mysterioses-objekt-am-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/09\/13\/ein-mysterioses-objekt-am-himmel\/","title":{"rendered":"Ein mysteri\u00f6ses Objekt am Himmel"},"content":{"rendered":"<p>Der Sternenhimmel ist immer f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut. Im Rahmen des <i>Hubble Space Telescop Cluster Supernova Survey<\/i> &#8211; eine systematische Suche nach Supernovae in Galaxienhaufen mit dem Hubble-Weltraumteleskop &#8211; entdeckten Astronomen eine seltsame Erscheinung die sich von allen bisher bekannten Himmelsph\u00e4nomenen unterscheidet.<\/p>\n<p>Bei der Suche nach Supernovae &#8211; gewaltigen Sternexplosionen &#8211; versucht man dort Sterne zu finden wo vorher keine waren. Explodiert ein Stern am Ende seines Lebens gibt es einen gewaltigen Helligkeitsausbruch: wir sehen einen &#8222;neuen Stern&#8220; am Himmel. Der pl\u00f6tzliche Anstieg und die folgende Verringerung der Helligkeit der Supernova verl\u00e4uft dabei nach ganz konkreten und vorhersagbaren Regeln. Deswegen eignen sich Supernovae auch sehr gut zur Entfernungsbestimmung und die Suche nach ihnen ist wichtig f\u00fcr viele Bereiche der Astronomie und Kosmologie.<\/p>\n<p>Darum haben sich auch <i>Kyle Barbary<\/i> von der <i>University of California Berkely<\/i> und seine Kollegen mit Hilfe des Hubble-Weltraumteleskops auf die Suche nach Supernovae in entfernten Galaxienhaufen gemacht. Am 21. Februar 2006 fanden sie dabei eine Erscheinung, die nicht ganz in das erwartete Bild passte. Pl\u00f6tzlich war da ein helles Objekt am Himmel wo vorher keines war:<\/p>\n<p><\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"3200\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-5eb1db058cbeb1da5bfbcb4dd20d9c7d-transient.jpg\" alt=\"i-5eb1db058cbeb1da5bfbcb4dd20d9c7d-transient.jpg\" \/><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Bild: K. Barbary et al.<\/i><\/font><\/p>\n<p>Das war aber noch nicht das Besondere. Bei n\u00e4heren Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich dabei nicht um eine Supernova handeln konnte: der Verlauf der Helligkeitsver\u00e4nderung war v\u00f6llig untypisch. Nun gibt es nat\u00fcrlich noch einige andere Objekte am Himmel die ihre Helligkeit \u00e4ndern k\u00f6nnen. Barbary und seine Kollegen untersuchten daher das Spektrum dieses Objekt; d.h. sie bestimmten wie viel Licht der Himmelsk\u00f6rper in verschiedenen Wellenl\u00e4ngebereichen ausstrahlte. Dieses Spektrum verglichen sie dann mit dem <i>Sloan Digital Sky Survey Spektralkatalog<\/i> &#8211; eine gro\u00dfe Sammlung an Spektren bekannter Objekte. Aber auch hier fand sich nichts, was dem beobachteten Ereignis irgendwie \u00e4hnlich war. Es kann sich auch nicht um einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gravitationslinseneffekt\">Gravitationslinseneffekt<\/a> handeln bei dem ein vorbeiziehendes schweres Objekt die Helligkeit des Lichts eines dahinterliegenden Himmelsk\u00f6rpers \u00e4ndert: auch hier verl\u00e4uft die Helligkeits\u00e4nderung auf eine bestimmte Art und Weise die nicht mit den gemachten Beobachtungen \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p>Bei der Untersuchung der Umgebung der Erscheinung konnte auch keine Galaxie gefunden werden, die dieses Objekt beheimatet. Es au\u00dferdem noch unklar, <i>wie weit<\/i> entfernt sich der mysteri\u00f6se Himmelsk\u00f6per wirklich befindet. Aus den bisherigen Messungen kann man nur schlie\u00dfen dass es sich nicht n\u00e4her als 130 Lichtjahre an der Erde befindet (es ist also ausgeschlossen das es sich dabei um ein Objekt aus unserem Sonnensystem handelt). Es kann sich auch nicht weiter weg als 11 Milliarden Lichtjahren befinden. Dazwischen ist allerdings noch jede Menge Platz: es kann sich innerhalb unserer Milchstra\u00dfe befinden oder aber ein extragalaktisches Ph\u00e4nomen sein. <\/p>\n<p>Barbary und seine Kollegen haben ihre Untersuchungen in einem Artikel ver\u00f6ffentlicht der bald im <i>Astrophysical Journal<\/i> erscheinen wird: &#8222;<i><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/0809.1648\">Discovery of an unusual optical transient with the Hubble Space Telescope<\/a><\/i>&#8222;. Die Schlussfolgerungen dort sind naturgem\u00e4\u00df sehr vage: Entweder wird dieses Ereignis durch Objekte verursacht die typischerweise sehr selten sind oder sehr schwach leuchten (sind sie nicht sehr hell, dann befinden sie sich wohl au\u00dferhalb unserer Galaxis). <\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte sich auch um eine v\u00f6llig neue Art von Himmelsobjekt handeln &#8211; um das zu best\u00e4tigen muss man aber erst auf die Ergebnisse von zuk\u00fcnftigen Himmelsdurchmusterungen warten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sternenhimmel ist immer f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut. Im Rahmen des Hubble Space Telescop Cluster Supernova Survey &#8211; eine systematische Suche nach Supernovae in Galaxienhaufen mit dem Hubble-Weltraumteleskop &#8211; entdeckten Astronomen eine seltsame Erscheinung die sich von allen bisher bekannten Himmelsph\u00e4nomenen unterscheidet. 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