{"id":27327,"date":"2008-08-13T23:06:40","date_gmt":"2008-08-13T21:06:40","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/08\/13\/homoopathie-placebos-und-quantenunsinn\/"},"modified":"2025-05-14T17:24:10","modified_gmt":"2025-05-14T15:24:10","slug":"homoopathie-placebos-und-quantenunsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/08\/13\/homoopathie-placebos-und-quantenunsinn\/","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie, Placebos und Quantenunsinn"},"content":{"rendered":"<p>In einem Hom\u00f6opathie-Blog von <a href=\"https:\/\/www.psychophysik.com\/\">Psychophysik<\/a> (&#8222;dem Online-Magazin f\u00fcr Bewusstsein und bewusst sein&#8220;)&nbsp; habe ich gestern einen selten absurden Artikel gelesen. Unter dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/www.psychophysik.com\/h-blog\/?p=481\">Placebokontrollierte hom\u00f6opathische Arzneimittelpr\u00fcfung &#8211; sinnvoll oder sogar eine Notwendigkeit?<\/a>&#8220; begr\u00fcndet J\u00fcrgen Hof\u00e4cker, warum es keinen Sinn macht, placebokontrollierte Studien bei der hom\u00f6opathischen Arzneimittelpr\u00fcfung zu verwenden &#8211; und die Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist wirklich abenteuerlich.<\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Arzneimittelpr\u00fcfungen<\/b><\/font><\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2868\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-6b7c429fee3e5d2ace6fe56103014eab-globuli.jpg\" alt=\"i-6b7c429fee3e5d2ace6fe56103014eab-globuli.jpg\" \/><\/form>\n<p>Es geht hier nicht darum, mit einer Vergleichsstudie zwischen Placebos und hom\u00f6opathischen Mitteln herauszufinden ob Hom\u00f6opathie wirkt oder nicht. Das wurde schon <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science?_ob=ArticleURL&amp;_udi=B6T84-3WRJNTW-P&amp;_user=10&amp;_rdoc=1&amp;_fmt=&amp;_orig=search&amp;_sort=d&amp;view=c&amp;_acct=C000050221&amp;_version=1&amp;_urlVersion=0&amp;_userid=10&amp;md5=5e4cb3f2b08809e9bc27dcb50417cbf0\">oft<\/a> <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science?_ob=ArticleURL&amp;_udi=B6T1B-4GYH5HK-12&amp;_user=10&amp;_rdoc=1&amp;_fmt=&amp;_orig=search&amp;_sort=d&amp;view=c&amp;_version=1&amp;_urlVersion=0&amp;_userid=10&amp;md5=1f23f93659bd8863b0a45c8157de38d9\">genug<\/a> getan und man hat festgestellt, dass Hom\u00f6opathische Mittel nicht besser wirken als ein Placebo. Es geht hier um eine sogenannte &#8222;Arzneimittelpr\u00fcfung&#8220;. Das ist ein Verfahren, mit dem die Hom\u00f6opathen bestimmen ob und gegen was ein bestimmtes hom\u00f6opathisches Mittel wirkt (ein bisschen dar\u00fcber habe ich schon <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/06\/medikamente-aus-hundekot.php\">hier<\/a> geschrieben). <\/p>\n<p>Normalerweise w\u00fcrde man ja erwarten, dass hier getestet wird, ob man mit bestimmten Mitteln kranke Menschen gesund machen kann und falls ja, ob dieses Mittel besser wirkt als ein Placebo. In der echten Medizin nennt sich sowas <i>doppel-blinde randomisierte Studie<\/i> bzw. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Randomisierte_kontrollierte_Studie\">randomisierte, kontrollierte Studie<\/a> und funktioniert hervorragend. Hom\u00f6opathen gehen anders vor. Will man herausfinden ob es wirkt (und wie es wirkt) wird das Mittel <i>gesunden<\/i> Menschen verabreicht. Diese Leute f\u00fchren dann \u00fcber Tage\/Wochen\/Monate hinweg ein &#8222;Tagebuch&#8220; in dem sie alles aufschreiben was in ihrem Kopf oder K\u00f6rper so vorgeht. Anhand des fundamentalen Grundsatzes der Hom\u00f6opathie das Gleiches durch Gleiches geheilt wird, bestimmt der Hom\u00f6opath das zuk\u00fcnftige Einsatzgebiet des Mittels: berichtet eine Testperson von Kopfschmerzen, dann kann das Mittel gegen Kopfschmerzen angewendet werden; ist eine Testperson nerv\u00f6s, dann verwendet man die Substanz gegen Nervosit\u00e4t &#8211; usw. In die Logb\u00fccher kommen hierbei nicht nur konkrete physische Reaktionen sondern auch diverseste Gedanken und psychische Reaktionen &#8211; bis hin zum Inhalt der Tr\u00e4ume der Testpersonen.<\/p>\n<p>Es ist also absolut nicht verwunderlich, wenn in der Hom\u00f6opathie so gut wie <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/06\/medikamente-aus-hundekot.php\">jede nur vorstellbare Substanz<\/a> gegen irgendetwas wirkt. Man muss sich nur \u00fcberlegen, was in einem normalen K\u00f6rper Tag f\u00fcr Tag vorgeht. Mal juckt es hier oder da, dann grummelt es vielleicht ein bisschen im Bauch, man muss niesen oder husten, usw. Das gleiche gilt f\u00fcr die verschiedensten psychischen Zust\u00e4nde die wir im Laufe eines Tages erleben: Anspannung, Nervosit\u00e4t, Langeweile, Freude, etc. Normalerweise registrieren wir das alles gar nicht so weil wir uns an die meisten Vorg\u00e4nge in K\u00f6rper und Geist schon gew\u00f6hnt haben. Hinzu kommen dann noch vielleicht ein paar &#8222;echte&#8220; k\u00f6rperliche Gebrechen; ausgel\u00f6st durch eine Unzahl an m\u00f6glichen Gr\u00fcnden: Sodbrennen, Muskelkater, Kopfschmerzen, etc. Wer also seinen K\u00f6rper und seinen Geist \u00fcber Tage und Wochen hinweg aufmerksam beobachtet und alles aufschreibt, was so passiert wird zwangsl\u00e4ufig eine Menge Material bekommen &#8211; egal ob man vorher ein hom\u00f6opathisches Mittel genommen hat oder nicht. <\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Wozu braucht man placebokontrollierte Studien?<\/b><\/font><\/p>\n<p>Deswegen w\u00e4re es eigentlich wichtig, so eine Arzneimittelpr\u00fcfung verblindet und placebokontrolliert durchzuf\u00fchren. Das bedeutet folgendes: Nicht alle Testpersonen bekommen das zu untersuchende hom\u00f6opathische Pr\u00e4parat &#8211; einige von ihnen kriegen nur ein Placebo (wir gehen mal einen Moment davon aus, das Hom\u00f6opathie kein Placebo ist), Die Testpersonen d\u00fcrfen aber nicht wissen, welches Mittel sie bekommen haben (&#8222;verblindet&#8220;). Das ist wichtig um diverse psychologische Effekte ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Wenn ich wei\u00df, das mein Mittel &#8222;echt&#8220; ist und das ich also eigentlich irgendwelche Dinge sp\u00fcren sollte, dann neigt man dazu, sich Sachen vorzustellen wenn sie nicht von selbst auftreten.<\/p>\n<p> <b>Wenn<\/b> das hom\u00f6opathische Mittel einen tats\u00e4chlichen Einfluss hat, dann d\u00fcrften nat\u00fcrlich auch nur diejenigen Testpersonen entsprechende Effekte bemerken, die kein Placebo bekommen haben. Mit dieser Methode (die nicht umsonst absoluter Standard in der echten Medizin ist) k\u00f6nnte man also sehr schnell feststellen, ob ein hom\u00f6opathisches Pr\u00e4parat tats\u00e4chlich irgendwas bewirkt oder nicht. Warum machen die Hom\u00f6opathen das dann also nicht?<\/p>\n<p>Nun ja: dann w\u00fcrden sie merken, dass hom\u00f6opathische Mittel eben absolut <i>keine<\/i> Wirkung haben. Aber so wird das ein Hom\u00f6opath nat\u00fcrlich nicht formulieren. Welche Selbstt\u00e4uschung hat man sich also zur Rechtfertigung ausgedacht?<\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Es geht doch auch ohne, oder?<\/b><\/font><\/p>\n<p>Zuerst wird im Artikel von Hof\u00e4cker mal behauptet, dass die aktuelle Methode sowieso ausreichend gut sei &#8211; auch weil sie der Methodik der echten Wissenschaft nachgebildet wird. Aus den Aufzeichnungen der Arzneimitteltester erstellt der Pr\u00fcfungsleiter ein sg. Prim\u00e4rprotokoll. Danach werden die Patienten entsprechend behandelt und man schaut nach, ob das Prim\u00e4rprotokoll Sinn macht oder nicht und korrigiert das entsprechend. Mit diesem sekund\u00e4ren Protokoll behandelt man dann aufs neue &#8211; usw. Hof\u00e4cker ist \u00fcberzeugt<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;[&#8230;] dass wir davon ausgehen d\u00fcrfen, dass die Hom\u00f6opathen sich nach \u00fcber<br \/>\nzweihundert Jahren der praktischen Verifizierung, insbesondere im<br \/>\nBereich der h\u00e4ufig verwendenden Arzneimittel, aus einem von Fehler<br \/>\nbereinigten und durch die praktische Erfahrung erg\u00e4nztes soliden<br \/>\nArzneimittelfundus bedienen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Hmm &#8211; &#8222;Ich gehe davon aus&#8220; ist leider nicht wirklich ein g\u00fcltiges wissenschaftliches Argument. Wenn man keine vern\u00fcnftige Studie macht, dann kann man eben &lt;i&gt;nicht&lt;\/i&gt; einfach davon ausgehen. Es ist ja auch nicht so, dass ein bestimmtes hom\u00f6opathisches Pr\u00e4parat nur bei einem oder zumindest sehr wenigen Symptomen eingesetzt wird. Wenn das dann wieder und wieder nicht funktioniert w\u00e4re die Sache klar. Aber wenn man sich die offiziellen Beschreibungen hom\u00f6opathischer Mittel (&#8222;<i>Materia Medica<\/i>&#8222;) ansieht, dann schaut das ganz anders aus. Als Beispiel hab ich ihr den entsprechenden Eintrag f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.simillimum.net\/alumina.txt.htm\">Aluminium<\/a> verlinkt: zunehmende Verwirrung der Gedanken, Kopfschmerzen im Hinterkopf, Haarausfall, trockene Augen, Ohrger\u00e4usche, Spannung der Gesichtshaut, trockene Lippen, Heiserkeit, Husten, h\u00e4ufiger Harndrang, n\u00e4chtliche Erektionen, R\u00fcckenschmerzen, Schl\u00e4frigkeit, Tr\u00e4ume von Geister: das und noch viel, viel mehr hat man im entsprechenden Protokoll aufgezeichnet. Bei diesem Wirrwarr an Symptomen ist eine Arzneimittelpr\u00fcfung ohne Placebokontrolle ein reines Gl\u00fccksspiel! <\/p>\n<p>Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wirken hom\u00f6opathische Mittel nicht anders als ein Placebo. Durch die Potenzierung (also das wiederholte Verd\u00fcnnen des Ausgangsstoffes mit Wasser) ist ja auch kein einziges Molek\u00fcl des urspr\u00fcnglichen Mittels mehr im L\u00f6sungsmittel vorhanden und man nimmt nur Wasser\/Alkohol bzw. Milchzucker ein. Und wie ich oben schon ausgef\u00fchrt habe, ist es absolut nicht verwunderlich, wenn man bei einer Arzneimittelpr\u00fcfung die gleiche Vielfalt an &#8222;Symptomen&#8220; erh\u00e4lt wenn man an die Testpersonen nur ein Placebo verteilt. Auch die &#8222;Feedback-Schleife&#8220; die angeblich die Qualit\u00e4t der Arzneimittelpr\u00fcfung sicherstellen soll, funktioniert so nicht wirklich. Wenn die Patienten (und Pr\u00fcfer) nicht verblindet sind, dann kann man absolut nicht garantieren, dass man vern\u00fcnftige Ergebnisse kriegt. Der Hom\u00f6opath wei\u00df, gegen was das Mittel angeblich wirken soll; der Patient wei\u00df was er bekommt und welche Effekte auftreten sollten. Beide glauben wahrscheinlich auch noch fest an die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie und dann ist es nicht verwunderlich wenn sich die gew\u00fcnschten Ergebnisse auch einstellen.<\/p>\n<p>Dieses System ist also h\u00f6chst mangelhaft (da hilft auch die bunte Grafik im Artikel von Herrn Hof\u00e4cker nichts die es mit der wissenschaftlichen Methodik vergleicht). <\/p>\n<p>Im Artikel folgt als n\u00e4chstes ein historischer \u00dcberblick \u00fcber Hahnemann und Placebos. 1835 fand anscheinend schon mal eine placebokontrollierte Arzneimittelpr\u00fcfung statt:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Dies wird von dem Medizinhistoriker Prof. Robert J\u00fctte<br \/>\nals die erste Doppelblindstudie der Medizingeschichte betrachtet. Das Ergebnis war f\u00fcr die Hom\u00f6opathie negativ,<br \/>\ndas bedeutet, es konnte keine spezifische Wirkung in dem Versuch<br \/>\nextrahiert werden. Jedoch standen ein gro\u00dfer Teil der Teilnehmer der<br \/>\nHom\u00f6opathie negativ gegen\u00fcber, so dass von dieser Seite von einem Bias auszugehen ist.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Hier zeigen sich ein paar Wissensl\u00fccken des Autors zum Thema &#8222;Doppelblindstudien&#8220;. Wenn bei dieser Untersuchung wirklich die Teilnehmer und die Pr\u00fcfer verblindet waren und auch sonst alle Kritieren einer verl\u00e4\u00dflichen Studie eingehalten wurden, dann sollte die Einstellung der Teilnehmer keine Rolle spielen. Dieses Ergebnis spiegelt jedenfalls genau das wieder, was zu erwarten war: bei einer placebokontrollierten Arzneimittelpr\u00fcfung zeigt sich die Wirkungslosigkeit der Hom\u00f6opathie. <\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Die geheimnisvollen Quanten<\/b><\/font><\/p>\n<p>Aber dann wirds richtig mysteri\u00f6s:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Im Jahre 1997 teilte mir ein Kollege mit, dass er im Rahmen einer<br \/>\nHom\u00f6opathieausbildung eine placebokontrollierte HAMP mit einer wohl<br \/>\nbekannten hom\u00f6opathischen Arznei durchgef\u00fchrt hatte. Dabei tauchten<br \/>\nVerumsymptome in der Placebogruppe auf.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Also die Testpersonen, die nur das Placebo bekommen hatten, zeigten die Symptome, die eigentlich zu erwarten gewesen w\u00e4ren, h\u00e4tten sie das hom\u00f6opathische Mittel bekommen! Wie l\u00e4sst sich das erkl\u00e4ren? Eigentlich recht einfach: wenn die Studie nicht korrekt verblindet war und es sich um eine &#8222;bekannte hom\u00f6opathische Arznei&#8220; handelte, dann wussten wohl alle bzw. viele Teilnehmer, welche Symptome zu erwarten waren. Es ist also auch nicht verwunderlich, wenn die Testpersonen dann auch diese Symptome aufzeichnen &#8211; egal ob sie ein Placebo bekommen haben oder nicht.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung der Hom\u00f6opathen f\u00fcr diesen Effekt ist allerdings aufregend:<\/p>\n<blockquote><p><i>Im Jahre 2005 machte  Walach bei der Erl\u00e4uterung seines theoretischen Modells f\u00fcr die Wirkungsweise der Hom\u00f6opathie den Hinweis, dass es laut der generalisierten Quantentheorie<br \/>\nbei einer placebokontrollierten Studie (&#8230;) zu<br \/>\neiner sogenannten Verschr\u00e4nkung zwischen Verum und Placebogruppe kommen<br \/>\nkann<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Generalisierte Quantentheorie! Verschr\u00e4nkung! Wer mit solchen wissenschaftlich klingenden Worten um sich wirft, der muss wohl recht haben, oder?<\/p>\n<p>Das Wort &#8222;Quanten&#8220; wird von Nichtwissenschaftlern immer dann gerne verwendet, wenn man eigentlich keine Ahnung hat, was vor sich geht aber gerne seri\u00f6s und wissenschaftlich klingen will. Ausserdem ist die Quantentheorie f\u00fcr Laien kaum verst\u00e4ndlich und selbst Fachleute haben Probleme die verschiedenen Quanteneffekte zu verstehen. Sie eignet sich also wunderbar, um alles m\u00f6gliche hineinzuinterpretieren. Das geht nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Hom\u00f6opathie. Die leidet unter anderem unter der Tatsache, das wegen der hohen Verd\u00fcnnungen kein einziges Molek\u00fcl des eigentlichen Wirkstoffes mehr im Pr\u00e4parat vorhanden ist. Wie erkl\u00e4rt man also nun die angebliche Wirkung? In der Quantenmechanik gibt es ein Ph\u00e4nomen das sich &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quantenverschr%C3%A4nkung\">Verschr\u00e4nkung<\/a>&#8220; nennt. Unter bestimmten Umst\u00e4nden k\u00f6nnen hier Elementarteilchen so miteinander &#8222;verkuppelt&#8220; sein, dass sie nie als getrenntes System betrachtet werden k\u00f6nnen &#8211; auch wenn die beiden Teilchen tausende Kilometer voneinander entfernt sind, beeinflussen sie sich gegenseitig immer noch. <\/p>\n<p>Genau das, behauptet <a href=\"https:\/\/www.transpersonal.com\/lex\/walachar.htm\">Harald Walach<\/a>, findet auch bei der Hom\u00f6opathie statt. Die heilende Information des Wirkstoffes wird irgendwie mit dem L\u00f6sungsmittel verschr\u00e4nkt und deswegen k\u00f6nnen hom\u00f6opathische Mittel auch wirken, wenn sich gar kein Wirkstoff mehr drin befindet. (Wer es genauer wissen m\u00f6chte, kann z.B. in der <a href=\"https:\/\/www.gwup.org\/skeptiker\/archiv\/2006\/3\/\">Ausgabe 3\/2006 des Skeptikers<\/a> eine ausf\u00fchrliche Beschreibung dieser &#8222;Theorie&#8220; lesen oder <a href=\"https:\/\/www.psychophysik.com\/html\/re-071-quantentheorie.html\">hier<\/a> die Arbeit von Walach direkt runterladen). <\/p>\n<p>Das alles hat nat\u00fcrlich mit echter Quantentheorie herzlich wenig zu tun. Physiker wissen, wie man ganz spezielle verschr\u00e4nkte Teilchen herstellen kann (Photonen mit verschr\u00e4nkter Polarit\u00e4t, Atome mit veschr\u00e4nkten Spin, &#8230;) &#8211; aber dazu sind auch spezielle technische Apparaturen notwendig. Wenn ich irgendwas einfach mit Wasser verd\u00fcnne und durchsch\u00fcttle (das ist das, was die Hom\u00f6opathen &#8222;Potenzierung&#8220; nennen) dann wird sich definitiv nichts verschr\u00e4nken! Die \u00dcbertragung von quantenmechanischen Effekten die normalerweise nur bei extrem kleinen Teilchen auftreten auf gr\u00f6\u00dfere Systeme (Molek\u00fcle, Zellen, den menschlichen K\u00f6rper) ist eine sehr knifflige und zwiesp\u00e4ltige Angelegenheit. Normalerweise treten bei solchen gro\u00dfen Systemen auch keinerlei quantenmechanische Effekte mehr auf.<\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Alles bleibt wie es ist<\/b><\/font><\/p>\n<p>Wie auch immer: die Hom\u00f6opathen freuen sich jedenfalls, weil sie glauben ihre Therapie w\u00e4re nun auf eine solide wissenschaftliche Basis gestellt worden. Und als zus\u00e4tzlicher Bonus enthebt sie die &#8222;generalisierte Quantentheorie&#8220; auch noch der Verantwortung, ihre Methoden vern\u00fcnftig zu kontrollieren. Auch Hof\u00e4cker schreibt:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Somit scheint es diskrete Hinweise daf\u00fcr zu geben,<br \/>\ndass eine placebokontrollierte HAMP nicht zu dem gew\u00fcnschten Erfolg<br \/>\nf\u00fchren kann, Placebosymptome von spezifischen Arzneiwirkungen zu<br \/>\nisolieren. Analog der generalisierten Quantentheorie kann es zum<br \/>\nAuftauchen von Verumsymptomen in der Placebogruppe kommen&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Tja, placebokontrollierte Studien funktionieren eben bei der Hom\u00f6opathie einfach nicht &#8211; Pech gehabt! Wahrscheinlich w\u00fcrden die Hom\u00f6opathen ja liebend gern randomisierte und kontrollierte Studien durchf\u00fchren &#8211; aber wenn die Quantentheorie sagt, dass das nichts bringt, dann lassen wirs lieber. <\/p>\n<p>Und auch Hof\u00e4cker kommt in seinem Artikel nat\u00fcrlich zu folgendem Schlu\u00df:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Auf alle F\u00e4lle gibt  es nach dem aktuellen<br \/>\nErkenntnisstand keine konkreten Hinweise f\u00fcr die Annahme, nicht<br \/>\nplacebokontrollierte [hom\u00f6opathische Arzneimittelpr\u00fcfungen] als nicht valide f\u00fcr die hom\u00f6opathische<br \/>\nPraxis zu betrachten.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Wirklich praktisch&#8230; Man darf nun ganz offiziell (die aktuelle Wissenschaft sagts ja!) genauso weitermachen wie bisher und braucht sich nicht um die Qualit\u00e4t der Methoden k\u00fcmmern!<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit zur Selbstt\u00e4uschung bei vielen Hom\u00f6opathen (und Menschen die Hom\u00f6opathie anwenden) \u00fcberrascht mich immer wieder! Eine placebokontrollierte Arzneimittelpr\u00fcfung durchzuf\u00fchren w\u00e4re nicht weiter schwierig. Und die Hom\u00f6opathen k\u00f6nnten sich dann auch sicher sein, ihr bestes getan zu haben, um m\u00f6glichst wirksame Medikamente zu entwickeln (auch auf die Gefahr hin, dass sich herausstellt, das Hom\u00f6opathie wirkungslos ist).<br \/>Aber nein, bevor man die eigenen Methoden kritisch hinterfragt glaubt man lieber an absurde &#8222;Theorien&#8220; mit ganz viel Quanten drin und macht beruhigt so weiter wie schon vor 200 Jahren.<\/p>\n<p><b>Traut euch doch mal was, Hom\u00f6opathen!<\/b> Placebokontrollierten Arzneimittelpr\u00fcfungen w\u00e4ren nicht nur im Sinne eurer Patienten. Ihr k\u00f6nntet damit auch endlich den ganzen Kritikern beweisen, das sie falsch liegen und ihr Recht habt!<\/p>\n<hr>\n<p>\u00c4hnliche Artikel: <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/07\/homoopathie-am-lkh-klagenfurt.php\">Hom\u00f6opathie am LKH Klagenfurt<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/07\/homoopathie-auf-dem-prufstand.php\">Hom\u00f6opathie auf dem Pr\u00fcfstand<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/06\/homoopathiepropagande-in-der-qualitatszeitschrift.php\">Hom\u00f6opathie-Propaganda in der Qualit\u00e4tszeitung<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/06\/medikamente-aus-hundekot.php\">Medikamente aus Hundekot<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/frischer-wind\/2008\/07\/erste-deutsche-homoopathieprofessur-ins-leben-gerufen.php\">Erste deutsche Hom\u00f6opathie-Professur ins Leben gerufen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Hom\u00f6opathie-Blog von Psychophysik (&#8222;dem Online-Magazin f\u00fcr Bewusstsein und bewusst sein&#8220;)&nbsp; habe ich gestern einen selten absurden Artikel gelesen. Unter dem Titel &#8222;Placebokontrollierte hom\u00f6opathische Arzneimittelpr\u00fcfung &#8211; sinnvoll oder sogar eine Notwendigkeit?&#8220; begr\u00fcndet J\u00fcrgen Hof\u00e4cker, warum es keinen Sinn macht, placebokontrollierte Studien bei der hom\u00f6opathischen Arzneimittelpr\u00fcfung zu verwenden &#8211; und die Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist wirklich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":726,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[282,11],"tags":[506,586,587,256,507,588,141],"class_list":["post-27327","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medizin","category-naturwissenschaften","tag-arzneimittelpruefung","tag-generalisierte-quantentheorie","tag-harald-walach","tag-homoeopathie","tag-medizin","tag-placebo","tag-pseudowissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27327"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27328,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27327\/revisions\/27328"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}