{"id":27320,"date":"2008-08-09T15:55:20","date_gmt":"2008-08-09T13:55:20","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/08\/09\/neues-aus-der-forschung-unser-seltenes-sonnensystem\/"},"modified":"2025-05-14T17:24:09","modified_gmt":"2025-05-14T15:24:09","slug":"neues-aus-der-forschung-unser-seltenes-sonnensystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/08\/09\/neues-aus-der-forschung-unser-seltenes-sonnensystem\/","title":{"rendered":"Neues aus der Forschung: Unser seltenes Sonnensystem"},"content":{"rendered":"<p>Bis 1995 dachte man, man h\u00e4tte eine einigermassen gute Vorstellung davon, wie Planeten entstehen. Die Grundlagen der Planetenentstehung die damals bekannt waren, gelten heute nat\u00fcrlich auch noch (Ludmila hat eine <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/planeten\/2008\/08\/eine-kurze-geschichte-der-planetenentstehung.php\">sch\u00f6ne Zusammenfassung<\/a> dazu geschrieben). Und da zu diesem Zeitpunkt noch keine anderen Planetensysteme entdeckt worden waren, dachte man unser Sonnensystem w\u00e4re ein typisches Beispiel: nahe am Stern sind kleine, felsige Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars) &#8211; weiter draussen befinden sich gro\u00dfe, gasf\u00f6rmige Himmelsk\u00f6rper (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun).<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2804\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-df764250025024b0cf6bd736b6a0bd85-51peg.jpg\" alt=\"i-df764250025024b0cf6bd736b6a0bd85-51peg.jpg\" \/><\/form>\n<p>1995 wurde dann der erste extrasolare Planet entdeckt der einen sonnen\u00e4hnlichen Stern umkreist. Der Planet war etwa doppelt so schwer wie Saturn und bewegte sich in einem Abstand von 0.05 Astronomischen Einheiten um seinen Stern (51 Pegasi, siehe Zeichnung rechts). Damit ist er dem Stern fast so nahe wie der Merkur unsere Sonne! Im Laufe der Zeit wurden noch viele andere solcher Planeten entdeckt: Gasriesen die sich extrem nahe am Stern befinden. Diese sogenannten &#8222;Hot Jupiters&#8220; stellten (stellen teilweise immer noch) die Astronomen vor ein R\u00e4tsel. Man konnte sich lange nicht erkl\u00e4ren, wie so gro\u00dfe Planeten so nahe an einem Stern entstehen konnten. Selbst heute ist noch nicht vollkommen klar ob diese Himmelsk\u00f6rper wirklich dort entstanden sind wo sie sich jetzt befinden oder ob sie weiter entfernt gebildet wurden und dann nach innen gewandert sind (Zweiteres &#8211; die sogenannte &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Migration_%28Astronomie%29\">Migration<\/a>&#8220; ist aber wahrscheinlicher). Noch verwunderlicher war, dass es sehr dieser Planetensysteme gab die alle offensichtlich komplett anders sind als unser Sonnensystem.<\/p>\n<p>Ist unser Sonnensystem doch kein typisches Beispiel? Ist es ein seltener Spezialfall? Anhand der bisher vorhandenen Beobachtungsdaten l\u00e4sst sich das nicht eindeutig sagen. Mit den aktuellen Beobachtungsmethoden lassen sich noch (fast) keine kleinen, erd\u00e4hnlichen Planeten entdecken. Auch gro\u00dfe, gasf\u00f6rmige Planeten in gro\u00dfer Entfernung vom Stern kann man nur schwer finden. Man kann aber theoretische Simulation zur Planetenstehung durchf\u00fchren. <\/p>\n<p>Genau das haben <i>Edward Thommes<\/i>, <i>Soko Matsumura<\/i> und <i>Frederic Rasio<\/i> (von der University of Guelph und der Northwestern University Evanston) gemacht. Ihre Ergebnisse wurden am Freitag in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/magazine.dtl\">Science<\/a> ver\u00f6ffentlicht. In der Arbeit mit dem Titel <i>&#8222;<a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/cgi\/content\/abstract\/321\/5890\/814\">Gas Disks to Gas Giants: Simulating the Birth of Planetary Systems<\/a>&#8222;<\/i> haben sie systematisch die Entstehung von Planetensystemen untersucht.<\/p>\n<p>Dabei wurde die Entstehung von Planeten aus der urspr\u00fcngliche Staubscheibe die den Stern umgibt simuliert. Die Wissenschaftler waren vor allem daran interessiert, wie die Eigenschaften der schlie\u00dflich entstehenden Planeten von den Eigenschaften der urspr\u00fcnglichen Staubscheibe abh\u00e4ngen. Durch eine neue numerische Technik konnten sie eine Simulationsdauer von 10 Millionen Jahren erreichen. <\/p>\n<p>100 verschiedene Ausgangsscheiben wurden untersucht. Aus Scheiben mit<br \/>\ngro\u00dfer Masse entstand dabei meistens zwei oder mehr gro\u00dfe Gasplaneten<br \/>\ndie dann nahe an der Stern migrierten w\u00e4hrend aus Scheiben mit<br \/>\ngeringerer Masse mehrer kleine Planeten entstanden. Nur in einigen<br \/>\nwenigen F\u00e4llen (6 von 100) in denen die Scheibe ein mittlere Masse<br \/>\nhatten entstanden Gasriesen in der gleichen Entfernung wie Jupiter und<br \/>\nSaturn (und nur in einem Fall hatten die entstandenen Planeten auch<br \/>\neine vergleichbare Masse).<\/p>\n<p>Es scheint also so, als w\u00e4ren Planetensysteme die unserem Sonnensystem \u00e4hneln etwas sehr seltenes. Allerdings lassen sich aus solchen Simulationen nur schwer allgemeing\u00fcltige Aussagen ableiten &#8211; der Prozess der Planetenentstehung und die Interaktion zwischen Scheibe und Planet verl\u00e4uft oft chaotisch. Bis wir genau Angaben \u00fcber die H\u00e4ufigkeit von sonnensystem-\u00e4hnlichen Planetensystemen haben wird noch viel Arbeit n\u00f6tig sein. Es scheint aber so zu sein, als w\u00e4re unsere Heimat etwas spezielles und besonderes im Universum.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 1995 dachte man, man h\u00e4tte eine einigermassen gute Vorstellung davon, wie Planeten entstehen. Die Grundlagen der Planetenentstehung die damals bekannt waren, gelten heute nat\u00fcrlich auch noch (Ludmila hat eine sch\u00f6ne Zusammenfassung dazu geschrieben). 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