{"id":27316,"date":"2008-08-07T12:28:48","date_gmt":"2008-08-07T10:28:48","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/08\/07\/der-erste-osterreicher-bei-der-eso\/"},"modified":"2025-05-14T17:24:09","modified_gmt":"2025-05-14T15:24:09","slug":"der-erste-osterreicher-bei-der-eso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/08\/07\/der-erste-osterreicher-bei-der-eso\/","title":{"rendered":"Der erste \u00d6sterreicher bei der ESO"},"content":{"rendered":"<p>Am 1. Juli ist \u00d6sterreich (endlich!) der <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/\">Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO)<\/a> beigetreten. \u00dcber die <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/04\/endlich-osterreich-wird-esomitglied.php\">erfolgreich abgeschlossenen Vertragsverhandlungen<\/a> habe ich schon im April hier berichtet. Letzte Woche hat nun der erste \u00f6sterreichische Astronom Beobachtungen am ESO-Observatorium in Chile durchgef\u00fchrt. Nat\u00fcrlich stimmt das nicht ganz &#8211; auch vorher schon haben viele \u00d6sterreicher als Gastbeobachter die ESO-Teleskope benutzt. Jetzt durfte aber das erste mal ein Astronom aus Wien &#8211; Martin Netopil &#8211; ganz offiziell als Angeh\u00f6riger einer Mitgliedsnation nach Chile fliegen und dort beobachten.<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2777\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-1f1f087abb05866c232bb12214f1715e-martin.jpg\" alt=\"i-1f1f087abb05866c232bb12214f1715e-martin.jpg\" \/><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Bild: Martin Netopil<\/i><\/font><\/p>\n<p>Ich habe Martin ein wenig bei seiner Arbeit gest\u00f6rt und ihm ein paar Fragen zu seinem Aufenthalt bei der ESO gestellt:<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Hallo Martin! Auf deine Arbeit hat sich der ESO-Beitritt \u00d6sterreichs ja ganz besonders ausgewirkt, oder?<\/p>\n<blockquote><p><i>Ich hatte das unerwartete Gl\u00fcck als erster \u00d6sterreicher davon zu profitieren, und das gleich am Observatorium Paranal mit dem Very Large Telescope (Bild oben). Zwei N\u00e4chte durfte ich am Unit 2 (Kueyen) mit Swetlana Hubrig von der ESO<\/i> <i>ein Programm durchf\u00fchren, welches mittels hochaufl\u00f6sender Spektroskopie chemische Auff\u00e4lligkeiten in B-Sternen am blauen Horizontalast von Kugelsternhaufen untersucht. <\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Was hat sich nun seit dem ESO-Beitritt konkret ge\u00e4ndert?<\/p>\n<blockquote><p><i>Ich hatte auch schon vor dem ESO-Beitritt des \u00f6fteren die M\u00f6glichkeit am \u00e4lteren ESO Observatorium La Silla zu beobachten. Diese Reisen mussten aber selbst organisiert und vor allem auch finanziert werden.<\/i><br \/><i>Durch EU-Programme konnten die Kosten aber meistens gedeckt werden, oder es musste das Forschungsprojekt herhalten, durch das man selbst bezahlt wird. Diesmal fiel gottseidank der gesamte organisatorische Aufwand weg. Die Fl\u00fcge etc. wurden alle von ESO gebucht und auch gezahlt.<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Wie kommt man \u00fcberhaupt dazu, an den ESO-Teleskopen beobachten zu d\u00fcrfen?<\/p>\n<blockquote><p><i>Man muss nat\u00fcrlich im vorhinein das gew\u00fcnschte Projekt in einer kurzen Abhandlung beschreiben und diesen Antrag bei der ESO einreichen. Ein Kommitee entscheidet dann, ob es auch durchgef\u00fchrt wird. Bei diesen Beobachtungen ist mir dieser Teil aber erspart geblieben, da ich erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt dazugestossen bin. Also leider wieder eine Art &#8222;Trittbrettfahrer&#8220;, aber damit kann ich leben.<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ist es heutzutage eigentlich wirklich noch n\u00f6tig, immer selbst zu beobachten? Kann man die Teleskope nicht auch per Fernsteuerung bedienen? <\/p>\n<blockquote><p><i>Das man selbst die Beobachtungen durchf\u00fchrt, ist in der heutigen Zeit auch schon fast eine Rarit\u00e4t. An den Gro\u00dfteleskopen \u00fcberwiegt oft der Anteil von Service-Beobachtungen, d.h. angestellte Wissenschaftler vor Ort \u00fcbernehmen diese Arbeit und man erspart sich die Reise. Bei einigen wissenschaftlichen Vorhaben ist das aber nicht praktikabel, und man muss selbst diese Aufgabe \u00fcbernehmen. In meinem Fall war es der einfache Grund, dass die berechneten Belichtungszeiten 2 Stunden betrugen, die n\u00f6tigen Beobachtungsbedingungen aber nur f\u00fcr 1 Stunde garantiert werden. Da ist es ratsamer vor Ort zu sein, um Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen.<\/i><\/p><\/blockquote>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2778\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><\/form>\n<p>Und dann darf man einfach selbst mit den Gro\u00dfteleskopen der ESO arbeiten?<\/p>\n<blockquote><p><i>Da bei diesen Teleskopen viel Geld dahintersteckt, darf man nat\u00fcrlich nicht selbst Hand anlegen, dass \u00fcbernehmen geschulte Techniker, sondern \u00fcberwacht nur den wissenschaftlichen Ablauf und korrigiert das Programm entsprechend den Wetterbedingungen (siehe Bild unten).<\/p>\n<p><\/i><\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2779\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><\/form>\n<\/blockquote>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2778\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><\/form>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2778\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><\/form>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2779\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-9099a7a740f7d8d52c3bb99f2d0e4996-controlroom.jpg\" alt=\"i-9099a7a740f7d8d52c3bb99f2d0e4996-controlroom.JPG\" \/><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Bild: Martin Netopil<\/i><\/font><\/p>\n<p>Wie l\u00e4uft so ein Beobachtungsaufenthalt bei der ESO eigentlich konkret ab?<\/p>\n<blockquote><p><i>Bei nur zwei Beobachtungsn\u00e4chten \u00fcberwiegt eindeutig die Reisezeit. Ankunftsort ist erstmal Santiago de Chile, wo man am Flughafen abgeholt wird. Dann geht es in das dortige ESO-eigene Guesthouse, wo man zumindest f\u00fcr eine Nacht zum akklimatisieren untergebracht wird. In der Fr\u00fch geht es dann wieder per Flugzeug nach Antofagasta, wo der Shuttletransport zum Observatorium bereits wartet. Nach etwas \u00fcber zwei Stunden Fahrt durch W\u00fcstenlandschaft erreicht man das Observatorium, wo man zuerst mit einer ID-Card ausgestattet wird, die einem Zugang zu den Geb\u00e4uden erm\u00f6glicht. Dann checkt man in der Residenzia <\/i><i>(Bild unten) <\/i><i>ein, einem Hotelbetrieb f\u00fcr mehr als hundert Personen die am Observatorium t\u00e4tig sind. Astronomen sind dabei weit in der Minderzahl. Dort verbringt man wiederum 1-2 N\u00e4chte, je nach verwendetem Instrument, um die Beobachtungen mit einem unterst\u00fctzenden Astronomen zu besprechen und vorzubereiten. Da bleibt meist noch Zeit, die vorhandene Infrastruktur wie Restaurant, Swimmingpool, Sauna, Sporthalle etc. zu nutzen. Das \u00e4ndert sich dann aber mit Beginn der Beobachtungen, vor allem im dortigen Winter da die N\u00e4chte extrem lang sind. Eine Arbeitsnacht kann schon 13 Stunden dauern. Doch langweilig wird einem nie, auch wenn man zwei Stunden auf das Erscheinen der Aufnahme warten muss. Es werden die Beobachtungsbedingungen \u00fcberpr\u00fcft, um n\u00f6tigenfalls die Belichtungszeit noch nachtr\u00e4glich zu \u00e4ndern, die weiteren Objekte demnach angepasst etc.<\/i><\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2778\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><\/form>\n<\/blockquote>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"2778\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-793a8ca571ea1aa53aefb42219309213-residenzia.jpg\" alt=\"i-793a8ca571ea1aa53aefb42219309213-residenzia.JPG\" \/><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Bild: Martin Netopil<\/i><\/font><\/p>\n<p>Hat bei deinen Beobachtungen alles geklappt?<\/p>\n<blockquote><p><i>Was einem zwar bewu\u00dft ist, aber man immer verdr\u00e4ngt, ist die Tatsache, dass die eigenen Beobachtungen auch unterbrochen werden k\u00f6nnen. Sogenannte &#8222;Trigger&#8220;, meist Beobachtungen von Gamma Ray Bursts oder Supernovae k\u00f6nnen ohne Vorwarnung automatisch gestartet werden, auch w\u00e4hrend einer eigenen laufenden Aufnahme. Die dadurch verlorene Zeit wird aber ersetzt, allerdings im service mode. Eine solche Unterbrechung ist leider auch w\u00e4hrend der 2. Nacht passiert und das gleich zweimal, was sehr selten vorkommt.<br \/><\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Danke Martin! Ich w\u00fcnsche dir noch viel Erfolg mit deinen Beobachtungen und eine gute Heimreise!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. Juli ist \u00d6sterreich (endlich!) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) beigetreten. \u00dcber die erfolgreich abgeschlossenen Vertragsverhandlungen habe ich schon im April hier berichtet. Letzte Woche hat nun der erste \u00f6sterreichische Astronom Beobachtungen am ESO-Observatorium in Chile durchgef\u00fchrt. 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