{"id":27211,"date":"2008-05-31T10:45:14","date_gmt":"2008-05-31T08:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/05\/31\/der-stern-zum-wochenende-woh-g64\/"},"modified":"2025-05-14T17:23:56","modified_gmt":"2025-05-14T15:23:56","slug":"der-stern-zum-wochenende-woh-g64","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/05\/31\/der-stern-zum-wochenende-woh-g64\/","title":{"rendered":"Der Stern zum Wochenende: WOH G64"},"content":{"rendered":"<p>WOH G64 ist ein wirklich gro\u00dfer Stern! Er ist zweitausendmal so gro\u00df wie unsere Sonne &#8211; und befindet sich au\u00dferhalb unserer Milchstrasse. Trotzdem ist es Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Radioastronomie in Bonn vor kurzem gelungen ein r\u00e4umlich aufgel\u00f6stes Bild dieses Stern zu machen. <\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nSterne zu beobachten ist prinzipiell leicht. Der Nachthimmel ist voll damit und je gr\u00f6\u00dfer die benutzten Teleskope sind, desto mehr Sterne kann man sehen. Allerdings ist es enorm schwierig, wenn man mehr als nur einen Lichtpunkt sehen m\u00f6chte. Selbst die allern\u00e4chsten Sterne (die Sonne ausgenommen) sind so weit entfernt, dass es fast unm\u00f6glich ist, ein r\u00e4umlich aufgel\u00f6stes Bild zu erhalten. Bis jetzt ist erst bei einer handvollen, vergleichsweise nahen Sternen gelungen, solche Bilder zu bekommen. WOH G64 ist nun allerdings wirklich nicht nahe &#8211; er befindet sich nichteinmal in unserer Galaxis! Dieser Stern ist 163000 Lichtjahre entfernt und Teil der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Magellansche_Wolken\">gro\u00dfen magellanschen Wolke<\/a> &#8211; einer kleinen Nachbargalaxie der Erde:<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"1467\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-8cfca5a79bc4e4e417387b85c9626f67-lmc.jpg\" alt=\"i-8cfca5a79bc4e4e417387b85c9626f67-lmc.jpg\" \/><\/form>\n<div align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Bild: NASA, Spitzer-Satellitenteleskop, SAGE Team<\/i><\/font><\/div>\n<p>Trotzdem ist es nun Forschern des <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/bilderBerichteDokumente\/dokumentation\/pressemitteilungen\/2008\/pressemitteilung20080528\/index.html\">Max-Planck-Instituts f\u00fcr Radioastronomie in Bonn<\/a> in Zusammenarbeit mit der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) gelungen, eine r\u00e4umlich aufgel\u00f6ste Aufnahme dieses Sterns zu bekommen. Wie konnte das funktionieren? Ganz einfach &#8211; dieser Stern ist gro\u00df! Wirklich gro\u00df! Etwa zweitausendmal so gro\u00df wie unsere Sonne. W\u00e4re die Sonne so gro\u00df wie WOH G64 w\u00fcrde sie bis zur Bahn des Saturn reichen!<\/p>\n<p>So ein gro\u00dfer Stern zu sein ist allerdings nicht immer praktisch. Je gr\u00f6\u00dfer der Stern, desto schneller verbrennt er sein Material und desto k\u00fcrzer ist seine Lebensdauer. Auch WOH G64 steht kurz vor seinem Tod. Ein weiteres Kennzeichen alter, massereicher Sterne ist ein sehr starker Sternwind: diese Sterne sto\u00dfen gro\u00dfe Mengen ihres Materials mit hoher Geschwindigkeit ins umgebende Weltall aus das dann eine dicke H\u00fclle um den Stern bildet. Genau das konnte man bei WOH G64 beobachten. Die Originalbilder finden sich in der Ver\u00f6ffentlichung die auf dem arxiv-Server kostenlos zug\u00e4nglich ist: &#8222;<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/0803.3823\">Spatially resolved dusty torus toward the red supergiant WOH G64 in the  Large Magellanic Cloud<\/a>&#8220; von Keiichi Ohnaka, Thomas Driebe, Karl-Heinz Hofmann, Gerd Weigelt und Markus Wittkowski. Das hier ist eine k\u00fcnstlerische Darstellung des Sterns und der ihn umgebenden H\u00fclle:<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"1466\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-c7c0f8474042497319e2f1676893e0d9-wohg64.jpg\" alt=\"i-c7c0f8474042497319e2f1676893e0d9-wohg64.jpg\" \/><\/form>\n<div align=\"center\"><a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/bilderBerichteDokumente\/dokumentation\/pressemitteilungen\/2008\/pressemitteilung20080528\/index.html\"><i>Bild: Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte<\/i><\/a><\/div>\n<p>Diese H\u00fclle aus Staub gibt (wie ich <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/der-stern-zum-wochenende-beta-pictoris.php\">hier<\/a> schon erkl\u00e4rt habe) die Strahlung des Sterns in Form von W\u00e4rme wieder ab &#8211; und das kann beobachtet werden. An der europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte wurde das <span class=\"tx\">Very Large Telescope Interferometer (VLTI) benutzt um durch Kombination von <\/span><span class=\"tx\">zwei 8,2-Meter-Spiegel das <\/span><span class=\"tx\">Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen eines virtuellen 60-Meter-Teleskops zu erreichen.&nbsp; <br \/>Das hat gereicht, um ein r\u00e4umlich aufl\u00f6sendes Bild von WOH G64 zu bekommen. Das ist nicht nur an sich eine gro\u00dfe Leistung &#8211; sondern hat nat\u00fcrlich auch gro\u00dfen wissenschaftlichen Wert.<br \/>&nbsp;<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span class=\"tx\"><i>&#8222;Zum ersten Mal haben wir eine detaillierte Ansicht<br \/>\nvon einem Stern gewonnen, der au\u00dferhalb unserer Milchstra\u00dfe liegt. Das<br \/>\nist ein wichtiger erster Schritt, um zu verstehen, wie sterbende Sterne<br \/>\nin anderen Galaxien sich von denen in unserer eigenen unterscheiden&#8220;<\/i>,<\/p>\n<p><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span class=\"tx\">sagt Keiichi Ohnaka vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Radioastronomie<\/span>. <\/p>\n<p>Auch die Ausdehnung des Staubrings konnte gemessen werden: sein innerer Rand liegt etwa 120 Astronomische Einheiten vom Stern entfernt &#8211; 120mal weiter entfernt als die Erde von der Sonne. Der <i>\u00e4u\u00dfere Rand<\/i> des Rings liegt in einer Entfernung von etwa einem Lichtjahr! <br \/>Dieser gewaltige Ring enth\u00e4lt nat\u00fcrlich auch sehr viel Masse. Anhand von Modellrechnungen konnte man absch\u00e4tzen, dass WOH G64 fr\u00fcher etwa 25mal so schwer war die Sonne &#8211; aber bis heute zwischen 10 und 40% dieser Masse via Sternwind ins All geblasen hat. Daraus hat sich dann der Ring gebildet.<br \/>&nbsp;<br \/>In diesem Tempo geht es auch weiter und der Stern n\u00e4hert sich damit seinem Ende. In einigen tausend Jahren wird er in einer gewaltigen <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/jungste-supernova-in-unserer-galaxie-entdeckt.php\">Supernova<\/a> vergehen, die dann auch von der Erde aus deutlich sichtbar sein wird. Bis dahin wird er noch als herrvoragendes Forschungsobjekt f\u00fcr die Astronomen dienen, die herausfinden wollen, wie solche gro\u00dfen Sterne entstehen und vergehen.<br \/><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/find\/astro-ph\/1\/au:+Wittkowski_M\/0\/1\/0\/all\/0\/1\"><\/a><\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WOH G64 ist ein wirklich gro\u00dfer Stern! Er ist zweitausendmal so gro\u00df wie unsere Sonne &#8211; und befindet sich au\u00dferhalb unserer Milchstrasse. 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