{"id":27159,"date":"2008-04-22T13:05:56","date_gmt":"2008-04-22T11:05:56","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/04\/22\/hochschulrektorenkonferenz-in-jena\/"},"modified":"2025-05-14T17:23:42","modified_gmt":"2025-05-14T15:23:42","slug":"hochschulrektorenkonferenz-in-jena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/04\/22\/hochschulrektorenkonferenz-in-jena\/","title":{"rendered":"Hochschulrektorenkonferenz in Jena"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Hochschulrektoren tagen in der Universit\u00e4t Jena &#8211; und vor der T\u00fcr stehen die Studenten und protestieren. Alles wird neu, alles wird besser, meinen die Rektoren &#8211; aber Geld ausgeben will auch niemand. <\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-c60b5ca6b06eb6183eebadb9a34e9f5c-hrk_demo3.jpg\" alt=\"i-c60b5ca6b06eb6183eebadb9a34e9f5c-hrk_demo3.jpg\" \/><br \/>An den deutschen Unis wird ja zur Zeit \u00fcberall reformiert und erneuert. Bachelor-Studieng\u00e4nge werden eingef\u00fchrt und prinzipiell soll alles besser werden. Die Studenten m\u00fcssen &#8222;fit f\u00fcr den Arbeitsmarkt&#8220; werden; schneller studieren und im internationalen Vergleich besser sein. Wie das am besten umzusetzen ist, dar\u00fcber diskutiert zur Zeit die <a href=\"https:\/\/www.hrk.de\/de\/presse\/95_4289.php\">deutsche Hochschulrektorenkonferenz<\/a> in Jena.&nbsp; <\/p>\n<p>Ich finde ja, man sollte erstmal generell \u00fcber die Frage diskutieren, ob es \u00fcberhaupt sinnvoll ist, das Studium den W\u00fcnschen des Arbeitsmarktes anzupassen. Nat\u00fcrlich soll ein Studium nicht welt- und praxisfremde Wissenschaftler hervorbringen, die sp\u00e4ter keinen Job finden. Aber nur so schnell wie m\u00f6glich Absolventen zu erzeugen, die perfekt an die W\u00fcnsche von Wirtschaft und Industrie angepasst sind kann auch keine optimale L\u00f6sung sein. Es wird ja gerne vergessen, das die Grundlagenforschung, nun ja, die <i>Grundlage<\/i> f\u00fcr die bestehende Technologie ist. Und es liegt in der Natur der Grundlagenforschung das man meistens vorher nicht genau wei\u00df, was f\u00fcr Ergebnisse man erh\u00e4lt &#8211; deswegen macht man diese Forschung ja. Und wenn man Ergebnisse hat, dann dauert es unter Umst\u00e4nden noch sehr lange, bis die irgendwo konkrete Anwendungen finden k\u00f6nnen. Unter dem st\u00e4ndigen Druck nach &#8222;praxisnahen&#8220; Studien, nach schnellen Patenten und M\u00f6glichkeiten Geld zu verdienen r\u00fcckt die Grundlagenforschung immer weiter in den Hintergrund. Das mag zwar kurzfristig kein Problem sein &#8211; aber mittelfristig kann es nur dann wirklichen Fortschritt und Innovation geben, wenn auch die Grundlagenforschung ausreichend gef\u00f6rdert wird. Es muss au\u00dferdem daf\u00fcr gesorgt werden, dass es in der Grundlagenforschung gen\u00fcgend Nachwuchs gibt &#8211; und hier kommt wieder die Hochschulrektorenkonferenz ins Spiel. HRK-Pr\u00e4sidentin Prof. Margret Wintermantel <a href=\"https:\/\/www.hrk.de\/de\/presse\/95_4289.php\">sagt<\/a>:<\/p>\n<p><i>&#8222;In der Wissensgesellschaft ist gute Hochschulbildung eine zentrale<br \/>\nRessource. Der demographische Wandel zeigt uns, dass wir nach 2020<br \/>\nimmer weniger Studierende haben werden und wir deshalb jetzt die Chance<br \/>\nnutzen m\u00fcssen, die starken Jahrg\u00e4nge wirklich gut auszubilden. Wir<br \/>\nm\u00fcssen die Lehre viel st\u00e4rker als bisher individualisieren, das hei\u00dft<br \/>\nam Lernprozess des einzelnen Studierenden ausrichten.<br \/>\nHochschulausbildung braucht Raum f\u00fcr den akademischen Diskurs und<br \/>\nindividuelle Schwerpunktsetzungen. Dazu braucht es entsprechende<br \/>\nLehrprogramme.&#8220;<br \/><\/i><br \/>Sie <a href=\"https:\/\/www.otz.de\/otz\/otz.nachrichten.volltext.php?kennung=on1otzHOMHomNational39558&amp;zulieferer=otz&amp;kategorie=HOM&amp;rubrik=Homepage&amp;region=National&amp;auftritt=OTZ&amp;dbserver=1\">sagt<\/a> weiter<i>:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn es unser Ziel ist, den Absolventen wissenschaftliche Kompetenzen<br \/>\nmitzugeben und Probleml\u00f6sungsf\u00e4higkeit, dann muss die Lehre darauf<br \/>\nausgerichtet sein&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Das klingt ja alles prinzipiell mal nicht schlecht. Man darf nur nicht den Fehler machen, die Lehre an den Universit\u00e4ten weiter zu &#8222;verschulen&#8220;. Wie Prof. Wintermantel gesagt hat ist eine der allerwichtigsten Eigenschaften eines Wissenschaftler die F\u00e4higkeit eigenst\u00e4ndig zu denken und selbst Probleme zu erkennen und zu l\u00f6sen! Aber leider wird diese F\u00e4higkeit an den Universit\u00e4ten oft nicht mehr wirklich gef\u00f6rdert. Die Studienpl\u00e4ne sind minuti\u00f6s durchgeplant und man hat fast keine M\u00f6glichkeit mehr die Vorlesungen an die eigenen Interessen und F\u00e4higkeiten anzupassen. In den \u00dcbungen und Praktika l\u00e4uft es oft ab wie in der Schule; auch hier wird den Studenten nicht immer die M\u00f6glichkeit gegeben, eigenst\u00e4ndig zu arbeiten und kreativ zu sein &#8211; besser ist es die Musterl\u00f6sung des Professor m\u00f6glichst genau zu reproduzieren. Diplom- und leider oft auch Doktorarbeiten werden nicht immer nur einfach &#8222;betreut&#8220; &#8211; sondern eher &#8222;in Auftrag gegeben&#8220;; der Student arbeitet dann nicht mehr gr\u00f6\u00dftenteils selbst\u00e4ndig sondern macht nur das, was ihm vom Betreuer aufgetragen wird. Das f\u00f6rdert die F\u00e4higkeit eigenst\u00e4ndig zu arbeiten nat\u00fcrlich auch nicht wirklich.<\/p>\n<p>Die Lehre an den Universit\u00e4ten ist also tats\u00e4chlich von fundamentaler Wichtigkeit f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Wissenschaftler und der Wissenschaft. Umso schlimmer, dass sie niemanden wirklich zu interessieren scheint. Auch wenn die HRK nun die Bedeutung der Lehre an den Universit\u00e4ten betont &#8211; &#8222;einfach so&#8220; l\u00e4sst sie sich nicht so schnell verbessern. Was zum Beispiel auf jeden Fall n\u00f6tig w\u00e4re, ist mehr Personal! Das kostet nat\u00fcrlich Geld &#8211; und Th\u00fcringens Ministerpr\u00e4sident Dieter Althaus hat sich auch gleich beeilt um klarzuzstellen, dass es f\u00fcr die Unis in Th\u00fcringen <a href=\"https:\/\/www.otz.de\/otz\/otz.nachrichten.volltext.php?kennung=on1otzHOMHomNational39558&amp;zulieferer=otz&amp;kategorie=HOM&amp;rubrik=Homepage&amp;region=National&amp;auftritt=OTZ&amp;dbserver=1\">keine zus\u00e4tzlichen Mittel<\/a> geben wird und meinte dass man &#8222;<i>die vorhandenen Mittel effektiv und konzentriert einsetzen soll<\/i>&#8220; &#8211; was immer das auch konkret bedeuten mag&#8230;<\/p>\n<p>Es wird also vermutlich kein neues Lehrpersonal geben und die vorhandenen Hochschullehrer werden sich wohl wieder auf verschiedenste Umstrukturierungen und Reformen vorbereiten m\u00fcssen.&nbsp; <\/p>\n<p>Neben den b\u00fcrokratischen Vorgaben spielt nat\u00fcrlich die Pers\u00f6nlichkeit und die individuelle Motivation der Hochschullehrer eine bedeutende Rolle f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Lehre. Ein Dozent, der keine Lust\/Zeit hat, sich allzu intensiv mit der Lehre zu besch\u00e4ftigen wird wohl auch keine allzu guten Vorlesungen halten. Und leider ist die Situation an den Hochschulen so, dass es f\u00fcr die meisten Mitarbeiter keine wirklichen Anreize gibt, viel Zeit in gute Lehre zu investieren. Ob ein Hochschullehrer gute oder schlechte Vorlesungen h\u00e4lt, hat im Allgemeinen keinen gro\u00dfen Einfluss auf seine Karriere. Viele Universit\u00e4ten machen sich erst gar nicht die M\u00fche ihre Lehrveranstaltungen zu evaluieren. Au\u00dfer den &#8222;inoffiziellen&#8220; \u00c4u\u00dferungen der Studenten gibt es dann auch keine M\u00f6glichkeit einzusch\u00e4tzen, wie gut einzelne Personen ihren Lehrauftrag erf\u00fcllen. Das ist nicht nur schlecht f\u00fcr die Studenten &#8211; sondern auch f\u00fcr die Dozenten selbst. Denn ohne vern\u00fcnftiges Feedback fehlt einem die M\u00f6glichkeiten, die eigenen Fehler zu erkennen und auszubessern! Ich kann daher jedem Dozenten nur empfehlen, sich beispielsweise bei <a href=\"https:\/\/www.meinprof.de\/\">MeinProf.de<\/a> anzumelden und seine Studenten zu bitten, dort Bewertungen abzugeben oder sich auf andere Art um Feedback zu k\u00fcmmern sollte es keine offiziellen Evaluierungen der Universit\u00e4t geben. <\/p>\n<p>Auch bei Bewerbungen f\u00fcr wissenschaftliche Stellen spielt die F\u00e4higkeit zu guter Lehre h\u00f6chstens eine untergeordnete Rolle: das was fast ausschlie\u00dflich z\u00e4hlt ist die wissenschaftliche Arbeit, die Anzahl der Ver\u00f6ffentlichungen etc. Das ist selbstverst\u00e4ndlich wichtig bei der Beurteilung eines Wissenschaftlers &#8211; aber meiner Meinung nach besteht die Aufgabe eines Forschers nicht nur darin, neues Wissen zu finden sondern auch darin <i>Wissen zu kommunizieren<\/i> (an Studenten und allgemein an die \u00d6ffentlichkeit)! Das ist mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Forschung. Da aber bei allen relevanten Beurteilungen nur die Forschungsarbeit beurteilt wird, fehlt die Motivation f\u00fcr die Hochschullehrer, sich Zeit f\u00fcr die Lehre zu nehmen.<\/p>\n<p>Wenn man schon nicht daf\u00fcr sorgen kann, dass mehr Personal f\u00fcr die Lehre zur Verf\u00fcgung steht, dann sollte man wenigstens daf\u00fcr sorgen dass die vorhandenen Hochschullehrer mehr Zeit f\u00fcr bessere Lehre investieren &#8211; zum Beispiel in dem bei Bewerbungen (oder der Beurteilung von Projektantr\u00e4gen) auch die Lehrf\u00e4higkeit des Bewerbers verst\u00e4rkt ber\u00fccksichtigt wird. Nur durch weitere Umstrukturierungen und das <i>&#8222;effektive und konzentrierte&#8220; <\/i>Einsetzen der vorhandenen Mittel wird sich die Qualit\u00e4t der Lehre an deutschen Hochschulen wohl nicht dramatisch verbessern lassen!<\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Weiterf\u00fchrende Links:<br \/><\/b><\/font><br \/>Neben der Qualit\u00e4t der Lehre gibt es nat\u00fcrlich noch jede Menge andere Dinge, die an den deutschen Universit\u00e4ten refomiert werden m\u00fcssten. Ein wichtiges Thema dass ich oben \u00fcberhaupt nicht angesprochen habe sind die Studiengeb\u00fchren. Die sind nat\u00fcrlich Hauptthema bei den Demonstrationen gegen die HRK. Mehr Infos zu den Demonstrationen findet man z.B. <a href=\"https:\/\/linkszeitung.de\/content\/view\/168015\/42\/\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.stura.uni-jena.de\/\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.studis-online.de\/HoPo\/art-240-hrk_zu_studiengebuehren.php\">hier<\/a>. Die <a href=\"https:\/\/www.otz.de\/\">OTZ<\/a> hat auch <a href=\"https:\/\/diashow.otz.de\/otz\/jena.diashow.hrk\/otz.jena.diashow.hrk.frameset.php\">jede Menge Fotos<\/a> .  <\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p>\n<a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/148291\/Hochschulrektorenkonferenz-in-Jena\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/8578827376b142bebcfdfe1fec1a7e1c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Hochschulrektoren tagen in der Universit\u00e4t Jena &#8211; und vor der T\u00fcr stehen die Studenten und protestieren. 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