{"id":27079,"date":"2022-09-16T06:00:58","date_gmt":"2022-09-16T04:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2022\/09\/16\/sternengeschichten-512-berge-und-pyramiden-der-astronom-charles-piazzi-smyth\/"},"modified":"2025-05-14T17:23:09","modified_gmt":"2025-05-14T15:23:09","slug":"sternengeschichten-512-berge-und-pyramiden-der-astronom-charles-piazzi-smyth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2022\/09\/16\/sternengeschichten-512-berge-und-pyramiden-der-astronom-charles-piazzi-smyth\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten 512: Berge und Pyramiden &#8211; Der Astronom Charles Piazzi Smyth"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/main.podigee-cdn.net\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_850826_sternengeschichten_512_berge_und_pyramiden_der_astronom_charles_piazzi_smyth.mp3?v=1661261994\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8_m7vkIcuDs\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/512-sternengeschichten-512-berge-und-pyramiden-der-astronom-charles-piazzi-smyth\/embed?context=external&#038;token=Adtl1p0SXr6tnoQH-ZCbWQ\"><\/script><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\n<strong>Sternengeschichten 512: Berge und Pyramiden &#8211; Der Astronom Charles Piazzi Smyth<\/strong><\/p>\n<p>In der heutigen Folge der Sternengeschichten geht es um das Universum und die Erde, um Wolken und klare N\u00e4chte, um Berge und Pyramiden und um einen Astronomen, der einerseits sehr umstrittene Sachen erz\u00e4hlt hat, ohne den die Astronomie aber andererseits nicht so funktionieren w\u00fcrde, wie sie es heute tut. Ich erz\u00e4hle euch heute etwas \u00fcber den schottischen Wissenschaftler Charles Piazzi Smyth.<\/p>\n<p>Und wer jetzt denkt: &#8222;Piazzi! Das war doch der Italiener, der 1801 den ersten Asteroiden entdeckt hat&#8220;, hat v\u00f6llig recht. Denn der Vater von Charles war William Henry Smyth, ein Admiral in der britischen Royal Navy. Und ein Astronom. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war er im Mittelmeerraum stationiert, traf dort Eliza Anne Warington, die Tochter des britischen Vizekonsuls von Neapel. Dort, in Neapel, wurde am 3. Januar 1819 auch ihr Sohn Charles geboren und weil William Henry gut mit dem italienischen Astronom Giuseppe Piazzi befreundet war, wurde der zum Taufpaten des Kindes, das dann auch offiziell &#8222;Charles Piazzi Smyth&#8220; genannt wurde.<\/p>\n<p>Die Familie blieb nicht mehr lange in Italien sondern \u00fcbersiedelte nach England. Charles war ein schlaues Kind und lernte schon fr\u00fch die Astronomie kennen; in der privaten Sternwarte, die sich sein Vater eingerichtet hatte. Sein Vater verschaffte Charles auch den ersten Job: Mit 16 Jahren wurde er Assistent von Sir Thomas Maclear, der damals gerade in S\u00fcdafrika am Kap der Guten Hoffnung astronomische Beobachtungen durchf\u00fchrte. Charles katalogisierte die Sterne des S\u00fcdhimmels, beobachtete Kometen und half auch dabei, die Gr\u00f6\u00dfe der Erde zu vermessen.<\/p>\n<p>1846 tauschte Piazzi Smyth dann aber die klaren N\u00e4chte der S\u00fcdhalbkugel gegen den regnerischen Himmel der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Er wurde zum Astronomer Royal von Schottland berufen und richtete sich an der Carlton Hill Sternwarte ein. Abgesehen vom eher schlechten Wetter litt Piazzi Smyth vor allem unter der mangelhaften Finanzierung der Sternwarte. <\/p>\n<p>Es ist also kein Wunder, dass Charles wieder in den S\u00fcden wollte. Und da kam ein Vorschlag von Isaac Newton gerade recht. Der war zwar schon lange tot, aber das hat nicht gest\u00f6rt. Newton, der ja unter anderem die Optik auf ein v\u00f6llig neues, naturwissenschaftlich-mathematisches Niveau gehoben und auch das erste wirklich brauchbare Spiegelteleskop gebaut hat, hat schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts vermutet, dass man weiter oben in der Atmosph\u00e4re der Erde viel bessere Beobachtungen anstellen k\u00f6nnte als unten. Auf hohen Bergen, die \u00fcber die meisten Wolken hinaus ragen m\u00fcsse die Luft viel ruhiger und der Blick zu den Sternen viel klarer und sch\u00e4rfer sein, hat er damals geschrieben. Die Astronomie fand aber trotzdem weiterhin unten am Boden und in den St\u00e4dten statt, dort wo in der Vergangenheit die ganzen Sternwarten gebaut wurden.<\/p>\n<p>Charles Piazzi Smyth wollte aber endlich praktisch testen, was Newton behauptet hat. Er konnte die britische Admiralit\u00e4t \u00fcberzeugen, eine entsprechende Expedition zu finanzieren. Warum gerade die Admiralit\u00e4t? Weil die nat\u00fcrlich damals ein gro\u00dfes Interesse an astronomischen Beobachtungen hatte; das war wichtig zur Positionsbestimmung und Navigation auf den Meeren. Der Ingenieur Robert Stephenson &#8211; Sohn von George Stephenson, der die erste brauchbare Lokomotive baute und selbst ein wichtiger Konstrukteur von Eisenbahnen &#8211; lieh Piazzi Smyth seine Jacht; vom Chemiker Hugh Lee Pattinson bekam Smyth ein Teleskop und von der Armee ein paar alte Zelte. Mit dem ganzen Zeug machte sich Smyth mit seiner Frau Jessica &#8211; einer Geologin &#8211; auf nach Teneriffa. Auf der gr\u00f6\u00dften der kanarischen Inseln liegt der Pico del Teide, ein 3715 m hoher Vulkankegel. Dort oben wollte Smyth ein Observatorium errichten und die Theorie von Isaac Newton testen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11139\" aria-describedby=\"caption-attachment-11139\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/2008Teneriffa_Tag5_PicoDelTeide_15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/2008Teneriffa_Tag5_PicoDelTeide_15.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"436\" class=\"size-full wp-image-11139\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11139\" class=\"wp-caption-text\">Der Pico del Teide (Teneriffa , Kanarische Inseln) wirft einen gigantischen Schatten (Bild: Andys, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\/deed.en\">CC-BY 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das war nicht einfach; das ganze Material musste von Menschen und Maultieren die Berge hinauf transportiert werden. Zuerst richteten sich Charles und Jessica auf dem Alto de Guajara ein, einem 2715 m hohen Berg s\u00fcdlich des Teide. Die Beobachtungen waren vielversprechend, aber es gab immer wieder jede Menge Staub in der Atmosph\u00e4re der die Betrachtung des Himmels st\u00f6rte. Also musste sie h\u00f6her hinauf und verlegten den Beobachtungsposten auf die \u00f6stliche Flanke des Teide; auf eine H\u00f6he von 3300 Metern. Die &#8222;Alta Vista Sternwarte&#8220;, die sie dort einrichteten war eine eher provisorische Angelegenheit aber die Ergebnisse waren grandios. Wo man von Edinburgh und selbst von den tieferen Lagen auf Teneriffa einen Doppelstern nur als verwaschenen Blob erkennen konnte, waren auf dem Teide klar und deutlich zwei Lichtpunkte zu sehen. Die Expedition auf die kanarischen Inseln war ein voller Erfolg und Smyth konnte eindeutig demonstrieren, dass es sich mehr als nur lohnt, astronomische Beobachtungen auf hohen Bergen durchzuf\u00fchren. <\/p>\n<p>Das Buch, dass er dar\u00fcber schrieb, w\u00e4re aber fast nicht ver\u00f6ffentlicht worden. Es sollte von der Royal Society ver\u00f6ffentlicht werden, aber die fand es nicht gut, dass Smyth auch so viel \u00fcber Geologie und Botanik geschrieben hatte anstatt sich auf die Astronomie zu konzentrieren. Au\u00dferdem wollte sie die ganzen Fotos nicht drucken, die Smyth gemacht hatte. Die Fotografie war damals noch recht jung und Smyth experimentierte mit den verschiedenen Verfahren. 1858 erschien das Buch dann trotzdem; Charles und Jessica produzierten es einfach selbst und es war das erste Buch, das mit stereoskopischen Fotografien illustriert war. Das sind Aufnahmen die das selbe Motiv aus zwei leicht unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Auf die richtige Weise betrachtet, geben sie einem einen r\u00e4umlichen Eindruck der Szene. Das war aber nicht der haupts\u00e4chlich Grund warum sich Smyth daf\u00fcr entschieden hatte; er hat das auch aus Gr\u00fcnden der wissenschaftlichen Exaktheit getan. Die Fotografie war damals nicht so exakt wie heute; es gab Bildfehler und andere Ph\u00e4nomene die die Aufnahme verf\u00e4lschen k\u00f6nnen. Aber wenn man zwei Bilder des selben Motivs hat, kann man sofort sehen, was tats\u00e4chlich echt ist und was nur ein Bildfehler, denn die findet man im Allgemeinen nicht auf beiden Aufnahmen an der gleichen Stelle. <\/p>\n<p>Der Streit zwischen Smyth und dem Rest der wissenschaftlichen Gemeinschaft \u00fcber die Publikation seines Buchs war quasi eine Vorschau auf das, was noch kommen w\u00fcrde. Aber dazu sp\u00e4ter mehr; schauen wir zuerst, mit was sich Smyth noch besch\u00e4ftigt hat: Vor allem dem Sonnenspektrum. Dass man Sonnenlicht durch ein passend geformtes St\u00fcck Glas fallen lassen kann, so dass es in die Farben des Regenbogen aufgespalten wird, wusste man schon lange und schon Newton hatte gezeigt, dass Licht tats\u00e4chlich aus verschiedenen Farben zusammengesetzt ist. Im 19. Jahrhundert hatte man dann auch dunkle Linien im Regenbogen des Sonnenlichts entdeckt, wusste aber nicht, woher die stammen. Erst sp\u00e4ter wurde klar, dass sie von den Atomen erzeugt werden aus dem das Material besteht, das das Licht durchquert. Jedes chemische Element erzeugt sein eigenes charakteristisches Muster aus dunklen Linien im Regenbogen. Nur: Licht von der Sonne durchquert ja nicht nur die Gasschichten unseres Sterns und das leere Weltall, sondern auf dem Weg in die Teleskope auch die Atmosph\u00e4re der Erde. Welche Linien im Spektrum stammen jetzt von der Sonne und welche von der Erdatmosph\u00e4re? Das wollte Smyth herausfinden und nutzte daf\u00fcr wieder die Beobachtungen die er auf hohen Bergen durchf\u00fchren konnte. Schaut man Mittags zur Sonne, dann steht sie direkt \u00fcber einem und das Licht muss weniger Atmosph\u00e4re durchqueren als wenn man die Sonne am Horizont betrachtet und quasi einmal quer durch die ganzen Luftschichten beobachten muss. Das gilt um so mehr, wenn man auf einem hohen Berggipfel steht: Dann l\u00e4uft der Blick nach oben durch noch weniger Atmosph\u00e4re und der zum Horizont daf\u00fcr durch mehr. Smyth wollte nun schauen, welche Linien st\u00e4rker und schw\u00e4cher werden, je nach dem wann und wo er das Spektrum beobachtete. Linien, die vor allem beim Blick zum Horizont stark zu sehen sind, beim Blick nach oben aber nicht, m\u00fcssen ziemlich sicher von der Erdatmosph\u00e4re stammen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/regentitel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/regentitel.jpg\" alt=\"\" width=\"585\" height=\"227\" class=\"aligncenter size-full wp-image-32401\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei all diesen Beobachtungen ging es Smyth sowohl darum, den Nachthimmel und die Sterne besser zu verstehen, als auch die Lufth\u00fclle unseres Planeten. Er fand zum Beispiel etwas, das er das &#8222;Regenband&#8220; nannte: Bei der Arbeit mit einem kleinen &#8222;Taschenspektroskop&#8220; stellte er fest, dass er immer wieder eine ganz bestimmte dunkle Linie im Spektrum sah, kurz bevor es zu regnen begann. &#8222;Die muss vom Wasser in der Atmosph\u00e4re stammen, dass sich dort ansammelt, bevor es dann zu regnen beginnt. Das w\u00e4re eine tolle Methode, um Wettervorhersagen zu machen&#8220;, hat Smyth sich gedacht. Und das w\u00e4re auch so gewesen; die Meteorologie war damals ja auch erst in ihren Anf\u00e4ngen und Wetterprognosen wie heute komplett unm\u00f6glich. Aber leider war die Sache dann doch nicht so einfach. Erstens war die Messung deutlich schwieriger als gedacht. Smyth war es gewohnt, mit einem Blick durch das Spektroskop das Regenband auch zu sehen. Es braucht viel \u00dcbung, wenn man mit diesen Instrumenten arbeiten will. Und dann war es auch nicht so klar, dass dieses &#8222;Regenband&#8220; wirklich ein eindeutiges Vorzeichen f\u00fcr nahenden Niederschlag ist.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter verlegte Smyth sich auf die Beobachtung, Fotografie und wissenschaftliche Beschreibung von Wolken; was damals auch ein ziemlich neues Forschungegebiet war. Aber heute kennt man ihn &#8211; neben seiner astronomischen Arbeit auf den Bergen der kanarischen Inseln &#8211; vor allem f\u00fcr das, was er in \u00c4gypten getrieben hat. Smyth war, so wie viele andere vor und nach ihm &#8211; sehr beeindruckt von den gro\u00dfen Pyramiden. Er reiste dorthin, um alles genau zu messen und zu dokumentieren. Aus all diesen Messungen leitete er eine L\u00e4ngeneinheit ab, die seiner Meinung nach die Grundlage f\u00fcr den Bau der Pyramiden gewesen sein muss. Und \u00fcberraschenderweise war dieser &#8222;Pyramidenzoll&#8220; genau so lang wie 1001 britische Zoll. Laut Smyth &#8211; der ein sehr religi\u00f6ser Mensch war &#8211; wurde die Ma\u00dfeinheit des Pyramidenzoll direkt von Gott an Noah gegeben und nach der biblischen Sintflut errichteten die Nachfahren von Noah die gro\u00dfen Pyramiden, ebenfalls mit g\u00f6ttlicher Hilfe und g\u00f6ttlichen Ma\u00dfeinheiten. Mehr noch; Smyth war ein Anh\u00e4nger des sogenannten &#8222;Anglo-Israelismus&#8220;, also der Auffassung, dass die Briten die Nachfahren der Israeliten sind. Von den in der Bibel erw\u00e4hnten 12 St\u00e4mmen des Volkes Israel zehn von den Assyrer umgesiedelt worden und seitdem verschollen. Aus historischer Sicht ist die biblische Geschichte sowieso immer kritisch zu betrachten, aber damals sah man das noch anders und Smyth war fest davon \u00fcberzeugt, dass ein paar St\u00e4mme ihren Weg auf die britischen Inseln gefunden haben. Und es deswegen auch kein Wunder sein, dass man dort eben auch die selben g\u00f6ttlichen Ma\u00dfeinheiten verwendet, die schon beim Bau der Pyramiden benutzt worden sind. Und das neumodische metrische System aus Frankreich muss unter anderem deswegen strikt abgelehnt werden. Na ja, Smyth war au\u00dferdem fix davon \u00fcberzeugt, dass die Pyramiden voller geheimer Botschaften und Prophezeiungen Gottes stecken, die entschl\u00fcsselt werden k\u00f6nnen, wenn man sie nur genau genug vermisst und die Zahlen entsprechend interpretiert.<\/p>\n<p>Charles Piazzi Smyth war nicht der erste, der sich mit dieser &#8222;Pyramidologie&#8220; besch\u00e4ftigt hat, aber er war derjenige, der sie mit seinen B\u00fcchern dazu extrem popul\u00e4r gemacht hat und ist damit quasi der Vorl\u00e4ufer von modernen Pseudowissenschaftlern wie Erich von D\u00e4niken, die dann allerdings eher Au\u00dferirdische anstatt Gott als Konstrukteure der Pyramide ansehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_35402\" aria-describedby=\"caption-attachment-35402\" style=\"width: 496px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Piazzi_Smyth_Great_Pyramid_1865.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Piazzi_Smyth_Great_Pyramid_1865.jpg\" alt=\"\" width=\"496\" height=\"501\" class=\"size-full wp-image-35402\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35402\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Piazzi_Smyth_Great_Pyramid_1865.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie man sich denken kann, war der Rest der wissenschaftlichen Gemeinschaft auch damals schon nicht sonderlich begeistert von solchen Hypothesen. Man hat seine arch\u00e4ologische Arbeit und die wichtige Sammlung von Daten \u00fcber die Pyramiden zwar durchaus anerkannt; die Schlussfolgerungen daraus aber nicht unbedingt. <\/p>\n<p>Charles Piazzi Smyth ist eine kontroverse Gestalt. Die kanarischen Inseln sind heute eines der astronomischen Zentren der Welt; auf dem Teide gibt es jede Menge Observatorien an denen Spitzenforschung durchgef\u00fchrt wird; so wie auf anderen Berggipfeln in Chile, Hawaii oder S\u00fcdafrika. Ohne die Pionierarbeit von Symth h\u00e4tte es vermutlich l\u00e4nger gedauert, bis die Astronomie sich dort eingerichtet h\u00e4tte. Smyth hat die Erforschung der Erdatmosph\u00e4re vorangetrieben, die Wolkenforschung, die Fotografie; sich dabei aber immer wieder und weiter vom Rest der wissenschaftlichen Community entfernt und mit seiner Arbeit zum Ursprung der Pyramiden dann ganz isoliert. Die wissenschaftlichen Ehrungen die ihm im Laufe seines Lebens verliehen worden sind, tr\u00e4gt er aber absolut zu Recht; ebenso wie die nach seinem Tod. Charles Piazzi Smyth starb am 21. Februar 1900. 1935 wurde ein Mondkrater nach ihm benannt und seit 2022 gibt es auch einen Asteroiden der seinen Namen tr\u00e4gt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/e2bfc701b9724a0e814ff0a2cfec9a89\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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