{"id":27074,"date":"2022-09-30T06:00:58","date_gmt":"2022-09-30T04:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2022\/09\/30\/sternengeschichten-folge-514-axionen-und-die-dunkle-materie\/"},"modified":"2025-05-14T17:23:08","modified_gmt":"2025-05-14T15:23:08","slug":"sternengeschichten-folge-514-axionen-und-die-dunkle-materie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2022\/09\/30\/sternengeschichten-folge-514-axionen-und-die-dunkle-materie\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 514: Axionen und die dunkle Materie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/main.podigee-cdn.net\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_850831_sternengeschichten_folge_514_axionen_und_die_dunkle_materie.mp3?v=1661262187\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/-fZkBhCccX4\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/514-sternengeschichten-folge-514-axionen-und-die-dunkle-materie\/embed?context=external&#038;token=Adtl1p0SXr6tnoQH-ZCbWQ\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\n<strong>Sternengeschichten Folge 514: Axionen und die dunkle Materie<\/strong><\/p>\n<p>Heute geht es in den Sternengeschichten um das Axion. Nicht um ein Axiom, also einen Grundsatz einer wissenschaftlichen Theorie; auch nicht um ein Axon, den Teil einer Nervenzelle. Ich erz\u00e4hle euch etwas \u00fcber das Axion, ein hypothetisches Elementarteilchen, das unter Umst\u00e4nden eine fundamentale Rolle in unserem Universum spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Und wie immer wenn es um Teilchenphysik geht, ist die Sache ein wenig knifflig. Ich habe in Folge 46 schon einmal ausf\u00fchrlich \u00fcber das Standardmodell der Teilchenphysik gesprochen und muss das heute noch einmal kurz wiederholen. Alles, was es gibt, besteht aus Elementarteilchen. Das sind vor allem Elektronen und Quarks; den Rest lasse ich vorerst mal weg. Jedes Atom hat eine H\u00fclle; die besteht aus Elektronen. Uns interessiert jetzt aber der Atomkern, der aus elektrisch positiv geladenen Protonen aufgebaut ist und aus elektrisch neutralen Neutronen. Das sind aber keine fundamentalen Teilchen; das sind nur die Quarks. Von denen gibt es sechs grundlegende Arten und in Protonen und Neutronen finden wir die sogenannten &#8222;up&#8220; und &#8222;down&#8220;-Quarks. Im Proton sind es zwei up und ein down-Quark; im Neutron zwei down und ein up-Quark. So weit ist das noch recht einfach. Aber jetzt m\u00fcssen wir uns mit Farbladungen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Wir alle wissen, was eine elektrische Ladung ist. Das kennen wir aus dem Alltag, wenn wir mit Batterien oder Magneten hantieren. Da gibt es Plus- und Minuspole; es gibt positive und negative elektrische Ladungen und wir wissen auch, dass sich gleiche Ladungen absto\u00dfen und ungleiche Ladungen anziehen. Das ist auch der Grund, wieso ein Atom zusammenh\u00e4lt, vereinfacht gesagt. Der Kern ist positiv geladen, weil da nur positiv geladene Protonen und ungeladene Neutronen drin sind. Und die H\u00fclle ist wegen der elektrisch negativ geladenen Elektronen auch elektrisch negativ geladen. Au\u00dfen negativ, innen positiv und das ganze Ding h\u00e4lt zusammen. <\/p>\n<p>Quarks haben auch eine elektrische Ladung. Ein up Quark hat eine positive Ladung die 2\/3 der Ladung eines Protons entspricht; ein down-Quark hat eine negative Ladung von 1\/3 der Ladung eines Protons. Ein Proton besteht aus zwei ups und einem down, macht 2\/3 + 2\/3 &#8211; 1\/3 und ergibt insgesamt +1. Bei einem Neutron haben wir zwei downs und ein up, also -1\/3 + -1\/3 + 2\/3 und das summiert sich zu Null, also gar keiner Ladung. Passt alles. Aber! Ein Quark hat nicht nur eine elektrische Ladung, sondern auch eine Farbladung. Das darf man nicht mit der elektrischen Ladung verwechseln und mit Farbe hat das auch absolut nichts zu tun. Die Farben der Quarks sind einfach nur Beschreibungen die anzeigen, wie die Quarks miteinander wechselwirken. Es gibt dort auch nicht nur zwei M\u00f6glichkeiten, wie bei der elektrischen Ladung. Sondern viel mehr. Ein Quark kann rot, gr\u00fcn oder blau sein und ich sage noch einmal: Das hat nichts mit echter Farbe zu tun. Ich k\u00f6nnte auch sagen: &#8222;Ein Quark kann zorg, zarg oder zurg sein&#8220; &#8211; es braucht einfach irgendwelche Worte, um die Eigenschaft zu beschreiben, um die es geht. Aber in der Physik hat man sich eben entschieden, die W\u00f6rter f\u00fcr Farben zu nehmen. Damit muss man jetzt leben. Oder, wie der Physik-Nobelpreistr\u00e4ger Richard Feynman es ausgedr\u00fcckt hat: &#8222;Diese Physiker-Idioten, unf\u00e4hig sich irgendwelche wundervollen griechischen W\u00f6rter auszudenken, bezeichnen diese Art der Polarisation mit dem ungl\u00fccklichen Begriff &#8218;Farbe&#8216; der nichts mit der Farbe im \u00fcblichen Sinn zu tun hat.\u201c <\/p>\n<p>Also: Ein Quark kann rot, gr\u00fcn oder blau sein. Oder, wenn es sich um ein Anti-Quark handelt, antirot, antigr\u00fcn und antiblau. In einem stabilen Teilchen wie einem Proton oder Neutron findet man immer Quarks mit unterschiedlichen Farben, also ein rotes, ein gr\u00fcnes und ein blaues. Zusammen ergibt das &#8222;wei\u00df&#8220;, also gar keine Farbe. Und bevor es zu verwirrend wird, sollten wir jetzt mal kl\u00e4ren, was es mit dieser Farbe auf sich hat. Es geht dabei um die &#8222;starke Ladung&#8220; und die Kraft, die daf\u00fcr sorgt, dass die Quarks zusammenhalten, n\u00e4mlich die starke Kernkraft. Das ist, so wie die Gravitation oder die elektromagnetische Kraft, eine fundamentale Kraft im Universum. Nur das wir im Alltag nichts von ihr sp\u00fcren, weil ihre Reichweite so kurz ist, dass sie nur innerhalb der Atomkerne wirkt. <\/p>\n<figure id=\"attachment_12149\" aria-describedby=\"caption-attachment-12149\" style=\"width: 791px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Particle-Fever-Standard-Model-Graphic.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Particle-Fever-Standard-Model-Graphic.png\" alt=\"\" width=\"791\" height=\"594\" class=\"size-full wp-image-12149\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12149\" class=\"wp-caption-text\">Das Standardmodell der Teilchenphysik (<a href=\"https:\/\/www.quantumdiaries.org\/2013\/08\/19\/a-fresh-look-for-the-standard-model\/\">Bild: Particle Fever<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist schwierig, etwas anschaulich zu beschreiben, was wir nirgendwo sehen, sp\u00fcren und was au\u00dferhalb unserer Wahrnehmung stattfindet. Aber zwischen den Quarks wirkt eine Kraft, eben die starke Kernkraft. Und so wie sich elektrisch positiv und negativ geladene Teilchen je nach Ladung anziehen oder absto\u00dfen, tun das die Quarks auch, je nach Art ihrer Farbladung. Das ist wie gesagt, alles sehr vereinfacht. Aber es ist vor allem wichtig zu verstehen, dass die Quarks diese Eigenschaft haben, die wir mit W\u00f6rtern f\u00fcr Farbe kennzeichnen und dass es eine Kraft gibt, die zwischen ihnen wirkt. <\/p>\n<p>Die Disziplin, die diese ganze Wechselwirkung der Farbladungen beschreibt, nennt sich Quantenchromodynamik; sie ist f\u00fcr die starke Kernkraft das, was die Elektrodynamik f\u00fcr den Elektromagnetismus ist. Und in der Quantenchromodynamik finden wir auch den Ursprung des Axions. Die starke Kernkraft kennt n\u00e4mlich keinen Unterschied zwischen Materie und Antimaterie. Das klingt seltsam und wir m\u00fcssen das ein wenig erl\u00e4utern. Dazu m\u00fcssen wir mit der CP-Symmetrie anfangen. Das &#8222;C&#8220; steht f\u00fcr &#8222;charge&#8220; und das &#8222;P&#8220; f\u00fcr &#8222;parity&#8220;. Mit charge ist die Ladung gemeint und mit parity die r\u00e4umliche Ausrichtung. Ich will jetzt nicht in die Details gehen, das wird sehr schnell sehr verwirrend. Aber es gibt aus diversen Gr\u00fcnden Prozesse, die sich nicht \u00e4ndern, wenn man die Ladungen und die r\u00e4umliche Anordung aller Teilchen vertauscht. Wenn man also alle Teilchen durch ihre Antiteilchen ersetzt und dann alles nochmal spiegelt. Das ist bei einer CP-Symmetrie der Fall; man kann &#8211; was die physikalischen Gesetze angeht mit denen man solche Systeme beschreibt &#8211; keinen Unterschied finden, wenn man die entsprechenden Vertauschungen durchf\u00fchrt. Genau das ist gemeint, wenn man sagt, dass die starke Kernkraft symmetrisch ist. Es ist komplett egal, ob man Reaktionen der starken Kraft zwischen Teilchen anschaut oder Antiteilchen, ob die Teilchen r\u00e4umlich oder zeitlich gespiegelt werden; ob man die Prozesse also vorw\u00e4rts in der Zeit laufend oder r\u00fcckw\u00e4rts betrachtet. Bei einer anderen Grundkraft, der schwachen Wechselwirkung, gibt es aber Prozesse, bei denen die CP-Symmetrie verletzt wird, wo es also durchaus darauf ankommt, ob Ladung oder r\u00e4umlich\/zeitliche Ausrichtung vertauscht wird. Vielleicht kann man das mit einem etwas schiefen Vergleich aus dem Alltag verstehen. Wenn ich Suppe machen will, kommt es nicht darauf an, ob ich zuerst das hei\u00dfe Wasser in den Topf gebe und dann den Suppenw\u00fcrfel. Oder zuerst den Suppenw\u00fcrfel und dann das hei\u00dfe Wasser darauf. Wenn ich aber Kartoffelp\u00fcree mache, ist es durchaus wichtig, die Karoffeln zuerst zu sch\u00e4len, dann zu kochen und danach zu stampfen. W\u00fcrde ich sie zuerst stampfen, dann kochen und erst am Schluss probieren sie zu sch\u00e4len, kriege ich eine gro\u00dfe Sauerei, aber mit Sicherheit kein Kartoffelp\u00fcree. Die Suppe ist symmetrisch, beim Kartoffelp\u00fcree ist die Symmetrie verletzt. <\/p>\n<p>Und eigentlich sollte auch bei der starken Kernkraft die CP-Symmetrie verletzt sein. Das sagt zumindest all das, was wir \u00fcber die Quantenchromodynamik wissen. Aber wenn wir anschauen, wie die starke Kernkraft tats\u00e4chlich wirkt, sehen wir diese Verletzung nicht. Wenn die starke Kernkraft die CP-Symmetrie tats\u00e4chlich verletzt, m\u00fcsste es Teilchen geben, die wir auch schon l\u00e4ngst beobachten h\u00e4tten m\u00fcssen. Haben wir aber nicht. Man kann das Problem l\u00f6sen, wenn man an der mathematischen Beschreibung der Quantenchromodynamik ein bisschen rumbastelt. Das klingt ein wenig unseri\u00f6s und ist auch massiv vereinfacht dargestellt. Aber wenn sich die Quarks auf eine bestimmte Weise verhalten; wenn man einen bestimmten Parameter einf\u00fchrt um ihre Anordnung zu beschreiben und wenn dieser Parameter immer sehr klein ist, dann l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, warum die CP-Symmetrie nicht verletzt wird, obwohl das eigentlich der Fall sein sollte. Das neue Problem: Man muss erkl\u00e4ren, WARUM dieser neue Parameter (es geht um einen sogenannten &#8222;Vakuumwinkel&#8220;, aber das w\u00fcrde zu weit f\u00fchren) immer so klein ist. Daf\u00fcr haben der italienische Physiker Roberto Peccei und die australische Physikerin Helen Quinn im Jahr 1977 eine neue Hypothese eingef\u00fchrt. Auch das kann ich nur in Ans\u00e4tzen erkl\u00e4ren: Sie haben im Wesentlichen vorgeschlagen, dass da vielleicht noch ein bisher unbekanntes Feld existiert und dieses Feld sorgt mit seiner Wirkung daf\u00fcr, dass der Parameter immer klein ist und die Symmetrie nicht gebrochen wird.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen wir jetzt noch einmal schnell \u00fcber Felder sprechen. Das habe ich ja schon in Folge 247 ausf\u00fchrlich getan. In der modernen Physik sind &#8222;Quantenfelder&#8220; ja die Grundlage von allem. Sie sind das, was fundamental ist im Universum und Teilchen sind nur das, was passiert, wenn man Energie in ein Feld steckt. Quantenfelder wie das Higgs-Feld existieren im gesamten Kosmos und wenn so ein Feld ausreichend angeregt wird, entsteht dabei ein Higgs-Teilchen. Das Photon, das Lichtteilchen, ist etwas, das aus der Anregung eines elektromagnetischen Felds entsteht, und so weiter. Jedem Teilchen entspricht ein Quantenfeld. Und jedem Quantenfeld ein Teilchen. Wenn man also zur Erkl\u00e4rung eines Ph\u00e4nomens ein neues Quantenfeld erfindet, dann behauptet man gleichzeitig, dass es auch ein noch unbekanntes Teilchen geben. Das hat damals Peter Higgs gemacht, als er seinen Higgs-Mechanismus postuliert hat und tats\u00e4chlich hat man dann ein paar Jahrzehnte sp\u00e4ter auch das dazugeh\u00f6rige Higgs-Teilchen entdeckt.<\/p>\n<p>Und jetzt sind wir endlich beim Axion. So hei\u00dft das Teilchen, dass zum Quantenfeld geh\u00f6rt, das Peccei und Quinn erfunden haben, um das Problem der CP-Symmetrie in der Quantenchromodynamik zu l\u00f6sen. Der Name stammt \u00fcbrigens vom amerikanischen Physik-Nobelpreistr\u00e4ger Frank Wilczek und bezieht sich auf die Waschmittelmarke, die ebenfalls Axion hei\u00dft. Laut Wilczek ist das ein passender Name, da das neue Teilchen ein Problem entfernt und die Theorie quasi s\u00e4ubert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_35404\" aria-describedby=\"caption-attachment-35404\" style=\"width: 2152px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Enamel_advertising_sign_Persil.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Enamel_advertising_sign_Persil.jpg\" alt=\"\" width=\"2152\" height=\"2048\" class=\"size-full wp-image-35404\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35404\" class=\"wp-caption-text\">Ein Korb voll Axionen?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jetzt werden in der theoretischen Physik immer wieder Teilchen postuliert. Das geht einfach. Viel schwieriger ist es, sie auch nachzuweisen. Vor allem so ein Ding wie das Axion. Wenn es das leisten soll, was es tut, dann kann man berechnen, dass es eine sehr geringe Masse haben muss. Enorm gering und damit ist es auch schwer aufzusp\u00fcren. Aber nicht unm\u00f6glich. Denn ein Axion hat zwar selbst keine elektrische Ladung; ist aber in der Lage mit elektromagnetischen Feldern wechselzuwirken. Zumindest wenn es sich um wirklich, wirklich, wirklich starke Felder handelt. Dann k\u00f6nnen sich Axionen in Photonen, also in Lichtteilchen umwandeln. Umgekehrt geht es auch; in einem sehr starken Magnetfeld kann ein Photon sich in Axionen umwandeln. Das bietet interessante M\u00f6glichkeiten: Man k\u00f6nnte zum Beispiel einen Laserstrahl durch ein solches Magnetfeld laufen lassen. Und ihn dann blockieren. Wenn die Theorie stimmt, sollten sich ein paar Photonen in Axionen umwandeln. Die k\u00f6nnen &#8211; im Gegensatz zum Licht &#8211; durch die Barriere hindurch und w\u00fcrden sich danach wieder in elektromagnetische Strahlung umwandeln. Man k\u00f6nnte so also quasi durch eine Mauer durchleuchten. <\/p>\n<p>Solche Experimente sind aber schwer durchzuf\u00fchren; es ist ein gro\u00dfer Aufwand und die Messungen sind komplex. Aber wenn es Axionen gibt, dann werden sie auch auf nat\u00fcrlichem Weg produziert; zum Beispiel im Inneren der Sonne. Da gibt es jede Menge Photonen und da gibt es auch sehr starke Magnetfelder. Dadurch k\u00f6nnten Axionen im Kern der Sonne entstehen und dann von dort hinaus ins All sausen. Man kann Detektoren bauen um danach zu suchen; im Wesentlichen sind das sehr starke Magneten, die eventuell vorbei kommende Axionen dazu bringen, sich in Lichtteilchen umzuwandeln. Wie gesagt: Im Detail ist das alles sehr viel komplexer und die Ger\u00e4te sind extrem aufwendig zu konstruieren; man muss sie tief unter der Erde betreiben um St\u00f6rstrahlung auszuschlie\u00dfen, und so weiter. Aber rein theoretisch w\u00e4re es damit m\u00f6glich, Axionen aus der Sonne nachzuweisen. <\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich ein statistischer Prozess. Man misst die Axionen ja nicht direkt, sondern nur die Lichtteilchen die bei ihrer Umwandlung durch Magnetfelder entstehen. Es gibt aber auch andere Prozesse, die Lichtteilchen hervorbringen. Man muss sich vorher ganz genau \u00fcberlegen, was im Detektor alles daf\u00fcr sorgen kann, dass Photonen entstehen. Und nur wenn man danach signifikant MEHR Photonen misst und es auch noch Photonen sind die die richtigen Eigenschaft haben, kann man die Entdeckung von Axionen verk\u00fcnden.<\/p>\n<p>Vielleicht passiert das irgendwann. Vielleicht ist es schon passiert, wenn ihr diesen Podcast irgendwann lange nach seiner Ver\u00f6ffentlichung h\u00f6rt. So oder so: Es w\u00e4re eine gro\u00dfe Nachricht. Denn wenn es Axionen wirklich gibt, dann entstehen sie nicht nur im Inneren der Sonne. Dann sind sie auch in enorm gro\u00dfer Anzahl direkt nach dem Urknall entstanden. Und auch wenn sie eine sehr geringe Masse haben: Wenn es ausreichend viele sind, dann k\u00f6nnen sie das R\u00e4tsel der dunklen Materie l\u00f6sen. Wir wissen ja, dass sich die Objekte im Universum so bewegen, als w\u00fcrden sie mehr Gravitationskraft sp\u00fcren, als die von uns direkt beobachtbare Masse der Sterne und Galaxien aus\u00fcben k\u00f6nnen. Deswegen gehen die meisten Wissenschaftler:innen davon aus, dass es neben der normalen Materie noch eine weitere, von uns noch nicht entdeckte Form von Materie gibt, die f\u00fcr diese Gravitionskraft verantwortlich ist. Es muss Materie sein, die im ganzen Universum verteilt ist; die nicht zu so etwas wie Sternen oder Planeten zusammenklumpt, sondern quasi best\u00e4ndig in gigantischen Wolken durch den Kosmos wabert. Sie muss beim Urknall entstanden sein; sie muss Gravitationskraft aus\u00fcben und darf nicht zu stark mit normaler Materie wechselwirken. Und es muss fast sechsmal so viel davon geben wie von der normalen Materie die wir sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Axion w\u00fcrde all diese Bedingungen erf\u00fcllen. Es muss halt nur noch existieren. Denn eine Theorie kann noch so sch\u00f6n und vielversprechend sein &#8211; wenn sie nicht mit den Beobachtungen \u00fcbereinstimmt, dann muss man sie verwerfen. Da kennt das Universum kein Erbarmen. Egal was wir uns ausdenken und w\u00fcnschen; es ist nicht verpflichtet unsere W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Aber wer wei\u00df: Vielleicht haben wir mit dem Axion ja doch recht. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/43de4fef3fad4ebd999e05e81a779c7e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":27078,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,767],"tags":[1916,18,2031,2172,3512,4097,433,4424,544,4972,5365,6579,6731,6734,701,10585,11483,456,11863,11970,11973,11998,12471,13458,13735,13758,195,13886,14208,14209,277,172,15132,15216,28],"class_list":["post-27074","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","category-sternengeschichten","tag-astrodicticum","tag-astronomie","tag-atomkern","tag-axion","tag-cp-symmetrie","tag-down-quark","tag-dunkle-materie","tag-elektronen","tag-elementarteilchen","tag-farbladung","tag-frank-wilczek","tag-helen-quinn","tag-higgs-feld","tag-higgs-teilchen","tag-magnetfeld","tag-neutronen","tag-photon","tag-physik","tag-protonen","tag-quantenchromodynamik","tag-quantenfeld","tag-quarks","tag-roberto-peccei","tag-solare-axionen","tag-standardmodell-der-teilchenphysik","tag-starke-kernkraft","tag-sterne","tag-sternengeschichten","tag-symmetrie","tag-symmetriebrechung","tag-teilchenphysik","tag-universum","tag-up-quark","tag-vakuumwinkel","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27074"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27077,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27074\/revisions\/27077"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27078"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}