{"id":26620,"date":"2021-11-26T07:00:56","date_gmt":"2021-11-26T06:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/11\/26\/sternengeschichten-folge-470-machos-und-rambos\/"},"modified":"2025-05-14T17:15:37","modified_gmt":"2025-05-14T15:15:37","slug":"sternengeschichten-folge-470-machos-und-rambos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/11\/26\/sternengeschichten-folge-470-machos-und-rambos\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 470: MACHOs und RAMBOs"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_580836_sternengeschichten_folge_470_machos_und_rambos.mp3?v=1635933741\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/aBVJIMXw_Ms\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3 \">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/470-sternengeschichten-folge-470-machos-und-rambos\/embed?context=external&#038;token=mOPstgPB_kUAMaffFqyYtw\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<strong>Sternengeschichten Folge 470: MACHOs und RAMBOs<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel der heutigen Folge ist ein wenig missverst\u00e4ndlich. Normalerweise stellt man sich unter MACHOs und RAMBOs etwas anderes vor als das, um das es gleich gehen wird und man stellt sich vermutlich nichts vor, was mit Astronomie zu tun. Wenn ich gleich von MACHOs und RAMBOs erz\u00e4hle, dann wird es aber nicht um \u00fcbertrieben m\u00e4nnliche M\u00e4nner gehen und auch nicht um Action-Helden. Sondern um dunkle Materie &#8211; und den seltsamen Hang der Naturwissenschaft zu leicht l\u00e4cherlichen und sehr konstruierten Akronymen.<\/p>\n<p>\u00dcber dunkle Materie habe ich im Podcast ja schon oft gesprochen und alles in Folge 25 ausf\u00fchrlich vorgestellt. Das Konzept ist alt; in den 1930er Jahren hat der Astronom Fritz Zwicky festgestellt, dass sich Galaxien in einem Galaxienhaufen schneller bewegen, als sie es tun sollten. Wie schnell sich ein Himmelsk\u00f6rper bewegen muss, kann man leicht berechnen, wenn man wei\u00df, welche Gravitationskraft er sp\u00fcrt. Zwicky hat damals alle Galaxien eines Haufens beobachtet und aus ihrer Helligkeit auf ihre jeweiligen Massen geschlossen. Daraus kann man direkt berechnen, welche Gravitationskraft sie auf ihre Umgebung aus\u00fcben &#8211; und welche Gravitationskraft sie von den anderen Galaxien in ihrer Umgebung sp\u00fcren. Und weil die Geschwindigkeit von der Gravitationskraft abh\u00e4ngt, kann man leicht eine maximal m\u00f6gliche Geschwindigkeit berechnen. Das ist ein wenig so wie bei der &#8222;Kosmischen Geschwindigkeit&#8220;, von der ich in Folge 151 erz\u00e4hlt habe. Will man mit einer Rakete dauerhaft aus dem Anziehungsbereich der Erde entkommen, muss man eine gewisse Geschwindigkeit erreichen. Ansonsten wird einen die Gravitationskraft der Erde wieder zur\u00fcck auf den Boden fallen lassen. WIE schnell man genau sein muss, h\u00e4ngt von der Masse der Erde ab. W\u00e4re sie schwerer als sie es ist, m\u00fcsste man schneller sein; w\u00e4re sie leichter, k\u00e4me man auch schon mit einer geringeren Geschwindigkeit weg. Umgekehrt gilt: Ist man schneller als diese Fluchtgeschwindigkeit, dann ist es nicht mehr m\u00f6glich, die Erde zu umkreisen; daf\u00fcr m\u00fcsste man erst wieder abbremsen.<\/p>\n<p>Die Galaxien des Galaxienhaufens waren alle VIEL zu schnell. Sie waren so schnell, dass sie der Anziehungskraft des Haufens auf jeden Fall schon l\u00e4ngst entkommen w\u00e4ren. Der Haufen war aber noch da; die Galaxien hingen immer noch \u00fcber ihre gegenseitige Gravitationskraft zusammen. Zwickys Schlussfolgerung: Da musste mehr Masse sein, als man sehen konnte. Die Masse, die er aus der Helligkeit der Galaxien abgesch\u00e4tzt hatte, war viel zu gering; tats\u00e4chlich musste da circa f\u00fcnfmal mehr Masse sein, als man sehen konnte. Diese nicht sichtbare Masse nannte Zwicky &#8222;dunkle Materie&#8220; und wir haben diesen Befund in den Jahrzehnten seit damals immer wieder unabh\u00e4ngig best\u00e4tigt. Sterne und Galaxien bewegen sich nicht so, wie sie es tun sollten, wenn die Masse, die wir sehen k\u00f6nnen, alles ist, was es im Universum gibt.<\/p>\n<p>Und seit damals fragen wir uns nat\u00fcrlich: Was ist diese &#8222;dunkle Materie&#8220;? Die erste und simpelste Idee ist nat\u00fcrlich, dass es sich bei der dunklen Materie buchst\u00e4blich um dunkle Materie handelt. Sterne leuchten. Aber Planeten zum Beispiel tun das nicht. Schwarze L\u00f6cher leuchten nicht. Es gibt wei\u00dfe Zwerge, die \u00dcberreste ehemaliger Sterne, die zwar noch ein bisschen leuchten, aber eben auch sehr klein und dadurch sehr schwer zu sehen sind. Es gibt braune Zwerge, also Himmelsk\u00f6rper die zwar deutlich mehr Masse haben als ein Planet aber immer noch zu wenig, als dass sie in ihrem Inneren eine Kernfusion wie bei einem echten Stern durchf\u00fchren k\u00f6nnen &#8211; und deswegen auch sehr dunkel sind. <\/p>\n<p>Vielleicht haben wir einfach sehr viel \u00fcbersehen da drau\u00dfen. Das w\u00e4re allerdings ein wenig komisch. Im Vergleich zu einem Stern ist die Masse eines Planeten oder eines braunen Zwergs sehr gering. Und wenn wir f\u00fcnfmal mehr dunkle als normale Materie brauchen, m\u00fcssten wir WIRKLICH viele dieser dunklen Himmelsk\u00f6rper \u00fcbersehen haben. Wei\u00dfe Zwerge und schwarze L\u00f6cher haben mehr Masse; die sind in der Hinsicht mit den Sternen vergleichbar. Aber die entstehen auch nicht aus dem nichts; ein wei\u00dfer Zwerg oder ein schwarzes Loch haben ihr Leben ja als Stern begonnen und erst als der Stern die Kernfusion beendet hat, sind seine Reste zu einem wei\u00dfen Zwerg oder &#8211; bei gr\u00f6\u00dferen Sternen &#8211; zu einem schwarzen Loch kollabiert. Hat es wirklich fr\u00fcher f\u00fcnfmal mehr Sterne als heute gegeben deren \u00dcberreste jetzt die dunkle Materie ausmachen? <\/p>\n<figure id=\"attachment_22130\" aria-describedby=\"caption-attachment-22130\" style=\"width: 1117px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/zwergeaip.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/zwergeaip.png\" alt=\"\" width=\"1117\" height=\"797\" class=\"size-full wp-image-22130\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22130\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Darstellung verschiedener Brauner Zwerge (<a href=\"https:\/\/www.aip.de\/de\/aktuelles\/presse\/brown-dwarfs\">Bild: AIP\/J. Fohlmeister<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das erscheint nicht sehr wahrscheinlich, aber man kann die Beobachtungsdaten ja nicht einfach ignorieren. IRGENDWAS muss daf\u00fcr verantwortlich sein, dass sich die Himmelsk\u00f6rper nicht so bewegen wie sie es sollen. Dieses irgendwas muss sich vor allen in den Au\u00dfenbereichen einer Galaxie befinden; auch das zeigen die Beobachtungsdaten. Die leuchtenden Sterne einer Galaxie sind in eine sehr viel gr\u00f6\u00dfere Region eingebettet, die von der dunklen Materie dominiert wird. Diesen Au\u00dfenbereich nennt man auch &#8222;Halo&#8220; und jetzt sind wir schon fast bei den MACHOs angekommen. Vielleicht, so hat man sich gedacht, ist dieser Halo voll mit massereichen, kompakten Himmelsk\u00f6rpern. Also eben Planeten, braunen Zwergen, wei\u00dfen Zwergen, Neutronensternen oder schwarzen L\u00f6cher. Das w\u00e4ren dann also massereiche, astrophysikalische kompakte Halo-Objekte, auf englisch &#8222;Massive Astrophysical Compact Halo Objects&#8220; oder als Akronym: MACHOs. <\/p>\n<p>Jetzt ist es nat\u00fcrlich nicht sonderlich sinnvoll, wenn man die dunkle Materie durch etwas beschreibt, von dem man nicht wei\u00df, ob es da ist oder nicht. Zu sagen, dass MACHOs die dunkle Materie ausmachen, ist eine Hypothese und keine Erkl\u00e4rung. Man m\u00fcsste ausreichend viele MACHOs beobachten, um diese Hypothese zu best\u00e4tigen. Aber wenn sich die dunkle Materie so leicht beobachten lassen w\u00fcrde, h\u00e4tten wir das ganze Problem ja gar nicht erst. Bevor wir schauen, wie das mit der Beobachtung von MACHOs funktioniert, schauen wir aber kurz noch auf die Alternativen. <\/p>\n<p>Es w\u00e4re nat\u00fcrlich prinzipiell m\u00f6glich, dass die dunkle Materie gar keine Materie ist. Sondern dass wir die Gravitationskraft falsch berechnet haben &#8211; zum Beispiel weil die Gravitation doch nicht exakt so wirkt, wie Albert Einstein und Isaac Newton uns das gesagt haben. Das ist die Behauptung der &#8222;Modified Newtonian Dynamics&#8220;-Hypothese, die ich in Folge 351 ausf\u00fchrlich vorgestellt habe. Sehr viel spricht aber daf\u00fcr, dass wir es tats\u00e4chlich mit irgendeiner Art von Materie zu tun haben, die wir bisher \u00fcbersehen haben. Die muss jetzt aber nicht als dunkler Planet oder schwarzes Loch im All herumschwirren. Was w\u00e4re denn mit irgendwelchen gigantischen Wolken aus Gas oder Staub? Die leuchten ja auch nicht von selbst? Ja, und nein. So eine Wolke leuchtet schon, die Teilchen dort haben ja immer eine gewisse Temperatur und geben W\u00e4rmestrahlung ab. Das kann man beobachten und das beobachtet man auch. Nur wenn es sehr kaltes Gas w\u00e4re, k\u00f6nnten wir es vielleicht \u00fcbersehen haben. Aber so eine Wolke w\u00fcrde sich auch immer ein wenig aufheizen, zum Beispiel durch die Strahlung der Sterne in der Umgebung. Das funktioniert also nicht.<\/p>\n<p>Aber was, wenn es sich nicht einfach um dunkle Materie handelt, sondern um v\u00f6llig andere Materie? Um irgendwelche Teilchen, denen Licht v\u00f6llig egal ist? Normale Materie heizt sich auf, wenn elektromagentische Strahlung auf sie trifft; sie absorbiert diese Strahlung &#8211; oder sie reflektiert sie. Auf jeden Fall aber k\u00f6nnen wir sie dadurch prinzipiell sehen. &#8222;Sehen&#8220; ist ja nichts anderes als eine Wechselwirkung mit elektromagnetischer Strahlung. Und in der Astronomie ist es quasi auch &#8222;sehen&#8220;, wenn wir von der Detektion von Infrarot-, oder Ultraviolett-, R\u00f6ntgen- oder Radiostrahlung sprechen. Das ist ja alles elektromagnetische Strahlung, so wie das normale Licht. Was aber, wenn es irgendwelche Teilchen geben w\u00fcrde, die \u00fcberhaupt nicht mit elektromagnetischer Strahlung wechselwirken? Die w\u00e4ren dann nicht dunkel; die w\u00e4ren genaugenommen unsichtbar. Wir w\u00fcrden sie \u00fcberhaupt nur wahrnehmen k\u00f6nnen, wenn wir die Gravitationskraft sp\u00fcren, die sie durch ihre Masse auf die Umgebung aus\u00fcben. Und wenn sie die dunkle Materie erkl\u00e4ren sollen, von der wir ja recht viel erkl\u00e4ren m\u00fcssen, dann m\u00fcssen diese Teilchen auch eine vergleichsweise gro\u00dfe Masse haben. Solche Teilchen nennt man &#8222;Schwach wechselwirkende massereiche Teilchen&#8220;, auf englisch &#8222;Weakly Interacting Massive Particles&#8220;. Oder als Akronym: WIMPs. Vermutlich hat sich irgendwer sehr lustig gef\u00fchlt, als man sich diese Bezeichnungen ausgedacht hat. MACHOs und WIMPs, also der englische Begriff f\u00fcr &#8222;Schw\u00e4chling&#8220;, sind die beiden wichtigsten Hypothesen zur Erkl\u00e4rung der dunklen Materie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34494\" aria-describedby=\"caption-attachment-34494\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Leek.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Leek.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"960\" class=\"size-full wp-image-34494\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-34494\" class=\"wp-caption-text\">Ab sofort bebildere ich WIMPs nur noch so! (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Leek.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bevor wir zu den MACHOs zur\u00fcck kommen, schauen wir noch kurz auf die WIMPs. Das ist ja vorerst auch nur eine Hypothese mit einem komischen Akronym. Gibt es Hinweise, dass da drau\u00dfen irgendwo wirklich WIMPS sind? Ja, tats\u00e4chlich. Neutrinos sind WIMPs! Sie wechselwirken nicht \u00fcber Elektromagnetismus; sind sind &#8222;unsichtbar&#8220; und wir m\u00fcssen uns sehr anstrengen, sie nachzuweisen, wie ich in Folge 103 erz\u00e4hlt habe. Die Neutrinos SIND also dunkle Materie &#8211; aber ihre Masse ist viel zu gering. Die dunkle Materie kann nicht vollst\u00e4ndig aus Neutrinos bestehen. <\/p>\n<p>Also wieder zur\u00fcck zu den MACHOs: Wie kann man die finden, wenn sie da sind? Auch hier muss man sich auf die Gravitation konzentrieren. Es sind ja vergleichsweise gro\u00dfe, massereiche Objekte. Mit ihre Masse kr\u00fcmmen sie den Raum und diese Raumkr\u00fcmmung kann das Licht von Sternen ablenken, abschw\u00e4chen oder verst\u00e4rken. Man muss also nur ausreichend viele ferne Sterne beobachten und nach solchen Effekten Ausschau halten. Daraus l\u00e4sst sich ableiten, wie viele MACHOs sind rumtreiben und das Sternenlicht ablenken. Das ist nat\u00fcrlich leichter gesagt als getan &#8211; aber es gab immer wieder entsprechende Beobachtungskampagnen die sich teilweise \u00fcber Jahre und Jahrzehnte erstreckt haben. Das Resultat: Jawoll, da drau\u00dfen sind massereiche, dunkle Objekte. Da schwirren Planeten, braune Zwerge und so weiter rum, die wir bisher nicht gesehen haben. Aber auch hier haben die Daten gezeigt: Es sind viel zu wenige, als dass sie eine brauchbare Erkl\u00e4rung f\u00fcr die dunkle Materie sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Schauen wir jetzt nochmal kurz, was es mit den RAMBOs auf sich hat. Dabei handelt es sich um &#8222;Robust associations of massive baryonic objects&#8220; beziehungsweise &#8222;Robuste Ansammlungen Massereicher Baryonischer Objekte&#8220; oder, als Akronym &#8222;RAMBOs&#8220;. Auch dieses Akronym ist selbstverst\u00e4ndlich massiv konstruiert; man h\u00e4tte die Dinger auch irgendwie anders nennen k\u00f6nnen. Aber die Astronomen Ben Moore und Joseph Silk wollten auf die MACHO\/WIMP-Sache offensichtlich noch eins drauf setzen, als sie sich das 1995 ausgedacht haben. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass die MACHOs vielleicht gar nicht \u00fcberall im Halo der Galaxien verteilt sind. Sondern sich in Haufen zusammmenfinden. Dass da drau\u00dfen also gro\u00dfe Ansammlungen dunkler Objekte sind. So wie Sternhaufen, von denen wir ja wissen, dass man die in den Halos von Galaxien h\u00e4ufig findet. Nur dass es da eben nicht um jede Menge Sterne geht, die sich zu einem Haufen zusammengefunden haben, sondern um entsprechend dunkle Objekte. Dann lassen sich diese dunklen Haufen vielleicht schwerer finden als die gro\u00dffl\u00e4chiger verteilten MACHOs gefunden werden k\u00f6nnten. Aber auch wenn sich die beiden Astronomen so gro\u00dfe M\u00fche mit ihrem Akronym gegeben habe: Bis jetzt hat sich noch kein RAMBO am Himmel gezeigt.<\/p>\n<p>Die Sache mit der dunklen Materie ist deutlich komplizierter als man Anfangs gedacht hat. Wir wissen zum Beispiel, dass sie nicht vollst\u00e4ndig aus baryonischer Materie bestehen kann. Und &#8222;bayronische Materie&#8220; ist nur ein anderes Wort f\u00fcr &#8222;normale Materie&#8220;, also das Zeug, aus dem die normalen Atome bestehen, aus denen auch wir aufgebaut sind. Wir wissen, dass diese Materie beim Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren entstanden ist. Damals fast ausschlie\u00dflich in Form der beiden leichtesten Atome, Wasserstoff und Helium. Was sich da auch gebildet hat, ist Deuterium, ein Isotop des Wasserstoffs. Also Wasserstoff, der statt einem Proton im Kern dort ein Proton und Neutron hat. Das ist insofern interessant, als dass sich Deuterium nur unter sehr speziellen Umst\u00e4nden bilden kann. Nach dem Urknall sind jede Menge Protonen und Neutronen durch die Gegend gesaust. Nur wenn die Umgebungstemperatur gerade richtig ist, k\u00f6nnen sich Proton und Neutron aneinander binden und Deuterium bilden. Und das Universum ist nach dem Urknall sehr schnell abgek\u00fchlt. Zuerst war es zu hei\u00df, danach war es zu kalt und in dem kurzen Zeitraum in dem Deuterium gebildet werden konnte, ist noch mehr passiert. Aus dem Deuterium kann durch weitere Fusionen mit anderen Teilchen Helium entstehen. Wie effektiv das passiert, h\u00e4ngt unter anderem stark von der Dichte ab. Also davon, wie viele Teilchen da insgesamt in einem bestimmten St\u00fcck Raum durch die Gegend schwirren. Je dichter, desto mehr Deuterium fusioniert zu Helium. Und auch hier gilt: Das Universum hat sich nach dem Urknall sehr schnell ausgedehnt, dadurch sinkt die Dichte und irgendwann hat das mit der Fusion nicht mehr geklappt.<\/p>\n<p>Was hat das jetzt alles mit der dunklen Materie zu tun? Nun, wir k\u00f6nnen aus Beobachtungsdaten ableiten, wie viel Deuterium heute noch so durch das Universum schwirrt. Daraus k\u00f6nnen wir bestimmen, wie viel damals nach dem Urknall \u00fcbrig geblieben ist, als die Phase vorbei war, in der Deuterium zu Helium fusionieren konnte. Je mehr Deuterium \u00fcbrig war, desto geringer muss die Dichte gewesen sein. Das ist wichtig, deswegen sage ich es nochmal: Aus der Menge an Deuterium die wir beobachten, k\u00f6nnen wir ableiten, wie die Teilchendichte im fr\u00fchen Universum gewesen sein muss. Wir k\u00f6nnen also quasi messen, wie viel normale Materie beim Urknall entstanden ist &#8211; oder zumindest sehr gute Grenzen daf\u00fcr angeben. Und das was wir da messen, ist VIEL zu wenig. Das w\u00fcrde bei weitem nicht reichen, dass daraus einerseits die ganzen Sterne und Galaxien entstehen, die wir sehen und dazu noch die ganzen MACHOs, die wir nicht sehen k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich stimmen die Beobachtungen recht gut \u00fcberein: Bei der Beobachtung der Sterne und Galaxien und ihrer Bewegung fehlt uns in etwa genau so viel Materie, wie uns bei den Berechnungen \u00fcber die Teilchendichte im fr\u00fchen Universum fehlt. Zwei unabh\u00e4ngige Nachweismethoden f\u00fchren also zu der Erkenntnis: Da ist Materie, die wir nicht sehen k\u00f6nnen. Und sagen zus\u00e4tzlich noch: Es muss sich um Materie handeln, die anders ist als die normale Materie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34495\" aria-describedby=\"caption-attachment-34495\" style=\"width: 1353px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/John_Rambo_graffiti.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/John_Rambo_graffiti.jpg\" alt=\"\" width=\"1353\" height=\"1804\" class=\"size-full wp-image-34495\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-34495\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:John_Rambo_graffiti.JPG\">Bild: gemeinfrei<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein kleiner Teil der dunklen Materie besteht aus Neutrinos, also aus WIMPs. Ein weiterer kleiner Teil besteht aus MACHOs, also aus braunen Zwergen, Planeten, etc die irgendwo da drau\u00dfen schwer sichtbar rumschwirren. Aber der \u00fcberwiegende Teil der dunklen Materie l\u00e4sst sich dadurch nicht erkl\u00e4ren. MACHOs fallen als Erkl\u00e4rung raus; die daf\u00fcr n\u00f6tige Menge an Materie ist beim Urknall nicht entstanden. Bleiben also noch WIMPs von einer Art, die wir bisher noch nicht nachweisen konnten; irgendwelche anderen WIMPs mit sehr viel mehr Masse als die Neutrinos sie haben. Solche WIMPs haben wir aber noch nicht nachweisen k\u00f6nnen. Vielleicht ist es am Ende ja auch was ganz anderes &#8211; sicher ist nur: Was auch immer es ist; die Astronomie wird sich daf\u00fcr irgendwann ein absurdes Akronym ausdenken.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/1e9fbcc34adb4d69863bc4ab4b6e9014\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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