{"id":26534,"date":"2021-10-08T06:00:45","date_gmt":"2021-10-08T04:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/10\/08\/sternengeschichten-folge-463-waltraut-seitter-die-erste-astronomin-deutschlands-und-die-expansion-des-universums\/"},"modified":"2025-05-14T17:03:00","modified_gmt":"2025-05-14T15:03:00","slug":"sternengeschichten-folge-463-waltraut-seitter-die-erste-astronomin-deutschlands-und-die-expansion-des-universums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/10\/08\/sternengeschichten-folge-463-waltraut-seitter-die-erste-astronomin-deutschlands-und-die-expansion-des-universums\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 463: Waltraut Seitter: Die erste Astronomin Deutschlands und die Expansion des Universums"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_556463_sternengeschichten_folge_463_waltraut_seitter_die_erste_astronomin_deutschlands_u.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/0ueMZZfAagc \">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3 \">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p>Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/florianfreistetter\">PayPal<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/sternengeschichten\">Patreon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/sternengeschichten\">Steady<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/463-sternengeschichten-folge-463-waltraut-seitter-die-erste-astronomin-deutschlands-und-die-expansion-des-universums\/embed?context=external&#038;token=ScLEWVo8XCLtMwbKq_LPww\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 463: Waltraut Seitter: Die erste Astronomin Deutschlands und die Expansion des Universums<\/b><\/p>\n<p>Waltraut Seitter war die erste Astronomin Deutschlands. Und bevor sich jemand beschwert: Das ist nat\u00fcrlich falsch. Es hat immer schon Frauen gegeben, die sich mit Astronomie besch\u00e4ftigt haben, schon lange bevor es so etwas wie Deutschland gab und ich habe in den vergangenen Folgen der Sternengeschichten auch immer wieder von ihrem Leben und ihrer Forschung erz\u00e4hlt. Es gab auch in Deutschland Astronominnen, lange bevor Waltraut Seitter am 13. Januar 1930 in Zwickau geboren wurde. Aber in einer ganz konkreten Hinsicht war Waltraut Seitter tats\u00e4chlich die erste Astronomin Deutschlands und ganz unabh\u00e4ngig davon lohnt es sich, auf ihr Leben in der Astronomie zu schauen. <\/p>\n<p>Waltraut Carola Seitter wurde in Zwickau geboren, zur Schule ging sie aber in K\u00f6ln. Dort hat sie unter anderem als Stra\u00dfenbahnschaffnerin gearbeitet und als technische Zeichnerin; vermutlich inspiriert von der Arbeit ihres Vaters, der Ingenieur bei den Horch-Werken war, einem Autohersteller, der sp\u00e4ter dann als &#8222;Audi&#8220; bekannt geworden ist. Nach ihrem Abitur im Jahr 1949 begann sie ebenfalls in K\u00f6ln ein Studium der Physik, Mathematik, Chemie und Astronomie. Ein paar Jahre sp\u00e4ter f\u00fchrte sie ihr Studium in Massachusetts fort, dass sie dort auch 1955 beendete und am Smith College in Northampton als Dozentin f\u00fcr Astronomie arbeitete. Dann ging es wieder zur\u00fcck nach Deutschland, n\u00e4mlich ans Observatorium Hoher List der Universit\u00e4t Bonn. Dort beendete sie auch ihre Doktorarbeit und zwar im Jahr 1962. Es folgten ein paar Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit\u00e4t Bonn und eine Gastprofessur an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee. Danach wurde sie Professorin am Smith College, wo sie schon w\u00e4hrend ihrer Studienzeit gelernt und gearbeitet hatte. 1975 kehrte sie ein weiteres Mal zur\u00fcck nach Deutschland, diesmal um eine Stelle als Professorin des Astronomischen Instituts der Universit\u00e4t M\u00fcnster anzunehmen, wo sie auch Direktorin wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34348\" aria-describedby=\"caption-attachment-34348\" style=\"width: 1279px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/lossy-page1-1280px-Smith_College_Main_Building_Northampton_Mass_NYPL_b12647398-62670.tiff_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/lossy-page1-1280px-Smith_College_Main_Building_Northampton_Mass_NYPL_b12647398-62670.tiff_.jpg\" alt=\"\" width=\"1279\" height=\"835\" class=\"size-full wp-image-34348\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-34348\" class=\"wp-caption-text\">Smith College &#8211; Von Seitter gibt es leider keine frei verf\u00fcgaren Bilder (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Smith_College,_Main_Building,_Northampton,_Mass_(NYPL_b12647398-62670).tiff\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>So weit klingt das alles nach einer normalen, erfolgreichen Karriere in der Astronomie. Was ja auch stimmt &#8211; mit einer Ausnahme. Ganz und gar nicht normal an Waltraut Seitters Lebenslauf war die Tatsache, dass es bis 1975 keine Frau in Deutschland gab, die einen Lehrstuhl f\u00fcr Astronomie besetzte. Seitter war die erste Professorin f\u00fcr Astronomie Deutschlands. Es ist ein wenig peinlich, dass es bis in die Mitte der 1970er Jahre gedauert hat, bevor man einer Frau so eine Stellung zugestanden hat. Aber immerhin HAT Seitter ihre Professur bekommen und das alles andere als unverdient. <\/p>\n<p>Zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere besch\u00e4ftigte sich Seitter vor allem mit den spektroskopischen Eigenschaften der Sterne, also der Analyse ihres Lichts, aus dem sich zum Beispiel herausfinden l\u00e4sst, aus was so ein Stern besteht, wie weit er entfernt ist oder wie schnell er sich bewegt. Ziemlich bald verlagerte sich ihr Forschungsschwerpunkt aber auf Novae, Supernovae und andere Arten eruptiver Sterne. Das sind alle Arten von astronomischen Ph\u00e4nomenen, bei denen ein Stern seine Helligkeit in kurzer Zeit sehr dramatisch \u00e4ndert. Der bekannteste Fall ist sicherlich die Supernova: Hier explodiert ein gro\u00dfer Stern am Ende seines Lebens und leuchtet f\u00fcr kurze Zeit dabei so hell wie all die Milliarden Sterne einer Galaxie zusammen. Eine Nova ist, wie der Name andeutet, so \u00e4hnlich, nur nicht so super. Daf\u00fcr braucht man zwei Sterne, einen kleinen Stern, der sein Leben schon beendet hat und zu einem wei\u00dfen Zwerg geworden ist. Dem also das passiert ist, was unserer Sonne in ein paar Milliarden Jahren passieren wird. Wenn die Sonne den Brennstoff in ihrem Inneren verbraucht hat und die Kernfusion dort langsam zum Erliegen kommt, wird sie zuerst ihre \u00e4u\u00dferen Atmosph\u00e4renschichten ins All hinaus pusten. Zur\u00fcck bleibt der innere Rest, eine Kugel aus extrem verdichteten Gas, so gro\u00df wie die Erde. Das ist ein wei\u00dfer Zwerg und dort findet keine Kernfusion mehr statt. Es sei denn, es handelt sich um ein Doppelsternsystem. Dann gibt es in seiner N\u00e4he noch einen zweiten Stern und wenn die beiden sich wirklich nahe sind, kann Material von diesem Stern auf den wei\u00dfen Zwerg fallen. Das kann ausreichen, damit dort pl\u00f6tzlich wieder Kernfusion einsetzt. Der wei\u00dfe Zwerg leuchtet ebenso pl\u00f6tzlich hell auf und wird zur Nova. Je nachdem wie das genau abl\u00e4uft, kann dieses Aufleuchten unregelm\u00e4\u00dfig oder regelm\u00e4\u00dfig stattfinden. <\/p>\n<p>Novae und Supernovae sind f\u00fcr sich genommen schon sehr spannende Ph\u00e4nomene und sie verraten uns viel dar\u00fcber, wie Sterne funktionieren. Sie sind aber auch interessant, wenn man mehr \u00fcber das ferne Universum wissen will. In anderen Galaxien kann man keine Einzelsterne mehr beobachten; daf\u00fcr sind sie zu weit weg. Aber wenn es dort zum Beispiel eine Supernova gibt, ist die so hell, dass man sie auch noch aus gro\u00dfer Entfernung wahrnehmen kann. Und weil man wei\u00df, wie eine Supernova abl\u00e4uft, kann man auch vorhersagen, wie hell sie eigentlich leuchten sollte. Zumindest gilt das f\u00fcr bestimmte Arten von Supernova-Explosionen, die aus immer den gleichen Gr\u00fcnden auf immer die gleiche Art stattfinden und damit auch immer die gleiche Leuchtkraft haben. Der einzige aus der Ferne wahrnehmbare Unterschied ist die Helligkeit, die wir von der Erde aus sehen und dieser Unterschied hat seine Ursache im Abstand. Je weiter weg die Supernova und damit die Galaxie, desto schw\u00e4cher k\u00f6nnen wir sie beobachten. Anders gesagt: Die Beobachtung von Supernovae kann man zur Distanzbestimmung verwenden. Nutzt man dann die Technik der Spektroskopie, analysiert also die Zusammensetzung des Lichts der Supernova, kann man daraus auch die Geschwindigkeit messen, mit der sich die Supernova und die Galaxie in Bezug auf uns bewegen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34347\" aria-describedby=\"caption-attachment-34347\" style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Daun_013_Observatorium_Hoher_List_x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Daun_013_Observatorium_Hoher_List_x.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1440\" class=\"size-full wp-image-34347\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-34347\" class=\"wp-caption-text\">Observatorium Hoher List &#8211; immer noch keine Bilder von Seitter (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Beobachtungskuppel_mit_dem_1-Meter-Teleskop_und_Geb%C3%A4ude_der_Astronomischen_Vereinigung_am_Hohen_List_e.V..jpg\">Bild: Robert Oster<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\">CC-BY-SA 4.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das ist tats\u00e4chlich fundamentaler, als es auf den ersten Blick aussieht. Wir wissen ja seit den 1920er Jahren, dass sich das Universum ausdehnt. Dar\u00fcber habe ich ja schon in den Folge 249 und 250 der Sternengeschichten ausf\u00fchrlich gesprochen. Da sich wegen dieser Expansion, auf gro\u00dfen Ma\u00dfst\u00e4ben, alles von allem entfernt, k\u00f6nnen wir beobachten, wie sich ferne Galaxien umso schneller von uns fortbewegen, je weiter sie entfernt sind. So weit, so gut &#8211; aber man muss auch noch ber\u00fccksichtigen, dass die Astronomie in der einmaligen Lage ist, in die Vergangenheit zu blicken. Licht braucht Zeit, um die gigantischen Entfernungen im Kosmos zu \u00fcberbr\u00fccken. Licht ferner Galaxien kann Milliarden Jahre zu uns unterwegs sein und wenn wir es dann hier im Teleskop auffangen, sehen wir die Galaxie so, wie so vor Milliarden Jahren ausgesehen hat. <\/p>\n<p>Zusammengenommen hei\u00dft das: Durch die Beobachtung von Supernova-Explosionen in fernen Galaxien k\u00f6nnen wir erstens bestimmen, wie weit diese Galaxien genau von uns entfernt sind. Wir k\u00f6nnen zweitens herausfinden, wie schnell sie sich von uns entfernen. Und weil das Licht unterschiedlich weit entfernter Galaxien unterschiedlich lange zu uns unterwegs ist, k\u00f6nnen wir schlie\u00dflich drittens bestimmen, wie schnell sich Galaxien zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit voneinander entfernt haben.<\/p>\n<p>Zumindest in der Theorie. In der Praxis ist das alles sehr knifflig zu beobachten. Aber man WILL es nat\u00fcrlich beobachten; es ist ja durchaus relevant zu wissen, wie sich das Universum in der Vergangenheit verhalten hat. Lange Zeit hat man sich das so vorgestellt: Mit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren hat das Universum angefangen, sich auszudehnen. Die Expansion des Raums treibt die Galaxien voneinander fort. Gleichzeitig wirkt aber zwischen den Galaxien auch die anziehende Gravitationskraft. Die Expansion schiebt die Galaxien auseinander, die Gravitationskraft wirkt dieser Expansion aber entgegen und bremst sie ein bisschen. Die Expansion des Kosmos sollte also seit dem Urknall immer langsamer geworden sein und je nachddem wie viel Materie insgesamt im Universum vorhanden ist und wie stark daher die Gravitationskraft ist, die sie aus\u00fcben kann, kann die Expansion vielleicht irgendwann komplett zum Stillstand kommen.<\/p>\n<p>Schauen wir wieder zur\u00fcck zu Waltraut Seitter. In den 1980er Jahren rief sie das &#8222;M\u00fcnster Redshift Project&#8220; ins Leben. \u00dcber Jahre hinweg untersuchte ein ganzes Team von Astronominnen und Astronomen die gro\u00dfr\u00e4umige Verteilung von Galaxien im Universum, bestimmte Abst\u00e4nde und Geschwindigkeiten. Aus der Arbeit an diesem Projekt entstanden Dutzende Forschungsartikel, es gab internationale Konferenzen dazu und 1998 ver\u00f6ffentlichte Waltraut Seitter gemeinsam mit ihrem Kollegen Peter Schuecker eine Arbeit mit dem Titel &#8222;Die Abbremsung der kosmischen Expansion&#8220;. Um zu verstehen, was daran so besonders ist, m\u00fcssen wir kurz noch einen Blick auf den sogenannten &#8222;Deceleration parameter&#8220; werfen, den &#8222;Abbremsungsparameter&#8220;. Das ist eine in der Kosmologie verwendete Ma\u00dfzahl, die vom &#8222;Skalenfaktor&#8220; abh\u00e4ngt. Ohne zu sehr in die mathematischen Details zu gehen, beschreibt man damit die relative Ausdehnung des Universums. Wenn man die Entfernung zwischen zwei Galaxien zu einem bestimmten Zeitpunkt misst und das mit der Entfernung zu einem fixen Referenzzeitpunkt vergleicht, ist das Verh\u00e4ltnis dieser beiden Entfernungen gerade der Skalenfaktor. Wenn sich die Ausdehnungsrate des Universums ver\u00e4ndert, dann \u00e4ndert sich auch der Skalenfaktor und diese \u00c4nderung wird durch den Abbremsungsparameter beschrieben.<\/p>\n<p>Der Deceleration Parameter beschreibt also, mit welcher Rate die Expansion des Universums im Laufe der Zeit langsamer oder schneller wird. Obwohl der Name &#8222;Abbremsungsparameter&#8220; ja schon zeigt, dass man allgemein davon \u00fcberzeugt war, dass es langsamer werden sollte. Nun. Seitter und Schuecker haben sich die Daten aus dem M\u00fcnster Redshift Project sehr genau angesehen und probiert, daraus einen Wert f\u00fcr den &#8211; zu der Zeit &#8211; noch nicht konkret gemessenen Abbremsungsparameter zu berechnen. Man ging davon aus, dass der Wert irgendwo zwischen 0,5 und 0,1 liegen sollte; je nachdem wie viel Materie tats\u00e4chlich insgesamt im Universum vorhanden ist. Aber er sollte auf jeden Fall gr\u00f6\u00dfer als Null sein, denn genau das w\u00e4re von einem Universum zu erwarten, dass im Laufe der Zeit immer langsamer expandiert.  <\/p>\n<figure id=\"attachment_34346\" aria-describedby=\"caption-attachment-34346\" style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/lossy-page1-2560px-Alte_Sternwarte_12.TIF_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/lossy-page1-2560px-Alte_Sternwarte_12.TIF_.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" class=\"size-full wp-image-34346\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-34346\" class=\"wp-caption-text\">Alte Sternwarte in M\u00fcnster. Hey M\u00fcnster!  Stellt doch mal ein paar Bilder von Seitter unter einer CC-Lizenz ins Internet!  (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Alte_Sternwarte_(12).TIF\">Bild: PD<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\">CC-BY-SA 4.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das war auch ungef\u00e4hr das Ergebnis, zu dem Seitter kam. Am Ende ihres Artikels wird festgestellt: Folgt man den Annahmen \u00fcber die Verteilung von Galaxien im Universum, die damalige Modelle liefern, dann kriegt man aus den Beobachtungsdaten einen Wert von 0,1. Nimmt man aber nur die reinen Beobachtungen, dann scheint der Wert kleiner als 0,1 zu sein, schreiben Seitter und Schuecker. Und je nachdem mit welchen Methoden sie ihre Daten auswerteten, gab es sogar manchmal Werte des Parameters, die kleiner als Null waren. Das schrieben Seitter und Schuecker aber formalen Aspekten ihrer mathematischen Methoden zu und betrachteten es nicht als realen Effekt. Trotzdem beenden sie ihren Artikel mit der Aussage, dass ihre Beobachtungsdaten nicht mit bestimmten Standardmodellen der Kosmologie \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<p>Nur ein paar Monate nachdem Seitter und Schuecker diese Arbeit ver\u00f6ffentlicht hatten, gab es eine der gr\u00f6\u00dften Entdeckungen, die in der Astronomie bis dahin stattgefunden hatten. Zwei internationale Forschungsteams hatten unabh\u00e4ngig voneinander ebenfalls Supernova-Explosionen in fernen Galaxien beobachtet. Mit Methoden, die sehr viel genauere Aussagen zulie\u00dfen als die in der Arbeit von Seitter und Schuecker. Das Resultat war bei beiden Gruppen gleich und gleicherma\u00dfen unerwartet: Der Abbremsungsparameter war eindeutig negativ. Oder anders gesagt: Die Expansion des Universums wird gar nicht langsamer, sondern schneller! Es dehnt sich immer schneller aus und niemand wei\u00df, warum das so ist. Es muss etwas im Kosmos geben, eine Kraft, eine Energie oder sonst irgendwas, die f\u00fcr diese beschleunigte Expansion sorgt. Wir haben diesem unbekannten Ph\u00e4nomen den Namen &#8222;dunkle Energie&#8220; gegeben, wissen aber immer noch nicht so genau, worum es sich dabei handelt. <\/p>\n<p>Waltraut Seitter hat die dunkle Energie nicht entdeckt. Aber ihre Arbeit hat die Grundlage daf\u00fcr gelegt und sie hat die ersten, zarten Hinweise auf dieses r\u00e4tselhafte Ph\u00e4nomen der beschleunigten Expansion geliefert. Die erste Astronomin Deutschlands starb am 15. November 2007. Vier Jahre sp\u00e4ter wurden die Entdecker der dunklen Energie mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Vermutlich h\u00e4tte sie sich dar\u00fcber gefreut. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/d9a17be1f8b844a1ab20285cb3aa01ec\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Wer den Podcast finanziell unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann das hier tun: Mit PayPal, Patreon oder Steady. \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. 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