{"id":26229,"date":"2021-08-13T06:00:45","date_gmt":"2021-08-13T04:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/08\/13\/sternengeschichten-folge-455-die-geschichte-der-aktive-galaxienkerne\/"},"modified":"2025-05-14T16:55:31","modified_gmt":"2025-05-14T14:55:31","slug":"sternengeschichten-folge-455-die-geschichte-der-aktive-galaxienkerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/08\/13\/sternengeschichten-folge-455-die-geschichte-der-aktive-galaxienkerne\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 455: Die Geschichte der aktive Galaxienkerne"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/main.podigee-cdn.net\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_460714_sternengeschichten_folge_455_die_geschichte_der_aktive_galaxienkerne.mp3?v=1622295274\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/rEgLI0TIVLU\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3 \">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/455-sternengeschichten-folge-455-die-geschichte-der-aktive-galaxienkerne\/embed?context=external&#038;token=xNKI6ihRqF-fqr23YV8LKQ\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<strong>Sternengeschichten Folge 455: Die Geschichte der aktive Galaxienkerne<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der aktiven Galaxienkerne beginnt zu einer Zeit, als wir noch nicht einmal so richtig wussten, was &#8222;Galaxien&#8220; eigentlich sind. 1909 wollte der amerikanische Astronom Edward Fath herausfinden, worum es sich bei den &#8222;Spiralnebeln&#8220; handelte. Also den Dingern, die man im Teleskop am Himmel sehen konnte und die nebelf\u00f6rmig aussahen und spiralig. Wie ich schon in Folge 49 der Sternengeschichten zur &#8222;Gro\u00dfen Debatte&#8220; erz\u00e4hlt habe, gab es damals ja zwei Meinungen. Die einen dachten, es w\u00e4ren tats\u00e4chlich spiralf\u00f6rmige Nebel. Also gro\u00dfe Mengen an Gas die sich zwischen den Sternen befinden. Die anderen waren der Ansicht, dass die Spiralnebel nur so aussehen wie Nebel. In Wahrheit aber aus Milliarden von Sternen bestehen, die aber so weit entfernt sind, dass sie uns wie eine diffuse Wolke erscheinen. Im ersten Fall w\u00e4ren die Sterne die wir am Himmel sehen alle Sterne die es gibt; die Milchstra\u00dfe also die einzige Ansammlung von Sternen im Universum. Im zweiten Fall w\u00e4re die Milchstra\u00dfe nur eine von vielen solcher Ansammlungen von Sternen, die durch unvorstellbar gro\u00dfe Leerr\u00e4ume voneinander getrennt sind. Sie w\u00e4re nur eine Galaxie unter vielen. Wir wissen heute, dass das genau so ist. Das wissen wir aber erst seit den 1920er Jahren. Als Edward Fath an der Lick-Sternwarte durch das Telekop geschaut hat, war die Sache noch offen. Er wollte das Licht der Spiralnebel untersuchen und nach Emissions- und Absorptionslinien suchen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber habe ich ja erst in Folge 449 gesprochen, zur Sicherheit aber noch einmal eine kurze Erinnerung: Man kann Licht in seine Bestandteile aufspalten, also schauen, wie viel Licht einer bestimmten Wellenl\u00e4nge in der Mischung enthalten ist. Macht man das, kann man in diesem &#8222;Lichtspektrum&#8220; unter Umst\u00e4nden helle und dunkle Linien sehen. Die dunklen Linien sind Absorptionslinien und sie entstehen, wenn zum Beispiel das Licht eines Sterns beim Durchgang durch seine \u00e4u\u00dferen Atmosph\u00e4renschichten ein wenig blockiert wird. Unterschiedliche chemische Elemente blockieren unterschiedliche Wellenl\u00e4ngen und genau dort sieht man dann im Spektrum dunkle Linien. Helle Linien, also die Emissionslinien, kriegt man, wenn zum Beispiel interstellare Gaswolken durch Strahlung von au\u00dfen zum Leuchten angeregt werden. Auch hier sendet jedes Element sein eigenes Muster an Linien aus. Fath wollte also wissen: Entspricht das Licht der Spiralnebel eher dem Licht, das ein Haufen Sterne aussenden w\u00fcrde; also mit einem Spektrum das vor allem dunkle Linien enth\u00e4lt. Oder \u00e4hnelt es mehr dem Licht, das man von einer gro\u00dfen Gaswolke kriegt, die Emissionslinien aussendet. <\/p>\n<figure id=\"attachment_27879\" aria-describedby=\"caption-attachment-27879\" style=\"width: 614px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/M101.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/M101.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"480\" class=\"size-full wp-image-27879\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27879\" class=\"wp-caption-text\">Spiralgalaxie! (<a href=\"https:\/\/hubblesite.org\/image\/1865\/news_release\/2006-10\">Bild: Credit for Hubble Image: NASA, ESA, K. Kuntz (JHU), F. Bresolin (University of Hawaii), J. Trauger (Jet Propulsion Lab), J. Mould (NOAO), Y.-H. Chu (University of Illinois, Urbana), and STScI;<br \/>Credit for CFHT Image: Canada-France-Hawaii Telescope\/ J.-C. Cuillandre\/Coelum;<br \/>Credit for NOAO Image: G. Jacoby, B. Bohannan, M. Hanna\/ NOAO\/AURA\/NSF<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\/deed.en\">CC-BY 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die meisten Spiralnebel, die er beobachtete, haben tats\u00e4chlich Linien gezeigt, die mehr zu einer gro\u00dfen Ansammlung von Sternen passen. Ein Nebel aber, der heute die Bezeichnung NGC 1068 tr\u00e4gt, zeigte zus\u00e4tzlich auch helle Emissionslinien &#8211; und wir kommen sp\u00e4ter noch darauf zur\u00fcck. Fath jedenfalls konnte die Frage nach der Natur der Nebel nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4ren, das gelang erst Edwin Hubble, der 1923 den Abstand zum Andromedanebel bestimmte und dabei nachwies, das es sich um eine &#8222;Andromedagalaxie&#8220; handeln muss. Im Zuge der Forschung die daf\u00fcr n\u00f6tig war, mussten auch Edwin Hubble und seine Kollegen, jede Menge Lichtspektren von Galaxien (und ich sage ab jetzt immer Galaxien, auch wenn ich von einer Zeit rede, in der man noch &#8222;Nebel&#8220; dazu gesagt hat) beobachten. Und fanden dabei immer wieder Emissionslinien. Der erste, der diese hellen Linien systematisch untersucht hat, war der amerikanische Astronom Carl Seyfert. Er hat 1943 eine Arbeit \u00fcber die Beobachtung von sechs Galaxien ver\u00f6ffentlicht. Alle zeigten eine Lichtspektrum, das von Sternen zu stammen schien, dem aber jede Menge helle Linien \u00fcberlagert waren. Seine Messungen waren genau gunug, um nachzuweisen, dass sich die von ihm beobachteten Emissionslinien von denen unterscheiden, die man in normalen Gaswolken sehen w\u00fcrde. Die Position der Linien im Lichtspektrum kann einem sagen, aus welchem Material das Zeug besteht, dass die Linien verursacht. Man kann aber auch die Breite der Linien messen und erh\u00e4lt daraus Informationen \u00fcber die Bewegung dieses Materials. Das ist im Detail recht kompliziert, wird aber unter anderem durch rotierendes Zeug verursacht. Bei einer rotierenden Scheibe aus Gas etwa, kommt aus unserer Sicht immer ein Teil des Gases auf uns zu, w\u00e4hrend sich einer anderer von uns weg bewegt. Diese Bewegung verschiebt die Spektrallinien ein wenig; einmal in die eine Richtung und einmal in die andere. Die Effekte \u00fcberlagen sich und wir beobachten eine Linie, die ein wenig breiter ist als sie sein sollte. Linienverbreiterungen k\u00f6nnen aber auch entstehen, wenn die Gasteilchen sich sehr schnell bewegen, weil sie sehr hei\u00df sind, also viel Energie abbekommen haben; zum Beispiel durch Kollisionen mit anderen Gasteilchen oder durch Strahlung hei\u00dfer Sterne in der Umgebung. Jedenfalls: Seyfert konnte nachweisen, dass die Linien in den Galaxien die er beobachtet hat, anders aussehen als die Linien, die man von den Gaswolken in unserer Milchstra\u00dfe kennt. <\/p>\n<p>Das waren sehr interessante Ergebnisse, die damals aber als nicht interessant genug angesehen wurden, um sich wirklich intensiv mit dem Ph\u00e4nomen zu besch\u00e4ftigen. Das fing erst nach dem zweiten Weltkrieg an, in den 1950er Jahren und dank einer ganz neuen Disziplin. \u00dcber die Geschichte der Radioastronomie habe ich ja schon in Folge 223 gesprochen &#8211; ab 1945 begann man diese neue Technik auch in der Astronomie einzusetzen. Man stellte fest, dass auch Sterne langwelliges Licht in Form von Radiostrahlung abgeben. Und fand ein paar extrem starke Radioquellen am Himmel. Zuerst waren diese Objekte nur im Radiolicht sichtbar; aber schon kurze Zeit sp\u00e4ter war man auch in der Lage, mit normalen Teleskopen die Objekte zu identifizieren, aus denen diese starke Radiostrahlung kam. Es waren Galaxien und das war \u00fcberraschend. Denn die &#8211; wie man da ja schon wusste &#8211; waren enorm weit weg. Und trotzdem so enorm hell im Radiolicht. Was auch immer dort diese starke Strahlung produziert musste wahnsinnig viel davon produzieren. Man wusste nicht wirklich, was die Ursache daf\u00fcr sein konnte. Extrem hei\u00dfer Staub, lautete ein Vorschlag &#8211; aber so hei\u00dfen Staub kann es eigentlich nicht geben und das w\u00fcrde auch nicht so wirklich zu den Beobachtungen passen. Oder die Wechselwirkung zwischen Magnetfeldern der Galaxien und schnellen, elektrisch geladenen Teilchen, die von Sternen in der Umgebung ins All geschleudert werden. Das w\u00e4re prinzipiell m\u00f6glich und h\u00e4tte auch halbwegs gepasst. Und wurde deswegen eine Zeit lang als Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Existenz dieser extragalaktischen Radioquellen akzeptiert.<\/p>\n<p>Dann kam die Entdeckung der Quasare. Dar\u00fcber habe ich in Folge 52 schon ausf\u00fchrlich gesprochen. In den 1960er Jahren began man an der Sternwarte der Universit\u00e4t von Cambridge mit einer umfassenden Katalogisierung der Radioquellen am Himmel. Gleichzeitig suchte man mit normalen Teleskopen nach den Gegenst\u00fccken im f\u00fcr unsere Augen sichtbaren Licht. Man fand jede Menge neue Radiostrahler, die aber gar nicht wie Nebel oder Galaxien aussahen. Sondern sich im normalen Licht einfach nur als Lichtpunkte zeigten. Deswegen hat man sie &#8222;Quasi Stellare Radioquellen&#8220; genannt oder kurz &#8222;Quasare&#8220;. Eines dieser Objekte hat eine besondere Rolle in dieser Geschichte gespielt: 3C 273. Das &#8222;3C&#8220; steht f\u00fcr den &#8222;Dritten Cambridge Katalog der Radioquellen&#8220; und es geht um das 273te Objekt in diesem Katalog. Bis zu seiner Untersuchung wusste man nicht so recht, was die Quasare sind; man hielt sie f\u00fcr seltsame ver\u00e4nderliche Sterne, auch wenn das nicht so wirklich zu den Daten passte. 1963 konnten die Astronomen Maarten Schmidt und Bev Oke dann aber die Distanz zu 3C 273 messen. Das Ding war ein paar Milliarden Lichtjahre weit weg und damit definitiv kein Stern, egal wie seltsam. Es musste sich um eine Galaxie handeln, die so weit weg ist, dass wir nicht mehr als einen schwach leuchtenden Punkt sehen. Aus der aber aus irgendeinem Grund enorm viel Energie kommt. Immer mehr Quasare konnten als extragalaktische Objekte identifiziert werden. Und langsam fingen die Puzzleteile an, sich zu verbinden. <\/p>\n<figure id=\"attachment_33813\" aria-describedby=\"caption-attachment-33813\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/quasarstsci-h-2010a-d-1280x720-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/quasarstsci-h-2010a-d-1280x720-1.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" class=\"size-full wp-image-33813\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33813\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Darstellung eines Quasars (<a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/goddard\/2020\/quasar-tsunamis-rip-across-galaxies\">Bild: NASA, ESA and J. Olmsted (STScI)<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schon 1958 dachte der armenischen Astronom Victor Ambartsumian bei einer Konferenz dar\u00fcber nach, dass in den Zentralregionen ferner Galaxien gigantische Explosionen stattfinden k\u00f6nnten. In den galaktischen Zentren m\u00fcssten sich irgendwelche Himmelsobjekte mit gigantischer Masse befinden, die daf\u00fcr verantwortlich sind. Welcher Natur diese Dinger sein k\u00f6nnten, konnte er auch nicht sagen. Sicherlich keine Sterne. Aber seine Idee der &#8222;aktiven Galaxienzentren&#8220; war im Gespr\u00e4ch und verbreitete sich immer weiter. Es kristallisierte sich langsam ein Bild heraus: In den Zentren mancher Galaxien passieren au\u00dfergew\u00f6hnliche Dinge. Dort wird enorm viel Energie frei. Einerseits in Form von Radiowellen, weswegen wir am Himmel jede Menge Quasare sehen k\u00f6nnen. Andererseits aber auch hochenergetische Strahlung, die Gas und anderes Zeug zum Leuchten anregt und so die hellen Emissionslinien im Spektrum erzeugt. <\/p>\n<p>Weitere Beobachtungen zeigten, dass es wirklich nur die Zentralregion einer Galaxie sein konnte, die da so leuchtet und wohl auch nur ein kleiner Teil davon. Das hat man aus den Helligkeits\u00e4nderungen geschlossen: Wie schnell sich die Helligkeit eines Objekts \u00e4ndern kann, h\u00e4ngt unter anderem von seiner Ausdehnung ab. Bei einem gro\u00dfen Objekt mitteln sich die Helligkeitsschwankungen \u00fcber seine Oberfl\u00e4che zum Teil raus; je kleiner es dagegen ist, desto schneller kann es gehen. Vielleicht hilft auch dieser etwas hinkende Vergleich: Wenn ich meine Hand vor eine Taschenlampe halte, ist das Licht sofort nicht mehr zu sehen und es ist sofort wieder zu sehen, wenn ich sie wieder wegnehme. Will ich dagegen eine hell leuchtende Videowand verdunkeln, dann dauert es ein bisschen, bis ich irgendeine Barrikade weit genug davor geschoben habe, so dass das Licht blockiert ist. Auf jeden Fall wusste man im Laufe der 1960er Jahre: Irgendwas in den Zentren mancher Galaxien setzt enorm viel Energie frei. <\/p>\n<p>Es gab viele Hypothesen: Vielleicht eine Art Kettenreaktion von Supernova-Explosionen? Wenn die Sterne dort enorm dicht beieinander stehen und einer davon am Ende seines Lebens explodiert, k\u00f6nnte die Schockwelle die anderen Sterne ebenfalls zur Explosion bringen. Oder vielleicht sitzt da eine Art von &#8222;Mega-Stern&#8220;, der ein paar Millionen mal mehr Masse hat als ein normaler Stern und entsprechend hell leuchtet? 1964 hatten der in \u00d6sterreich geborene und vor den Nazis nach Amerika gefl\u00fcchtete Astronom Edwin Salpeter und der sowjetische Physiker Jakow Seldowitsch die gleiche Idee: Was, wenn im Zentrum dieser Galaxien ein enorm massereiches schwarzes Loch sitzt? Und Material sich &#8211; angetrieben durch seine Gravitationskraft &#8211; enorm schnell um das schwarze Loch dreht? Es w\u00fcrde aufgeheizt werden und dabei jede Menge Strahlung abgeben. Die Idee wurde aber eher ignoriert; erst als der britische Astronom Donald Lynden-Bell sich die Sache 1969 nochmal genauer ansah, wurde sie popul\u00e4r. Er behauptete, dass supermassereiche schwarze L\u00f6cher in den Zentren von Galaxien h\u00e4ufig sein sollten und zeigte, dass sich dadurch all die Ph\u00e4nomene erkl\u00e4ren lassen, die man in den letzten Jahrzehnten dort beobachtet hatte.<\/p>\n<p>Womit wir jetzt fast schon bei der Gegenwart angekommen sind. Den letzten Rest der Forschungsgeschichte \u00fcberspringen wir am besten und schauen auf das, was wir heute \u00fcber die aktiven Galaxienkerne wissen. Beziehungsweise \u00fcber die AGNs, die &#8222;active galactic nuclei&#8220;, wie der Fachbegriff hei\u00dft. Der typische Fall eines AGN sieht so aus: Im Zentrum einer gro\u00dfen Galaxien befindet sich ein schwarzes Loch mit einer Masse von etwa 100 Millionen Sonnenmassen. Das ist, wie gesagt, ein durchschnittlicher Fall. Es k\u00f6nnen auch &#8222;nur&#8220; ein paar Millionen Sonnenmassen sein, oder auch ein paar Milliarden. So ein schwarzes Loch hat einen Ereignishorizont von etwa 300 Millionen Kilometern; das entspricht dem doppelten Abstand zwischen Erde und Sonne. Damit aus dem schwarzen Loch aber auch ein aktiver Galaxienkern wird, braucht es ausreichend viel Material. Gas und Staub vor allem, und das ganze Zeug muss in die N\u00e4he des schwarzen Lochs gelangen. Dort kann es dann eine schnell rotierende Scheibe um den Ereignishorizont bilden. Dabei wird es aufgeheizt und setzt Strahlung frei; das verursacht die Emissionslinien, die Fath das erste Mal in der Galaxie NGC 1608 beobachtet hatte und weil die Scheibe schnell rotiert, sind die Linien verbreitert, wie Seyfert es in seinen Daten gesehen hatte. Es verursacht auch die Radiostrahlung, die man bei den Quasaren sehen konnte. <\/p>\n<figure id=\"attachment_12707\" aria-describedby=\"caption-attachment-12707\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/eso1122a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/eso1122a.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"759\" class=\"size-full wp-image-12707\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12707\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Darstellung eines aktiven schwarzen Lochs im Zentrum einer Galaxie (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/images\/eso1122a\/\">Bild: ESO\/M.Kornmesser<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Modell erkl\u00e4rt auch, wieso wir Quasare und aktive Galaxienkerne nur in so gro\u00dfer Entfernung sehen. Wir blicken bei diesen Distanzen ja in die Vergangenheit; wir sehen Galaxien so, wie so vor Milliarden Jahren waren, als das Universum noch jung war. Damals war in den Galaxien noch jede Menge Gas und Staub vorhanden; damals waren die Voraussetzungen vorhanden, damit die schwarzen L\u00f6cher in den Galaxienkernen aktiv werden konnten. In alten Galaxien, wie unserer Milchstra\u00dfe, ist das anders. Hier ist das Material schon weitestgehend verbraucht. Es sind Sterne daraus entstanden beziehungsweise hat es die Aktivit\u00e4t des schwarzen Lochs aus der Galaxien hinaus geschleudert. Auch im Zentrum der Milchstra\u00dfe sitzt nat\u00fcrlich ein schwarzes Loch. Aber es ist nicht mehr aktiv, zumindest nicht sehr. Wir beobachten schon auch Strahlung aus dem galaktischen Zentrum, aber in viel geringerem Ausma\u00df als bei den fernen Galaxien aus der Vergangenheit.<\/p>\n<p>Mittlerweile sind Existenz und Natur der aktiven Galaxienkerne immer wieder erforscht und best\u00e4tigt worden. Wir wissen, dass sie eine zentrale Rolle spielen, wenn wir das Universum verstehen wollen. Die aktiven Galaxienkerne haben einen gro\u00dfen Einfluss auf den Rest der Galaxie; sie k\u00f6nnen die Entstehung neuer Sterne ausl\u00f6sen oder verhindern. Durch die Beobachtung der aktiven Galaxienkerne k\u00f6nnen wir die grundlegende Struktur des Universums erforschen; die Verteilung und Entwicklung der Materie oder die G\u00fcltigkeit von Quantenmechanik und Relativit\u00e4tstheorie pr\u00fcfen. Aber so interessant all das auch ist &#8211; es ist ein Thema f\u00fcr eine andere Folge der Sternengeschichten. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/197c5471b7524ea69b7338ff59a7af56\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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