{"id":26215,"date":"2021-07-16T06:00:21","date_gmt":"2021-07-16T04:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/07\/16\/sternengeschichten-folge-451-der-treibhauseffekt-auf-anderen-himmelskoerpern\/"},"modified":"2025-05-14T16:55:24","modified_gmt":"2025-05-14T14:55:24","slug":"sternengeschichten-folge-451-der-treibhauseffekt-auf-anderen-himmelskoerpern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/07\/16\/sternengeschichten-folge-451-der-treibhauseffekt-auf-anderen-himmelskoerpern\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 451: Der Treibhauseffekt auf anderen Himmelsk\u00f6rpern"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"hhttps:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_460709_sternengeschichten_folge_451_der_treibhauseffekt_auf_anderen_himmelskorpern.mp3?v=1622294787\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/uvD-Ps5a1tY\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/feed\/mp3\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/451-sternengeschichten-folge-451-der-treibhauseffekt-auf-anderen-himmelskorpern\/embed?context=external&#038;token=xNKI6ihRqF-fqr23YV8LKQ\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<strong>Sternengeschichten Folge 451: Der Treibhauseffekt auf anderen Himmelsk\u00f6rpern<\/strong><\/p>\n<p>Der Treibhauseffekt ist ein wichtiges Ph\u00e4nomen. Wir begegnehm ihm heute haupts\u00e4chlich in der Diskussion zur Klimakrise in Form des menschengemachten Treibhauseffekt der unseren Planeten immer wieder aufheizt, was ich ja in Folge 434 der Sternengeschichten ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt habe. Es gibt ihn aber auch als ganz nat\u00fcrliches Ph\u00e4nomen. Die Details der Physik und Chemie die dem Treibhauseffekt zugrunde liegen, habe ich in Folge 241 genauer erkl\u00e4rt. Die Kurzversion lautet: Molek\u00fcle k\u00f6nnen unterschiedlich durchl\u00e4ssig f\u00fcr unterschiedliche Arten von Strahlung sein. Unsere Atmosph\u00e4re zum Beispiel l\u00e4sst das sichtbare Licht der Sonne problemlos passieren, weswegen es den Erdboden erw\u00e4rmen kann. Wenn die W\u00e4rme in Form von Infrarotstrahlung dann aber wieder vom Boden wieder zur\u00fcck ins All strahlen will, trifft sie auf Kohlendioxidmolek\u00fcle in der Luft. Oder auf Methan oder Wasserdampf. Das sind Treibhausgase, die das sichtbare Licht mit seiner kurzen Wellenl\u00e4nge zuvor noch ungehindert durchgelassen haben. Die langwellige W\u00e4rmestrahlung nun aber quasi blockieren und teilweise zur\u00fcck zum Boden schicken. Dadurch heizt sich der Planet weiter auf. <\/p>\n<p>Das ist, wie gesagt, prinzipiell ein nat\u00fcrliches Ph\u00e4nomen und eines, das durchaus wichtig f\u00fcr die Existenz des Lebens ist. Ohne die Atmosph\u00e4re der Erde und die darin enthaltenen Treibhausgase wie Wasserdampf, w\u00e4re unser Planet viel k\u00e4lter. Die Durchschnittstemperatur w\u00fcrde circa -18 Grad Celsius betragen. Dass die Erde lebensfreundlich ist, liegt also am nat\u00fcrlichen Treibhauseffekt. Mit dem menschengemachten Treibhauseffekt, also durch die zus\u00e4tzlichen Treibhausgase die wir in die Atmosph\u00e4re entlassen, sind wir aber nun gerade dabei, die Erde lebensfeindlich hei\u00df zu machen. Darum soll es heute aber nicht gehen, so wichtig dieses Thema auch ist. Stattdessen schauen wir auf die anderen Himmelsk\u00f6rper des Sonnensystems. Gibt es dort auch einen Treibhauseffekt und wenn ja, was f\u00fcr Konsequenzen hat das?<\/p>\n<p>Damit ein Treibhauseffekt stattfinden kann, braucht es prinzipiell mal einen Himmelsk\u00f6rper mit einer nennenswerten Atmosph\u00e4re. Davon haben wir im Sonnensystem \u00fcberraschend wenige. Wenn wir die Erde ausnehmen, dann bleiben unter den restlichen Planeten nur die Venus und der Mars. Der Merkur ist ein Planet ohne Lufth\u00fclle; der Mond hat auch keine. Die Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun bestehen nur aus dichtem Gas und das Konzept des Treibhauseffekts kann man dort in der Form nicht so anwenden wie bei uns. Die ganzen Asteroiden und die meisten Monde der anderen Planeten sind zu klein, um eine vern\u00fcnftige Atmosph\u00e4re halten zu k\u00f6nnen. Die einzige Ausnahme ist Titan, der gr\u00f6\u00dfte Mond des Saturns. <\/p>\n<figure id=\"attachment_24818\" aria-describedby=\"caption-attachment-24818\" style=\"width: 2048px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Botanischer_Garten_BS.Seerosen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Botanischer_Garten_BS.Seerosen.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1536\" class=\"size-full wp-image-24818\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24818\" class=\"wp-caption-text\">Treibhaus! Nur auf der Erde oder auch anderswo? (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Botanischer_Garten_BS.Seerosen.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Venus, Mars und Titan: Das sind, neben der Erde, die einzigen Himmelsk\u00f6rper im Sonnensystem bei denen man die Frage nach einem au\u00dferirdischen Treibhauseffekt sinnvoll untersuchen kann. Beginnen wir mit dem Mars, der eigentlich ein Grenzfall ist. In Folge 236 habe ich die Atmosph\u00e4re des Mars ja schon einmal ausf\u00fchrlich besprochen. Und die Folge mit der Feststellung begonnen, dass er eigentlich gar keine solche hat. Der &#8222;Luftdruck&#8220; dort betr\u00e4gt weniger als ein Prozent von dem, was wir hier auf der Erde haben. Es ist also kaum etwas da, was den Mars in Form eine Atmosph\u00e4re umgibt. Das was da ist, besteht zwar fast ausschlie\u00dflich aus dem Treibhausgas Kohlendioxid. Aber weil eben so wenig Atmosph\u00e4re vorhanden ist, kann der Mars keine W\u00e4rme speichern, da hilft auch das CO2 nicht. Unter anderem deswegen ist der Mars auch so enorm kalt. Es gibt keinen nat\u00fcrlichen Treibhauseffekt, der ihn aufw\u00e4rmen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Wir wissen aber, dass es fr\u00fcher in der Geschichte unseres Nachbarplaneten w\u00e4rmer gewesen sein muss. Wir finden \u00fcberall auf dem Mars die Spuren von Wasser, das \u00fcber seine Oberfl\u00e4che geflossen sein muss. Irgendein Mechanismus muss also den Mars irgendwann einmal w\u00e4rmer gemacht haben. Wir reden hier von der Zeit kurz nach seiner Entstehung; kurz nach der Entstehung aller Planeten vor 4,5 Milliarden Jahren. Planeten aus Metall und Gestein; mit einer festen Oberfl\u00e4che die im inneren Bereich des Sonnensystems entstanden sind; Planeten also wie die Erde, die Venus und der Mars, haben bei ihrer Entstehung immer auch eine gewissen Menge an Wasser mitbekommen. Gespeichert im Gestein konnte es durch diverse geologische und chemische Prozesse an die Oberfl\u00e4che gelangen. Und wenn die von einer passenden Atmosph\u00e4re eingeh\u00fcllt wird, die f\u00fcr Temperaturen zwischen 0 und 100 Grad Celsius sorgt, kann es dort fl\u00fcssig bleiben und Seen, Fl\u00fcsse oder gar Ozeane bilden.<\/p>\n<p>Was am fr\u00fchen Mars f\u00fcr angenehme Temperaturen gesorgt hat, wissen wir noch nicht. Vielleicht war Wasserstoff verantwortlich: Aus geologischen Gr\u00fcnden die genau zu erkl\u00e4ren hier jetzt zu weit f\u00fchren w\u00fcrden, war es auf dem Mars f\u00fcr Wasserstoff einfacher, aus dem Gestein seiner Planetenkruste auszugasen als auf der Erde. Wasserstoff gilt jetzt an sich nicht als klassisches Treibhausgas. Aber in Kombination mit den richtigen anderen Molek\u00fclen &#8211; zum Beispiel Kohlendioxid, kann es dennoch eine entsprechende Wirkung haben. Vereinfacht gesagt: Wenn Wasserstoffmolek\u00fcle mit Kohlendioxidmolek\u00fclen kollidieren, k\u00f6nnen sie durch diese Zusammenst\u00f6\u00dfe zus\u00e4tzliche Energie aufnehmen. In diesem energiereicheren Zust\u00e4nden k\u00f6nnen die Wasserstoffmolek\u00fcle dann als Treibhausgas wirken. Wenn der fr\u00fche Mars eine der Erde vergleichbar dichte Atmosph\u00e4re aus Wasserdampf und CO2 gehabt hat und dazu noch 5 bis 20 Prozent Wasserstoff aus der Planetenkruste ausgegast ist, k\u00f6nnte das f\u00fcr einen ausreichend starken Treibhauseffekt gesorgt haben, um die Temperaturen dort \u00fcber den Gefrierpunkt zu heben. Vielleicht ist auch etwas anderes passiert; das wissen wir nicht und k\u00f6nnen es h\u00f6chstens dann rausfinden, wenn wir den Mars besser als heute und vor allem nicht nur aus der Ferne sondern auch direkt vor Ort erforschen. So oder so: Die Warmzeit auf dem Mars war begrenzt. Der kleine Planet hatte zu wenig Masse um seine Atmosph\u00e4re dauerhaft zu halten. Vor allem hatte er zu wenig Masse, um sein Magnetfeld dauerhaft aufrecht zu erhalten. Ohne Magnetfeld ist eine Atmosph\u00e4re schutzlos dem Sonnenwind ausgesetzt. Die Teilchen, die die Sonne st\u00e4ndig aus ihrer eigenen Atmosph\u00e4re ins Weltall schleudert wirken wie ein Sandstrahler, der die Lufth\u00fclle eines Planeten wie des Mars im Laufe der Zeit abtr\u00e4gt.<\/p>\n<p>All das, was dem Mars fehlt, hat die Venus zu viel. Unser anderer Nachbarplanet kann sich \u00fcber einen Mangel an Atmosph\u00e4re wirklich nicht beschweren. Dort herrscht auf der Oberfl\u00e4che ein Druck, den man bei uns erst 900 Meter tief unter dem Meeresspiegel finden kann. Diese gewaltige dichte H\u00fclle aus Gasen besteht fast komplett aus Kohlendioxid und deswegen gibt es auf der Venus einen Mega-Treibhauseffekt, der die Oberfl\u00e4chentemperatur dort auf 460 Grad Celsius aufheizt. Aber auch diese heute komplett lebensfeindliche Welt war nach ihrer Entstehung wahrscheinlich ein lebensfreundlicher Planet. Die Venus ist fast so gro\u00df und schwer wie die Erde und wird bei ihrer Entstehung wahrscheinlich auch \u00e4hnlich viel Wasser mitbekommen haben wie wir. Computermodelle zeigen, dass die Bedingungen vor 4,5 Milliarden Jahren dort durchaus nicht unangenehm waren. <\/p>\n<figure id=\"attachment_16347\" aria-describedby=\"caption-attachment-16347\" style=\"width: 1856px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Quater_Venus_phase.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Quater_Venus_phase.jpg\" alt=\"\" width=\"1856\" height=\"2337\" class=\"size-full wp-image-16347\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16347\" class=\"wp-caption-text\">Hier ist jede Menge Treibhaus! (<a href=\"https:\/\/ails.arc.nasa.gov\/ails\/?v=thumbs&#038;st=1&#038;so=unsorted&#038;page=1&#038;r=0&#038;qs=AC78-9052&#038;x=0&#038;y=0\">Bild: NASA<\/a>, Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Venus liegt n\u00e4her an der Sonne als die Erde, was prinzipiell problematisch ist. Ein paar Faktoren haben aber vielleicht daf\u00fcr gesorgt, dass sich unser Nachbar trotz der geringeren Distanz zur Sonne nicht zu stark aufgeheizt haben k\u00f6nnte. Die Venus dreht sich heute sehr langsam um ihre Achse. F\u00fcr eine komplette Drehung ben\u00f6tigt sie 117 Erdtage. Bei uns auf der Erde ist ein Punkt auf der Oberfl\u00e4che maximal ein paar Stunden dem Sonnenlicht ausgesetzt. Sieht man mal von den Polarn\u00e4chten in Arktis und Antarktis ab, kommt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter immer die Nacht. Auf der Venus mit ihrer langsamen Drehung kann ein Bereich der Oberfl\u00e4che aber wochenlang im hellen und warmen Sonnenlicht liegen. Das sollte eigentlich zu einer noch st\u00e4rkeren Aufheizung f\u00fchren. Was auch der Fall ist; wenn dann aber ausreichend viel Wasser vorhanden ist, kann das verdampfen und eine dicke Wolkendecken produzieren. Und die schirmt den Planeten dann vor dem Sonnenlicht ab und f\u00fchrt zu einer Abk\u00fchlung. Ein weiterer Faktor auf der Venus k\u00f6nnte die Geografie sein. Die Daten die wir heute \u00fcber die Venus haben, legen nahe, dass es dort fr\u00fcher viel mehr Landfl\u00e4che gab als auf der Erde, die ja zum gr\u00f6\u00dften Teil mit Wasser bedeckt ist. Mehr Land und weniger Ozean bedeutet weniger Wasser, das verdampfen kann und damit auch weniger stark als Treibhausgas in der Atmosph\u00e4re wirken kann.<\/p>\n<p>Packt man all das in ein Computermodell zur Simulation der Bedingungen auf der jungen Venus, zeigt sich ein Planet, auf dem es \u00e4hnlich lebensfreundlich war wie auf der Erde. Nicht zu hei\u00df, nicht zu kalt und mit fl\u00fcssigem Wasser auf der Oberfl\u00e4che. Aber so wie beim Mars hat auch die Venus diesen Zustand nicht lange durchgehalten. F\u00fcr ein stabiles Klima braucht es ein halbwegs stabiles Gleichgewicht zwischen Quellen und Senken f\u00fcr Treibhausgase. Die Venus hat jede Menge Quellen, aber vern\u00fcnftige Senken konnte man nicht identifizieren. Dort fehlt zum Beispiel die Plattentektonik die wir hier auf der Erde haben, und die immer wieder im Gestein gebundenes Kohlendioxid tief in die Erdkruste hinab transportiert und f\u00fcr lange Zeit dort h\u00e4lt. Mehr als 700 Millionen Jahre hat die Venus &#8211; zumindest im Computermodell &#8211; ihre lebensfreundlichen Bedingungen nicht halten k\u00f6nnen. Danach hat die starke Sonnenstrahlung zu viel Wasser als Wasserdampf in die Atmosph\u00e4re bef\u00f6rdert; danach hat sich zu viel CO2 dort angesammelt; dann ging es so richtig los mit dem Treibhauseffekt. Eine extrem starke Feedback-Schleife ist entstanden: Der Treibhauseffekt hat die Temperatur erh\u00f6ht, was noch mehr Treibhausgase in die Atmosph\u00e4re bef\u00f6rdert hat, wodurch es noch hei\u00dfer wurde, und so weiter. Am Ende ist die Venus das geworden, was sie heute ist: Eine lebensfeindliche Hitzeh\u00f6lle mit keinem Tropfen Wasser auf ihrer Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Bleibt noch der Titan. In Folge 157 habe ich ihn den &#8222;faszinierendsten Mond des Sonnensystems&#8220; genannt. Was er meiner Meinung auch ist. Der Saturnmond hat einen Durchmesser von 5150 Kilometer, womit er gr\u00f6\u00dfer als der Merkur ist. Er ist weit von der Sonne entfernt, und man w\u00fcrde davon ausgehen, dass es dort ziemlich kalt ist. Ist es auch: Die Durchschnittstemperatur an seiner Oberfl\u00e4che liegt bei -180 Grad Celsius. Trotzdem ist er keine Eisw\u00fcste, wie die anderen Monde im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem. Der Titan hat eine Atmosph\u00e4re, und was f\u00fcr eine! Der &#8222;Luftdruck&#8220; dort ist um 50 Prozent h\u00f6her als auf der Erde; nur dass es nat\u00fcrlich keine Luft ist, die den Mond umgibt. Sie besteht vor allem aus Stickstoff, mit geringen Anteilen von Methan und Argon. Insgesamt ist die Masse der Gase in Titans Atmosph\u00e4re aber gr\u00f6\u00dfer als die der Erde! Und darunter passieren auch jede Menge spannende Sachen. Fl\u00fcssiges Wasser gibt es nicht, daf\u00fcr aber fl\u00fcssiges Methan. Es bildet Fl\u00fcsse und Seen, es regnet aus Wolken auf den Mond herab. So etwas findet man auf keinem anderen Himmelsk\u00f6rper des Sonnensystems. Was man dar\u00fcber hinaus auch nur auf dem Titan findet, ist ein &#8222;Anti-Treibhauseffekt&#8220;. <\/p>\n<figure id=\"attachment_13803\" aria-describedby=\"caption-attachment-13803\" style=\"width: 1696px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Floating_Ice_on_Titan_Lakes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Floating_Ice_on_Titan_Lakes.jpg\" alt=\"\" width=\"1696\" height=\"1272\" class=\"size-full wp-image-13803\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13803\" class=\"wp-caption-text\">Auf Titan ist der Treibhauseffekt anti (<a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/mission_pages\/cassini\/multimedia\/pia16634.html\">K\u00fcnstlerische Darstellung: NASA\/JPL-Caltech\/USGS<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Bleiben wir aber zuerst beim normalen Treibhauseffekt. Eigentlich sollte es auf dem Titan circa -191 Grad Celsius kalt sein. Stickstoff, Methan und Wasserstoffmolek\u00fcle in seiner Atmosph\u00e4re sorgen aber f\u00fcr einen nat\u00fcrlichen Treibhauseffekt, der die Oberfl\u00e4che um 21 Grad aufheizen w\u00fcrde. Wasserstoff und Stickstoff w\u00e4ren eigentlich gar keine Treibhausgase. Aber &#8211; so wie vorhin beim Mars &#8211; es kommt auf die Bedingungen an. In der extrem dichten Atmosph\u00e4re des Titan k\u00f6nnen die Molek\u00fcle \u00f6fter kollidieren, h\u00f6herenergetische Zust\u00e4nde einnehmen und so als Treibhausgas wirken. -191 Grad plus ein Treibhauseffekt von 21 Grad: Macht -170 Grad Celsius. So warm ist der Titan aber nicht, was am Anti-Treibhauseffekt liegt. Der funktioniert &#8211; wenig \u00fcberraschend &#8211; wie der Treibhauseffekt, nur umgekehrt. Der normale Treibhauseffekt l\u00e4sst kurzwellige Sonnenstrahlung passieren, die langwellige aber nicht. Am Titan gibt es aber extrem hochliegende Nebelschichten. Sie bestehen vermutlich aus komplexeren Molek\u00fclen die aus Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff zusammengesetzt sind. In den \u00e4u\u00dferen Schichten der Titanatmosph\u00e4re k\u00f6nnen sie sich bilden, weil dort das energiereiche Sonnenlicht die Methanmolek\u00fcle in einzelne Kohlenstoff- und Wasserstoffatome aufspalten kann. Das geht nur dort drau\u00dfen an der Grenze zum All; weiter nach unten kann dieser energiereiche Teil der Sonnenstrahlung durch die dichter werdende Atmosph\u00e4re nicht gelangen. Dort oben aber k\u00f6nnen sich die einzelnen Atome nun zu neuen Molek\u00fclen verbinden und die wirken als Anti-Treibhausgase. Sie reflektieren einen Teil des normalen Sonnenlichts, der nun nicht mehr zur Titanoberfl\u00e4che gelangt und nichts zu ihrer Erw\u00e4rmung beitragen kann. Gleichzeitig lassen sie langwellige W\u00e4rmestrahlung passieren und erleichtern so seine Abk\u00fchlung. Insgesamt f\u00fcr das zu einer Abk\u00fchlung von 9 Grad, was den nat\u00fcrlichen Treibhauseffekt von 21 Grad auf 12 Grad reduziert. Deswegen ist der Titan nur knapp 10 Grad w\u00e4rmer als er es sein sollte und nicht knapp 20 Grad. <\/p>\n<p>In diesem Ausma\u00df existiert der Anti-Treibhauseffekt nur auf dem Titan. Auf der Erde gibt es zwar Schwefelverbindungen, die durch Vulkane hoch hinaus in die Atmosph\u00e4re geschleudert werden k\u00f6nnen und dort \u00e4hnlich wie auf dem Saturnmond eine Abk\u00fchlung verursachen. Der Effekt ist aber sehr viel geringer als auf dem Titan. Der seltsame Saturnmond ist eine komplett fremde Welt &#8211; aber eine, von der wir trotzdem etwas \u00fcber die Erde lernen k\u00f6nnen. Um die Klimakrise die auf unserem Planeten stattfindet, besser zu verstehen, m\u00fcssen wir auch genau wissen, wie sich die Treibhausgase verhalten. Dazu geh\u00f6rt nicht nur das Kohlendioxid, sondern auch das Methan. Das hat einen komplizierteren Aufbau als CO2 und ist deswegen schwieriger im Labor zu untersuchen. In der dichten, starken Atmosph\u00e4re des Titan gibt es aber wirklich viel Methan und dort kann man es quasi in einem nat\u00fcrlich Labor studieren. Und wir haben dort ja auch schon eine Raumsonde hingeschickt &#8211; 2005 ist die Huygens-Sonde durch die Atmosph\u00e4re des Titan geflogen und auf seiner Oberfl\u00e4che gelandet. Mit den Daten die dabei gesammelt wurden, konnte man besser verstehen, wie Methan auf unterschiedliche Teile der Sonnenstrahlung reagiert. Und damit auch bessere Modelle erstellen, um die Klimakrise auf der Erde zu erforschen.<\/p>\n<p>Der Treibhauseffekt ist wichtig. Venus, Erde und Mars sind zur gleichen Zeit entstanden und waren sich nach ihrer Entstehung sehr \u00e4hnlich. Vermutlich gab es damals auf allen drei Himmelsk\u00f6rpern fl\u00fcssiges Wasser und lebensfreundliche Bedingungen. Heute ist nur noch die Erde \u00fcbrig; der Mars ist eine Eisw\u00fcste und die Venus eine Hitzeh\u00f6lle. Mit verantwortlich daf\u00fcr ist der Treibhauseffekt. Er hat unsere Nachbarn lebensfeindlich gemacht; dem irdischen Leben dagegen dauerhaft das \u00dcberleben erm\u00f6glicht. Das zeigt nur um so deutlicher, dass wir alles daran setzen m\u00fcssen, diesen Zustand durch den menschengemachten Treibhauseffekt nicht zu zerst\u00f6ren. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/48d3ea9b05224e139d460c88a0cf381f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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