{"id":26141,"date":"2021-04-21T06:00:56","date_gmt":"2021-04-21T04:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/04\/21\/zielgruppen-und-empathie-nicht-so-triviales-zur-wissenschaftskommunikation\/"},"modified":"2025-05-14T16:54:56","modified_gmt":"2025-05-14T14:54:56","slug":"zielgruppen-und-empathie-nicht-so-triviales-zur-wissenschaftskommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/04\/21\/zielgruppen-und-empathie-nicht-so-triviales-zur-wissenschaftskommunikation\/","title":{"rendered":"Zielgruppen und Empathie: (Nicht so) Triviales zur Wissenschaftskommunikation"},"content":{"rendered":"<p>Die Vorteile der Covid19-Pandemie sind eher d\u00fcrftig&#8230; Aber immerhin hat sie daf\u00fcr gesorgt, dass sehr viel mehr Menschen \u00fcber Wissenschaft nachdenken als vorher. Und dass sich sehr viel mehr Menschen als vorher Gedanken \u00fcber die <i>Vermittlung<\/i> von Wissenschaft machen. Was man nicht oft genug machen kann! Mein Job besteht ja seit mehr als 10 Jahren daraus, m\u00f6glichst vielen Menschen von Wissenschaft zu erz\u00e4hlen und insofern habe ich mir nat\u00fcrlich auch jede Menge Gedanken dar\u00fcber gemacht. Und ich bin auch immer daran interessiert, was andere sich so denken. <\/p>\n<p>Ich bin kein Experte f\u00fcr Wissenschaftskommunikation. Ich habe nie Kommunikationswissenschaft o.\u00e4. studiert und mein Zugang zum Thema ist eher anarchistisch. Ich arbeite nicht f\u00fcr irgendein Medium; muss nicht f\u00fcr eine bestimmte Institution kommunizieren, sondern erz\u00e4hle das, was ich halt gerne erz\u00e4hlen will. Und kann dabei auch sehr viel ausprobieren. Manches funktioniert und manches nicht &#8211; aber ein bisschen was habe ich dabei doch gelernt (behaupte ich jetzt mal). Was ich unter anderem gelernt habe: Auch &#8222;triviale&#8220; Ratschl\u00e4ge sind wichtig! Sich vor einem Kommunikationsversuch zu \u00fcberlegen, welche Zielgruppe man ansprechen will, ist trivial. Nat\u00fcrlich muss man das machen und man sollte das gar nicht extra erw\u00e4hnen m\u00fcssen. Aber wenn ich mir die real stattfindende Kommunikation ansehe, dann wird diese Binsenweisheit dennoch sehr oft missachtet. Universit\u00e4ten schreiben Pressemeldungen, wollen die dann aber auch als Kommunikation mit der breiten \u00d6ffentlichkeit verwenden. Was nicht funktioniert! Forscher:innen sollen einen \u00f6ffentlichen Vortrag halten, verwenden daf\u00fcr aber die selben Pr\u00e4sentationsunterlagen, die sie auch f\u00fcr ihre Fachvortr\u00e4ge benutzen. Oder (ein Beispiel aus einem Buch das ich gerade lese) man will ein Thema popul\u00e4rwissenschaftlich aufbereiten und daf\u00fcr mit pers\u00f6nlichen Geschichten aus dem Alltag des Forschens arbeiten (was prinzipiell eine sehr gute Idee ist), kriegt am Ende dann aber einen Text, der weder das eine noch das andere ist. Die wissenschaftliche Teile sind immer noch viel zu komplex um allgemeinverst\u00e4ndlich zu sein und die allgemeinverst\u00e4ndlichen Forschungsanekdoten vermitteln keine Wissenschaft. Sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, WIE man eine Zielgruppe konkret ansprechen soll, ist alles andere als trivial. Das gilt umso mehr, wenn es darum geht, unterschiedliche Medien zu nutzen. Man kann Links zu einer Pressemitteilung per Twitter ver\u00f6ffentlichen &#8211; hat die M\u00f6glichkeiten dieses speziellen Mediums aber nicht vern\u00fcnftig genutzt. Man kann einen Vortrag abfilmen und als YouTube-Video einstellen &#8211; hat die M\u00f6glichkeiten eines Videos aber nicht vern\u00fcnftig genutzt. Und so weiter. <\/p>\n<p>Es gibt noch jede Menge weitere &#8222;triviale Ratschl\u00e4ge&#8220;, die deutlich komplexer umzusetzen sind, als man denken w\u00fcrde. Dass die Menschen, denen man etwas \u00fcber Wissenschaft vermitteln will, weniger \u00fcber das Thema wissen als man selbst, ist auch trivial. Aber auch das muss man <i>vern\u00fcnftig<\/i> bedenken, wenn man erfolgreich kommunizieren will. Wenn ich etwa vermitteln will, dass Asteroid X nicht mit der Erde kollidiert, dann reicht es nicht zu sagen &#8222;Asteroid X kollidiert nicht mit der Erde!&#8220;. Damit habe ich zwar rein theoretisch die &#8222;L\u00fccke&#8220; im Wissen meines Gegen\u00fcbers gef\u00fcllt. Aber das war nicht die einzige L\u00fccke: Wer nicht Astronomie studiert hat; wer nicht wei\u00df, wie astronomische Beobachtungen stattfinden; wie astronomische Daten publiziert werden; wer nicht wei\u00df, wie Wissenschaft funktioniert und nie die Gelegenheit hatte, einen Blick auf den sehr speziellen Mikrokosmos der Universit\u00e4ten zu werfen: So jemand wird die <i>Bedeutung<\/i> der Information nicht vern\u00fcnftig erfassen k\u00f6nnen, wenn ich nicht auch probiere, all diese restlichen L\u00fccken zu f\u00fcllen. Das sieht man gerade sehr gut wenn es um die Pandemie geht: F\u00fcr viele Menschen sind die Aussagen der Virolog:innen halt einfach nur &#8222;Meinungen&#8220;. Die sagen das eine; andere Leute im Internet sagen aber was anderes. Politiker:innen haben wieder eine andere Meinung. Und so weiter &#8211; dass aber die &#8222;Meinung&#8220; der Wissenschaft auf einer v\u00f6llig anderen Grundlage basiert als das, was ein Ministerpr\u00e4sident oder irgendwer auf Facebook erz\u00e4hlt, ist Wissen, dass man nicht einfach voraussetzen darf! <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2018\/08\/14\/wissenschaftskommunikation-mit-andersdenkenden-seid-nett-wenn-ihr-gehoert-werden-wollt\/\">Es braucht <i>Empathie<\/i><\/a>! Man kann Leute nat\u00fcrlich auch gerne als &#8222;dumm&#8220; bezeichnen, weil sie nicht checken, dass zum Beispiel die Aussagen von Christian Drosten seri\u00f6s sind, die von Sucharit Bakhdi aber nicht. Nur bringt das die Wissenschaftskommunikation nicht voran. Dazu muss man sich tats\u00e4chlich &#8211; empathisch! &#8211; klar machen, dass man selbst in den meisten F\u00e4llen einen ganz anderen Hintergund und eine ganz andere Lebensrealit\u00e4t hat als die Menschen, mit denen man kommunizieren will. <\/p>\n<p>Aber eigentlich wollte ich ja nur auf zwei Beispiele hinweisen, in denen Wissenschaftskommunikatoren genau diese Dingen gut erkl\u00e4ren. Mein Kollege Helmut Jungwirth &#8211; Professor f\u00fcr Wissenschaftskommunikation an der Uni Graz (mit einem <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/letsdogabout.science\/\">sehr sch\u00f6nen Instagram-Account zur Wissenschaft<\/a> &#8211; hat f\u00fcr eine Konferenz k\u00fcrzlich ein paar der wichtigsten Prinzipien zusammengefasst (unter anderem das mit der Zielgruppe):<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/g_uGgu8i_ks\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Und im Gespr\u00e4ch mit dem <a href=\"https:\/\/viertausendhertz.de\/ef40\/\">Elementarfragen-Podcast<\/a> hat Ranga Yogeshwar sehr ausf\u00fchrlich \u00fcber Wissenschaftskommunikation (inklusive dem Thema &#8222;Empathie&#8220;) gesprochen:<\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/elementarfragen.podigee.io\/40-neue-episode\/embed?context=external\"><\/script><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/462372a6c12e4075bb853c9e432ef991\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorteile der Covid19-Pandemie sind eher d\u00fcrftig&#8230; Aber immerhin hat sie daf\u00fcr gesorgt, dass sehr viel mehr Menschen \u00fcber Wissenschaft nachdenken als vorher. Und dass sich sehr viel mehr Menschen als vorher Gedanken \u00fcber die Vermittlung von Wissenschaft machen. Was man nicht oft genug machen kann! Mein Job besteht ja seit mehr als 10 Jahren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[4504,6617,12133,16073,16348],"class_list":["post-26141","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-naturwissenschaften","tag-empathie","tag-helmut-jungwirth","tag-ranga-yogeshwar","tag-wissenschaftskommunikation","tag-zielgruppe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26141"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26141\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26142,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26141\/revisions\/26142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}