{"id":26061,"date":"2021-03-12T07:00:26","date_gmt":"2021-03-12T06:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/03\/12\/sternengeschichten-folge-433-kic-8462852-und-die-angebliche-alien-zivilisation\/"},"modified":"2025-05-14T16:54:28","modified_gmt":"2025-05-14T14:54:28","slug":"sternengeschichten-folge-433-kic-8462852-und-die-angebliche-alien-zivilisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/03\/12\/sternengeschichten-folge-433-kic-8462852-und-die-angebliche-alien-zivilisation\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 433: KIC 8462852 und die angebliche Alien-Zivilisation"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_399539_sternengeschichten_folge_433_kic_8462852_und_die_angebliche_alien_zivilisation.mp3?v=1615284595\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/BntX8RPKmFI\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/433-sternengeschichten-folge-433-kic-8462852-und-die-angebliche-alien-zivilisation\/embed?context=external&#038;token=WXg5zM24i3Z40djyFN2Y0g\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 433: KIC 8462852 und die angebliche Alien-Zivilisation<\/b><\/p>\n<p>KIC 8462852 ist nicht unbedingt ein griffiger Name f\u00fcr einen Stern. Es ist ja auch eigentlich kein echter Name, sondern einfach nur seine Bezeichnung im &#8222;Kepler Input Catalog&#8220;, der Datenbank an Sternen, die das Kepler-Weltraumteleskop untersucht hat. Es kommt bei den Sternen ja aber auch nicht auf den Namen oder die Bezeichnung an. Sondern auf das, was wir bei ihrer Beobachtung lernen k\u00f6nnen. Und bei KIC 8462852 ist das jede Menge!<\/p>\n<p>Kennen tun wir diesen speziellen Stern so sehr lange. Er taucht schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts in diversen Sternkatalogen auf. Er befindet sich im Sternbild Schwan und ist ungef\u00e4hr 1470 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er ist ein wenig schwerer und gr\u00f6\u00dfer als unsere Sonne, ein klein wenig hei\u00dfer und leuchtet circa drei mal so hell. Wie alt der Stern ist, wissen wir noch nicht so genau, aber er ist vermutlich noch sehr jung, ein paar hundert Millionen Jahre nur. Mit freiem Auge ist KIC 8462852 nicht zu sehen; da braucht es schon ein halbwegs starkes Teleskop. Kurz gesagt: Das Ding unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von den Milliarden anderen Sternen in unserer Milchstra\u00dfe. Es ist halt ein Stern. <\/p>\n<p>Das hat sich im Jahr 2015 ge\u00e4ndert. Also KIC 8462852 ist schon immer noch ein Stern. Aber eben einer, der sich deutlich von allen Sternen unterscheidet, die wir bisher beobachtet hatten. Das Weltraumteleskop Kepler hat zwischen 2009 und 2018 sehr viele Sterne beobachtet. Fast 200.000 und nat\u00fcrlich ist es da nicht m\u00f6glich, alle Daten sofort und letztg\u00fcltig auszuwerten. Das eigentliche Ziel von Kepler war die Suche nach extrasolaren Planeten. Um herauszufinden, ob ein Stern von einem Planeten umkreist wird, hat Kepler nach Helligkeitsschwankungen gesucht. \u00c4ndert ein Stern seine Helligkeit periodisch, dann kann das ein Zeichen daf\u00fcr sein, dass ein Planet um ihn kreist und von uns aus gesehen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden immer ein bisschen Sternenlicht blockiert. Unterst\u00fctzung bei dieser Suche kam von der \u00d6ffentlichkeit. Beim Projekt &#8222;Planet Hunters&#8220; konnten alle, die wollten, die Helligkeitsmessungen von Kepler anschauen und dort nach charakteristischen Schwankungen suchen. Oder nach anderen Dingen, die irgendwie auff\u00e4llig sind. <\/p>\n<p>Das war bei KIC 8462852 der Fall. Seine Helligkeit \u00e4nderte sich, aber nicht periodisch und nicht nur ein bisschen. Sondern ziemlich wild und teilweise wurde der Stern um 22 Prozent dunkler. Ein Planet kann so etwas nicht verursachen; der ist im Vergleich zum Stern so klein, dass er dessen Licht nur um Bruchteile eines Prozents verdunkeln kann. Was er dann auch auf jeden Fall regelm\u00e4\u00dfig tut. Die amerikanische Astronomin Tabetha Boyajian, zust\u00e4ndig f\u00fcr das Planet-Hunters-Projekt, sah sich die Sache genauer an. Und ver\u00f6ffentlichte gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen im September 2015 einen Artikel \u00fcber den Stern. Er hatte den Titel &#8222;KIC 8462852 &#8211; Where&#8217;s the Flux?&#8220;. Mit &#8222;Flux&#8220; ist das Sternenlicht gemeint und die gro\u00dfe Frage war: Wo ist es hin und warum ist dieser Stern so komisch dunkler geworden? Und jetzt kann ich auch endlich aufh\u00f6ren, &#8222;dieser Stern&#8220; oder &#8222;KIC 8462852&#8220; zu sagen. Nach dieser Ver\u00f6ffentlichung wurde &#8222;dieser Stern&#8220; schnell als &#8222;Tabby&#8217;s Stern&#8220; bekannt, nach dem Spitznamen von Tabetha Boyajian. Manche nannten ihn auch &#8222;WTF-Stern&#8220;, was sich einerseits auf das &#8222;Where&#8217;s the Flux&#8220; im Titel der Forschungsarbeit bezieht. Andererseits aber auch auf die gebr\u00e4uchliche englische Abk\u00fcrzung die &#8211; sagen wir es mal familienfreundlich &#8211; gro\u00dfes Erstaunen ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20856\" aria-describedby=\"caption-attachment-20856\" style=\"width: 1199px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler-lichtkurve.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler-lichtkurve.jpg\" alt=\"\" width=\"1199\" height=\"430\" class=\"size-full wp-image-20856\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20856\" class=\"wp-caption-text\">Sowas macht man doch nicht! Seltsame Helligkeits\u00e4nderungen bei KIC 8462852 im Jahr 2015  <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1509.03622\">Bild: Boyajian et al, 2015<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Also. WTF. Was ist los mit Tabbys Stern? Die Daten zeigen, dass es dort am 5. M\u00e4rz 2011 den ersten au\u00dfergew\u00f6hnlichen Helligkeitseinbruch gab. Innerhalb eines Tages wurde seine Helligkeit um 16 Prozent geringer, einen Tag sp\u00e4ter war dort alles wieder normal. Am 28. Februar 2013 kam die n\u00e4chste gro\u00dfe Verdunkelung. Zuerst sank die Helligkeit nur um 1,5 Prozent f\u00fcr drei Tage. Dann ging es aber gleich um 22 Prozent runter und diese Verdunkelung war erst zwei Tage sp\u00e4ter wieder vorbei. Knapp drei Wochen sp\u00e4ter wurde es nochmal dunkler, diesmal nicht ganz so stark. Und nochmal knapp 5 Wochen sp\u00e4ter sank die Helligkeit ein weiters Mal f\u00fcr zehn Tage.<\/p>\n<p>Das ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. So was macht ein Stern normalerweise nicht. Einen Planeten kann man definitiv als Ursache f\u00fcr diese Helligkeitsschwankungen ausschlie\u00dfen. Aber es gibt ja noch jede Menge andere Gr\u00fcnde, aus denen ein Stern seine Helligkeit ver\u00e4ndern kann. Zum Beispiel, wenn er Teil eines Doppelsternsystems ist. Dann \u00e4ndert der Stern selbst zwar seine Helligkeit nicht. Aber wenn die beiden Sterne sehr dicht aneinander stehen, dann erscheinen sie uns aus der Ferne wie EIN Stern und je nachdem, ob die beiden von uns aus gesehen nebeneinander oder hintereinander stehen, \u00e4ndert sich die von uns beobachtete Helligkeit. Tats\u00e4chlich hat Tabbys Stern einen Begleiter; einen kleinen roten Zwergstern. Der ist aber sehr weit weg und kann mit den Helligkeitsschwankungen nichts zu tun haben. Sterne k\u00f6nnen auch von sich aus ihre Helligkeit ver\u00e4ndern. Davon habe ich in den Folgen 64 und 65 ja schon ausf\u00fchrlicher erz\u00e4hlt. Sie tun das, wenn in ihrem Inneren spezielle Prozesse ablaufen, die zu Temperatur- und Gr\u00f6\u00dfenschwankungen f\u00fchren. Tabbys Stern ist aber eigentlich nicht die Art von Stern, die so etwas macht und die Schwankungen passen auch nicht zu dem, was man erwarten w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Boyajian und ihre Kolleg:innen haben noch weitere Hypothesen untersucht, die wir uns sp\u00e4ter noch anschauen werden. \u00dcber ein Thema haben sie in ihrem Fachartikel allerdings nicht gesprochen. Das Thema, das s\u00e4mtliche Medienberichte \u00fcber Tabbys Stern dominiert, taucht dort nicht auf. Daf\u00fcr aber in einem Interview, in dem sich ein Kollege von Boyajian ge\u00e4u\u00dfert und das eine Wort verwendet hat, das verl\u00e4sslich immer f\u00fcr gewaltige Aufregung sorgt: Aliens! Der Astronom Jason Wright wurde darin mit dem Satz <i>&#8222;[D]as sieht so aus wie etwas, das eine au\u00dferirdische Zivilisation gebaut haben k\u00f6nnte&#8220;<\/i>. Unmittelbar davor sagte er zwar auch <i>&#8222;Au\u00dferirdische sollten immer die letzte Hypothese sein, die man zur Erkl\u00e4rung von etwas heranzieht.&#8220;<\/i>. Aber wenn die Aliens einmal im Spiel sind, interessieren sich die meisten Medien nicht mehr sonderlich f\u00fcr irgendeine kritische Einordnung. Fortan war Tabbys Stern der Stern mit den au\u00dferirdischen &#8222;Megastrukturen&#8220;. Und damit ist etwas gemeint, das man auch unter den Namen &#8222;Dyson-Sph\u00e4re&#8220; oder &#8222;Dyson-Schwarm&#8220; kennt. Ich habe dar\u00fcber in Folge 159 gesprochen: Im Prinzip geht es darum, dass eine technisch sehr weit fortgeschrittene Zivilisation sich Gedanken dar\u00fcber macht, wie man m\u00f6glichst viel Energie eines Sterns nutzen kann. Auf der Erde kriegen wir zum Beispiel ja nur die Sonnenenergie, die auch auf unseren Planeten trifft. Der ganze Rest der Sonnenstrahlung verschwindet ungenutzt von uns in alle anderen Richtungen im All. Wenn man nun aber eine Kugelschale um die Sonne bauen w\u00fcrde, k\u00f6nnte man die gesamte Energie auffangen und nutzen. So ein Ding w\u00e4re eine Dyson-Sph\u00e4re, und es ist quasi unm\u00f6glich, es zu bauen. Immer noch sehr unm\u00f6glich, aber ein kleines bisschen weniger ist ein &#8222;Dyson-Schwarm&#8220;, bei dem man den Stern nicht mit einer geschlossenen Schale sondern mit jeder Menge gigantischer Sonnenkollektoren umgibt. Und ja, so etwas w\u00fcrde tats\u00e4chlich daf\u00fcr sorgen, dass wir Helligkeitsschwankungen sehen. Je nachdem wie viele von diesen Kollektoren gerade aus unserer Sicht vor dem Stern vorbei ziehen, w\u00fcrde sich dessen Licht verdunkeln. Es m\u00fcsste aber ein Dyson-Schwarm unter Konstruktion sein. Denn die Schwankungen waren ja unregelm\u00e4\u00dfig und kamen in gro\u00dfen Abst\u00e4nden. Vielleicht haben wir auch gesehen, wie die Aliens irgendwelche gro\u00dfen Asteroiden und Planeten gesprengt haben, um das Material f\u00fcr ihre Konstruktionen zu gewinnen und die Verdunkelung kam durch den ganzen dabei erzeugten Staub zustande? Oder es war ein Alienkrieg im Gange und irgendwer hat eine gigantische Strahlenkanone benutzt um einen Planeten zu zerst\u00f6ren?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/aliencat2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/aliencat2.jpg\" alt=\"\" width=\"460\" height=\"443\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15347\" \/><\/a><\/p>\n<p>Man kann nach Lust und Laune spekulieren; mit echter Wissenschaft hat das allerdings wenig zu tun. Das ist wichtig, das sollte man sich auf jeden Fall merken: Nur weil man nicht wei\u00df, was die Ursache f\u00fcr ein Ph\u00e4nomen ist, folgt daraus NICHT, das jede beliebige Ursache in Frage kommt und jede beliebige Ursache gleich wahrscheinlich ist! Aliens sind zumindest theoretisch eine M\u00f6glichkeit, die Helligkeitsschwankungen von Tabbys Stern zu erkl\u00e4ren. Andererseits kann man ausreichend fortschrittliche Aliens ja auch als Erkl\u00e4rung f\u00fcr so gut wie alles heranziehen. Und vor allem: Es gibt nicht mal ansatzweise einen Beleg daf\u00fcr, dass irgendwo solche fortschrittlichen Aliens existieren und an ihren Sternen rumbasteln. Auch Tabbys Stern ist kein solcher Beleg. Daf\u00fcr sind die Daten alles andere als eindeutig genug. Denn es gibt noch ausreichend andere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze die nicht nur deutlich wahrscheinlicher sind sondern &#8211; im Gegensatz zu megaschlauen Aliens &#8211; von denen wir auch wissen, dass sie tats\u00e4chlich m\u00f6glich sind, weil wir entsprechende Prozesse anderswo im Universum schon beobachtet haben. <\/p>\n<p>Gehen wir lieber nochmal zur\u00fcck zur echten Wissenschaft. Nat\u00fcrlich hat man den Stern weiter beobachtet. Und es gab weitere Verdunkelungsphasen, die ebenso seltsam waren wie die zuvor. Und man hat nat\u00fcrlich auch weiter dar\u00fcber nachgedacht, was die Ursache daf\u00fcr sein kann. Ein einzelnes Objekt kann es kaum sein. Es m\u00fcsste gewaltig gro\u00df sein und komplett unvorhersagbar am Stern vor\u00fcber ziehen. Sowas machen Himmelsk\u00f6rper nicht. Aber Staub ist ein guter Kandidat. Staubwolken k\u00f6nnen enorm gro\u00df sein, sie k\u00f6nnen das Licht eines Sterns ebenfalls verdunkeln und vor allem kann sich die Gr\u00f6\u00dfe und Dichte so einer Staubwolke vergleichsweise schnell \u00e4ndern. Nur: Wo k\u00e4me der Staub bei Tabbys Stern her? Er k\u00f6nnte zum Beispiel Ringe aus Staub haben; bei jungen Sternen w\u00e4re sowas durchaus m\u00f6glich. Es k\u00f6nnte sich auch um einen Schwarm von Kometen handeln, die den Stern umkreisen und ihm dabei sehr nahe kommen. Durch die Erw\u00e4rmung der Kometen w\u00fcrden sie auftauen und es k\u00e4me immer wieder zu neuen &#8222;Staubausbr\u00fcchen&#8220;. Solche dichten und gro\u00dfen Ansammlungen von Kometen sind allerdings eher ungew\u00f6hnlich. Es g\u00e4be noch weitere Hypothesen, aber neue Beobachtungen haben die Sachlage ein wenig eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Man hat zuerst einmal festgestellt, dass es sich wirklich um Staub handelt. Neue Beobachtungen haben gezeigt, dass der blaue Anteil des Lichts st\u00e4rker abgeschw\u00e4cht wird als der rote Anteil. Das ist genau das, was Staub mit Sternenlicht macht. W\u00e4re es ein massives Objekt, also zum Beispiel irgendeine Alien-Struktur, w\u00fcrde man erwarten, dass alle Teile des Lichts gleichm\u00e4\u00dfig abgeschw\u00e4cht werden. Man hat au\u00dferdem beobachtet, dass der Stern als ganzes dunkler wird. Nicht schnell, das ist ein Vorgang, der sich im Laufe von Jahrhunderten abspielt. Und dann hat man auch noch <i>andere<\/i> Sterne gefunden, die ein \u00e4hnliches Verhalten wie Tabbys Stern zeigen. Das alles sind deutliche Hinweise darauf, dass es sich um einen nat\u00fcrlichen Vorgang handelt, der vielleicht selten ist, aber nichts mit Aliens zu tun hat.<\/p>\n<p>2019 haben Forscherinnen und Forscher eine M\u00f6glichkeit gefunden, wie sich all das erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Das ganze l\u00e4uft so: Der Stern wird von einem Planeten umkreist. Und der Planet von einem Mond. Vielleicht ist da noch ein weiterer Planet in gr\u00f6\u00dferer Entfernung, den braucht es aber nicht zwingend, denn da ist ja auch noch der vorhin erw\u00e4hnte kleine Begleitstern. Wichtig ist nur, dass da zwei Himmelsk\u00f6rper sind, die \u00fcber ihre Gravitationskraft miteinander wechselwirken k\u00f6nnen. Unter bestimmten Bedingungen kann das dazu f\u00fchren, dass der Planet mit seinem Mond auf eine Bahn ger\u00e4t, die ihn immer n\u00e4her an den Stern heranf\u00fchrt. Dann kann der Planet vom Stern verschluckt werden; der Mond, der dadurch pl\u00f6tzlich aus dem gravitativen Griff seines Planeten entlassen wird, aber \u00fcbrig bleiben. Er befindet sich nun in einer engen Umlaufbahn um den Stern und wird aufgeheizt. Nicht nur das: Er wird regelrecht Schicht f\u00fcr Schicht verdampft. Das f\u00fchrt einerseits dazu, dass sich im Laufe der Zeit eine immer dickere Schicht an Staub um den Stern bildet. Der Stern w\u00fcrde dadurch, wie beobachtet, langsam immer dunkler. Der Mond beziehungsweise seine Reste, sind aber immer noch da und umkreisen den Stern. Er zieht jetzt eine gewaltige Staubspur hinter sich her, immer wieder kommt es durch die Aufheizung zu neuen Staubausbr\u00fcchen. Der Staub kann im Laufe der Zeit auch verklumpen und gr\u00f6\u00dfere Brocken bilden. Aus unserer Sicht sehen wir mal den ganzen Mond vor dem Stern vor\u00fcberziehen, inmitten seiner enormen Staubwolke. Mal aber auch nur die Ausl\u00e4ufer des Staubschweifs; mal dickere Klumpen im Staub und mal nicht. Wenn die Bahn des Mondes dann aus unserer Sicht auch noch ein wenig geneigt ist, f\u00fchrt das dazu, das wir nicht alle Verdunkelungsereignisse beobachten k\u00f6nnen. Wir w\u00fcrden ein unregelm\u00e4\u00dfiges Muster sehen, genau so wie wir es ja auch tun.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33550\" aria-describedby=\"caption-attachment-33550\" style=\"width: 912px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kicexomond.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kicexomond.jpg\" alt=\"\" width=\"912\" height=\"767\" class=\"size-full wp-image-33550\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33550\" class=\"wp-caption-text\">Verdampfender Exomond (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1906.08788\">Bild: Martinez et al, 2019<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es braucht eine spezielle Konfiguration von Stern, Mond und Planet damit sowas passieren kann. Das wird nicht h\u00e4ufig vorkommen, aber es gibt viele Sterne da drau\u00dfen und bei ein paar von ihnen WIRD es vorkommen. Weswegen wir solche Objekte wie Tabbys Stern und ein paar andere \u00e4hnliche Sterne beobachten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Das klingt alles sehr plausibel. Auf jeden Fall plausibler als irgendwelche Alien-Baustellen. Und, wenn man sich einmal von der Vorstellung gel\u00f6st hat, dass nur Au\u00dferirdische spannend sein k\u00f6nnen, es ist auch ein wirklich faszinierender Vorgang. Wir beobachten die langsame Zerst\u00f6rung eines Himmelsk\u00f6rpers; etwas, was vermutlich \u00fcberall im Universum immer wieder Mal vorkommt. Etwas, was wir in unserem eigenen Sonnensystem &#8211; zum Gl\u00fcck &#8211; nicht beobachten k\u00f6nnen. Aber Tabbys Stern gibt uns einen Blick auf diesen Prozess. Oder auch nicht. Denn genau k\u00f6nnen wir es nat\u00fcrlich immer noch nicht wissen. Es wird noch viel mehr Beobachtungsdaten brauchen, bevor wir uns sicher sein k\u00f6nnen, was dort abgeht. Und wahrscheinlich entdecken wir unterwegs noch ein paar neue, seltsame Ph\u00e4nomene. Das Universum wird nicht aufh\u00f6ren, uns zu \u00fcberraschen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/3c212f8cb927423bbc968586cf42d764\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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