{"id":26008,"date":"2021-02-05T07:00:39","date_gmt":"2021-02-05T06:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/02\/05\/sternengeschichten-folge-428-die-geschwister-der-sonne\/"},"modified":"2025-05-14T16:54:04","modified_gmt":"2025-05-14T14:54:04","slug":"sternengeschichten-folge-428-die-geschwister-der-sonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/02\/05\/sternengeschichten-folge-428-die-geschwister-der-sonne\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 428: Die Geschwister der Sonne"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_371757_sternengeschichten_folge_428_die_geschwister_der_sonne.mp3?v=1612115055\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/C3dcTJ4mRTU\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/428-neue-episode\/embed?context=external&#038;token=MUFFXhS7Yq_-J2OYlczDUw\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 428: Die Geschwister der Sonne<\/b><\/p>\n<p>Sterne sind keine Menschen. Aber es gibt viele Gemeinsamkeiten. Ein Stern wird geboren, ein Stern stirbt. Dazwischen war er nat\u00fcrlich nicht lebendig; wir verwenden diese Begriffe nur, weil sie praktisch sind. Und erz\u00e4hlen deswegen immer gerne vom &#8222;Leben der Sterne&#8220;. Was Sterne dar\u00fcber hinaus noch haben, sind Geschwister. Selbst wenn sie keine Eltern haben. Aber bevor es noch verwirrender wird, erz\u00e4hle ich die Geschichte am besten ordentlich.<\/p>\n<p>In den vergangenen Folgen habe ich schon sehr oft \u00fcber die Entstehung von Sternen gesprochen. In einer sehr kurzen Version l\u00e4uft dieser Prozess so ab: Alles beginnt mit einer der gro\u00dfen Wolken aus Gas und Staub die sich zwischen den Sternen im Weltall befinden. Durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse kann es passieren, dass diese Wolke aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t. Zum Beispiel weil in der N\u00e4he ein Stern vorbeizieht. Oder ein Stern explodiert. Oder weil die Wolke auf ihrem Weg durch die Milchstra\u00dfe in eine Region gelangt, in der viele Sterne in der Umgebung eine st\u00e4rkere Gravitationskraft aus\u00fcben. Was auch immer die Ursache ist, die Folgen sind die gleichen: Die Wolke h\u00f6rt auf eine Wolke zu sein. Wo das Gas vorher noch gleichverteilt war, gibt es nun Klumpen. Bestimmte Regionen enthalten mehr Gas als vorher, andere weniger. Dort wo mehr Gas ist, wird mehr Gravitationskraft ausge\u00fcbt und die zieht noch mehr Gas aus der Umgebung an. Diese Klumpen werden immer dichter, ihr Inneres wird immer hei\u00dfer und irgendwann wird der Klumpen zu einem Stern. In der Realit\u00e4t ist das nat\u00fcrlich alles noch sehr viel komplizierter, mit sehr viel mehr Zwischenschritten. Aber das f\u00fcr heute wichtige ist: Aus so einer Wolke entsteht nie nur ein einziger Stern. Es bilden sich immer sehr viele Sterne auf einmal. <\/p>\n<p>Diese zum gleichen Zeitpunkt gemeinsam entstandenen Sterne kann man durchaus als &#8222;Geschwister&#8220; bezeichnen. Wissenschaftlich korrekt hei\u00dft so eine frischgeborene Sternengruppe &#8222;OB-Assoziation&#8220;, benannt nach den sehr hei\u00dfen und hellen Sternen vom Spektraltyp O und B, die dort am hellsten leuchten, wie ich in Folge 104 schon ausf\u00fchrlicher erkl\u00e4rt habe. In so einer Sternengruppe entstehen nat\u00fcrlich Sterne in allen m\u00f6glichen Gr\u00f6\u00dfen. Die gr\u00f6\u00dften mit der meisten Masse &#8211; also die O- und B-Sterne &#8211; leuchten am hellsten und leben auch am k\u00fcrzesten. Sie haben ihren Brennstoff als erste verbraucht. Dann beenden sie ihr Leben bei einer Supernova-Explosion und das hat zwei wichtige Konsequenzen. Erstens pusten diese Explosionen alles an Gas und Staub aus der Region, was von der urspr\u00fcnglichen Wolke noch \u00fcbrig war. Und zweitens sind jetzt genau die Sterne mit den gr\u00f6\u00dften Massen aus der Gruppe verschwunden. \u00dcbrig bleiben die kleineren Sterne, die jetzt nicht mehr durch die Gravitationskraft der gr\u00f6\u00dferen Sterne in einer Gruppe zusammengehalten werden. Anders gesagt: Die Gruppe l\u00f6st sich auf. <\/p>\n<figure id=\"attachment_20665\" aria-describedby=\"caption-attachment-20665\" style=\"width: 2100px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sonne_nasa1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sonne_nasa1.jpg\" alt=\"\" width=\"2100\" height=\"2034\" class=\"size-full wp-image-20665\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20665\" class=\"wp-caption-text\">Kein Einzelkind! <a href=\"https:\/\/solarsystem.nasa.gov\/galleries\/handle-on-the-sun\">Bild: NASA\/ESA<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und sie l\u00f6st sich wirklich auf: Jeder Stern hat eine leicht andere Geschwindigkeit mit der er sich durch die Milchstra\u00dfe bewegt. W\u00e4hrend die Geschwistersterne anfangs noch nahe beieinander sind, bewegen sie sich im Laufe der Zeit immer weiter voneinander weg. Irgendwann haben sie sich so sehr in der Galaxie verteilt, dass nichts mehr an die urspr\u00fcngliche Gruppe erinnert. Auch unsere Sonne ist so entstanden; auch sie war vor 4,5 Milliarden Jahren Teil einer Gruppe von hunderten Sternen und auch sie ist irgendwann ihre eigenen Wege gegangen und hat ihre Geschwister hinter sich gelassen. <\/p>\n<p>Die Suche nach der Familie unserer Sonne erscheint aussichtlos. Wie soll man unter den mehr als 100 Milliarden Sternen der Milchstra\u00dfe genau die paar hundert finden, die vor 4,5 Milliarden Jahren aus der gleichen Wolke entstanden sind wie die Sonne? Und warum sollte man sie \u00fcberhaupt finden wollen? Zur zweiten Frage kommen wir sp\u00e4ter; schauen wir uns zuerst einmal an ob die Suche \u00fcberhaupt funktionieren k\u00f6nnte. Wie erkennt man, ob ein Stern eine Schwester der Sonne ist?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich muss das Alter passen. Wenn ein Stern gemeinsam mit der Sonne entstanden ist, muss er auch so alt sein wie unsere Sonne. Aber das allein reicht zur Identifikation noch nicht aus. Denn das Alter eines Sterns l\u00e4sst sich nicht immer exakt bestimmen. Und selbst wenn es bei einem Stern innerhalb der Fehlergrenzen mit dem Alter der Sonne \u00fcbereinstimmt, dann kann das immer noch reiner Zufall sein. Deswegen muss man unbedingt auch die chemische Zusammensetzung der Sterne untersuchen. In Folge 337 der Sternengeschichten habe ich ja schon von der Metallizit\u00e4t erz\u00e4hlt. So nennt man in der Astronomie den Anteil der chemischen Elemente an der Zusammensetzung eines Sterns, die weder Wasserstoff noch Helium sind. Wasserstoff und Helium sind ja die absolut h\u00e4ufigsten Elemente im Universum und deswegen besteht auch jeder Stern fast komplett aus diesen beiden Elementen. Aber es gibt immer einen kleinen Anteil an den restlichen chemischen Elementen und die Menge dieses Rests wird als &#8222;Metallizit\u00e4t&#8220; bezeichnet. Wie viele Elemente abseits von Wasserstoff und Helium ein Stern bei seiner Geburt besitzt, h\u00e4ngt von der Wolke ab, aus der er entstanden ist. Dort haben sich diese Elemente im Laufe der Zeit angesammelt; immer wenn in der Umgebung alte Sterne ihr Leben beendet haben, haben sie diese Elemente ins All hinaus gepustet. Dort wo in der N\u00e4he einer Wolke mehr Sterne ihr Leben beendet haben, gibt es mehr dieser Elemente, dort wo weniger Sterne waren, weniger. <\/p>\n<p>Die chemische Zusammensetzung einer solchen Wolke ist also quasi ein wenig wie ein Fingerabdruck. Und alle Sterne die aus einer Wolke entstehen, teilen diesen Fingerabdruck. Wir m\u00fcssen also einen Stern finden, der genau so alt wie unsere Sonne ist UND die gleiche chemische Zusammensetzung wie sie hat. Beide Parameter kann man im Prinzip messen. Aber es gibt halt sehr, sehr, sehr, sehr viele Sterne in der Milchstra\u00dfe. Da einen zu finden, wo alles genau passt, ist schwierig.<\/p>\n<p>Aber, um die zweite Frage von vorhin zu beantworten, es w\u00e4re durchaus interessant, ein paar Geschwister der Sonne zu finden. Zum Einen, weil man dadurch viel \u00fcber die Entstehung der Sonne und des Sonnensystems lernen kann. Denn wenn wir uns die Sterne in unserer Umgebung anschauen, dann sind die alle ganz anders als die Sonne. Dort, wo wir uns gerade in der Milchstra\u00dfe befinden, erinnert nichts an die Wolke, aus der wir einmal entstanden sind. Die Sonne hat sich offensichtlich weit von ihrem Geburtsort und ihren Geschwistern entfernt. W\u00fcssten wir, wo die alle heute sind, dann k\u00f6nnten wir auch den Weg der Sonne nachvollziehen und besser verstehen, was die Sonne so isoliert hat. Noch spannender ist der zweite Grund, aus dem es sich lohnt, nach der alten Familie zu suchen. Denn als die Sonne vor 4,5 Milliarden Jahren entstand, hat es nicht lange gedauert, bis sich auch ihre Planeten gebildet haben. Es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass das bei den anderen Sternen der Gruppe nicht ebenso war. Und &#8211; das ist der wichtige Punkt &#8211; diese Sterne mitsamt ihren Planeten waren damals viel n\u00e4her beieinander. Die Gruppe hat sich ja noch nicht aufgel\u00f6st. Wenn wir jetzt noch ber\u00fccksichtigen, dass in einem jungen Planetensystem jede Menge los ist; sehr viel mehr Himmelsk\u00f6rper ihre Runde ziehen als eigentlich Platz haben; noch sehr viel mehr Asteroiden und Kometen unterwegs sind und es zu sehr viel mehr Kollisionen kommt: Dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass Material von einem Planetensystem zu einem anderen gelangt. <\/p>\n<figure id=\"attachment_6901\" aria-describedby=\"caption-attachment-6901\" style=\"width: 988px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Center_Milky_Way.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Center_Milky_Way.jpg\" alt=\"\" width=\"988\" height=\"962\" class=\"size-full wp-image-6901\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6901\" class=\"wp-caption-text\">Wo sind die Geschwister der Sonne? (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/images\/potw1047a\/\">Bild: ESO\/R. Schoedel<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Asteroid k\u00f6nnte auf einem Planeten einschlagen, k\u00f6nnte Teile aus der Kruste des Planeten ins All hinaus schleudern von wo sie dann durch den interstellaren Raum den &#8211; damals noch kurzen Weg &#8211; zu einem Nachbarstern zur\u00fcck legen um dort auf einem anderen Planeten zu landen. Wir wissen, das man auf Asteroiden und Kometen jede Menge komplexe Molek\u00fcle finden kann, die &#8222;Bausteine des Lebens&#8220;, wie es immer so sch\u00f6n hei\u00dft. Die k\u00f6nnten damals auf diesem Weg von einem anderen Planetensystem auf die Erde gelangt sein und so die Grundlage f\u00fcr die Entstehung des Lebens gelegt haben. Es k\u00f6nnte nat\u00fcrlich auch umgekehrt gelaufen sein: Die Erde k\u00f6nnte die Bausteine des Lebens auf andere Planetensysteme exportiert haben. Ob das wirklich passiert ist, wissen wir nicht. Aber wenn wir es wissen wollen, m\u00fcssen wir die Geschwister der Sonne finden. Und sollten wir da einen Stern finden, der Planeten hat, dann w\u00e4ren das keine schlechten Kandidaten um dort nach Leben zu suchen.<\/p>\n<p>So spannend das alles ist &#8211; wir m\u00fcssen zuerst einmal die Geschwister der Sonne finden. Was &#8211; wie schon mehrmals gesagt &#8211; wirklich schwer ist, weil es so enorm viele Sterne gibt. Ein guter Kandidat w\u00e4re der Stern mit der Bezeichnung HD 162826. Man findet ihn in circa 110 Lichtjahren Entfernung in Richtung des Sternbilds Herkules. Er ist so alt wie die Sonne, hat die gleiche chemische Zusammensetzung wie unsere Sonne und ist au\u00dferdem noch so gro\u00df und schwer wie unsere Sonne. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich; die Geschwister m\u00fcssen ja nicht zwangsl\u00e4ufig auch Zwillinge sein. In dem Fall ist der 2014 identifizierte Stern aber ein guter Kandidat f\u00fcr einen Sonnenzwilling, was noch einmal extra interessant ist. Im Jahr 2018 ist ein weiterer Stern identifiziert worden, 184 Lichtjahre entfernt im Sternbild Pfau. Es gibt noch ein paar weitere potenzielle Kandidaten. Und es werden noch mehr werden; dank der vielen Weltraumteleskope kriegen wir immer mehr Daten von immer mehr Sternen. Zweifelsfrei identifizieren werden wir die Geschwister der Sonne vermutlich nie. Aber je besser unsere Statistik wird, desto klarer werden wir die Familie irgendwann erkennen k\u00f6nnen. Auch wenn es eine Familienzusammenf\u00fchrung nat\u00fcrlich nicht geben wird. \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/1e37123533164439a64cc1447584b93a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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