{"id":25999,"date":"2021-01-30T15:00:07","date_gmt":"2021-01-30T14:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/01\/30\/umgehen-mit-dem-tod-parallelerden-und-das-historische-multiversum-die-buchempfehlungen-vom-januar-2021\/"},"modified":"2025-05-14T16:54:02","modified_gmt":"2025-05-14T14:54:02","slug":"umgehen-mit-dem-tod-parallelerden-und-das-historische-multiversum-die-buchempfehlungen-vom-januar-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/01\/30\/umgehen-mit-dem-tod-parallelerden-und-das-historische-multiversum-die-buchempfehlungen-vom-januar-2021\/","title":{"rendered":"Umgehen mit dem Tod, Parallelerden und das historische Multiversum: Die Buchempfehlungen vom Januar 2021"},"content":{"rendered":"<p>Der erste Monat des neuen Jahres ging schneller vorbei als man es denken m\u00f6chte (so wie alle Monate in letzter Zeit). Und bevor er ganz vorbei ist, muss ich noch &#8211; wie immer &#8211; dar\u00fcber berichten was ich in den vergangenen Wochen gelesen habe. Das waren erfreulicherweise nur B\u00fccher, die ich euch problemlos empfehlen kann.<\/p>\n<p><b>R\u00fcckkehr aus dem Marianengraben<\/b><\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3alUima\">&#8222;Marianengraben&#8220;<\/a> von <i>Jasmin Schreiber<\/i> geht es nur am Rande um die tiefste Stelle der Erde aus dem Titel des Buchs. Eigentlich geht es um den Tod. Das ist ein doofes Thema; mit dem will man sich nicht besch\u00e4ftigen. Das will man verdr\u00e4ngen und mir geht es da nicht anders. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marianengraben.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marianengraben.jpg\" alt=\"\" width=\"675\" height=\"1067\" class=\"aligncenter size-full wp-image-33453\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich wei\u00df zwar, dass ich irgendwann sterben muss und alle die ich kenne und gern habe ebenso. Aber ich will dar\u00fcber nicht mehr als n\u00f6tig nachdenken m\u00fcssen. Das Buch von Jasmin Schreiber zwingt einen aber genau dazu und das ist gut. Denn fr\u00fcher oder sp\u00e4ter <i>m\u00fcssen<\/i> wir uns mit dem Tod auseinandersetzen. Und vor allem auch mit der Trauer. Denn darum geht es in &#8222;Marianengraben&#8220; eigentlich. Die Biologie-Studentin Paula verliert ihren kleinen Bruder bei einem Unfall. Und kommt damit nicht klar. Sie verliert sich in einer Depression, die so tief ist wie die tiefste Stelle des Meeres. Sie findet keinen Weg, mit der Trauer um den Verlust umzugehen. Das \u00e4ndert sich erst, als sie bei einem n\u00e4chtlichen Besuch auf dem Friedhof auf Helmut trifft. Der alte Mann hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Tod gemacht und seinen eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. Wozu auch das heimliche Ausgraben der Asche seiner Lebensgef\u00e4hrtin geh\u00f6rt. Die sich daran anschlie\u00dfende Reise f\u00fchrt bis S\u00fcdtirol, ist voller sehr ber\u00fchrender Szenen und voll mit Verzweiflung angesichts des Todes. Aber auch durchsetzt mit absolut skurrilen Episoden und genau diese Erlebnisse von Paula und Helmut sind es, die das Buch so beeindruckend machen. Immer wenn man kurz davor ist, sich selbst in unsch\u00f6nen Gedanken \u00fcber den Tod zu verlieren, rei\u00dfen einen die absurden Abenteuer von Paula und Helmut wieder raus. <\/p>\n<p>Und wenn man das Buch zu Ende gelesen hat, dann hat man &#8211; gemeinsam mit Paula &#8211; doch wieder ein wenig Hoffnung angesichts der Sterblichkeit dieser Welt entwickelt. &#8222;Marianengraben&#8220; ist ein sehr sch\u00f6nes Buch \u00fcber ein Thema, das uns alle fr\u00fcher oder sp\u00e4ter treffen wird. Lest es. (\u00dcbrigens: Die Autorin betreibt auch gemeinsam mit Lorenz Adlung den sehr h\u00f6renswerten Podcast <a href=\"bugtales.fm\/\">&#8222;Bugtales: Die Abenteuer der Campbell-Ritter, oder: Geschichten aus Natur und Wissenschaft!&#8220;<\/a>)<\/p>\n<p><b>Die Welt hinter der Realit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p><i>Adrian Tchaikovsky<\/i> geh\u00f6rt zu den originellsten Autoren in der aktuellen Science-Fiction-Literatur. \u00dcber einige seiner B\u00fccher habe ich ja <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2020\/09\/29\/ein-schlechtes-buch-ueber-planet-neun-und-tintenfische-im-weltall-die-buchempfehlungen-vom-september-2020\/\">schon<\/a> <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2018\/09\/29\/science-fiction-spinnenwelten-fantasy-verschwoerungen-und-ganz-reale-rechtsextreme-die-buchempfehlungen-vom-september-2018\/\">fr\u00fcher<\/a> berichtet. Im Januar habe ich <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3pzDQW3\">&#8222;The Doors of Eden&#8220;<\/a> (erscheint auf deutsch unter <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3oBcmxM\">&#8222;Portal der Welten&#8220;<\/a>) gelesen. Auch hier geht es um ein klassisches Genre-Thema, das Tchaikovsky sehr kreativ umdeutet: Parallelwelten. Die beiden jungen Frauen Lee und Mal sind Fans &#8222;geheimnisvoller Ph\u00e4nomene&#8220;. Sind sind auf der Suche nach Nessie, Bigfoot und \u00e4hnlichen &#8222;Monstern&#8220;. Bei einem ihrer Ausfl\u00fcge passieren dann aber sehr reale und sehr verwirrende Dinge und Mal ist pl\u00f6tzlich verschwunden. Dann ist da noch die Mathematikerin Kay Amal Khan, die irgendwelche sehr mysteri\u00f6sen Forschungen anstellt und vom britischen Geheimdienst \u00fcberwacht wird. Und w\u00e4hrend man sich fragt, wo das alles hin f\u00fchren soll, bekommt man im Buch zwischen den Kapitel scheinbar zusammenhanglose Vorlesungskripten pr\u00e4sentiert, in dem eine nicht n\u00e4her vorgestellte Wissenschaftlerin beschreibt, wie sich intelligente Lebewesen auf alternativen Versionen der Erde entwickelt haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/doors.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/doors.jpg\" alt=\"\" width=\"1661\" height=\"2560\" class=\"aligncenter size-full wp-image-33452\" \/><\/a><\/p>\n<p>Spoiler m\u00f6chte ich &#8211; wie \u00fcblich &#8211; weitestgehend vermeiden. Aber ich sage nicht zu viel, wenn ich andeute, dass sich diese hypothetischen Evolutionslinien im Laufe des Buches als alles andere als hypothetisch herausstellen. Und dass die Welt, wie wir sie kennen, ein paar &#8222;L\u00f6cher&#8220; hat, durch die man <i>anderswo<\/i> hin gelangen kann. Durch die aber auch <i>alles<\/i> zu uns kommen kann. Die zusammengew\u00fcrfelten Protagonisten m\u00fcssen sich im Laufe der Geschichte darauf einstellen, nicht nur eine Welt zu retten sondern gleich unz\u00e4hlige davon. Und an dieser Rettungsmission sind nicht nur Menschen beteiligt (und ebensowenig nur menschen\u00e4hnliche Lebewesen&#8230;).<\/p>\n<p>&#8222;The Doors of Eden&#8220; ist klassische Science-Fiction mit einem originellen Twist, die einem weit \u00fcber das Ende des Buches zum Nachdenken anregt. Was auch n\u00f6tig ist, denn man kann es kaum aus der Hand legen und ist schneller an diesem Ende angelangt als man es sich w\u00fcnschen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><b>Was w\u00e4re wenn&#8230;<\/b><\/p>\n<p><i>Matt Haig<\/i> schreibt B\u00fccher, die man als &#8222;Ratgeber-Fantasy&#8220; beschreiben k\u00f6nnte. Es dreht sich immer irgendwie um Ratschl\u00e4ge, wie man mit dem Leben an sich und Problemen in diesem Leben klar kommen kann. Aber im Gegensatz zu den Unmengen an meist eher schlechten echten Ratgebern, bettet Haig seine Sicht auf die Dinge in sehr ber\u00fchrende und spannende Geschichten ein. Das hat er schon in &#8222;Ich und die Menschen&#8220; (<a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2015\/12\/29\/england-vs-deutschland-das-ende-der-scheibenwelt-und-unverstaendliche-science-fiction-die-buchempfehlungen-fuer-dezember-2015\/?all=1\">hier besprochen<\/a>) und in &#8222;How to stop time&#8220; (<a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/10\/31\/fantasy-politthriller-mit-goettern-und-boehmische-raumfahrt-die-buchempfehlungen-fuer-oktober-2017\/\">hier besprochen<\/a>) getan. Und das tut er in <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3rixjj5\">&#8222;The Midnigt Library&#8220;<\/a> (auf deutsch: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3adcWwC\">&#8222;Die Mitternachtsbibliothek&#8220;<\/a>) ebenso. Es geht um Nora, die ein unaufregendes bis deprimierendes Leben f\u00fchrt. Niemand interessiert sich f\u00fcr sie; sie hat keine Freunde, einen Job den sie nicht mag und dann stirbt auch noch ihre Katze. Die wachsende Unzufriedenheit mit ihrem Leben wird zu Verzweiflung und schlie\u00dflich zu absoluter Hoffnungslosigkeit. Nora nimmt sich das Leben. Und landet \u00fcberraschenderweise in einer Bibliothek in der es immer genau Mitternacht ist. Die B\u00fccher dort beschreiben alternative Leben, die Nora f\u00fchren h\u00e4tte k\u00f6nnen, wenn sie bestimmte Entscheidungen anders getroffen h\u00e4tte. Es ist quasi die Verk\u00f6rperung der Viele-Welten-Theorie der Quantenmechanik, nur das Nora in der Lage ist, all diese anderen Leben &#8222;auszuprobieren&#8220;. So lange, bis sie eines findet, dass sie behalten m\u00f6chte. Oder ihre Verzweiflung und der endg\u00fcltige Tod doch die Oberhand gewinnt. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/haig.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/haig.jpg\" alt=\"\" width=\"1694\" height=\"2560\" class=\"aligncenter size-full wp-image-33451\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit einem Setting wie in diesem Buch kann man nat\u00fcrlich viel Quatsch machen. Es h\u00e4tte ein wenig ambitioniertes Buch werden k\u00f6nnen; es h\u00e4tte ein schlechtes Buch werden k\u00f6nnen; es h\u00e4tte ein triviales Buch oder ein schnulziges Buch werden k\u00f6nnen. Aber Haig hat ja schon in seinen vorherigen Werken gezeigt, dass er solche Gefahren gut umgehen kann. Nat\u00fcrlich ist es am\u00fcsant zu sehen, wie Nora alle m\u00f6glichen Leben testet; wie sie herausfindet, welche gro\u00dfen Folgen kleinste Entscheidungen haben k\u00f6nnen. Aber es ist keine Nummernrevue und am Ende der Lekt\u00fcre stellt sich ein \u00e4hnliches Gef\u00fchl ein wie bei &#8222;Marianengraben&#8220;: Man ist ein wenig mehr mit dem Leben vers\u00f6hnt als vorher &#8211; und mit dem Tod ebenso. <\/p>\n<p><b>Das Multiversum der Vergangenheit<\/b><\/p>\n<p>Zum Schluss gibt es dann auch noch ein Sachbuch: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/36qtJLM\">&#8222;The Number of the Heavens: A History of the Multiverse and the Quest to Understand the Cosmos&#8220;<\/a> von <i>Tom Siegfried<\/i> n\u00e4hert sich dem Thema &#8222;Multiversum&#8220; aus wissenschaftlicher und vor allem historischer Sicht. Ich hab das Buch begonnen und mir eigentlich einen \u00dcberblick \u00fcber Quantenmechanik, Kosmologie und Relativit\u00e4tstheorie erwartet; eine Abhandlung \u00fcber String-Theorie, Inflation und die Viele-Welten-Hypothese. Also all das, was man in vielen anderen popul\u00e4rwissenschaftlichen B\u00fcchern mehr oder weniger schon genau so gelesen hat. Zum Gl\u00fcck hat Siegfried ein v\u00f6llig anderes Buch geschrieben. Die moderne Wissenschaft kommt zwar auch vor; der Fokus liegt aber auf der sehr viel weiter entfernten Vergangenheit. Siegfried beginnt in der Antike und arbeitet sich \u00fcber Mittelalter und Neuzeit langsam durch die Vorstellungen, die wir Menschen vom Universum hatten und haben. Von den allerersten mythologischen Ideen \u00fcber die Weltsysteme der griechischen Philosophen bis hin zu den religi\u00f6sen Gelehrten des Mittelalters liefert er ein sehr detailliertes Bild unseres kosmischen Verst\u00e4ndnis. Denn auch wenn das Multiversum wie wir es heute verstehen nat\u00fcrlich ein Resultat der modernen Wissenschaft ist, haben sich die Menschen immer schon Gedanken dar\u00fcber gemacht, ob es neben unserer Welt noch andere Welten gibt. Im Vorbeigehen kl\u00e4rt Siegfried noch ein paar Mythen auf, zum Beispiel den, dass die Leute im Mittelalter alle nur gebetet haben und keine Forschung stattgefunden hat. Oder dass die Kirche immer und strikt die Existenz von Welten und Lebewesen au\u00dferhalb der Erde geleugnet hat. Vor allem zeigt Siegfried aber, wie sehr die Gedanken der Vergangenheit dem \u00e4hnlich sind, was wir heute \u00fcber die Natur des Multiversums\/Universums denken &#8211; oder zu denken glauben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/heavens.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/heavens.jpg\" alt=\"\" width=\"794\" height=\"1200\" class=\"aligncenter size-full wp-image-33450\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Buch ist ein wunderbarer historischer \u00dcberlick mit jeder Menge Details die einen auch dann noch \u00fcberraschen, wenn man denkt, man h\u00e4tte zu dem Thema eigentlich eh schon alles gelesen. Was zum Beispiel ich mir gedacht habe, weil ich in meinem Buch <a href=\"https:\/\/amzn.to\/36roL1c\">&#8222;Eine Neuentdeckung des Himmels&#8220;<\/a> einen sehr \u00e4hnlichen (aber nat\u00fcrlich k\u00fcrzeren) \u00dcberblick \u00fcber genau diese Thematik gegeben habe. Aber mit dem was ich dank Siegfried gelernt habe, h\u00e4tte ich mindestens noch ein paar Kapitel dar\u00fcber schreiben k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p><b>Das wars<\/b><\/p>\n<p>Das wars f\u00fcr den Januar. Ich bin froh, dass ich diesmal kein schlechtes Buch erwischt habe und w\u00fcnsche mir auch f\u00fcr den Februar so viel Gl\u00fcck. Wenn ihr dem mit euren Empfehlungen helfen wollt, dann immer raus damit! \t<\/p>\n<p><i><span style=\"font-size: xx-small;\">Die Links zu den B\u00fccher sind Amazon-Affiliate-Links. Beim Anklicken werden keine pers\u00f6nlichen Daten \u00fcbertragen.<\/span><\/i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/1ac9fdfe9e15441fbe837f54f4ac74bb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Monat des neuen Jahres ging schneller vorbei als man es denken m\u00f6chte (so wie alle Monate in letzter Zeit). Und bevor er ganz vorbei ist, muss ich noch &#8211; wie immer &#8211; dar\u00fcber berichten was ich in den vergangenen Wochen gelesen habe. Das waren erfreulicherweise nur B\u00fccher, die ich euch problemlos empfehlen kann. 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