{"id":25971,"date":"2021-01-29T07:00:52","date_gmt":"2021-01-29T06:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/01\/29\/sternengeschichten-folge-427-der-einschlag-des-asteroiden-2008-tc3\/"},"modified":"2025-05-14T16:53:50","modified_gmt":"2025-05-14T14:53:50","slug":"sternengeschichten-folge-427-der-einschlag-des-asteroiden-2008-tc3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/01\/29\/sternengeschichten-folge-427-der-einschlag-des-asteroiden-2008-tc3\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 427: Der Einschlag des Asteroiden 2008 TC3"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_357993_sternengeschichten_folge_427_der_einschlag_des_asteroiden_2008_tc3.mp3?v=1611655267\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/7wcprRA-mak\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/player.podigee-cdn.net\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/427-sternengeschichten-folge-427-der-einschlag-des-asteroiden-2008-tc3\/embed?context=external&#038;token=cyYOW26pYNU4okpi-AzJmg\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 427: Der Einschlag des Asteroiden 2008 TC3<\/b><\/p>\n<p>In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 2008 war der amerikanische Astronom Richard Kowalski am Mount-Lemmon-Observatorium in Arizon damit besch\u00e4ftigt den Himmel zu beobachten. Vom Gipfel des 2790 Meter hohen Berges hatte er eine gute Sicht und die war n\u00f6tig um die Anforderungen des Catalina Sky Survey zu erf\u00fcllen. Im Jahr 1998 hat er amerikanische Kongress die NASA beauftragt, mindestens 90 Prozent aller Asteroiden in Erdn\u00e4he ausfindig zu machen die gr\u00f6\u00dfer als einen Kilometer im Durchmesser sind. Diese Aufgabe wurde unter anderem am Mount-Lemmon-Observatorium durchgef\u00fchrt und Kowalski war wieder einmal dabei potenztiell gef\u00e4hrliche Asteroiden zu suchen. <\/p>\n<p>Kurz vor Mitternacht Ortszeit war er erfolgreich. Er entdeckte einen Asteroid und eine erste Bahnberechnung zeigte, dass er mit der Erde kollidieren k\u00f6nnte. Das au\u00dfergew\u00f6hnliche an der Sache: Als Kowalski den Asteroid sah, befand er sich gerade noch au\u00dferhalb der Umlaufbahn des Mondes. Sollte er wirklich auf die Erde treffen, dann w\u00fcrde er das in naher Zukunft tun. Wie nah, das zeigten die hunderten Beobachtungen die \u00fcberall auf der Welt kurz nach der ersten Sichtung gemacht wurden: Nicht einmal 24 Stunden w\u00fcrde es dauern; nach europ\u00e4ischer Zeit am fr\u00fchen Morgen des 7. Oktobers w\u00e4re es soweit. Im n\u00f6rdlichen Sudan w\u00fcrde der Asteroid einschlagen, in der nubischen W\u00fcste.<\/p>\n<p>Und genau so ist es auch passiert. Der Absturz fand am 7. Oktober 2008 statt um 4 Uhr und 46 Minuten mitteleurop\u00e4ischer Sommerzeit. Der Asteroid schlug exakt wie vorherberechnet auf der Erde ein. Und dass in der kurzen Zeit zwischen Entdeckung und Einschlag keine weltweite Massenpanik stattfand; dass der Einschlag keine weltweite Katastrophe verursacht hat, liegt daran, dass es hier um die Realit\u00e4t geht und nicht um einen Hollywoodfilm. Wie ich in den Sternengeschichten ja schon oft erz\u00e4hlt habe, muss ein Asteroid gro\u00df genug sein, um erstens einen Krater auf der Erde zu verursachen und zweitens noch viel gr\u00f6\u00dfer sein, wenn er eine weltweite Katastrophe ausl\u00f6sen soll. Die allermeisten Asteroiden aber sind klein. Gro\u00dfe Brocken wie die, auf deren Suche sich das Catalina Sky Survey gemacht hat, sind selten. Und weil sie so gro\u00df sind, stehen die Chancen sehr gut, dass man sie sehr lange vor einem etwaigen Einschlag findet. Kleine Objekte sind viel h\u00e4ufiger und viel schwerer zu sehen. Sie verursachen aber auch keine so gro\u00dfen Sch\u00e4den; meistens erreichen sie nicht einmal den Erdboden. Damit ein Asteroid einen Einschlagskrater verursachen kann, muss er circa 50 Meter gro\u00df sein &#8211; je nach Material auch ein bisschen mehr oder weniger. Und damit der Einschlag weltweite Folgen hat, muss das Ding mindestens einen Kilometer gro\u00df sein. Der Asteroid den Kowalski entdeckt hat, war aber gerade einmal 4 Meter gro\u00df.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33398\" aria-describedby=\"caption-attachment-33398\" style=\"width: 537px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/2008TC3-groundpath-rev.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/2008TC3-groundpath-rev.png\" alt=\"\" width=\"537\" height=\"579\" class=\"size-full wp-image-33398\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33398\" class=\"wp-caption-text\">Da geht es runter! <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:2008TC3-groundpath-rev.png\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seine Entdeckung war alles andere als ein Grund zur Panik. Sondern eine enorm gro\u00dfe Chance f\u00fcr die Wissenschaft. Denn bis dahin war es noch nie gelungen den Einschlag eines Asteroiden vorherzusagen UND diesen Einschlag dann auch zu beobachten. Wir sehen immer wieder \u00e4hnlich gro\u00dfe (oder kleine, je nachdem) Objekte bei ihrem Flug durch die Atmosph\u00e4re aufleuchten und vergl\u00fchen. Aber wir wissen nicht, wo sie herkommen; unser erster Blick auf sie ist auch unser letzter. Hier war es anders. Der Asteroid, der die Bezeichnung &#8222;2008 TC3&#8220; bekommen hat, war ausreichend lange vor dem Einschlag gefunden worden, um seine Bahn zu bestimmen. Wir wussten also, wo im Sonnensystem er sich herum getrieben hat, bevor er der Erde einen endg\u00fcltigen Besuch abgestattet hat.<\/p>\n<p>Die Geschichte ist damit aber noch lange nicht vorbei, sie f\u00e4ngt eigentlich erst an. Die Beobachtungen w\u00e4hrend der Kollision haben gezeigt, dass 2008 TC3 in einer H\u00f6he von 37 Kilometern auseinandergebrochen und durch die Reibung mit der Atmosph\u00e4re explodiert ist. Das konnte man mit Satelliten beobachten; mit Webcams von der Erde aus und sogar von einem gerade in der Gegend herumfliegenden Passagierflugzeug. Am Boden gab es Augen- und Ohrenzeugen die den Feuerball der Explosion sahen und sie auch geh\u00f6rt haben. Das waren schon mal jede Menge sehr interessante Daten. Im Dezember 2008 hat sich der Astronom Peter Jenniskens gemeinsam mit Muawia Shaddad von der Universit\u00e4t Khartoum auf die Suche nach \u00dcberresten der Asteroiden gemacht. Und tats\u00e4chlich fanden sie 15 Bruchst\u00fccke, in der N\u00e4he einer Zughaltestelle mit der Bezeichnung &#8222;Station 6&#8220;. Was auf arabisch &#8222;Almahata Sitta&#8220; hei\u00dft und zum Namen f\u00fcr den Meteorit wurde. <\/p>\n<figure id=\"attachment_26956\" aria-describedby=\"caption-attachment-26956\" style=\"width: 2112px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Search_team_pointing_at_a_fragment_of_2008_TC3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Search_team_pointing_at_a_fragment_of_2008_TC3.jpg\" alt=\"\" width=\"2112\" height=\"2482\" class=\"size-full wp-image-26956\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26956\" class=\"wp-caption-text\">Wissenschaftler von der Universit\u00e4t Khartoum und der NASA finden ein Bruchst\u00fcck von 2008 TC3 (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Search_team_pointing_at_a_fragment_of_2008_TC3.jpg\">Bild: NASA, public domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich habe es zwar in einem anderen Podcast schon mal erkl\u00e4rt, aber um Verwirrung vorzubeugen: Solange ein Objekt durchs All fliegt, hei\u00dft es &#8222;Asteroid&#8220; und in diesem Fall war es der Asteroid mit der Bezeichung 2008 TC3 (diese Bezeichnungen werden aus dem Zeitpunkt der Entdeckung gebildet). Landen Teile eines Asteroiden auf der Erde, werden die &#8222;Meteorite&#8220; genannt und \u00fcblicherweise nach der n\u00e4chstgelegenen vern\u00fcnftigen geografischen Bezeichnung benannt; in diesem Fall eben &#8222;Almahata Sitta&#8220;. Sp\u00e4ter fand man noch einige hunderte weitere Bruchst\u00fccke &#8211; insgesamt hat man knapp 10 Kilogramm des Almahata-Sitta-Meteorits finden und bergen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und das hat der Wissenschaft v\u00f6llig neue Untersuchungen erm\u00f6glicht. Meteoriten an sich gibt es ja genug; die Sammlungen der Museen und die Labore der Wissenschaft sind zwar nicht \u00fcberf\u00fcllt, aber es reicht um gute Forschung anzustellen zu k\u00f6nnen. Bei so gut wie allen Meteoriten haben wir aber keine gute Ahnung woher sie stammen. Wir k\u00f6nnen zwar aus geologischen Untersuchungen in Einzelf\u00e4llen gute Vermutungen aufstellen und manche Meteoriten bestimmten Himmelsk\u00f6rpern zuordnen; wissen als etwa ob ein Meteorit vom Mond oder vom Mars stammt. Aber die \u00fcberwiegende Mehrheit der Meteoriten die wir entdeckt haben, lag einfach so auf der Erde rum ohne zu verraten, wo sie hergekommen sind.<\/p>\n<p>Der Fall von 2008 TC3 war ein weiteres Mal einzigartig. Wir haben zuerst den Asteroid im All entdeckt, seine Bahn berechnet und einen Einschlag auf der Erde vorhergesagt. Dieser Einschlag ist genau so eingetreten und konnte beobachtet werden. Und dann haben wir auch Meteoriten gefunden, konnten also das Ding das zuerst nur als Lichtpunkt im All und sp\u00e4ter als Explosion am Himmel zu sehen war, nun auch konkret anfassen und im Labor untersuchen. <\/p>\n<p>Was man dann auch getan hat. Und dabei festgestellt hat, dass es sich um ein ziemlich spezielles Exemplar handelt. Die erste Probe geh\u00f6rte zur seltenen Gruppe der Ureilite. Das sind Steinmeteorite mit einem hohen Anteil von Kohlenstoff der unter anderem in Form winziger Diamanten zu finden ist. Als man dann aber sp\u00e4ter die restlichen Proben untersucht hat, hat sich gezeigt dass circa ein Viertel des Meteoriten zu einer anderen Klasse von Steinmeteoriten geh\u00f6rt. Das bedeutet, dass 2008 TC3 aus geologisch verschiedenen St\u00fccken zusammengesetzt sein muss und das wiederum hei\u00dft, dass er selbst eine sehr interessante Vergangenheit haben muss.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20773\" aria-describedby=\"caption-attachment-20773\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Artists_concept_of_collision_at_HD_172555.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Artists_concept_of_collision_at_HD_172555.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"1024\" class=\"size-full wp-image-20773\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20773\" class=\"wp-caption-text\">So ging&#8217;s fr\u00fcher zu! <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/multimedia\/imagegallery\/image_feature_1454.html\">Bild: NASA\/JPL<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>2008 TC3 war kein Felsbrocken der in der Form schon seit 4,5 Milliarden Jahren durchs Sonnensystem fliegt. Damals, vor der Entstehung der Planeten haben sich aus Staub und Eis ja zuerst einmal die Asteroiden und Kometen gebildet. Und erst daraus dann Planeten wie die Erde. Nur das \u00fcbrig gebliebene Baumaterial nennen wir heute noch &#8222;Asteroid&#8220;. Aber 2008 TC3 muss selbst einmal Teil eines gr\u00f6\u00dferen Objekts gewesen sein. Ich habe in Folge 111 der Sternengeschichten schon von &#8222;Asteroidenfamilien&#8220; erz\u00e4hlt, also Gruppen von Asteroiden die alle eine \u00e4hnliche Zusammensetzung haben und durch Zusammenst\u00f6\u00dfe von gr\u00f6\u00dferen Objekten entstanden sind. Aus den Bahndaten von 2008 TC3 und den geologischen Informationen der Meteoriten konnte man zeigen, dass er vermutlich aus der Nysa-Polana-Familie stammt. Die befindet sich am inneren Rand des Asteroideng\u00fcrtels zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Die Mitglieder der Familie sind circa 2,5 mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde, haben alle vergleichsweise kreisf\u00f6rmige Umlaufbahnen die nicht stark gegen\u00fcber der Erdbahn geneigt sind. Die Familie selbst setzt sich aus zwei Untergruppen zusammen &#8211; wenig \u00fcberraschend die &#8222;Nysa&#8220;- und die &#8222;Polana&#8220;-Gruppe &#8211; die chemisch unterschiedlich sind. Man vermutet nun, dass 2008 TC3 bei einer Kollision zweier Bruchst\u00fccke aus diesen beiden Untergruppen entstanden ist. Wenn die Kollision langsam genug stattfindet &#8211; was bei den Umlaufbahnen dieser Asteroiden nicht unwahrscheinlich ist &#8211; dann k\u00f6nnen die, vereinfacht gesagt, einfach zusammenpappen und einen neuen Asteroid formen. Dar\u00fcber hinaus wissen wir auch, dass die Nysa-Polana-Asteroiden sich in einer Gegend des Sonnensystems befinden, wo die gravitativen St\u00f6rungen des Jupiters daf\u00fcr sorgen, dass immer wieder Objekte aus der Familie hinaus in Richtung Erde umgeleitet werden. <\/p>\n<p>Das war aber bei weitem noch nicht alles was wir von 2008 TC3 gelernt haben. 2018 hat man sich die Diamanten in den Meteoriten noch mal genauer angesehen. An sich sind solche Mini-Diamanten nicht weiter besonders. Sie k\u00f6nnen entstehen, wenn zwei Himmelsk\u00f6rper kollidieren und f\u00fcr kurze Zeit ein enorm hoher Druck herrscht. Und 2008 TC3 hat ja definitiv eine kollisionsreiche Vergangenheit hinter sich. Die in ihm gefundenen Diamanten sind aber zu gro\u00df um w\u00e4hrend einer kurzen Kollisionsphase entstanden zu sein. Die mineralogische Untersuchung hat gezeigt, dass das Material f\u00fcr sehr lange Zeit einem Druck von mindestens 200.000 bar ausgesetzt sein musste, damit sich Diamanten wie bei den Almahata Sitta Meteoriten bilden konnte. Solche Bedingungen findet man nur im Inneren von ausreichend gro\u00dfen Himmelsk\u00f6rpern; vergleichbar zum Beispiel mit dem Merkur. Zumindest ein Teil des Gesteins aus dem sich 2008 TC3 gebildet hat, muss also irgendenwann mal im Inneren eines planetengro\u00dfen Objekts gewesen sein.<\/p>\n<p>Das zeigt auch eine Arbeit aus dem Jahr 2020 die ein ganz spezielles Mineral gefunden hat dass sich ebenfalls nur unter ausreichend gro\u00dfem Druck, bei bestimmten Temperaturen und w\u00e4hrend einer entsprechend langen Zeit unter Anwesenheit von Wasser gebildet haben kann. Bedingungen die ebenfalls nur in gro\u00dfen Himmelsk\u00f6rpern herrschen. Der Ursprung von 2008 TC3 muss also ein Objekt gewesen sein, das mit den gro\u00dfen Asteroiden wie Ceres oder Pluto bzw. kleinen Planeten wie dem Merkur zu vergleichen ist. Durch eine oder mehrere Kollisionen muss Material aus diesem gro\u00dfen Objekt herausgebrochen sein und dann mit anderen Bruchst\u00fccken den kleinen Asteroid gebildet haben, der 2008 auf die Erde gefallen ist.<\/p>\n<p>Der Ursprungsk\u00f6rper von 2008 TC3 existiert dabei allerdings nicht mehr. Er ist, so wie viele andere planetengro\u00dfe Objekte, schon vor langer Zeit verschwunden. In der chaotischen Fr\u00fchzeit des Sonnensystems haben noch sehr viel mehr gro\u00dfe Himmelsk\u00f6rper ihre Runden um die Sonne gezogen als heute. Die acht Planeten und die Handvoll gro\u00dfer Asteroiden sind nur das, was \u00fcbrig geblieben ist. Der Rest ist bei Kollisionen zerst\u00f6rt oder aus dem Sonnensystem geworfen worden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33374\" aria-describedby=\"caption-attachment-33374\" style=\"width: 578px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteorite-micrograph-amphibole-crystals.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteorite-micrograph-amphibole-crystals.jpg\" alt=\"\" width=\"578\" height=\"408\" class=\"size-full wp-image-33374\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33374\" class=\"wp-caption-text\">Falschfarbenbild von Amphibol-Kristallen aus dem Meteorit (<a href=\"https:\/\/www.swri.org\/press-release\/mineralogy-composition-asteroid-carbonaceous-chondrite-meteorite-almahata-sitta\">Bild:  NASA\/USRA\/Lunar and Planetary Institute<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>2008 TC3 hat uns also einen faszinierenden Blick auf die unwiederuflich verlorene Welt des jungen Sonnensystems gezeigt; hat uns in eine Vergangenheit schauen lassen in der es noch sehr viel wilder zuging und in der Planeten um die Sonne kreisten die es nicht mehr gibt. Und vielleicht lernen wir von ihm auch noch etwas \u00fcber unseren eigenen Ursprung. 2010 konnte man im Gestein der Almahata Sitta Meteoriten das Vorhandesein von Aminos\u00e4uren nachweisen. Diese chemischen Molek\u00fcle sind die Bausteine aus denen Proteine bestehen und die sind das, ohne das kein Lebewesen auskommt das wir kennen. Die &#8222;Bausteine des Lebens&#8220; also, wie es gerne in den Medien hei\u00dft. Das hei\u00dft nicht, dass irgendwas auf oder in 2008 TC3 gelebt hat; auch nicht auf dem Ursprungsk\u00f6rper. Aber es zeigt, dass sich die Molek\u00fcle die f\u00fcr die Entstehung des Lebens n\u00f6tig sind, auch im Weltall bilden k\u00f6nnen. Was wir vorher auch schon gewusst haben; wir haben Aminos\u00e4uren schon auf anderen Asteroiden und Kometen gefunden. Insofern war 2008 TC3 nicht besonders. Besonders war allerdings die Tatsache, dass die Aminos\u00e4uren die hohen Temperaturen beim Einschlag eigentlich nicht \u00fcberleben h\u00e4tten sollen. Entweder also, sie sind tief im Inneren des Gesteins vielleicht doch besser gesch\u00fctzt als wir dachten und k\u00f6nnen auch leichter durch Meteoriten aus dem All auf Planeten verteilt werden um so die Entstehung des Lebens zu erleichtern. Oder aber sie sind erst BEIM Einschlag selbst entstanden als die hohen Temperaturen entsprechende chemische Reaktionen m\u00f6glich gemacht haben. Was ebenfalls interessant ist, da in der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems wesentlich mehr Asteroiden auf die Erde gefallen sind als heute. St\u00e4ndiges Bombardement mit gro\u00dfen Steinen aus dem All ist nat\u00fcrlich schlecht f\u00fcr die Entstehung des Lebens. Aber vielleicht ist es auch notwendig, um die Chemikalien und Vorrausetzungen zu schaffen damit Leben entstehen kann, wenn die Einschl\u00e4ge vorbei sind.<\/p>\n<p>Objekte wie 2008 TC3 sind ein absoluter Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Wissenschaft. Das Ding war der erste Asteroid dessen Geschichte wir so gut erforschen konnten und dessen Weg aus dem All auf die Erde direkt nachvollziehbar war. Es mag seltsam klingen, wenn man sich w\u00fcnscht das mehr Asteroiden auf der Erde einschlagen. Aber wenn sie so klein sind wie dieser, dann bin ich als Astronom absolut daf\u00fcr!<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/9e267508ba6246a6b8ae0f80265703b9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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