{"id":25905,"date":"2021-01-01T07:00:17","date_gmt":"2021-01-01T06:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/01\/01\/sternengeschichten-folge-423-die-feinabstimmung-des-universums\/"},"modified":"2025-05-14T16:53:19","modified_gmt":"2025-05-14T14:53:19","slug":"sternengeschichten-folge-423-die-feinabstimmung-des-universums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2021\/01\/01\/sternengeschichten-folge-423-die-feinabstimmung-des-universums\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 423: Die Feinabstimmung des Universums"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_340351_sternengeschichten_folge_423_die_feinabstimmung_des_universums.mp3?v=1607593723\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/fjaQ-F9PtOw\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/423-sternengeschichten-folge-423-die-feinabstimmung-des-universums\/embed?context=external&#038;token=D6Tai3fcHILSj09iQX7c9w\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 423: Die Feinabstimmung des Universums<\/b><\/p>\n<p>Heute geht es um die Feinabstimmung des Universums. Das klingt ein wenig seltsam. Ist aber eigentlich nichts anderes ist als die Verwunderung dar\u00fcber, dass alles irgendwie super ist. Was jetzt nat\u00fcrlich noch ein wenig erl\u00e4utert werden muss. Mit &#8222;super&#8220; sind die Bedingungen im Universum in seiner Gesamtheit gemeint, nicht das Alltagsleben der Menschen. Da ist nat\u00fcrlich nicht immer alles super; das hat aber auch nichts mit Astronomie zu tun (oder nur sehr selten). <\/p>\n<p>Es geht um die Beobachtung, dass unser Universum \u00fcberraschend gut daf\u00fcr geeignet ist, um als Mensch darin zu wohnen. Und dass es auch ganz anders sein h\u00e4tte k\u00f6nnen. Dass es sogar sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es nicht so gut f\u00fcr uns Menschen geeignet ist wie es ist. Das waren jetzt drei &#8222;ist&#8220;; die Feinabstimmung des Universums hat aber eigentlich viel mehr mit &#8222;k\u00f6nnte&#8220; zu tun als mit &#8222;ist&#8220;. Aber bevor ich noch weiter so unkonkret herumerz\u00e4hle schauen wir uns lieber mal ein Beispiel an.<\/p>\n<p>Sterne! Dass wir die im Universum haben ist ziemlich praktisch. Ohne einen Stern h\u00e4tten Planeten nichts um das sie kreisen k\u00f6nnten. Ohne einen Stern h\u00e4tte ein Planet nicht ausreichend Licht und W\u00e4rme um Leben zu entwickeln. Und ohne Sterne g\u00e4be es im Universum auch nichts, abgesehen von Wasserstoff und Helium. Denn das waren ja die einzigen chemischen Elemente die direkt beim Urknall entstanden sind; der ganze Rest ist erst durch Kernfusion im Inneren von Sternen entstanden. Auch der Kohlenstoff, aus dem wir Menschen zu einem gro\u00dfen und relevanten Teil bestehen und auch alle anderen uns bekannten Lebewesen. Ohne Kohlenstoff kein Leben, ohne Sterne keinen Kohlenstoff. Sterne haben wir deswegen im Universum, weil die \u00fcberall im Kosmos verteilten Wolken aus Wasserstoff und Helium unter ihrer eigenen Gravitationskraft in sich zusammengefallen sind; immer dichter und hei\u00dfer wurden bis irgendwann dort die Kernfusion eingesetzt hat. Und das wiederum hat nur funktioniert, weil die Gravitationskraft ausreichend stark ist, dass die Wolken zusammenfallen k\u00f6nnen. Ansonsten w\u00e4re das Zeug einfach weiter durchs All gewabert ohne das irgendwann irgendwas passiert und das ganze Universum w\u00fcrde nur aus Wassestoffwolken bestehen. Damit ein Stern, sofern er mal entstanden ist in seinem Inneren neue chemische Elemente wie Kohlenstoff machen kann, m\u00fcssen auch die Anziehungs- und Absto\u00dfungskr\u00e4fte zwischen den Atomkernen genau passen. Sonst fusioniert nichts. Oder es kommen andere Elemente dabei raus und kein Kohlenstoff. Das Universum h\u00e4tte sich aber auch nach dem Urknall viel schneller ausdehnen k\u00f6nnen als es dass getan hat. Dann h\u00e4tten sich \u00fcberhaupt keine Wolken gebildet aus denen Sterne entstehen h\u00e4tten k\u00f6nnen; dann w\u00e4re die ganze Materie extrem im Raum verd\u00fcnnt worden.<\/p>\n<p>Und so weiter. Es gibt viel mehr Beispiele und ich werde bald davon erz\u00e4hlen. Aber genau das ist es, worum es geht: Die grundlegenden Eigenschaften unseres Universums; die Naturkonstanten die quasi &#8222;von Werk&#8220; eingebaut sind, passen erstaunlich gut zusammen. W\u00e4ren sie nur ein bisschen anders als sie es sind, dann w\u00e4re das Universum ein Universum in dem keine Sterne und kein Leben existieren k\u00f6nnten. Das ist erstaunlich; das ruft nach einer Erkl\u00e4rung und nach der sucht die Wissenschaft (aber auch andere Disziplinen) schon seit einiger Zeit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33271\" aria-describedby=\"caption-attachment-33271\" style=\"width: 2325px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schaltuhr_elektr_aufzug.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Schaltuhr_elektr_aufzug.jpg\" alt=\"\" width=\"2325\" height=\"1977\" class=\"size-full wp-image-33271\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33271\" class=\"wp-caption-text\">Alles passt zusammen wie bei einem Uhrwerk&#8230; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Schaltuhr_elektr_aufzug.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der erste dem die Sache mit dem \u00fcberraschend gut f\u00fcr uns eingerichteten Kosmos aufgefallen ist (oder zumindest der erste, der sich damit nachweislich im modernen Sinn wissenschaftlich auseinandergesetzt hat), war der amerikanische Chemiker und Biologe Lawrence Joseph Henderson. Er hat 1913 <a href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/cu31924003093659\">ein Buch mit dem Titel &#8222;The Fitness of the Environment&#8220;<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Auf mehr als 300 Seiten legt er dar wie gut wir es mit unserer Umgebung getroffen haben. Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff sind alle genau so beschaffen, dass daraus Leben entstehen kann. Wasserstoff und Sauerstoff k\u00f6nnen sich zu Wasser verbinden und ohne das g\u00e4be es kein Leben. Jede Menge unterschiedliche chemische Elemente haben unabh\u00e4ngig voneinander genau die Eigenschaften die es braucht um Leben hervorzubringen. Henderson schreibt <i>&#8222;Es gibt keine nennenswerte Wahrscheinlichkeit dass diese einzigartigen Eigenschaften grundlos organische Abl\u00e4ufe beg\u00fcnstigen sollten. Das sind keine blo\u00dfen Zuf\u00e4lle, eine Erkl\u00e4rung muss gesucht werden.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Und je mehr die Wissenschaft das Universum erforscht hat, desto gr\u00f6\u00dfer wurde der Drang eine solche Erkl\u00e4rung zu finden. Nehmen wir zum Beispiel die Feinstrukturkonstante. Das ist eine grundlegende Naturkonstante die angibt wie stark die elektromagnetische Kraft im Vergleich zu den anderen Grundkr\u00e4ften des Kosmos (wie etwa der Gravitation ist). Ihr Wert betr\u00e4gt circa 1\/137 und kann aus anderen Konstanten berechnet werden; zum Beispiel der elektrischen Ladung eines Elektrons, der Lichtgeschwindigkeit und so weiter. Eine \u00e4hnliche Rechnung kann man auch f\u00fcr die St\u00e4rke der Gravitationskraft machen und kommt zu dem Ergebnis, dass die elektromagnetische Kraft 10 hoch 36 mal st\u00e4rker ist als die Gravitation. Oder wer es gerne mit echten Namen h\u00f6ren will: Der Elektromagnetismus ist eine Sextillion mal st\u00e4rker als die Gravitation. Das ist gut so. Denn Atome und Molek\u00fcle halten genau durch die sehr starke elektromagnetische Kraft so zusammen wie sie es tun. Die zwischen einzelnen Atomen wirkende Gravitationskraft ist dagegen so enorm schwach, dass man sie quasi vernachl\u00e4ssigen kann. Die Gravitation f\u00e4llt nur dann auf, wenn man es mit wirklich gro\u00dfen Massen zu tun hat; mit Planeten, Sternen und so weiter. W\u00fcrden sich einzelne Atome \u00e4hnlich stark durch Gravitation anziehen wie sie sich durch Elektromagnetismus anziehen (oder absto\u00dfen, was da ja m\u00f6glich ist; bei der Gravitation aber nicht), dann w\u00fcrde die ganze Chemie so wie wir sie kennen nicht mehr funktionieren. Warum aber die Gravitation so enorm viel schw\u00e4cher ist, wissen wir nicht.<\/p>\n<p>Allzu viel Spielraum hat man bei der Auswahl der grundlegenden Konstanten nicht. Dazu k\u00f6nnen wir uns den &#8222;Drei-Alpha-Prozess&#8220; anschauen. Das ist etwas, das bei Sternen dann passiert, wenn sie sich ihrem Lebensende n\u00e4hern. Sie haben dann in ihrem Inneren durch Kernfusion schon jede Menge Helium erzeugt und sind hei\u00df genug geworden, dass drei dieser Heliumatome zu Kohlenstoff verschmelzen k\u00f6nnen. Das geht aber nicht direkt; dazu muss der Stern einen Umweg \u00fcber das Element Beryllium nehmen. Zwei Heliumatomkerne fusionieren zuerst zu Beryllium und das Beryllium mit einem dritten Heliumkern zu Kohlenstoff. Das sollte eigentlich nicht klappen, weil Beryllium sehr instabil ist und deswegen in Sekundenbruchteilen wieder zerf\u00e4llt. Die weitere Fusion zu Kohlenstoff ist nur aufgrund einer &#8222;Resonanz&#8220; m\u00f6glich. Das im Detail zu erkl\u00e4ren w\u00fcrde zu weit f\u00fchren. Aber es geht darum, dass Atomkerne einfacher verschmelzen k\u00f6nnen, wenn ihre Energien gut zusammenpassen. Und die Energie von Beryllium und Helium ist ziemlich exakt so gro\u00df wie die eines Kohlenstoffatoms. Allerdings eines &#8222;angeregten Zustands&#8220; des Kohlenstoffs, was hei\u00dft, dass der Kern ein bisschen mehr Energie hat als er normalerweise haben w\u00fcrde. Aber man kann &#8211; zum Beispiel durch Zusammenst\u00f6\u00dfe &#8211; die Energie von Atomkernen erh\u00f6hen. Das geht aber nur in ganz bestimmten Schritten; man kann nicht einfach beliebige Mengen an Energie in einen Kern stecken. Diese Energie gibt der Kern dann auch wieder ab, aber da der angeregte Energiezustand prinzipiell m\u00f6glich ist und zur Energie von Beryllium und Helium passt, kann die Fusion zu Kohlenstoff stattfinden. Und auch hier sehen wir wieder: Alles passt \u00fcberraschend gut zusammen und auch das h\u00e4ngt von den exakten Werten der Naturkonstanten ab. W\u00fcrde man die St\u00e4rke der elektromagnetischen Kraft \u00e4ndern oder die der starken Kernkraft zwischen den Teilchen aus denen die Atomkerne bestehen, dann w\u00fcrde man Probleme kriegen. W\u00e4ren die Kr\u00e4fte um 4 beziehungsweise 0,5% st\u00e4rker\/schw\u00e4cher als sie es sind, dann w\u00fcrde kein Kohlenstoff und kein Sauerstoff produziert werden k\u00f6nnen (<a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/289\/5476\/88\">&#8222;Stellar Production Rates of Carbon and Its Abundance in the Universe&#8220;<\/a>).<\/p>\n<figure id=\"attachment_26691\" aria-describedby=\"caption-attachment-26691\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pigruis.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pigruis.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"1280\" class=\"size-full wp-image-26691\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26691\" class=\"wp-caption-text\">Ein roter Riesenstern macht Kohlenstoff. Aber warum? (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/eso1741a\/\">Bild: ESO<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Beispiele g\u00e4be es noch jede Menge. Etwa: Unser Universum hat drei ausgedehnte Raumdimensionen. W\u00e4ren es stattdessen vier oder f\u00fcnf, dann k\u00f6nnten sich weder Planeten stabil um Sterne herumbewegen, noch k\u00f6nnten sich stabile Atome bilden. Warum wir genau drei Raumdimensionen haben ist allerdings v\u00f6llig unbekannt. Wir wissen das es so ist. Aber nicht warum. Die fundamentalen Konstanten die das Universum so machen, wie es ist, haben genau die Werte die es braucht, damit wir darin leben k\u00f6nnen. Das ist gut f\u00fcr uns &#8211; aber es bleibt die Verwunderung, warum alles so fein abgestimmt ist. Man kann die Sache nat\u00fcrlich einfach ignorieren. Bzw. sagen: Es ist kein Wunder das es so ist wie es ist. Weil wenn es anders w\u00e4re, dann w\u00e4ren wir auch nicht da um uns dar\u00fcber zu wundern wie es ist. Das ist zwar ein prinzipiell logischer Gedankengang. Aber auch nicht sonderlich hilfreich. <\/p>\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re einfach eine ganze Vielfalt an Universen zu postulieren. Es k\u00f6nnte jede Menge Universen, also ein &#8222;Multiversum&#8220; geben. Jedes hat bei seiner Entstehung zuf\u00e4llig irgendwelche Konstanten bekommen. Und wir leben logischerweise in einem, in dem alles gerade so passt das Leben m\u00f6glich ist. Diese Erkl\u00e4rung funktioniert ja anderswo recht gut. Das Universum ist voll mit Planeten auf denen jede Menge unterschiedliche Bedingungen herrschen. Manche davon sind lebensfeindlich; manche lebensfreundlich und wir leben logischerweise auf einem, auf dem Leben entstehen kann. Man muss sich daher auch nicht wundern, dass wir gerade auf der Erde wohnen und nicht am Mars oder der Venus. Beim Multiversum ist die Sache aber komplizierter. Denn im Gegensatz zu den vielen verschiedenen Planeten haben wir bis jetzt noch nicht einmal die Spur eines Belegs daf\u00fcr, dass es mehr als ein Universum gibt. Und wir wissen, wie und warum unterschiedliche Planeten entstehen. Wir wissen allerdings nicht, wie Universen entstehen und wieso ein Multiversum gerade so entstehen sollte, dass am Ende mindestens ein lebensfreundliches Universum mit dabei ist. Dieser Ansatz verlagert die Sache also nur.<\/p>\n<p>Man kann sich auch &#8211; und das ist vermutlich eine sehr wahrscheinliche Variante &#8211; auf unser Unwissen ausreden. Wir kennen zwei unterschiedliche Theorien die das Universum grundlegend beschreiben: Die Quantenmechanik und die Relativit\u00e4tstheorie. Mit beiden k\u00f6nnen wir den Kosmos gut beschreiben; in beide Theorien m\u00fcssen wir die meisten Werte f\u00fcr die Konstanten aber einfach einsetzen. Au\u00dferdem ist uns klar, dass hier noch nicht Schluss sein kann; es muss eine (oder mehrere) Theorien geben die \u00fcber Quantenmechanik und Relativit\u00e4tstheorie hinaus gehen da die beiden f\u00fcr sich genommen nicht das leisten k\u00f6nnen, was sie leisten sollten. Die Quantenmechanik ist zum Beispiel nicht in der Lage zu beschreiben wie sich Elementarteilchen gegenseitig durch Gravitation beeinflussen. Wir brauchen eine Theorie, die Atome und Sterne gleichzeitig beschreiben kann; wir brauchen eine Quantentheorie der Gravitation und die haben wir nicht. Aber wenn wir sie einmal finden sollten: Dann erkl\u00e4rt sich damit vielleicht, dass die Feinabstimmung nur eine scheinbare ist und dass es gar keine andere M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein Universum gibt als so zu sein, wie es ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18166\" aria-describedby=\"caption-attachment-18166\" style=\"width: 1244px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/God_the_Geometer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/God_the_Geometer.jpg\" alt=\"\" width=\"1244\" height=\"1705\" class=\"size-full wp-image-18166\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18166\" class=\"wp-caption-text\">Gott hat alles genau passend ausgemessen und eingestellt! (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:God_the_Geometer.jpg\">Bild: Public Domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man k\u00f6nnte auch das tun, was wir Menschen immer schon gerne getan haben: Unsere Probleme auf \u00fcbernat\u00fcrliche Wesen abzuladen. Wenn das Universum &#8222;wie f\u00fcr uns gemacht&#8220; aussieht, dann HAT es vielleicht auch jemand f\u00fcr uns gemacht. Vielleicht sind wir nur Teil einer Simulation die irgendwelche gott\u00e4hnlichen Aliens laufen lassen? Oder vielleicht hat tats\u00e4chlich irgendein Sch\u00f6pfer den Kosmos gesch\u00f6pft und dabei so lange an den Kn\u00f6pfen gedreht damit es seiner Sch\u00f6pfung darin auch gut geht. Obwohl dass das Problem nat\u00fcrlich auch nicht l\u00f6st. Denn einerseits muss ein Sch\u00f6pfer der ein Universum so auf uns Menschen abstimmen kann selbst ein ziemlich komplexes Wasauchimmer sein dessen Existenz eine noch kompliziertere Erkl\u00e4rung ben\u00f6tigt als ein feinabgestimmtes Universum. Und andererseits k\u00f6nnte ein Sch\u00f6pfer der in Lage ist ein ganzes Universum aus dem Nichts zu schaffen darin einfach auch ein paar fixfertige Sterne reinwerfen. Oder gro\u00dfe Haufen an Kohlenstoff; den Umweg \u00fcber den komplizierten Drei-Alpha-Prozess k\u00f6nnte man sich sparen. Was w\u00e4re das f\u00fcr ein Sch\u00f6pfer, der nicht in einem lebensfeindlichen Universum irgendwo eine nette Ecke f\u00fcr uns Menschen freir\u00e4umen k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Vielleicht &#8211; und das halte ich f\u00fcr die wahrscheinlichste M\u00f6glichkeit &#8211; ist das Universum aber auch gar nicht so feinabgestimmt wie wir denken. Man kann zumindest zeigen (<a href=\"http:\/\/www.talkreason.org\/articles\/anthro_philo.pdf.\">&#8222;Natural Explanation For The Anthropic Coincidences&#8220; (pdf)<\/a>) dass man durchaus auch Sterne in Universen kriegt die andere Naturkonstanten haben als unseres hat. Die leben dann vielleicht ein wenig k\u00fcrzer oder l\u00e4nger als sie es hier tun. Aber sie sind da. Und wer sagt denn, dass Leben exakt so funktionieren muss wie wir das tun? Klar, wir wissen nicht wie Leben noch funktionieren k\u00f6nnte und k\u00f6nnen deswegen wissenschaftlich seri\u00f6s wenig dar\u00fcber sagen. Aber es kann durchaus sein, dass andere Kombinationen von Naturkonstanten zu Universen f\u00fchren die vielleicht f\u00fcr UNS lebensfeindlich sind. Aber f\u00fcr andere Arten von Leben genau passen. Und dann w\u00fcrden die rumsitzen und sich wundern, warum alles so super ist. Am Ende bleibt es also vorerst dabei: Es ist so wie es ist, weil wenn es anders w\u00e4re, w\u00e4re es anders. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/9035f2858a314009b4447249cfae897c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. 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