{"id":25899,"date":"2020-12-02T07:00:07","date_gmt":"2020-12-02T06:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/12\/02\/die-jupiter-saturn-konjunktion-am-21-12-2020-ist-nicht-der-stern-von-bethlehem\/"},"modified":"2025-05-14T16:53:15","modified_gmt":"2025-05-14T14:53:15","slug":"die-jupiter-saturn-konjunktion-am-21-12-2020-ist-nicht-der-stern-von-bethlehem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/12\/02\/die-jupiter-saturn-konjunktion-am-21-12-2020-ist-nicht-der-stern-von-bethlehem\/","title":{"rendered":"Die Jupiter-Saturn-Konjunktion am 21.12.2020 (ist nicht der Stern von Bethlehem)"},"content":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chtliche Winterhimmel ist immer einen Blick wert. Vor allem weil die Nacht viel l\u00e4nger dauert und tendenziell dunkler ist als Sommer &#8211; da kann man jede Menge sch\u00f6ne Sterne sehen (sofern das Wetter passt). Aber in diesem Dezember lohnt sich ein Blick noch viel mehr. Denn die beiden Planeten Jupiter und Saturn ziehen eine Show ab, die man in der Form so schnell nicht wieder zu sehen bekommt.<\/p>\n<p>Am 21. Dezember 2020 wird eine sogenannte <b>gro\u00dfe Konjunktion<\/b> stattfinden. Was das ist habe ich <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2020\/04\/10\/sternengeschichten-folge-385-die-grosse-konjunktion\/\">hier schon sehr ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt<\/a>. Die kurze Version: Von der Erde aus gesehen scheint es uns so, als w\u00fcrden Jupiter und Saturn am Himmel direkt nebeneinander stehen. So etwas passiert alle 20 Jahre einmal &#8211; aber der Anblick der beiden Planeten am Himmel ist nicht immer identisch.<\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/385-neue-episode\/embed?context=external\"><\/script><\/p>\n<p>Es ist nicht exakt definiert, was eine &#8222;Konjunktion&#8220; genau ist. Es kann sein, dass Jupiter und Saturn einander zwar nahe sind, aber zwischen ihnen zB noch locker f\u00fcr einen Vollmond Platz w\u00e4re. Sie k\u00f6nnen auch noch weiter auseinanderstehen. Oder einander viel n\u00e4her sein. Man darf ja nicht vergessen, dass die Planeten sich nicht <i>wirklich<\/i> nahe kommen. Zwischen der Bahn von Jupiter und der Bahn von Saturn ist immer ein Abstand von fast 650 Millionen Kilometern. Es geht um die scheinbare N\u00e4he und die h\u00e4ngt von der Geschwindigkeit der beiden Planeten ab (und auch der Position der Erde). Der sonnenn\u00e4here Jupiter ist schneller als der entferntere Saturn weswegen der auch immer wieder vom Jupiter auf der Innenbahn \u00fcberholt wird. Wenn dann auch noch die Erde richtig steht, sieht es so aus, als w\u00e4ren die beiden ganz nahe beieinander. Aber da die Umlaufbahnen keine Kreise sind, die Geschwindigkeiten nicht konstant, und so weiter, sind die Begegnungen unterschiedlich nahe. Vor 20 Jahren, als am 28. Mai 2000 die letzte Konjunktion stattgefunden hat, h\u00e4tten am Himmel zwischen die beiden Planeten noch zwei Vollmonde gepasst. Am 21. Dezember 2020 ist es aber anders!<\/p>\n<p>Um 19.21 MEZ werden nur noch 6 Bogenminuten zwischen Jupiter und Saturn passen. Anders gesagt: Stellt euch eine 1-Cent-M\u00fcnze in 10 Meter Entfernung vor. Die Distanz am Himmel zwischen Jupiter und Saturn ist nur ein kleines bisschen gr\u00f6\u00dfer als euch der Durchmesser der M\u00fcnze auf diese Distanz erscheint. Nochmal anders gesagt: Wenn ihr ohne optische Hilfsmittel wie Teleskop oder Fernglas zum Himmel schaut und nicht extrem gute Auge habt, dann werdet ihr anstatt zwei heller Punkte nur noch einen hellen Punkt sehen. Jupiter und Saturn sind ja sehr helle Objekte und ihr Strahlen macht es bei dieser geringen Distanz fast unm\u00f6glich zu erkennen, dass sie zwei unterschiedliche Objekte sind.<\/p>\n<p>Das muss man nat\u00fcrlich nicht <i>exakt<\/i> um 19.21 am 21.12.2020 beobachten. Die Planeten tauchen nicht aus dem Nichts auf und sausen danach nicht gleich wieder davon. Sind stehen auch in den Wochen davor schon nahe am Himmel und werden das auch danach noch tun. Aber ihren geringsten scheinbaren Abstand erreichen sie eben am 21.12.2020. Und <i>wenn<\/i> ihr beobachtet, dann m\u00fcsst ihr am abendlichen Himmel Richtung S\u00fcdwesten schauen &#8211; Jupiter und Saturn sind aber so eindrucksvolle Objekte, die kann man kaum \u00fcbersehen. So oder so: Schaut auf jeden Fall Ende Dezember zum Himmel! Die n\u00e4chste gro\u00dfe Konjunktion gibt es erst wieder 2040 und dann wird wieder viel Platz zwischen den Planeten sein. 2060 wird es auch nicht besser; erst am 18. September 2080 werden sie einander wieder so nahe sein wie in diesem Jahr.<\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/4-sternengeschichten-folge-4-der-stern-von-bethlehem\/embed?context=external\"><\/script><\/p>\n<p>Bleibt noch ein Thema zu erkl\u00e4ren: In vielen Medien kann man derzeit lesen, dass wir das, was wir jetzt im Dezember am Himmel sehen k\u00f6nnen auch genau das gleiche Ph\u00e4nomen ist, dass vor ein bisschen mehr als 2000 Jahren als &#8222;Stern von Bethlehem&#8220; ber\u00fchmt geworden ist. Selbst Leute die es besser wissen sollten behaupten das und die etwas fundamentaleren Christen <a href=\"https:\/\/www.kath.net\/news\/73582\" rel=\"nofollow\">greifen solche Vorlagen aus der Wissenschaft dann gerne auf<\/a> um die &#8222;Wahrheit&#8220; der Bibel zu beteuern. Ich habe mich hier im Blog ja schon oft mit diesem biblischen Himmelsph\u00e4nomen besch\u00e4ftigt. Wer m\u00f6chte kann das <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/21\/sternengeschichten-folge-4-der-stern-von-bethlehem\/\">hier nachlesen<\/a>. Die Kurzversion lautet auf jeden Fall: Es gibt keinen historisch belastbaren Grund davon auszugehen, dass der Stern von Bethlehem ein reales Ph\u00e4nomen war. Ja, im Jahr 7 v. Christus gab es genau so eine enge Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn wie in diesem Jahr. Ja, die kann man astrologisch (astrologisch! nicht astronomisch!) als &#8222;Geburt eines K\u00f6nigs in Pal\u00e4stina&#8220; deuten. Aber astrologische Deutungen sind keine Wissenschaft. Und die Bibel ist keine wissenschaftliche Publikation. Wenn der Stern von Bethlehem ein reales Ph\u00e4nomen war, dann sollte man auch irgendwo anders als in nur einem (von insgesamt vier) Evangelien der Bibel etwas davon lesen. Tut man aber nicht. Was historisch dagegen durchaus belegt ist, ist die Verwendung von himmlischen Symbolen um die G\u00f6ttlichkeit bestimmter Personen zu demonstrieren. Es ist daher sehr viel wahrscheinlicher, dass der Stern von Bethlehem einfach nur ein sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgtes &#8222;Statussymbol&#8220; f\u00fcr Jesus ist, damit es das junge Christentum einfacher hat sich als Religion zu etablieren.<\/p>\n<p>Aber die Interpretation irgendwelcher Bibelstellen sollte niemanden davon abhalten, den Anblick der gro\u00dfen Konjunktion am vorweihnachtlichen Himmel zu genie\u00dfen! Ob Stern von Bethlehem oder nicht: Es wird ein beeindruckendes Schauspiel sein. \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/42d6ff94bdf64a9da7393b6f337855bf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chtliche Winterhimmel ist immer einen Blick wert. 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