{"id":25820,"date":"2020-11-09T09:26:43","date_gmt":"2020-11-09T08:26:43","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/11\/09\/strahlungsausbrueche-von-roten-zwergen-keine-gute-nachrichten-fuer-die-suche-nach-der-zweiten-erde\/"},"modified":"2025-05-14T16:52:34","modified_gmt":"2025-05-14T14:52:34","slug":"strahlungsausbrueche-von-roten-zwergen-keine-gute-nachrichten-fuer-die-suche-nach-der-zweiten-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/11\/09\/strahlungsausbrueche-von-roten-zwergen-keine-gute-nachrichten-fuer-die-suche-nach-der-zweiten-erde\/","title":{"rendered":"Strahlungsausbr\u00fcche von Roten Zwergen: Keine gute Nachrichten f\u00fcr die Suche nach der zweiten Erde"},"content":{"rendered":"<p>Seit vor 25 Jahren der <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2019\/10\/09\/51-pegasi-eine-antwort-auf-eine-jahrtausendealte-frage-der-stern-zum-physik-nobelpreis-2019\/\">erste Planet eines anderen Sterns entdeckt worden<\/a> ist, suchen wir immer auch nach einer &#8222;zweiten Erde&#8220;. Also nicht einfach nur nach einem Planeten, sondern nach einem Planeten auf dem die gleichen lebensfreundlichen Bedingungen wie hier auf der Erde herrschen. Gefunden haben wir bis jetzt noch nichts. Aber immer wieder tauchen gute Kandidaten auf und sehr oft handelt es sich dabei um Planeten, die rote Zwergsterne umkreisen.<\/p>\n<p>Das ist kein Zufall und zwar aus mehreren Gr\u00fcnden. Erstens sind rote Zwerge h\u00e4ufig. Die kleinen Sterne, die eine Masse zwischen 7 und 60 Prozent der Sonnenmasse haben, sind h\u00e4ufig. Etwa drei Viertel aller Sterne im Universum sind rote Zwerge! Der uns n\u00e4chstgelegene Stern &#8211; Proxima Cenaturi &#8211; ist ein roter Zwerg und die Dinger sind auch sonst \u00fcberall. Die kleinen Sterne leuchten auch viel schw\u00e4cher als andere Sterne was die Suche nach Planeten leichter macht. Damit so ein Planet dann aber auch ausreichend viel Licht und W\u00e4rme abbekommt damit theoretisch lebensfreundliche Bedingungen herrschen, muss er dem roten Zwergstern recht nahe sein. Viel n\u00e4her als etwa die Erde die Sonne umkreist. Das ist der zweite Grund warum wir solche Planeten leichter finden k\u00f6nnen: Je n\u00e4her ein Planet seinem Stern ist, desto eher k\u00f6nnen wir ihn entdecken. Denn desto gr\u00f6\u00dfer sind die gravitativen Effekte die ein Planet auf seinen Stern aus\u00fcben kann bzw. desto \u00f6fter kann der Planet den Stern unkreisen und von uns aus gesehen dessen Licht verdunkeln. Und genau diese beiden Effekte sind es, durch die wir die Planeten \u00fcberhaupt finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/229-sternengeschichten-folge-229-rote-zwerge-und-ihre-planeten\/embed?context=external\"><\/script><\/p>\n<p>Wir finden also <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/04\/24\/der-beste-kandidat-fuer-die-suche-nach-leben-und-die-kosmische-strahlung-bei-proxima-centauri-b\/\">viele Planeten, die einen roten Zwerg in engem Abstand<\/a> umkreisen (darunter auch einer der den sonnenn\u00e4chsten Stern Proxima Centauri umkreist). So weit so gut und wenn der Planet dann auch noch ungef\u00e4hr so gro\u00df wie die Erde ist: Noch besser! Aber selbst wenn so ein &#8222;erd\u00e4hnlicher&#8220; Planet eines roten Zwergs im passenden Abstand f\u00fcr potenziell lebensfreundliche Temperaturen ist muss das noch lange nicht hei\u00dfen, dass es da auch wirklich lebensfreundlich ist. Denn rote Zwerge sind hinterh\u00e4ltig!<\/p>\n<p>Unsere Sonne geh\u00f6rt zu einer Klasse von Sternen die sich im Allgemeinen ruhig verh\u00e4lt. Das soll hei\u00dfen, dass sie nicht zu Strahlungsausbr\u00fcchen neigt und mit &#8222;Strahlung&#8220; ist hier nicht normales Licht gemeint sondern h\u00f6herenergetische R\u00f6ntgen- oder UV-Strahlung. So was passiert zwar auch bei der Sonne ab und zu mal, aber eben nur selten und wenn, dann ist die Erde weit genug entfernt so dass es selten gr\u00f6bere Auswirkungen hat. Bei einem roten Zwerg l\u00e4uft das anders. Ob es Ausbr\u00fcche gibt und wie stark sie sind, h\u00e4ngt davon ab was im Inneren eines Sterns vor sich geht. Vor allem von der sogenannten &#8222;konvektiven Zone&#8220;: Das ist der Bereich eines Sterns, in dem das Gas aus dem er besteht quasi best\u00e4ndig durchgew\u00e4lzt wird. Hei\u00dfes Gas von unten steigt auf, kaltes Gas von oben sinkt ab. Bei der Sonne ist nur die \u00e4u\u00dfere Schicht konvektiv. Ein roter Zwerg aber \u00fcberall. Das <i>gesamte<\/i> Material dort ist st\u00e4ndig in Bewegung was zu viel zahlreicheren und st\u00e4rkeren Strahlungsausbr\u00fcchen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das hat Auswirkungen auf eine etwaige Atmosph\u00e4re eines Planeten. Wenn so ein Himmelsk\u00f6rper st\u00e4ndig mit harter Strahlung des Sterns bombardiert wird, f\u00fchrt das zu einem stetigen Verlust von Atmosph\u00e4re. Die Gasteilchen der Lufth\u00fclle werden &#8211; ein wenig so wie mit einem Sandstrahler &#8211; weggepustet. Die Frage lautet nun: Wie stark beeinflusst das die potenzielle Lebensfreundlichkeit eines Planeten bei einem roten Zwerg?<\/p>\n<figure id=\"attachment_33081\" aria-describedby=\"caption-attachment-33081\" style=\"width: 864px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/barnardflare.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/barnardflare.jpg\" alt=\"\" width=\"864\" height=\"384\" class=\"size-full wp-image-33081\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33081\" class=\"wp-caption-text\">Strahlungsausbr\u00fcche bei Barnards Stern (<a href=\"https:\/\/chandra.harvard.edu\/photo\/2020\/barnards\/more.html\">Bild:<br \/>(Credit: X-ray light curve: NASA\/CXC\/University of Colorado\/K. France et al.; Illustration: NASA\/CXC\/M. Weiss)<\/a>)<br \/><\/figcaption><\/figure>\n<p>Sehr stark, lautet die Antwort die Kevin France von der Universit\u00e4t Colorado und seine KollegInnen k\u00fcrzlich gegeben haben (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/2009.01259\">&#8222;The High-Energy Radiation Environment Around a 10 Gyr M Dwarf: Habitable at Last?&#8220;<\/a>). Sie haben sich <i>Barnards Stern<\/i> n\u00e4her angesehen. Dieser rote Zwerg ist nur 6 Lichtjahre entfernt und uns nach den drei Sternen des Alpha-Centauri-Systems am n\u00e4chsten. Abgesehen davon ist Barnards Stern auch alt; mit circa 10 Milliarden Jahren fast doppelt so alt wie unsere Sonne. Das ist wichtig, denn man wei\u00df, dass rote Zwerg vor allem in ihrer Jugend extrem aktiv sind. So aktiv, dass ein Planet vermutlich auf jeden Fall seine Atmosph\u00e4re verloren h\u00e4tte. Aber wenn dann der rote Zwerg sp\u00e4ter ein wenig ruhiger werden w\u00fcrde, dann k\u00f6nnte sich eine neue Atmosph\u00e4r bilden.<\/p>\n<p>Nun haben France et al Barnards Stern mit dem Hubble-Weltraumteleskop beobachtet und auch das Chandra-Weltraumteleskop hat hingesehen. Das eine hat UV-Licht beobachtet, das andere R\u00f6ntgenstrahlung. Beide Beobachtungen fanden 2019 statt; Chandra hat am 17. Juni hingeschaut und Hubble am 4. M\u00e4rz. Und w\u00e4hrend der Beobachtungsdauer von einigen Stunden konnten <i>beide<\/i> ordentliche Strahlungsausbr\u00fcche beobachten. Zwei unabh\u00e4ngige Beobachtungen zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten haben in unterschiedlichen Wellenl\u00e4ngen jede Menge Sternaktivit\u00e4t gezeigt. Das sieht nicht gut aus f\u00fcr etwaige Planeten und die ForscherInnen haben daraus hochgerechnet, dass Barnards Stern ein Viertel der Zeit \u00fcber in einem Zustand ist, der nicht sonderlich lebensfreundlich ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33083\" aria-describedby=\"caption-attachment-33083\" style=\"width: 864px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/barnards_illus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/barnards_illus.jpg\" alt=\"\" width=\"864\" height=\"612\" class=\"size-full wp-image-33083\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33083\" class=\"wp-caption-text\">Ein Planet verliert seine Atmosph\u00e4re (K\u00fcnstlerische Darstellung: <a href=\"https:\/\/chandra.harvard.edu\/photo\/2020\/barnards\/more.html\">Bild:<br \/>(Credit: X-ray light curve: NASA\/CXC\/University of Colorado\/K. France et al.; Illustration: NASA\/CXC\/M. Weiss)<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das 90fache der Masse der Erdatmosph\u00e4re kann so pro Milliarde Jahre durch den Stern &#8222;weggestrahlt&#8220; werden. Selbst wenn es sich um einen so alten roten Zwerg wie Barnards Stern handelt. Nat\u00fcrlich muss das, was bei Barnards Stern passiert nicht bei <i>allen<\/i> roten Zwergen passieren. Aber Barnards Stern ist auch kein kompletter Exot! Und es w\u00e4re \u00fcberraschend, wenn andere roten Zwerge sich v\u00f6llig anders verhalten w\u00fcrden. Auf jeden Fall aber ist klar: Wenn wir nach einer &#8222;zweiten Erde&#8220; suchen, dann sind rote Zwerge eventuell nicht die erste Wahl. Und wenn dir dort einen Kandidaten finden, m\u00fcssen wir uns die Eigenschaften des Sterns und seine Aktivit\u00e4t ganz genau anschauen!  \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/bab8d2b4708a44139c31c23278da578c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vor 25 Jahren der erste Planet eines anderen Sterns entdeckt worden ist, suchen wir immer auch nach einer &#8222;zweiten Erde&#8220;. Also nicht einfach nur nach einem Planeten, sondern nach einem Planeten auf dem die gleichen lebensfreundlichen Bedingungen wie hier auf der Erde herrschen. Gefunden haben wir bis jetzt noch nichts. 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