{"id":25740,"date":"2020-09-29T09:50:35","date_gmt":"2020-09-29T07:50:35","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/09\/29\/ein-schlechtes-buch-ueber-planet-neun-und-tintenfische-im-weltall-die-buchempfehlungen-vom-september-2020\/"},"modified":"2025-05-14T16:51:52","modified_gmt":"2025-05-14T14:51:52","slug":"ein-schlechtes-buch-ueber-planet-neun-und-tintenfische-im-weltall-die-buchempfehlungen-vom-september-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/09\/29\/ein-schlechtes-buch-ueber-planet-neun-und-tintenfische-im-weltall-die-buchempfehlungen-vom-september-2020\/","title":{"rendered":"Ein schlechtes Buch \u00fcber Planet Neun und Tintenfische im Weltall: Die Buchempfehlungen vom September 2020"},"content":{"rendered":"<p>Der September ist fast vorbei und es wird Zeit dar\u00fcber zu reden welche B\u00fccher ich im letzten Monat gelesen habe. Wieder nicht so viele, wie ich gern gelesen h\u00e4tte. Und diesmal auch leider eines \u00fcber das ich mich wirklich ge\u00e4rgert habe. Aber auch ein paar, die ich sehr empfehlen kann. Auf gehts!<\/p>\n<p><b>Planet Neun<\/b><\/p>\n<p>Auf das Buch <a href=\"https:\/\/amzn.to\/337MiTC\">&#8222;Planet Neun: Auf der Suche nach dem gro\u00dfen Unbekannten unseres Sonnensystems&#8220;<\/a> von <i>Marcus St\u00f6ger<\/i> habe ich mich gefreut. Es geht um ein wirklich faszinierendes Thema; um die Suche nach einem hypothetischen Planeten im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem. Eine Suche <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/01\/28\/die-lange-suche-nach-planet-x-2016-die-entdeckung-von-planet-9\/\">mit einer langen Geschichte<\/a>. Es geht um Himmelsmechanik, also um die Erforschung der Bewegung der Himmelsk\u00f6rper, eine Disziplin die schon seit Jahrtausenden betrieben wird. Eine Disziplin die noch dazu mein eigenes Spezialfach in der Astronomie ist. \u00dcber all das h\u00e4tte man ein wirklich spannendes Buch schreiben k\u00f6nnen. Was der Autor aber leider nicht getan hat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Planet-Neun.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Planet-Neun.jpg\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"1200\" class=\"aligncenter size-full wp-image-32942\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Name &#8222;Marcus St\u00f6ger&#8220; ist mir bis jetzt noch nicht begegnet; es ist auch nicht viel \u00fcber seine Biografie herauszufinden. Ob und was f\u00fcr eine Ausbildung er in Sachen Astronomie hat ist unbekannt. Aber es ist selbstverst\u00e4ndlich absolut m\u00f6glich ein gutes Buch \u00fcber Astronomie zu schreiben ohne dieses Fach auch studiert zu haben. Aber dann sollte zumindest eine Person mit entsprechender Ausbildung vor dem Druck einen Blick auf das Manuskript werfen. Was in diesem Fall nicht passiert sein kann, denn &#8222;Planet Neun&#8220; ist voller Fehler. Eine kleine Auswahl: Die Internationale Astronomische Union trifft sich nicht jedes Jahr sondern alle drei Jahre. In den Lagrangepunkten heben sich nicht die Gravitationskr\u00e4fte auf, sondern <i>alle wirkende Kr\u00e4fte<\/i> (also Gravitationskraft und Zentrifugalkraft). Der &#8222;aktuelle offizielle Wert der Lichtgeschwindigkeit&#8220; wird nicht gemessen, sondern wurde per Definition exakt festgelegt. Die Ma\u00dfeinheit der Lichtgeschwindigkeit ist au\u00dferdem nicht &#8222;c&#8220; sondern &#8222;m\/s&#8220; (oder eine andere Geschwindigkeitseinheit). Bei der Sternentstehung gehen keine &#8222;Atomkerne zu Bruch&#8220;. Planeten kann es selbstverst\u00e4ndlich auch in Doppelsternsystemen geben (hat man auch schon oft genug beobachtet). Jupiter und Saturn stehen nicht in einer &#8222;1:2-Harmonie&#8220; &#8211; das korrekte Wort w\u00e4re &#8222;1:2 Bahnresonanz&#8220;, was aber auch nicht stimmt, weil die Umlaufbahnen von Jupiter und Saturn in gar keiner exakten Resonanz stehen sondern nur in der N\u00e4he einer 5:2 Resonanz. Wenn sich St\u00f6ger schon die M\u00fche macht, darauf hinzuweisen dass man &#8222;Meteorit&#8220; mit &#8222;t&#8220; und &#8222;Meteoroid&#8220; mit &#8222;d&#8220; schreibt, dann sollte er nicht gleichzeitig konsequent falsch das Wort &#8222;Meteorid&#8220; verwenden. Die Oberfl\u00e4che eines Kometen &#8222;verdampft&#8220; nicht, wenn der Komet in die N\u00e4he der Sonne kommt. Die Sterne eines Sternbilds liegen nicht &#8222;Millionen von Lichtjahren&#8220; auseinander (so gro\u00df ist nicht mal die gesamte Milchstra\u00dfe). Die Sterne die wir am Himmel sehen existieren alle noch und sind nicht l\u00e4ngst per Supernova explodiert (wir sehen nur die nahen Sterne in unserer Milchstra\u00dfe, da spielt die Lichtlaufzeit keine gro\u00dfe Rolle). Das dritte Keplersche Gesetz lautet nicht &#8222;Ein Planet wird auf seiner Bahn um so schneller, je n\u00e4her er dem Stern kommt&#8220;. Wilhelm Herschel lebte von 1738 bis 1822 und es ist sehr unwahrscheinlich dass es ihm im &#8222;drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg nach England verschlagen&#8220; hat. Die Hawking-Strahlung ist nicht die Aufl\u00f6sung des Informationsparadoxons. <\/p>\n<p>Und so weiter. In jedem Kapitel finden sich haufenweise kleine Fehler. Und dazwischen durchaus auch sehr gro\u00dfe Schnitzer, die allerdings mit ebenso gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit vorgetragen werden. Zum Beispiel: <i>&#8222;Eine einfache Rechnung: Wenn das All 13,8 Milliarden Jahre alt ist und das Licht so lange braucht, wie es braucht, kann man nichts beobachten das weiter als 13,8 Milliarden Lichtjahre entfernt ist.&#8220;<\/i> Eine einfache Rechnung. Aber halt auch falsch. Weil das Universum in den 13,8 Milliarden Jahren seit seiner Entstehung expandiert ist hat das beobachtbare Universum heute <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/14\/wie-gross-ist-das-universum\/\">einen Durchmesser von etwa 93 Milliarden Lichtjahren<\/a>. Auch die Art und Weise wie Sterne funktionieren scheint St\u00f6ger nicht verstanden zu haben; ein Stern bl\u00e4ht sich am Ende seines Lebens NICHT etwa deswegen auf, weil er so viel Masse verloren hat, wie St\u00f6ger schreibt, sondern weil der Strahlungsdruck immer st\u00e4rker wird. Es ist mir auch absolut unverst\u00e4ndlich wie man ein komplettes Kapitel \u00fcber die Entdeckung von extrasolaren Planeten schreiben kann und darin behaupten, dass der erste dieser Planeten im Jahr 2004 entdeckt worden ist. Immerhin feiern wir 2020 das 25j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Entdeckung des ersten Exoplaneten im Jahr 1995 und die Entdecker haben im letzten Jahr daf\u00fcr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2019\/10\/08\/der-physik-nobelpreis-2019-geht-an-die-entdecker-des-ersten-planeten-eines-anderen-sterns-zu-recht\/\">den Physiknobelpreis erhalten!<\/a>. Das muss man doch wissen, selbst wenn man nur ein bisschen recherchiert! Ebenso sollte man in einem Buch das ein so himmelsmechanisches Thema hat zumindest halbwegs verstehen, was Himmelsmechanik eigentlich ist. Und nicht behaupten, dass &#8222;Astrometrie&#8220; die Wissenschaft der Bewegung von Himmelsk\u00f6rpern unter ihrem gegenseitigen gravitativen Einfluss ist. Bei der Astrometrie geht es um die Positionsbestimmung der Sterne. Und die Entfernungen der Sterne bestimmt man ganz explizit NICHT durch die Messung der Rotverschiebung. Das macht nur bei kosmologischen Entfernungen Sinn, wenn man etwa fernste Galaxien untersucht. Die Sterne die wir vermessen k\u00f6nnen sind alle Teil der Milchstra\u00dfe und gravitativ aneinander gebunden. Da gibt es keine durch die Expansion des Alls verursachte Rotverschiebung. Und zu behaupten das VLBA (&#8222;Very Long Baseline Array&#8220;), <a href=\"https:\/\/public.nrao.edu\/telescopes\/vlba\/\">ein Radioteleskopnetzwerk<\/a> h\u00e4tte &#8222;erstaunlich wenige Funde von wissenschaftlicher Relevanz vorzuweisen&#8220; ist nicht nur falsch sondern eigentlich eine Frechheit!<\/p>\n<figure id=\"attachment_31493\" aria-describedby=\"caption-attachment-31493\" style=\"width: 1083px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Konstantin-Batygin-Mike-Brown_Planet9_Orbit.max-1400x800-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Konstantin-Batygin-Mike-Brown_Planet9_Orbit.max-1400x800-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1083\" height=\"800\" class=\"size-full wp-image-31493\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31493\" class=\"wp-caption-text\">Asteroidenbahnen im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem und m\u00f6gliche Bahn von Planet 9 (<a href=\"https:\/\/www.caltech.edu\/about\/news\/more-support-planet-nine\">Credit: James Tuttle Keane\/Caltech <\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&#8222;Planet Neun&#8220; ist aber nicht nur voller Fehler was die Astronomie angeht. Sondern handelt nicht einmal wirklich von Planet Neun. Das, was St\u00f6ger im Buch tats\u00e4chlich \u00fcber den titelgebenden hypothetischen Himmelsk\u00f6rper schreibt, k\u00f6nnte man auch in einem Magazinartikel unterbringen. Es gibt ja auch tats\u00e4chlich nicht viel konkretes zu sagen. 2016 haben amerikanische Forscher die Bahnen ferner Asteroiden untersucht und darin Hinweise auf St\u00f6rungen gefunden die <i>eventuell<\/i> von einem noch weiter au\u00dfen im Sonnensystem gelegenen unentdeckten Planeten stammen k\u00f6nnten. Den entsprechenden Fachartikel hat St\u00f6ger sogar am Ende seines Buchs abgedruckt. Komplett, in englisch und unkommentiert. Keine Ahnung wieso, denn der Text <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/0004-6256\/151\/2\/22\">ist auch frei im Internet zug\u00e4nglich<\/a>. Und recht viel mehr gibt es dazu eigentlich (noch) nicht zu sagen. Man <i>kann<\/i> Planet Neun nat\u00fcrlich als Anlass nehmen, um ein Buch zu schreiben. Man k\u00f6nnte zum Beispiel die durchaus faszinierende Geschichte der Himmelsmechanik anhand von Planet Neun vorstellen. Angefangen bei der Himmelsbeobachtung in der vorgeschichtlichen Zeit, wo wir aus der Bewegung der Himmelsk\u00f6rper nicht nur einen Kalender sondern auch jede Menge Mythen abgeleitet haben. \u00dcber die Versuche in der Antike herauszufinden wie das Universum\/Sonnensystem aufgebaut ist und welche Rolle die Erde dabei spielt. \u00dcber die Revolutionen durch die Arbeit von Kepler und Newton bis hin zur Sternstunde der Himmelsmechanik als tats\u00e4chlich im 19. Jahrhundert <i>ein unbekannter Planet anhand der Bahnst\u00f6rungen anderer Himmelsk\u00f6rper<\/i> entdeckt wurde: <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/07\/12\/happy-birthday-neptun-die-geschichte-des-einzig-wahren-planet-x\/\">N\u00e4mlich Neptun<\/a>. Man kann die Dynamik von Asteroiden erkl\u00e4ren; man kann sich sogar mit der faszinierenden Mathematik der Chaostheorie besch\u00e4ftigen die die Bewegung der Himmelsk\u00f6rper bestimmen. <\/p>\n<p>St\u00f6ger hat das aber nicht gemacht. Er schreibt \u00fcber alles. Er erkl\u00e4rt den Urknall und die Entstehung der Sterne. Er redet \u00fcber Galaxien und schwarze L\u00f6cher. Er widmet ganze zwei Kapitel der Suche nach intelligenten Aliens im Kosmos. Es gibt ein Kapitel \u00fcber Asteroidenbergbau, &#8222;motiviert&#8220; durch die Frage welche Ressourcen wohl auf Planet Neun zu finden sind. Etc &#8211; das Buch ist voll mit Themen die nix mit Planet Neun zu tun haben oder fast schon mit Gewalt mit Planet Neun in Verbindung gebracht worden sind. Was &#8211; selbst wenn all die Fehler im Text nicht existieren w\u00fcrden &#8211; kein recht ausgewogenes Buch ergibt. St\u00e4ndig wird das Thema gewechselt; nichts wird richtig zu Ende erz\u00e4hlt. Dazu kommen Unmengen an Fussnoten, die so gut wie immer unn\u00f6tig und sehr oft regelrecht besserwisserisch sind. Wenn im Text etwa &#8222;Boston&#8220; als Geburtsort eines Forschers genannt wird, dann braucht es wirklich keine Fussnote die mir erkl\u00e4rt, dass das die Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts ist. St\u00f6ger verwendet W\u00f6rter wie &#8222;Euphemismus&#8220;, nur um gleich auch in einer Fu\u00dfnote zu erkl\u00e4ren, dass das &#8222;Sch\u00f6nrednerei. Von griech. eu=gut und fem\u00ed=sagen&#8220; bedeutet. Eh sch\u00f6n zu wissen, aber wenn ich das Wort sowieso erkl\u00e4re, kann ich doch auch gleich &#8222;Sch\u00f6nrednerei&#8220; im Text schreiben&#8230; Zus\u00e4tzlich zu den nervigen Fu\u00dfnoten ist das Buch auch durchzogen mit Passagen in denen man eine gewisse Skepsis gegen\u00fcber des Wissenschaftsbetriebs erkennen kann. Immer wenn es um theoretische Physik, Quantenmechanik und \u00e4hnliche Themen geht hat man das Gef\u00fchl, dass St\u00f6ger das alles f\u00fcr bestenfalls zweifelhaft h\u00e4lt. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df auch nicht genau, wieso mich gerade dieses Buch so ge\u00e4rgert hat. Schlechte B\u00fccher \u00fcber Wissenschaft gibt es ja leider zuhauf. Vielleicht liegt es daran, dass es um ein Thema geht, das mir pers\u00f6nlich wirklich sehr am Herzen liegt. Die Himmelsmechanik ist wahnsinnig faszinierend und h\u00e4tte eine bessere Behandlung verdient. Und nicht das, was Marcus St\u00f6ger da abgeliefert hat. Ein wirklich gutes Buch das sich unterhaltsam und allgemein verst\u00e4ndlich nur mit der Himmelsmechanik besch\u00e4ftigt kenne ich noch nicht. Es gibt aber das \u00e4u\u00dferst empfehlenswerte Buch <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2HGBUtK\">&#8222;Die Berechnung des Kosmos: Wie die Mathematik das Universum entschl\u00fcsselt&#8220;<\/a> von Ian Stewart, das dieses Thema zumindest zum Teil behandelt. So. Und jetzt hab ich mich genug ge\u00e4rgert.<\/p>\n<p><b>Bald kommt die Zukunft<\/b><\/p>\n<p>Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3j6ilJ4\">&#8222;Bald!: 10 revolution\u00e4re Technologien, mit denen alles gut wird oder komplett den Bach&#8220;<\/a> (im Original: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2HtUNQn\">&#8222;Soonish: Ten Emerging Technologies That Will Improve and\/or Ruin Everything&#8220;<\/a>) von Zach und Kelly Weinersmith schon mal erw\u00e4hnt habe? Aber selbst wenn: Es ist so gut und unterhaltsam, dass man es ohne Probleme mehrfach loben kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/weinersmith.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/weinersmith.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"2458\" class=\"aligncenter size-full wp-image-32940\" \/><\/a><\/p>\n<p>Viele werden Zach Weinersmith als Autor der <a href=\"https:\/\/www.smbc-comics.com\/\">SMBC-Comics<\/a> kennen, die zum besten geh\u00f6ren was es an wissenschaftsbasierten Comics im Internet gibt. F\u00fcr dieses Buch hat er sich mit seiner Frau &#8211; einer Parasitologin &#8211; zusammengetan. Beide haben 10 Technologien untersucht die extrem faszinierend klingen, enorm gro\u00dfe Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben k\u00f6nnten aber vielleicht auch die Welt komplett zugrunde richten \ud83d\ude09 Es geht um den Weltraumfahrstuhl, um Kernfusion, Asteroidenbergbau, Roboter, synthetische Biologie, Bioprinting, und so weiter. In dem Buch werden nat\u00fcrlich nicht nur die Technologien selbst erkl\u00e4rt und das sehr verst\u00e4ndlich. Das interessante sind ja vor allem die Auswirkungen die diese Forschung haben k\u00f6nnten; sowohl die positiven als auch die negativen. Und genau das arbeiten Zach und Kelly Weinersmith sehr gut heraus. Und selbstverst\u00e4ndlich ist alles auch sehr humorvoll geschrieben und durchsetzt mit den wunderbaren Comiczeichnungen im SMBC-Stil. Am Ende jedes Kapitels gibt es dann auch immer noch eine kurze Geschichte die im Laufe der Recherche aufgetaucht ist, eigentlich nicht viel mit dem Thema zu tun hat aber viel zu gut ist, um nicht erz\u00e4hlt zu werden. Zum Beispiel die Geschichte von Gerry Bull, der f\u00fcr Sadam Hussein an einer Superkanone geforscht hat, die tonnenschwere Projektile ins All schie\u00dfen sollte. <\/p>\n<p>Ich hab das Buch aus dem Jahr 2017 eigentlich nur kurz zur Hand genommen, weil ich etwas nachschlagen wollte. Und dann doch noch ein zweites Mal komplett durchgelesen. Es macht einfach enorm gro\u00dfen Spa\u00df. Den ihr auch haben solltet, also lest das Buch!<\/p>\n<p><b>Tintenfisch Science Fiction<\/b><\/p>\n<p>Fast ebenso fantastisch wie die m\u00f6glicherweise bald reale Forschung aus dem Buch der Weinersmiths ist die Science-Fiction-Geschichte <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3kYzt4b\">&#8222;Children of Ruin&#8220;<\/a>, die &#8222;Fortsetzung&#8220; von <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2GiBQiY\">&#8222;Children of Time&#8220;<\/a> (auf deutsch: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3iapjM2\">&#8222;Die Kinder der Zeit&#8220;<\/a> und <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3ij93Zf\">&#8222;Die Erben der Zeit&#8220;<\/a>) von Adrian Tchaikovsky. Den ersten Teil <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2018\/09\/29\/science-fiction-spinnenwelten-fantasy-verschwoerungen-und-ganz-reale-rechtsextreme-die-buchempfehlungen-vom-september-2018\/\">habe ich ja schon mal ausf\u00fchrlich gelobt<\/a>. Und dieses Lob kann ich jetzt nahtlos fortsetzen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/childrenofruin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/childrenofruin.jpg\" alt=\"\" width=\"1659\" height=\"2560\" class=\"aligncenter size-full wp-image-32941\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im zurecht mit vielen Preisen ausgezeichneten ersten Band der Serie geht es um die Entwicklung intelligenter Spinnen auf einem fremden Planeten und das Aufeinandertreffen mit raumfahrenden Menschen. Das klingt schr\u00e4g, ist es auch &#8211; aber es ist eine sehr unterhaltsame und \u00e4u\u00dferst intelligente SciFi-Story. In Teil 2 der Serie wird es noch ein wenig schr\u00e4ger. Obwohl &#8222;Teil 2&#8220; fast schon \u00fcbertrieben ist. Man k\u00f6nnte &#8222;Children of Ruin&#8220; auch unabh\u00e4ngig von &#8222;Children of Time&#8220; lesen; ich w\u00fcrde es aber trotzdem nicht empfehlen. Es ist zwar keine direkte Fortsetzung, aber die Menschen und die intelligenten Spinnen tauchen auch hier wieder als Protagonisten auf und es ist gut, wenn die schon ein bisschen kennt. Neu dazu kommen nun aber Weltraumtintenfische! Auch die sind &#8211; wie die Spinnen im ersten Teil &#8211; das Resultat eines etwas aus dem Ruder gelaufenen Experiments der Menschen bei ihren Bem\u00fchungen einen fremden Planeten terrazuformen. <\/p>\n<p>Tschaikovsky hat sich schon sehr bem\u00fcht, eine hypothetische Spinnenintelligenz glaubw\u00fcrdig zu beschreiben. Was die intelligenten, raumfahrenden Tintenfische angeht hat er sich aber selbst \u00fcbertroffen. Ich will nicht spoilern. Aber es ist faszinierend zu sehen, wie fremd eine Intelligenz sein kann, die doch eine gemeinsame evolution\u00e4re Vergangenheit mit uns teilt. Wie fremd da erst echte au\u00dferirdische Intelligenz sein k\u00f6nnte, kann\/will man sich da gar nicht mehr vorstellen. Tschaikovsky geh\u00f6rt weiterhin zu den originellsten SciFi-Autoren die ich kenne. Sollte man auf jeden Fall lesen!<\/p>\n<p><b>Die Frauen der Mikrobiologie<\/b><\/p>\n<p>Das Buch <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2ScQLOl\">&#8222;Women in Microbiology&#8220;<\/a> herausgegeben von  Rachel J. Whitaker und Hazel A. Barton l\u00e4sst mich ein wenig unschl\u00fcssig zur\u00fcck. In der Biologie werden die Beitr\u00e4ge der Forscherinnen &#8211; so wie in so gut wie allen anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen &#8211; immer noch nicht so ausreichend gew\u00fcrdigt wie es n\u00f6tig und angebracht w\u00e4re. Ein Buch, dass sich genau diesem Thema widmet ist daher prinzipiell eine gute Sache.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/microbiology.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/microbiology.jpg\" alt=\"\" width=\"1001\" height=\"1495\" class=\"aligncenter size-full wp-image-32939\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mir ist aber nicht ganz klar, f\u00fcr welche Zielgruppe &#8222;Women in Microbiology&#8220; herausgegeben wurde. Ich vermute mal, f\u00fcr StudentInnen und ForscherInnen der Mikrobiologie die mehr \u00fcber ihr eigenes Fach erfahren wollen. Ich, als fachfremder Astronom, war vom Inhalt teilweise ein wenig \u00fcberfordert. Dort wo es um die wissenschaftliche Forschung der vorgestellten Frauen geht, ist der Text oft zu wenig allgemeinverst\u00e4ndlich. Dazu kommt, dass alle Kapitel unterschiedliche AutorInnen haben, mit ebenso unterschiedlicher inhaltlicher Zielsetzung und Qualit\u00e4t. Manchmal sind es &#8222;nur&#8220; Erinnerungen ehemaliger Studierender an ihre Professorin. Mal sind es wissenschaftshistorische Abhandlungen. Mal ist es irgendwas dazwischen. Viele Kapitel habe ich gerne gelesen; einige waren z\u00e4h und schwer verst\u00e4ndlich. Als Quellensammlung ist das Buch auf jeden Fall sehr brauchbar. Als leichte Lekt\u00fcre f\u00fcr zwischendurch eher nicht.<\/p>\n<p>Das war der September. Es folgt der Oktober. Hoffentlich dann wieder mit ausschlie\u00dflich guten B\u00fcchern! Bis dahin. <\/p>\n<p> \t<i><span style=\"font-size: xx-small;\">Die Links zu den B\u00fccher sind Amazon-Affiliate-Links. Beim Anklicken werden keine pers\u00f6nlichen Daten \u00fcbertragen.<\/span><\/i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0182f06e193349dc801c4bcc4b0f260e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der September ist fast vorbei und es wird Zeit dar\u00fcber zu reden welche B\u00fccher ich im letzten Monat gelesen habe. Wieder nicht so viele, wie ich gern gelesen h\u00e4tte. Und diesmal auch leider eines \u00fcber das ich mich wirklich ge\u00e4rgert habe. Aber auch ein paar, die ich sehr empfehlen kann. Auf gehts! 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