{"id":25732,"date":"2020-09-23T07:52:20","date_gmt":"2020-09-23T05:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/09\/23\/feuer-frei-auf-dimorphos-wir-beschiessen-einen-asteroiden\/"},"modified":"2025-05-14T16:51:44","modified_gmt":"2025-05-14T14:51:44","slug":"feuer-frei-auf-dimorphos-wir-beschiessen-einen-asteroiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/09\/23\/feuer-frei-auf-dimorphos-wir-beschiessen-einen-asteroiden\/","title":{"rendered":"Feuer frei auf Dimorphos: Wir beschie\u00dfen einen Asteroiden!"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 werden wir die 500 Kilogramm schwere DART-Raumsonde mit einer Geschwindigkeit von 6 Kilometer pro Sekunde auf einen Asteroid schie\u00dfen. Nicht weil wir etwas gegen den kosmischen Felsbrocken haben und ihn unbedingt kaputt machen. Und auch nicht, weil das Ding auf Kollisionskurs mit der Erde ist und wir es dringend abwehren m\u00fcssen. Sondern weil irgendwann ein <i>anderer<\/i> Asteroid f\u00fcr die Erde gef\u00e4hrlich werden <i>k\u00f6nnte<\/i> und es dann recht praktisch w\u00e4re wenn wir w\u00fcssten, was zu tun ist.<\/p>\n<p>Das Thema der <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/tag\/asteroidenabwehr\/\">Asteroidenabwehr habe ich ja schon oft behandelt<\/a>. Ein gro\u00dfer Asteroid der auf die Erde prallt k\u00f6nnte enorm dramatische und fatale Folgen haben. Zum Gl\u00fcck kommt so etwas nur sehr, sehr selten vor. Aber <i>wenn<\/i> es vorkommt, w\u00fcrden wir uns sehr schnell w\u00fcnschen es w\u00e4re nicht vorgekommen. Und zum Gl\u00fcck kann man etwas dagegen unternehmen. Es gibt viele Methoden der Asteroidenabwehr, die vermutlich simpelste besteht aber darin einfach etwas auf den Asteroid zu schmei\u00dfen. Dadurch kann man seine Geschwindigkeit erh\u00f6hen oder verringern was die Bahn ver\u00e4ndert und ihn von einem Kollisionskurs abbringt. <\/p>\n<p>Dinge auf andere Dinge zu werfen klingt nach keiner gro\u00dfen Aufgabe. Dinge auf andere Dinge <i>im Weltraum<\/i> zu werfen ist schon deutlich schwieriger. Und wenn man das ganze dann auch noch so machen m\u00f6chte, dass der Asteroid am Ende genau die Bahn hat, die er haben soll, dann ist das eine Aufgabe, die man vorher ein wenig testen sollte. Genau das war das Ziel der Mission &#8222;AIDA&#8220; (Asteroid Impact &#038; Deflection Assessment) die seit Jahren gemeinsam von NASA und ESA geplant worden ist. Die NASA ist f\u00fcr die Raumsonde DART zust\u00e4ndig, was f\u00fcr &#8222;Double Asteroid Redirection Test&#8220; steht. Die ESA h\u00e4tte AIM bauen sollen, die &#8222;Asteroid Impact Mission&#8220;. DART wird auf einen Asteroid geschleudert und AIM sollte das ganze beobachten und genau vermessen, wie sich die Bahn des Asteroid ver\u00e4ndert. <\/p>\n<p>Ein guter Plan und eine spannende Mission. Das Problem: Im Jahr 2016 musste die ESA ihren Teil der Mission streichen <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/12\/06\/kein-geld-fuer-die-asteroidenabwehrmission-der-esa\/\">weil die Mitgliedsstaaten das n\u00f6tige Geld nicht aufbringen wollten<\/a>. Die NASA hat DART trotzdem fortgesetzt. Am 22. Juli 2021 wird die Sonde starten und im Oktober 2022 wird sie auf den Asteroid treffen. Kurz bevor der Einschlag stattfindet, werden  werden sechs Mini-Satelliten &#8211; LICIACube (Light Italian CubeSat for Imaging of Asteroids) &#8211; abgetrennt die den Einschlag beobachten denn AIM ist ja nun nicht vor Ort um diesen Job zu erledigen.<\/p>\n<p>Ganz hat sich Europa aber nicht aus der Mission zur\u00fcck gezogen. 2019 hat man beschlossen, sich mit der <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Safety_Security\/Hera\">Raumsonde HERA<\/a> zu beteiligen. &#8222;HERA&#8220; steht meines Wissens nach f\u00fcr nix; aber die griechische G\u00f6ttin Hera ist f\u00fcr ihre Beobachtungsgabe bekannt und genau das soll die Raumsonde auch tun. Sie wird allerdings erst 2024 starten und 2027 dort ankommen, wo DART 2022 eingeschlagen ist. Aber der dabei entstandenen Krater l\u00e4sst sich noch analysieren; Hera hat auch einen ganz Schwung Minisatelliten an Bord die die Zusammensetzung des Asteroiden und sein Inneres untersuchen sollen. Und die &#8211; hoffentlich &#8211; ver\u00e4nderte Bahn kann auch noch mal genau vermessen werden. <\/p>\n<figure id=\"attachment_32925\" aria-describedby=\"caption-attachment-32925\" style=\"width: 824px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/65803_didymos_model.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/65803_didymos_model.png\" alt=\"\" width=\"824\" height=\"502\" class=\"size-full wp-image-32925\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32925\" class=\"wp-caption-text\">Modell der beiden Asteroiden die das Ziel der Mission sind (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:65803_didymos_model.png\">Bild:  \tNASA\/Naidu et al., AIDA Workshop, 2016<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich h\u00e4tte es ja trotzdem besser gefunden, wenn beide Sonden gleichzeitig vor Ort gewesen w\u00e4ren. Aber der aktuelle Plan ist besser als gar keine Mission. Und nun hat das Ziel dieser Mission auch <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Safety_Security\/Hera\/Name_given_to_asteroid_target_of_ESA_s_planetary_defence_mission\">endlich einen offiziellen Namen bekommen<\/a>: Dimorphos! Bisher gab es daf\u00fcr nur den Spitznamen <i>&#8222;Didymoon&#8220;<\/i>. Was ein wenig albern klingt, aber immerhin darauf hinweist, dass es sich um einen &#8222;Mond&#8220; handelt. Oder genauer gesagt: Er ist Teil eines Doppelasteroidensystems. Der Hauptk\u00f6rper ist 800 Meter gro\u00df, wurde 1996 entdeckt und hei\u00dft &#8222;Didymos&#8220;. 2003 fand man heraus, das er von einem 160 Meter gro\u00dfen Brocken umkreist wird (ich habe das System <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/04\/29\/sternengeschichten-folge-179-der-doppelasteroid-didymos-und-die-asteroidenabwehr\/\">hier ausf\u00fchrlich vorgestellt<\/a>). <\/p>\n<p><script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/179-sternengeschichten-folge-179-der-doppelasteroid-didymos-und-die-asteroidenabwehr\/embed?context=external\"><\/script><\/p>\n<p>Das ist an sich schon ziemlich interessant; f\u00fcr eine Mission wie AIDA aber optimal. Der kleine Asteroid umkreist den gro\u00dfen einmal alle 12 Stunden. Wenn man nun etwas auf den Asteroidenmond wirft kann man \u00c4nderungen in dessen Bahn also recht schnell identifizieren und leicht vermessen. Und weil &#8222;Didymoon&#8220; kein ordentlicher Name ist, hat man sich nun f\u00fcr &#8222;Dimorphos&#8220; entschieden. Was so viel wir &#8222;zwei Formen&#8220; bedeutet. Und genau darum geht es: Wenn die Mission erfolgreich ist, wird Dimorphos der erste Himmelsk\u00f6rper im All sein, dessen Aussehen und Verhalten von uns Menschen gezielt ver\u00e4ndert worden ist. Was nicht nur wichtig f\u00fcr die Asteroidenabwehr ist sondern auch ziemlich cool&#8230; \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/60c24218073644a1ad428e9c87e95985\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 werden wir die 500 Kilogramm schwere DART-Raumsonde mit einer Geschwindigkeit von 6 Kilometer pro Sekunde auf einen Asteroid schie\u00dfen. 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