{"id":25522,"date":"2020-06-10T09:34:17","date_gmt":"2020-06-10T07:34:17","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/06\/10\/staub-im-all-ist-komplizierter-als-gedacht-und-ja-das-ist-eine-sehr-wichtige-entdeckung\/"},"modified":"2025-05-14T16:50:37","modified_gmt":"2025-05-14T14:50:37","slug":"staub-im-all-ist-komplizierter-als-gedacht-und-ja-das-ist-eine-sehr-wichtige-entdeckung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/06\/10\/staub-im-all-ist-komplizierter-als-gedacht-und-ja-das-ist-eine-sehr-wichtige-entdeckung\/","title":{"rendered":"Staub im All ist komplizierter als gedacht (und ja, das ist eine sehr wichtige Entdeckung!)"},"content":{"rendered":"<p>Staub wird untersch\u00e4tzt. Hier auf der Erde haben wir eine ganze Industrie die nur damit besch\u00e4ftigt ist, dem Staub keine M\u00f6glichkeit zu geben sich anzusammeln. Was ja durchaus ok ist, wenn es um den Staub unterm Sofa geht. Im Weltall ist es aber enorm wichtig dass Staub sich zu immer gr\u00f6\u00dferen &#8222;Staubflusen&#8220; verbinden kann. Denn der Staub dort ist auch nicht unbedingt das Zeug das bei uns auf dem Boden liegt wenn niemand Lust zum Aufr\u00e4umen hat. Da geht es um winzigste Partikel, zum Beispiel aus Grafit (d.h. Kohlenstoff), um Molek\u00fcle und Eiskristalle. Die findet man in gigantischen Wolken zwischen den Sternen und aus genau solchen Wolken k\u00f6nnen neue Sterne entstehen. Aus dem was dabei \u00fcbrig bliebt bilden sich Planeten. Und wenn in der Wolke aus Molek\u00fclen und Staub Bedingungen herrschen so dass sich die Molek\u00fcle zu komplexen Molek\u00fclen verbinden k\u00f6nnen, dann gibt es dort auch die chemischen Bausteine aus denen vielleicht Leben auf den Planeten entstehen kann. Es ist also enorm wichtig, diesen Staub zu verstehen. Denn nur dann k\u00f6nnen wir auch verstehen wie sich Leben entwickeln kann. Und wie eine neue Arbeit von Forscherinnen und Forscher aus Jena und Heidelberg nun zeigt: Wir haben den Staub bis jetzt anscheinend falsch verstanden.<\/p>\n<p>Alexey Potapov, Cornelia J\u00e4ger und Thomas Henning haben sich den kosmischen Staub angesehen. Und zwar nicht im All, sondern auf der Erde. An der Universit\u00e4tssternwarte Jena gibt es eines der wenigen Zentren f\u00fcr &#8222;Laborastronomie&#8220;, also Astronomie die keine reine Beobachtung des Weltalls ist, sondern mit Experimenten im Labor arbeitet. Da werden zum Beispiel unterschiedliche Arten von Staub, Gestein, Molek\u00fclen, und so weiter k\u00fcnstlich hergestellt und exakt untersucht. Und wenn man dann genau wei\u00df, wie und auf welche Art die unterschiedlichen Staubsorten Licht reflektieren, kann man das mit den Beobachtungsdaten vergleichen und herausfinden, was da konkret zwischen den Sternen rumfliegt. In diesem Fall haben die Forscherinnen und Forscher Grafitproben genommen und mit einem Laser beschossen um so genau die Art von Partikeln zu bekommen die auch in den kosmischen Wolken existieren. Und dann geschaut, wie sich auf diesen Teilchen Eis bilden kann (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/2005.00757\">&#8222;Ice coverage of dust grains in cold astrophysical environments&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p>Das ist wichtig, denn es geht ja um die Frage, wie sich simple Atome und Molek\u00fcle zu den komplexen organischen Bausteinen formen k\u00f6nnen aus denen einmal Leben entstehen kann. W\u00fcrde man warten, bis sich im All zuf\u00e4llig ein paar passende Atomen zusammenfinden, w\u00fcrde gar nix interessantes passieren. Denn auch wenn man immer von &#8222;Wolken&#8220; spricht, kann man das nicht mit dem vergleichen was bei uns am Himmel rumfliegt. Die Bedingungen in so einer kosmischen Wolke sind kaum von einem Vakuum zu unterscheiden. Jedes Vakuum das wir hier auf der Erde mit unserer Technik zusammenbringen enth\u00e4lt mehr Teilchen als eine kosmische Wolke auf gleichem Raum. Die kosmische Wolke ist halt nur einfach enorm gro\u00df und enth\u00e4lt insgesamt enorm viele Teilchen. Aber die Chance auf zuf\u00e4lliges Zusammentreffen ist ebenso enorm gering. Hier kommen nun Staub und Eis ins Spiel: Atome und Molek\u00fcle k\u00f6nnen an den Staubk\u00f6rnern kleben bleiben. Wenn dann noch Eis dazu kommt und ausreichend Molek\u00fcle am Staubkorn versammelt sind, k\u00f6nnen genau die chemischen Reaktionen ablaufen, die komplexe organische Bausteine formen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32581\" aria-describedby=\"caption-attachment-32581\" style=\"width: 731px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/staub.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/staub.jpg\" alt=\"\" width=\"731\" height=\"600\" class=\"size-full wp-image-32581\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32581\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.mpia.de\/5110077\/news_publication_14857558_transferred\">Bild: A.M. Quetz\/MPIA<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Bis jetzt hat man sich diesen Vorgang so vorgestellt: Die Staubk\u00f6rner sind eher rund, bzw. kompakt. Und um das Staubkorn herum bilden sich im Laufe der Zeit mehrere Schichten aus Eis, so wie bei den Schalen einer Zwiebel. Die Experimente im Labor haben nun aber ein ganz anderes Bild gezeigt. Die Staubk\u00f6rner hatten eine viel komplexere Form, sie waren lang und ver\u00e4stelt anstatt simple geometrische und kompakte Figuren zu bilden.<\/p>\n<p>Und das hat Konsequenzen! Die Menge an Wassermolek\u00fclen die Eis bilden k\u00f6nnen ist begrenzt. In so einer Wolke gibt es zwar viel davon, aber eben nicht unendlich viel. Und ein langes, ver\u00e4steltes Staubkorn hat eine viel gr\u00f6\u00dfere Oberfl\u00e4che als ein zum Beispiel kugelrundes Staubkorn gleicher Masse. Oder anders gesagt: Es braucht mehr Eis um die Staubk\u00f6rner zu bedecken als man bisher dachte. Was wiederum hei\u00dft: Die typische Eisschicht die ein Staubkorn in einer kosmischen Wolke bedeckt ist <i>d\u00fcnner<\/i> als bisher gedacht. Was sich wenig \u00fcberraschend auch auf die Chemie auswirkt die stattfinden kann. Wo die Eisschicht d\u00fcnn oder vielleicht stellenweise gar nicht vorhanden ist, k\u00f6nnen die Molek\u00fcle direkt auf den Staub treffen und dort chemische Reaktionen schneller ablaufen lassen. Wohin und wie stark sich die Molek\u00fcle bewegen k\u00f6nnen h\u00e4ngt ebenfalls von der Dicke der Eisschicht ab. <\/p>\n<p><i>&#8222;Jetzt [&#8230;] haben wir eine bessere Chance, die grundlegenden chemischen Reaktionen zu verstehen, die sich letztlich bis zur Entstehung von Leben im Universum verfolgen lassen sollten&#8220;.<\/i> sagt Alexey Potapov. Wer wissen will, was da im All abgeht und wie am Ende die Bausteine des Lebens auf die Oberfl\u00e4che eines Planeten kommen, muss die komplexe Form des kosmischen Staubs ber\u00fccksichtigen. Staub ist wichtig und mit dieser neuen Forschungsarbeit noch ein St\u00fcck wichtiger geworden. Putzen k\u00f6nnt ihr zuhause aber trotzdem gerne wieder mal&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/d8c5eb0323bc44ee8ef00a834e98394f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Staub wird untersch\u00e4tzt. Hier auf der Erde haben wir eine ganze Industrie die nur damit besch\u00e4ftigt ist, dem Staub keine M\u00f6glichkeit zu geben sich anzusammeln. Was ja durchaus ok ist, wenn es um den Staub unterm Sofa geht. Im Weltall ist es aber enorm wichtig dass Staub sich zu immer gr\u00f6\u00dferen &#8222;Staubflusen&#8220; verbinden kann. Denn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":25523,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[1314,1915,3468,4563,8446,8547,8732,13779,401,14561],"class_list":["post-25522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","tag-alexey-potapov","tag-astrochemie","tag-cornelia-jaeger","tag-entstehung-des-lebens","tag-komplexe-molekuele","tag-kosmischer-staub","tag-laborastronomie","tag-staubkorn","tag-sternentstehung","tag-thomas-henning"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25522"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25524,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25522\/revisions\/25524"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}