{"id":25460,"date":"2020-08-21T06:00:42","date_gmt":"2020-08-21T04:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/08\/21\/sternengeschichten-folge-404-die-kanaele-des-mars\/"},"modified":"2025-05-14T16:50:16","modified_gmt":"2025-05-14T14:50:16","slug":"sternengeschichten-folge-404-die-kanaele-des-mars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/08\/21\/sternengeschichten-folge-404-die-kanaele-des-mars\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 404: Die Kan\u00e4le des Mars"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_225144_sternengeschichten_folge_404_die_kanale_des_mars.mp3?v=1590053374\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/QU-0s-LTFvQ\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/404-sternengeschichten-folge-404-die-kanale-des-mars\/embed?context=external&#038;token=sv9yzERriX5J1-vd6wYICA\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 404: Die Kan\u00e4le des Mars<\/b><\/p>\n<p>In Folge 404 der Sternengeschichten geht es um etwas das nicht da ist. Was aber sehr viele Menschen sehr lange gesucht haben. Etwas, von dessen Existenz sehr viele Menschen sehr lange \u00fcberzeugt waren. Etwas, das nicht nur die Wissenschaft sondern Filme, B\u00fccher und quasi die ganze Welt beeinflusst hat. Obwohl es gar nicht da ist.<\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt am Mars. Beziehungsweise beginnt sie nat\u00fcrlich auf der Erde. Aber mit Menschen, die den Mars beobachten. Das haben die Menschen nat\u00fcrlich immer schon getan, der Mars ist ja sehr gut auch ohne Teleskop oder andere optische Hilfsmittel am Himmel zu sehen. Aber eben nur als heller Lichtpunkt. WAS da genau abgeht am Mars war lange Zeit unbekannt. Als man dann irgendwann rausfand, dass es sich um einen Planeten handelt, hat man nat\u00fcrlich auch angefangen dar\u00fcber zu spekulieren wie es dort sein k\u00f6nnte. Im Teleskop hat man kaum Details gesehen. Ein paar dunkle Flecken auf einem r\u00f6tlich-braunen Hintergrund. Das k\u00f6nnten Kontinente in einem Ozean sein, haben manche gedacht &#8211; aber wirklich viel hat man nicht gewusst. <\/p>\n<p>Richtig spannend wurde die Geschichte \u00fcber die Beschaffenheit des Mars dann aber im 19. Jahrhundert. Und zwar durch die Beobachtungen des italienischen Astronoms Giovanni Schiaparelli. 1877 war der Mars auf seiner Bahn um die Sonne der Erde besonders nahe. Und Schiaparelli galt als extrem guter Beobachter, kaum jemand konnte so scharf sehen wie er &#8211; was wichtig war, denn damals gab es noch keine moderne Fotografie. Man musste mit den eigenen Augen durchs Teleskop schauen und wenn man das was dort zu sehen war dauerhaft festhalten wollte, musste man es beschreiben oder aufzeichnen. Was Schiaparelli auch getan hat. Er hat d\u00fcnne Linien gesehen, die sich \u00fcber die Oberfl\u00e4che des Mars ziehen, kreuz und quer zwischen den dunklen Flecken und er nannte sie &#8222;canali&#8220;. Das ist italienisch und klingt zwar so wie das deutsche Wort &#8222;Kanal&#8220;, hei\u00dft aber nicht exakt das selbe. Ein Kanal kann zwar auch eine nat\u00fcrliche Struktur sein, zum Beispiel den Weg den sich ein Fluss von selbst durch die Landschaft gr\u00e4bt. Im Allgemeinen versteht man darunter aber eine k\u00fcnstlich angelegte Struktur, um Wasser von einem Punkt zum anderen zu leiten. Das italienische Wort legt aber vorerst keinen k\u00fcnstlichen Ursprung nahe und das hat Schiaparelli auch nicht getan. Er hat das Wort verwendet, weil es zuvor schon vom Astronomen Angelo Secchi aus Rom benutzt worden ist um bestimmte Oberfl\u00e4chenmerkmale auf dem Mars zu bezeichnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32467\" aria-describedby=\"caption-attachment-32467\" style=\"width: 713px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Karte_Mars_Schiaparelli_MKL1888.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Karte_Mars_Schiaparelli_MKL1888.png\" alt=\"\" width=\"713\" height=\"394\" class=\"size-full wp-image-32467\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32467\" class=\"wp-caption-text\">Schiaparellis Karte des Mars (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Karte_Mars_Schiaparelli_MKL1888.png\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als die Menschen im Rest der Welt von Schiaparellis Entdeckung erfahren haben, ging der feine Unterschied zwischen k\u00fcnstlichen und nat\u00fcrlichen Kan\u00e4len aber verloren; die Forschungsergebnisse wurde in verschiedene Sprachen \u00fcbersetzt und so gut wie immer hat man dabei ein Wort zur Beschreibung der &#8222;canali&#8220; verwendet das einen k\u00fcnstlichen Ursprung nahelegt. Was nat\u00fcrlich auch die Neugier angefeuert hat: Als der Mars das n\u00e4chste Mal nahe an der Erde war, blickten viel mehr Astronomen als vorher hin und einige konnten die Kan\u00e4le des Mars ebenfalls sehen. Und viele waren fest davon \u00fcberzeugt, hier das Wirken einer intelligenten Zivilisation zu beobachten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren viele Menschen innerhalb und au\u00dferhalb der Astronomie der Meinung der Mars w\u00e4re nicht nur ein lebensfreundlicher Planet, sondern einer auf dem auch Leben existiert. Und nicht nur Leben, sondern intelligentes Leben. Eine Zivilisation die \u00e4lter ist als die unsere, fortgeschrittener und m\u00e4chtiger; so m\u00e4chtig immerhin, dass sie die Oberfl\u00e4che ihres Planeten mit gigantischen Kan\u00e4len \u00fcberziehen kann, die sogar noch von der Erde aus zu sehen sind. <\/p>\n<p>\u00dcberall haben die Menschen angefangen, sich mit dem Mars zu besch\u00e4ftigen. Es wurden B\u00fccher \u00fcber die Marsmenschen geschrieben. Teleskope zur Marsbeobachtung gebaut. Man hat \u00fcberlegt, ob und wie man mit den Bewohnern des Mars kommunizieren kann. Einer, der ganz besonders fasziniert von der ganzen Geschichte war, war der Amerikaner Percival Lowell. Er wurde am 13. M\u00e4rz 1855 geboren und hatte von Anfang an nicht unbedingt das Problem sich um einen guten Job k\u00fcmmern zu m\u00fcssen. Seine Familie ware eine der reichsten in ganz Boston; Lowell studierte in Harvard Mathematik und interessierte sich immer schon f\u00fcr Astronomie. Nachdem er ein paar Jahre eine Textilfirma geleitet hatte und durch Asien gereist war, hat er beschlossen, sich ganz der Astronomie zu widmen. Die Entdeckung der Marskan\u00e4le durch Giovanni Schiaparelli hat ihn extrem fasziniert; er war absolut und fest davon \u00fcberzeugt dass auf dem Mars intelligentes Leben existiert und wollte der Welt den Beweis daf\u00fcr liefern. 1893 lie\u00df er daf\u00fcr eine eigene Sternwarte bauen, in Arizona. Diese &#8222;Lowell-Sternwarte&#8220; war aus damaliger Sicht gut gelegen, \u00fcber 2000 Meter hoch, mitten in einer trockenen Gegend und weit ab von allen Lichtern der St\u00e4dte. Dort blickten Lowell und seine Assistenten Nacht f\u00fcr Nacht zum Mars und fertigten Zeichnungen der Kan\u00e4le an. Und beobachteten, wie der Mars sich ver\u00e4ndert. Denn das war ein weiteres sicheres Anzeichen f\u00fcr Lowell dass er Recht hatte. Mal waren die Kan\u00e4le gut zu sehen; mal weniger gut. Mal waren sie dicker, mal d\u00fcnner, sie ver\u00e4nderten ihre Farbe und das konnte nur eines bedeuten: Dort war nicht nur jemand, der aktiv die Oberfl\u00e4che des Mars ver\u00e4ndert. Man konnte auch sehen, wie im Laufe der Jahreszeiten die Pflanzen am Rande der Kan\u00e4le wachsen. Der Mars war eine Welt wie die Erde!<\/p>\n<p>Allein im ersten halben Jahr seiner Beobachtungskampagne wurden fast 1000 Bilder des Mars gezeichnet. 1894 konnten Lowell und seine Mitarbeiter schon 183 Kan\u00e4le auf dem Mars in ihre Liste eintragen; am Ende waren es fast 700. Lowell wollte den Mars aber nicht nur erforschen sondern der Welt auch mitteilen was er herausgefunden hatte. 1895 schrieb er daher das erste popul\u00e4rwissenschaftliche Buch zum Thema, mit dem simplen Titel &#8222;Mars&#8220;. Darin legte er seine Theorie dar, dass n\u00e4mlich der Mars ein Planet mit einer Atmosph\u00e4re ist, dass es sich um eine alte Welt handelt; \u00e4lter als die Erde und es dort bis auf das Eis der Pole kein Wasser gibt. Weswegen die Marsbewohner die gigantischen Kan\u00e4le bauen m\u00fcssen um dieses Wasser \u00fcberall hin zu leiten und k\u00fcnstliche Oasen schaffen zu k\u00f6nnen. Das Buch war ein gro\u00dfer Erfolg, ebenso wie die nachfolgenden B\u00fccher &#8222;Mars und seine Kan\u00e4le&#8220;, &#8222;Mars als St\u00e4tte des Lebens&#8220; und &#8222;Die Evolution der Welten&#8220;.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32468\" aria-describedby=\"caption-attachment-32468\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Lowell_Mars_channels.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Lowell_Mars_channels.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"409\" class=\"size-full wp-image-32468\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32468\" class=\"wp-caption-text\">Lowells Marskan\u00e4le (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Lowell_Mars_channels.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nicht alle Kollegen von Lowell waren aber so \u00fcberzeugt vom Leben auf dem Mars wie er. Es hat von Anfang an Kritik an seiner Arbeit gegeben beziehungsweise Kritik am grundlegenden Befund. Die Linien am Mars sind gar nicht da, sondern nur optische T\u00e4uschungen oder durch Fehler im Teleskop entstanden. Und wenn da Linien zu sehen sind, dann m\u00fcssen die nichts mit Leben zu tun und schon gar nicht k\u00fcnstlich angelegt sein. Der englische Astronom Walter Maunder zum Beispiel hat extra ein Experiment durchgef\u00fchrt. Er lie\u00df eine Gruppe von Schulkindern ein Bild des Mars betrachten auf denen keine Kan\u00e4le zu sehen waren. Die Kinder sollten das Bild kopieren und zeichneten dabei Linien ein, die nicht auf dem urspr\u00fcnglichen Bild waren. Das liegt, so Maunder, am menschlichen Auge, das kleine Details die es nicht gut erkennen kann, zu Linien zusammenfasst. Die Marskan\u00e4le sind nicht wirklich da, sie entstehen erst im Auge des Beobachters. So einen Effekt gibt es tats\u00e4chlich; genau das macht unser Gehirn wenn es unter bestimmten Kontrastverh\u00e4ltnissen Bilder interpretieren muss. Aus nebeneinander liegenden Punkten werden dann Linien. <\/p>\n<p>Man hatte auch Anfang des 20. Jahrhunderts immer noch das Problem, dass es keine objektiven Bilder vom Mars gab. Man musste mit den eigenen Augen durchs Teleskop schauen. Und wer das schon mal gemacht hat, wei\u00df wie knifflig es ist, da etwas zu erkennen. Der Mars ist nur ein winziges Scheibchen, das auch nicht still steht, sondern hin und her zu springen scheint, weil sich unsere Augen immer ein wenig bewegen und auch die Luftunruhen die Beobachtung st\u00f6ren. Das Bild ist verwaschen und unklar und nur wenn die Luft kurz einmal ruhig ist, kann man f\u00fcr einen kurzen Moment ein halbwegs klares Bild sehen, bevor alles wieder unscharf wird. Man muss viel \u00dcbung in der Beobachtung mit einem Teleskop haben um \u00fcberhaupt etwas zu sehen. Und selbst dann kann man das, was man sieht, nicht dauerhaft und objektiv festhalten. Deswegen versuchte Lowell auch alles, um endlich ein Foto der Marskan\u00e4le machen zu k\u00f6nnen. Dann w\u00e4re der Streit endlich vom Tisch, niemand k\u00f6nnte mehr dran zweifeln. Denn er hatte keine Lust mehr sich anzuh\u00f6ren, die Linien w\u00fcrden nur in seinem Kopf existieren. Dass er bei den Beobachtungen in seiner Sternwarte nicht nur am Mars sondern auch auf der Venus und dem Merkur Netzwerke aus Linien sah, hat seiner Sache aber nicht unbedingt geholfen&#8230; Auch nicht, dass immer mehr andere Astronomen erkl\u00e4rten, sie w\u00fcrden keine Kan\u00e4le irgendwo erkennen k\u00f6nnen. Zum Beispiel George Ellery Hale, dem immerhin das Teleskop der Mount Wilson Sternwarte zur Verf\u00fcgung stand und dort eines der gr\u00f6\u00dften und st\u00e4rksten Teleskope der Welt. <\/p>\n<p>1902 kam ein neuer Mitarbeiter an die Lowell-Sternwarte: Carl Otto Lampland. Der sollte Mars endlich fotografieren. Was ihm am 11. Mai 1905 auch gelang. Das war eine durchaus beeindruckende Leistung. Die kleine hin und her h\u00fcpfende Scheibe eines Planeten im Teleskop auf ein fotografisches Bild zu bannen erschien damals fast unm\u00f6glich. Aber Lampland hat es hingekriegt und Lowell hat sofort eine entsprechende Nachricht verbreitet. <a href=\"https:\/\/ui.adsabs.harvard.edu\/abs\/1905AN....169...47L\/abstract\">&#8222;Die Kan\u00e4le des Mars &#8211; Fotografiert&#8220;<\/a> war der Titel der kurzen Notiz, die im Juli 1905 in den Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht wurde. Endlich hatte man ein Bild, auf dem die Kan\u00e4le zu sehen war. Allerdings nicht f\u00fcr alle. Am Ende seines Artikels hat Lowell geschrieben: &#8222;Von einer Reproduktion der beiden Photographien mu\u00df ich absehen, da die vielen feinen Details nicht gen\u00fcgend zum Ausdruck kommen w\u00fcrden&#8220;. Was tats\u00e4chlich problematisch war: Das fotografische Bild war winzig und die Drucktechnik nicht genau genug. In Zeitungen abgebildet w\u00fcrde man nichts von den Kan\u00e4len sehen. Die Kan\u00e4le konnte wieder nur Lowell im Original des Fotos erkennen, der Rest der Welt hatte leider nichts davon. <\/p>\n<figure id=\"attachment_32478\" aria-describedby=\"caption-attachment-32478\" style=\"width: 697px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Mars-Lampland.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Mars-Lampland.jpg\" alt=\"\" width=\"697\" height=\"806\" class=\"size-full wp-image-32478\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32478\" class=\"wp-caption-text\">Lamplands Bild vom Mars (ohne Kan\u00e4le)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Lampland hat f\u00fcr sein Foto des Mars zwar einen Preis der Royal Photographic Society von Gro\u00dfbritannien bekommen, denn die Leistung ein Foto von einem Planeten zu machen war, wie gesagt, durchaus beeindruckend. Der Streit um die Marskan\u00e4le konnte dadurch aber nicht gel\u00f6st werden. Lowell ver\u00f6ffentlichte weiter seine B\u00fccher, beobachtete weiter den Mars. Die Menschen waren weiterhin beeindruckend von der M\u00f6glichkeit einer Zivilisation auf dem Mars. Die Astronomen aber immer mehr der Meinung, dass es die Dinger gar nicht gibt. Vor allem weil im Laufe der Zeit auch immer deutlicher wurde, dass der Mars keine sonderlich lebensfreundliche Welt ist. Er hat zwar eine Atmosph\u00e4re, aber eine extrem d\u00fcnne. Die Temperaturen sind enorm niedrig und all das sprach nicht sonderlich f\u00fcr Lowells Thesen, wie ganz besonders Alfred Russel Wallace immer wieder in der \u00d6ffentlichkeit erkl\u00e4rt hat. Und der war nicht irgendwer, sondern einer der f\u00fchrenden Biologen seiner Zeit, der unabh\u00e4ngig von Charles Darwin die Evolutionstheorie entwickelt hat. Auch einige Mitarbeiter der Lowell-Sternwarte waren der Meinung, die Kan\u00e4le sie sie selbst beobachten konnten, w\u00e4ren eher optische T\u00e4uschungen oder psychologische Effekte und nicht real. <\/p>\n<p>1909 war der Mars wieder mal sehr nahe an der Erde. Gro\u00dfe Teleskope wurden auf den Nachbarplaneten gerichtet und die meisten haben keine Anzeichen von Kan\u00e4len gefunden. Mittlerweile war man auch in der Lage, die Zusammensetzung der Marsatmosph\u00e4re aus dem Licht zu bestimmen, dass der Planet reflektiert. Und nirgendwo war dort eine Spur von Wasser zu sehen. So gro\u00df die Begeisterung \u00fcber die Marskan\u00e4le auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts war: Jetzt wurde immer mehr klar, dass da viel L\u00e4rm um Nichts stattgefunden hatte. Es gab immer noch hier und da ein paar Leute, die weiterhin von ihrer Existenz \u00fcberzeugt waren. Aber nicht viele. Percival Lowell selbst war bis zu seinem Tod am 12. November 1916 nicht davon zu \u00fcberzeugen, dass er sich geirrt hat. <\/p>\n<p>Die Zivilisation am Mars verschwand, so schnell wie sie aufgetaucht war. Man hielt es zwar immer noch f\u00fcr m\u00f6glich, dass es am Mars simple Formen von Pflanzen gibt, aber an kanalbauende Marsmenschen hat niemand mehr gedacht. Sp\u00e4testens 1965 war es dann endg\u00fcltig vorbei: Da hat die amerikanische Raumsonde Mariner 4 den Mars erreicht und gezeigt, dass es dort nicht nur keine Kan\u00e4le gibt, sondern auch kein Wasser und keine offensichtlichen Anzeichen von Leben. Der Mars ist eine kalte, lebensfeindliche W\u00fcste. <\/p>\n<p>Was genau Schiaparelli, Lowell und die anderen gesehen haben oder gesehen geglaubt zu haben, ist nicht ganz klar. Die Teleskope waren damals nicht so gut wie heute, und Fehler in den Linsen k\u00f6nnen durchaus zu entsprechenden Effekten f\u00fchren. Staubst\u00fcrme am Mars k\u00f6nnten ebenfalls den Eindruck von Linien hervorrufen. Diverse optische und psychologische T\u00e4uschungen k\u00f6nnen uns Linien sehen lassen, wo keine sind &#8211; ganz besonders dann, wenn wir fest davon \u00fcberzeugt sind, dass man dort Linien sehen sollte. <\/p>\n<figure id=\"attachment_32469\" aria-describedby=\"caption-attachment-32469\" style=\"width: 2400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Water_ice_clouds_hanging_above_Tharsis_PIA02653_black_background.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Water_ice_clouds_hanging_above_Tharsis_PIA02653_black_background.jpg\" alt=\"\" width=\"2400\" height=\"2400\" class=\"size-full wp-image-32469\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32469\" class=\"wp-caption-text\">Mars: Selbst mit Sendersuchlauf findet man da keine Kan\u00e4le (<a href=\"https:\/\/www.jpl.nasa.gov\/spaceimages\/details.php?id=PIA02653\">Bild: NASA\/JPL\/MSSS<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir wissen nun auf jeden Fall, dass es die Marskan\u00e4le nicht gibt. Sie haben die Welt aber trotzdem beeinflusst. Die Lowell-Sternwarte ist auch nach Percival Lowells Tod in Betrieb geblieben und hat sich zu einem wichtigen Zentrum f\u00fcr Planetologie entwickelt. Dort hat man im Jahr 1930 den Pluto entdeckt und auch heute noch arbeitet man in der modernen Spitzenforschung mit. Die Marskan\u00e4le dagegen haben die Literatur beeinflusst. 1897 zum Beispiel hat H.G. Wells sein ber\u00fchmtes Buch &#8222;Krieg der Welten&#8220; geschrieben, in dem die Bewohner des Mars die Erde angreifen, weil ihr eigener Planet zu einer trockenen W\u00fcste geworden ist und sie auf die Erde ausweichen wollen. Ich k\u00f6nnte noch Unmengen an Science-Fiction und andere Literatur aufz\u00e4hlen, die von der Idee der Marsmenschen und ihrer Kan\u00e4le beeinflusst worden sind. Nat\u00fcrlich waren die Beobachtungen im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert nicht allein daf\u00fcr verantwortlich, dass der Mars in Film und Literatur zur Standardheimat der Aliens geworden ist. Aber sie hatten mit Sicherheit einen gro\u00dfen Anteil daran.<\/p>\n<p>Die Marskan\u00e4le gibt es nicht. Aber wer wei\u00df &#8211; vielleicht lassen wir ja irgendwann mal die Science Fiction real werden, besiedeln den Mars selbst und graben dort unsere eigenen Kan\u00e4le&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e749daecef50449c97a4223c81ac5301\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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