{"id":25443,"date":"2020-08-07T06:00:29","date_gmt":"2020-08-07T04:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/08\/07\/sternengeschichten-folge-402-das-orion-projekt\/"},"modified":"2025-05-14T16:50:06","modified_gmt":"2025-05-14T14:50:06","slug":"sternengeschichten-folge-402-das-orion-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2020\/08\/07\/sternengeschichten-folge-402-das-orion-projekt\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 402: Das Orion-Projekt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/media\/podcast_7374_sternengeschichten_episode_220584_sternengeschichten_folge_402_das_orion_projekt.mp3?v=1589386629\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/mY-MnUk4a74\">YouTube-Video<\/a>.<\/i> Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei <b><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/0ikLkbZTH9yjuwetyBheXX\">Spotify<\/a><\/b>.<\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>]<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n<script class=\"podigee-podcast-player\" src=\"https:\/\/cdn.podigee.com\/podcast-player\/javascripts\/podigee-podcast-player.js\" data-configuration=\"https:\/\/sternengeschichten.podigee.io\/402-sternengeschichten-folge-402-das-orion-projekt\/embed?context=external&#038;token=_2CEYXTSOA-mFgMQPdPx6g\"><\/script><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 402: Das Orion-Projekt<\/b><\/p>\n<p>Das Orion-Projekt! Das klingt nach dem Titel eines schlechte Thrillers oder nach Science-Fiction. Und ein wenig Science-Fiction ist heute auch dabei. Das eigentliche Thema ist aber Raumfahrt. Beziehungsweise nicht Raumfahrt allgemein sondern ein ganz spezieller Antrieb f\u00fcr Raketen und Raumschiffe. Ein Antrieb, mit dem es theoretisch auch m\u00f6glich w\u00e4re, in halbwegs vern\u00fcnftiger Zeit zu anderen Sternen zu fliegen. Und dessen Bau ebenso theoretisch innerhalb unserer technischen M\u00f6glichkeiten liegen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Grundidee klingt ebenso einfach wie komplett absurd: Das Raumschiff wird mit Atombomben durchs Weltall gesprengt! Wenn man sich die Sache aber ein wenig genauer anschaut, klingt sie nicht mehr ganz so absurd. Im Prinzip geht es ja bei jedem Raketenantrieb um das R\u00fccksto\u00dfprinzip. Vereinfacht gesagt: Es wird etwas in die eine Richtung weggeschleudert damit man sich in die andere Richtung bewegen kann. Bei einer klassischen Rakete sind das die hei\u00dfen Gase die bei der Verbrennung des Treibstoffs enorm schnell ausgesto\u00dfen werden. Wodurch sich die Rakete dann ebenso enorm schnell in die andere Richtung bewegt. Aber das Prinzip kann man auch anders umsetzen, zum Beispiel durch fortlaufende Explosionen. Der deutsche Erfinder Hermann Ganswindt hatte schon 1880 so eine Idee. Er wollte Dynamitexplosionen nutzen, um ein Raumschiff im All anzutreiben. <\/p>\n<p>Auch der Russe Nikolai Iwanowitsch Kibaltschitsch hatte zur gleichen Zeit unabh\u00e4ngig von Ganswindt die Idee, eine Rakete durch Bombenexplosionen fortzubewegen. Er hat sich in seinem Leben immer schon durchaus intensiv mit den Bomben besch\u00e4ftigt. Unter anderem baute er eine, die am 1. M\u00e4rz 1881 den russischen Zar Alexander II get\u00f6tet hat. Weswegen er verhaftet und zum Tode verurteilt worden ist. Bis zur Hinrichtung hat es knapp 2 Wochen gedauert und die Zeit im Gef\u00e4ngnis nutzte Kibaltschitsch um einen kurzen Artikel \u00fcber Raketenantriebe mit Bombenexplosionen zu schreiben. Ob das echtes Interesse an der Raumfahrt war oder nur der Wunsch seinen t\u00f6dlichen Bomben auch einen friedlichen Zweck zu geben, ist unbekannt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32428\" aria-describedby=\"caption-attachment-32428\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Exercise_Desert_Rock_I_Buster-Jangle_Dog_001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Exercise_Desert_Rock_I_Buster-Jangle_Dog_001.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"738\" class=\"size-full wp-image-32428\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32428\" class=\"wp-caption-text\">Ne, so fliegt man nicht ins All (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Exercise_Desert_Rock_I_(Buster-Jangle_Dog)_001.jpg\">Bild: US Army, gemeinfrei<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein bisschen schlechtes Gewissen war dann vielleicht auch in den 1950er Jahren dabei, als man in den USA das Projekt Orion gestartet hat. Im Bombenbauen war man mittlerweile und leider wirklich sehr gut geworden. In den 1940er Jahren forschte Amerika intensiv am Bau der Atombombe, am 16. Juli 1945 wurde die erste davon erfolgreich gez\u00fcndet und im August setzte man die neue Waffe in Hiroshima und Nagasaki erstmals gegen Menschen ein. Dann begann das gro\u00dfe Wettr\u00fcsten zwischen den USA und der Sowjetunion und Atombomben waren \u00fcberall. Manche Wissenschaftler dachten aber nicht nur \u00fcber ihren Einsatz als Waffe nach, sondern wollten die schreckliche neue Technik auch f\u00fcr andere und friedlichere Zwecke einsetzen.<\/p>\n<p>Stanis\u0142aw Ulam zum Beispiel, der als Mathematiker einer der f\u00fchrenden Forscher beim Bau der amerikanischen Atombomben war. 1946 untersuchte er die M\u00f6glichkeiten eines &#8222;nuklearen Pulsantriebs&#8220;. Was nichts anderes hei\u00dft als: Die Explosion von Atombomen als Schubkraft f\u00fcr ein Raumschiff zu verwenden. Nat\u00fcrlich muss man sich da vorher gut \u00fcberlegen, was und wie man das anstellt. Das allgemeine Prinzip sieht so aus: Zuerst einmal kann man nat\u00fcrlich nicht irgendwelche Atombomben nehmen, die m\u00fcssen schon speziell f\u00fcr diesen Zweck gebaut werden und sind allgemeinen kleiner als die Dinger, die man konstruiert um St\u00e4dte zu zerst\u00f6ren. Man will auch m\u00f6glichst wenig &#8222;Fallout&#8220; haben, also radioaktives Zeug dass bei der Explosion frei wird. Au\u00dferdem sollen diese speziellen Bomben auch Treibmittel aussto\u00dfen, also Material das mit der Explosion aus der Bombe geschleudert wird. Einerseits kann das dann einen Teil der radioaktiven Strahlung abschirmen. Und andererseits beim Antrieb helfen und um das geht es ja. <\/p>\n<p>Man nimmt dann so eine Bombe und st\u00f6\u00dft sie hinten aus dem Raumschiff aus. Ein paar Meter bzw ein paar Dutzen Meter weit weg. Dort explodiert die Bombe und das ganze Zeug das bei der Explosion freigesetzt wird, trifft auf eine spezielle &#8222;Prallplatte&#8220;. Dieses sehr wichtige Ding ist am Heck des Raumschiffs montiert, also hinten. Die Platte wird von der Wucht der Explosion getroffen. Der dabei entstehende Schub bewegt das Raumschiff nach vorn. Die Prallplatte muss also auch in der Lage sein, diese Wucht auszuhalten. Was man auch noch dringend braucht sind Sto\u00dfd\u00e4mpfer. Denn bei so einer Atombombe kann man nicht langsam Gas geben oder die Geschwindigkeit behutsam erh\u00f6hen. Die explodiert und fertig. Die starke Beschleunigung die dann \u00fcber die Prallplatte auf das Raumschiff \u00fcbertragen wird, muss man ein wenig abfangen und d\u00e4mpfen, damit sie nicht die Nutzlast und\/oder die Besatzung besch\u00e4digt. <\/p>\n<figure id=\"attachment_32431\" aria-describedby=\"caption-attachment-32431\" style=\"width: 877px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Project-Orion_propulsion-module_section.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Project-Orion_propulsion-module_section.png\" alt=\"\" width=\"877\" height=\"877\" class=\"size-full wp-image-32431\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32431\" class=\"wp-caption-text\">Konzept des Atombombenantriebs von 1964 (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Project-Orion_propulsion-module_section.png\">Bild: NASA, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und das war es auch schon wieder, zumindest wenn es um das grundlegende Prinzip geht. Die Bombe explodiert, die Treibmittel werden ausgesto\u00dfen, treffen auf die Prallplatte und schieben das Raumschiff an. Mit einer einzigen Bombe w\u00fcrde man allerdings nicht sehr weit kommen. Man muss in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden immer wieder Bomben zur Explosion bringen, ungef\u00e4hr eine pro Sekunde, wenn man das Raumschiff auf vern\u00fcnftige Geschwindigkeiten bringen will. Da ist n\u00e4mlich einiges an Masse zu bewegen! Erstmal die ganzen Atombomben, die ja nicht unbedingt leicht sind. Und dann das ganze massive Schiff selbst. Was auch immer man mit einem nuklearen Pulsantrieb antreiben will: Das Ding muss massiv gebaut sein! Einmal, um die Belastung selbst auszuhalten. Und dann nat\u00fcrlich auch, um eine etwaige Besatzung von der radioaktiven Strahlung zu sch\u00fctzen. Je gr\u00f6\u00dfer man das Schiff baut, desto gr\u00f6\u00dfer und massiver muss auch die Prallplatte sein &#8211; was aber andererseits auch bedeutet, dass das Schiff dann noch effektiver beschleunigt werden kann. In dem Fall ist ein massives Schiff also kein Nachteil.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Das Prinzip ist nicht so kompliziert. Es spricht nichts dagegen, dass das alles so funktionieren kann. Genau deswegen hat man in den 1950er Jahren auch begonnen, es ernsthaft zu erforschen. Zuerst bei der Firma &#8222;General Atomics&#8220;, die im wesentlichen gegr\u00fcndet wurde um neue Methoden f\u00fcr die Nutzung von Atombomben und Atomenergie zu finden. Viele der Forscher die beim Bau der Kernwaffen mitgearbeitet hatten, waren auch an dieser Forschung beteiligt und eines der Projekte war ein nuklearer Pulsantrieb. Man hatte gro\u00dfe Pl\u00e4ne, wollte bis 1965 zum Mars fliegen und bis 1970 noch weiter hinaus ins Sonnensystem, bis zum Saturn. Kurze Zeit sp\u00e4ter flog tats\u00e4chlich das erste k\u00fcnstliche Objekt durchs All. Allerdings nicht mit Atombomben angetrieben &#8211; es war der sowjetische Satellit Sputnik und die USA wurden ein wenig hektisch um nicht den Anschluss zu verlieren. Das Verteidigungsministerium f\u00f6rderte daraufhin jede Menge Raumfahrtforschung, unter anderem auch den nuklearen Pulsantrieb von General Atomics, der mittlerweile den Namen &#8222;Projekt Orion&#8220; bekommen hatte.<\/p>\n<p>1958 \u00fcbernahm das Verteidigungsministerium die Forschung am Atombomenantrieb selbst und man baute sogar ein echtes Modell. Im November 1959 flog es immerhin 100 Meter hoch und wurde nat\u00fcrlich nicht mit echten Atombomben angetrieben. Sondern mit normalen Sprengstoff und es war auch nur 120 Kilogramm schwer. Aber es flog und das Prinzip war demonstriert. Vor allem konnten jetzt auch alle die, die das ganze Projekt f\u00fcr kompletten Quatsch gehalten hatten, direkt sehen, dass es prinzipiell machbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>1959 ging die Forschung am Projekt Orion an die milit\u00e4rische Air Force. Die wollten aber unbedingt auch einen milit\u00e4rischen Einsatzzweck daf\u00fcr finden, was aber nicht so ganz geklappt hat, weswegen das ganze nicht mehr finanziert worden ist. Die Wissenschaftler fragten bei der NASA nach, ob die Interesse h\u00e4tten. Hatten sie aber nicht so wirklich, sie haben es nur widerwillig gef\u00f6rdert. Man wollte lieber bei den konventionellen Raketenantrieben bleiben. Am Ende war es eine Mischung aus Vernunft und B\u00fcrokratie die 1965 zum Ende von Projekt Orion gef\u00fchrt haben. 1963 trat der internationale &#8222;Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffentests in der Atmosph\u00e4re, im Weltraum und unter Wasser&#8220; in Kraft. Was \u00e4u\u00dferst vern\u00fcnftig war, denn diese ganzen Atombombentests hatten jede Menge unangenehme Auswirkungen auf die Umwelt. Und dann gab es auch noch b\u00fcrokratische Streitigkeiten. Die Air Force des Verteidigungsministeriums wollte nur mitarbeiten, wenn die NASA richtig viel Geld in das Projekt steckt. Die NASA wollte aber lieber richtig viel Geld in ihr Apollo-Programm f\u00fcr den bemannten Flug zum Mond stecken und hat die Finanzierung f\u00fcr das Orion-Projekt 1964 komplett gestrichen. Und 1965 wurde das ganze Ding dann auch offiziell beendet. <\/p>\n<figure id=\"attachment_32430\" aria-describedby=\"caption-attachment-32430\" style=\"width: 999px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Orion_vehicule_design.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Orion_vehicule_design.png\" alt=\"\" width=\"999\" height=\"462\" class=\"size-full wp-image-32430\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32430\" class=\"wp-caption-text\">Konzept einer Orion-Rakete von 1964 (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Orion_vehicule_design.png\">Bild: NASA, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer wei\u00df wie die Welt heute aussehen w\u00fcrde, wenn man damals ernsthaft am Orion-Projekt weiter gearbeitet h\u00e4tte. Wie gesagt: Rein technisch w\u00e4re der Bau so eines Raumschiffs durchaus m\u00f6glich. Die Saturn-V-Raketen zum Beispiel, mit der in den 1960er Jahren Menschen ja tats\u00e4chlich ins All und bis zum Mond geflogen sind, war auch nicht viel weniger kompliziert. Die Saturn V hatte eine gesamte Masse von 3000 Tonnen, ein Orion-Raumschiff je nach Bauart irgendwas zwischen 100 und 4000 Tonnen. Die Saturn V war 111 Meter hoch; ein Orion-Schiff mit 50 bis 60 Meter w\u00e4re nur halb so gro\u00df gewesen. Und im Gegensatz zu den knapp 50 Tonnen Nutzlast die die Saturn auf den Mond bringen konnte, h\u00e4tte man mit Orion weit \u00fcber 1000 Tonnen auf den Mond transportieren k\u00f6nnen. Der Bau einer Mondstation w\u00e4re m\u00f6glich gewesen. Genau so wie ein Flug zum Mars &#8211; oder sogar zu einem anderen Stern. Je nachdem wie man das Orion-Schiff umgesetzt h\u00e4tte, h\u00e4tte man damit den n\u00e4chsten Stern &#8211; Alpha Centauri &#8211; in 100 bis 1000 Jahren Flugzeit erreichen k\u00f6nnen. Das ist immer noch lange und l\u00e4nger als ein Mensch lebt. Aber wenn man nicht zehntausende oder hunderttausende Jahre unterwegs sein will UND wenn man sich auf technisch machbare L\u00f6sungen beschr\u00e4nkt und nicht irgendwelche Science-Fiction-Konzepte von Warp-Antrieb oder Wurml\u00f6chern in Betracht zieht, ist der nukleare Pulsantrieb die beste und einzige L\u00f6sung die wir f\u00fcr den Fall haben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re so ein interstellares Raumschiff immer noch enorm teuer. Der Bau h\u00e4tte damals ein paar hundert Milliarden bis Billionen Dollar gekostet. Und trotz der prinzipiellen technischen Machbarkeit w\u00e4ren noch genug Probleme \u00fcbrig geblieben. Beim Start von der Erde aus w\u00e4re es zwangsl\u00e4ufig zu einer radioaktiven Verseuchung der Atmosph\u00e4re gekommen. Nicht so, dass wir alle sterben m\u00fcssen &#8211; aber auch nicht so, dass es komplett unbedenklich gewesen w\u00e4re. Und was, wenn irgendwo bei der ganzen Sache ein Unfall passiert. Das ist schon tragisch genug, wenn es bei einer normalen Rakete passiert (was ja leider mehrmals in der Geschichte der Raumfahrt der Fall war). Wenn es aber einen Raumschiff passiert das tausende Atombomben an Bord hat, wird es wirklich unangenehm. <\/p>\n<figure id=\"attachment_32429\" aria-describedby=\"caption-attachment-32429\" style=\"width: 3000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/NASA-project-orion-artist-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/NASA-project-orion-artist-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"2400\" class=\"size-full wp-image-32429\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32429\" class=\"wp-caption-text\">So stellt man sich ne Orion-Rakete heute vor (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Pulsed_Fission_Propulsion_Concept.jpg\">Bild: NASA, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und dann kommt man bei der ganzen Sache nicht umhin, unz\u00e4hlige Atombomben zu bauen. Die zwar f\u00fcr einen friedlichen Zweck vorgesehen sind. Aber Menschen sind eben Menschen und Menschen sind auch manchmal sehr dumm. Wer wei\u00df, was uns eingefallen w\u00e4re, wenn wir all diese Bomben tats\u00e4chlich gebaut h\u00e4tten&#8230; Das Projekt Orion ist ein faszinierendes St\u00fcck Raumfahrtgeschichte. Und die Technik ist heute immer noch so korrekt wie sie es damals war. Wenn wir wollten, k\u00f6nnten wir immer noch per Atombomben durchs All und zu den Sternen fliegen. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, dass wir die Sache in den 1960er Jahre sein haben lassen&#8230; \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/c4bbc612833143b5b5b61771c1b4eb75\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify. 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