{"id":24676,"date":"2017-12-12T22:12:55","date_gmt":"2017-12-12T21:12:55","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/12\/12\/let-there-be-life-craig-venter-spielt-gott\/"},"modified":"2025-05-14T16:42:32","modified_gmt":"2025-05-14T14:42:32","slug":"let-there-be-life-craig-venter-spielt-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/12\/12\/let-there-be-life-craig-venter-spielt-gott\/","title":{"rendered":"\u201eLet There Be Life\u201c? &#8211; Craig Venter spielt Gott!"},"content":{"rendered":"<p><i>Ich bin gerade an der Universit\u00e4t Graz, um dort zu <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/12\/07\/der-humoristische-zugang-zur-wissenschaftskommunikation-wie-unterrichtet-man-bloggen-an-der-uni\/\">erkl\u00e4ren, wie man Wissenschaftsblogs verfasst<\/a>. Der erste Tag ist vorbei und die Studierenden haben ihre ersten Blogartikel verfasst. Morgen werden wir dar\u00fcber diskutieren und schauen, was gut daran ist und was man verbessern k\u00f6nnte. Daf\u00fcr ist echtes Feedback nat\u00fcrlich am besten, weswegen ich einige der Texte hier als Gastbeitrag ver\u00f6ffentlichen werden. Dieser Artikel kommt von <\/i>Sophie Honeder und Oliver Eder<i> und ich w\u00fcrde mich \u00fcber konstruktive Kritik und Kommentare freuen (aber bleibt bitte nett!)<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nEs sind Schlagzeilen wie diese, die enormes mediales Aufsehen erregen und dabei stark polarisieren, oftmals ohne den wissenschaftlichen Hintergrund zu er\u00f6rtern. Doch Hand aufs Herz, beim Original Titel z.B. des Press Release: &#8222;First Self-Replicating Synthetic Bacterial Cell&#8220; h\u00e4tten wahrscheinlich viele uns diesen Artikel nicht einmal zur Erkenntnis genommen. Mit diesem Blog wollen wir auf jene rei\u00dferischen Schlagzeilen die zum Teil die Reaktion auf das Projekt waren eingehen und m\u00f6glicherweise die Diskussion auf eine objektivere Basis stellen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26245\" aria-describedby=\"caption-attachment-26245\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/J._Craig_Venter_crop_2011_CHAO2011-49.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/J._Craig_Venter_crop_2011_CHAO2011-49.jpg\" alt=\"Bild: Chemical Heritage Foundation, CC BY-SA 3.0\" width=\"500\" height=\"581\" class=\"size-medium wp-image-26245\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26245\" class=\"wp-caption-text\">Craig Venter <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:J._Craig_Venter_crop_2011_CHAO2011-49.jpg\">Bild: Chemical Heritage Foundation<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\">CC BY-SA 3.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Denn was steckt wirklich hinter diesen Behauptungen und was hat Craig Venter in seinem Labor J. Craig Venter Institute (JCVI) tats\u00e4chlich gemacht? <\/p>\n<p>Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen, um hier zu versuchen einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber das Projekt von Craig Venter und seinem Team zu geben. Das Projekt <b>Synthia<\/b> hatte zum Ziel die gesamte genetische Information eines Bakteriums, also dessen Genom, durch chemische Synthese zu erstellen.<\/p>\n<p>Durch modernste Technik k\u00f6nnen DNA Bausteine, auch DNA-oligos genannt, mittlerweile bis zu einer L\u00e4nge von ca. 200 Basenpaaren durch ein chemisches Verfahren synthetisiert werden. Basenpaare sind die Grundbausteine der DNA die den \u201eBauplan\u201c allen Lebens darstellt. Diese DNA-oligos von 200 Basenpaar L\u00e4nge sind enorm kurz, vergleicht man sie mit der genetischen Information einer einzelnen Zelle des menschlichen K\u00f6rpers mit einer L\u00e4nge von ca. 3 Milliarden Basenpaaren. Das im Projekt synthetisierte Genom des Bakteriums ist zwar kleiner als das Genom eines Menschen, besteht aber immer noch aus 1,1 Millionen Basenpaaren. Man kann sich also vorstellen, dass die Technik durch die ein so gro\u00dfes Genom aus kleinen 200-Basenpaar-langen DNA-oligos erstellt werden soll kompliziert ist, lange Zeit in Anspruch nimmt und viel Geld kostet. Das Projekt dauerte insgesamt tats\u00e4chlich fast 15 Jahre und die Kosten beliefen sich auf 40Mio $. <\/p>\n<p>Nachdem die ganze Sequenz des urspr\u00fcnglichen Bakteriums, <i>Mycoplasma mycoides<\/i>, das hei\u00dft alle 1,1 Millionen Basenpaare, vollst\u00e4ndig bekannt war, hatte man die Vorlage f\u00fcr die DNA-oligos und wie diese DNA-oligos aneinander gereiht werden m\u00fcssen. Die entsprechenden DNA-oligos wurden in einem rein chemischen Prozess aus den Grundbausteinen erstellt. Das bedeutet, dass zur Herstellung der DNA-oligos keine bereits existierende DNA direkt im Prozess verwendet wird. Alle weiteren Schritte, allen voran die richtige Aneinanderreihung der DNA-oligos fanden in Organismen statt, welche genutzt wurden um gewisse Arbeitsschritte auszuf\u00fchren. Dabei \u00fcbernahmen Hefe-Zellen den Prozess der Verkn\u00fcpfung kleiner &#8211; im urspr\u00fcnglichen Genom benachbarte &#8211; DNA St\u00fccke. Dieser Prozess wurde wiederholt bis schlussendlich das ganze synthetische Genom isoliert werden konnte. Damit war aber noch kein Bakterium geschaffen, denn was n\u00fctzt der Bauplan ohne Baumaterialien (N\u00e4hrstoffe) und Maschinen (Enzyme)? Nach Erhalt des vollst\u00e4ndigen Genoms wurde dieses in eine \u201eleere\u201c Bakterienzelle geschleust, von welchem zuvor die eigene genetische Information entfernt wurde. Diese &#8222;leere&#8220; Bakterienzelle wurde aus einem nahen Verwandten des Bakteriums <i>Mycoplasma mycoides<\/i> gewonnen. Durch das Einschleusen des synthetischen Genoms \u00fcbernimmt das Genom sozusagen das Kommando in der Zelle. Nach nur kurzer Zeit sind die Zellen lebensf\u00e4hig und noch wichtiger, vermehrungsf\u00e4hig. Sie entsprechen einer Kopie des urspr\u00fcnglichen Bakteriums mit kleinen \u00c4nderungen die allerdings die Funktionen des Bakteriums nicht ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p>Das synthetische Genom wurde erst durch Einsetzen in die bereits bestehende Bakterienzelle zum Leben erweckt und die Frage stellt sich, ob es sich nun tats\u00e4chlich um ein synthetisches Bakterium handelt. Au\u00dferdem ist das Endergebnis schlussendlich ein Bakterium, das identisch zum urspr\u00fcnglichen Bakterium ist. Es ist also kein \u201eneues Leben\u201c entstanden, geschweige denn neue \u201eLebensformen\u201c, was die von den Medien verbreiteten Gott Vergleiche rechtfertigen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Nun stellt sich die Frage, wozu 15 Jahre Forschung und Unmengen an Geld daf\u00fcr ein identisches Bakterium zu erstellen, aber einen unglaublich komplizierten Weg dabei zu gehen?<br \/>\nNat\u00fcrlich gibt es die Hoffnung, diese Methode anzuwenden, um beispielsweise optimierte Bakterien zu erstellen, welche z.B. Biotreibstoffe erzeugen, in dem man ihr Genom dementsprechend ver\u00e4ndert. Dr. Craig Venter selbst gab allerdings zu, dass diese Technologie auch im Negativen z.B. f\u00fcr Bioterrorismus verwendet werden kann, weshalb es umso wichtiger ist, eine offene, sorgf\u00e4ltige und vor allem gebildete Diskussion \u00fcber dieses Thema zu f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin gerade an der Universit\u00e4t Graz, um dort zu erkl\u00e4ren, wie man Wissenschaftsblogs verfasst. Der erste Tag ist vorbei und die Studierenden haben ihre ersten Blogartikel verfasst. Morgen werden wir dar\u00fcber diskutieren und schauen, was gut daran ist und was man verbessern k\u00f6nnte. 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