{"id":24649,"date":"2017-12-15T06:00:07","date_gmt":"2017-12-15T05:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/12\/15\/sternengeschichten-folge-264-der-asteroid-phaethon\/"},"modified":"2025-05-14T16:41:44","modified_gmt":"2025-05-14T14:41:44","slug":"sternengeschichten-folge-264-der-asteroid-phaethon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/12\/15\/sternengeschichten-folge-264-der-asteroid-phaethon\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 264: Der Asteroid Phaethon"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/264-SternengeschichtenFolge264.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/gN2u2u6ylpc\">YouTube-Video<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>][<a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">Sternengeschichten-App<\/a>]<\/i><\/b><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 264: Der Asteroid Phaethon<\/b><\/p>\n<p>Am 11. Oktober 1983 untersuchte die Astronomen Simon Green und John Davies Aufnahmen  die der Satellit IRAS gemacht hatte. IRAS steht f\u00fcr &#8222;Infrared Astronomical Satellite&#8220; und wenn dieser Name auch eher unoriginell ist, so beschreibt er doch ziemlich gut den Zweck dieses Ger\u00e4ts. Es war der erste Satellit, der das Universum im Infrarotlicht kartografieren sollte. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Infrarotstrahlung kann die Atmosph\u00e4re der Erde nicht durchdringen; will man sie beobachten dann braucht man ein Teleskop im Weltall. Um diese Datenl\u00fccke zu schlie\u00dfen schickten die USA, die Niederlande und Gro\u00dfbritannien 1983 IRAS ins All. Um einen Katalog der Infrarotquellen zu erstellen, beobachtete IRAS die selben Regionen des Himmels mehrmals. Und beim Vergleich dieser Aufnahmen machten Green und Davies ihre Entdeckung.<\/p>\n<p>Ein Stern oder eine Galaxie &#8211; beides \u00fcbliche Quellen f\u00fcr Infrarotstrahlung &#8211; bewegen sich nicht am Himmel; zumindest nicht w\u00e4hrend der kurzen Zeit in der IRAS seine Aufnahmen machten. Aber ein Objekt hatte sich am Himmel deutlich bewegt. Das konnte nur bedeuten dass es sich um ein vergleichsweise nahes Objekt handelt. Um keinen fernen Stern, sondern einen Himmelsk\u00f6rper in unserem Sonnensystem. Einen Asteroid.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26186\" aria-describedby=\"caption-attachment-26186\" style=\"width: 480px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/phaethonnasa.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/phaethonnasa.gif\" alt=\"Phaethon - schwer zu sehen das Ding! (Bild: NASA)\" width=\"480\" height=\"270\" class=\"size-full wp-image-26186\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26186\" class=\"wp-caption-text\">Phaethon &#8211; schwer zu sehen das Ding! (<a href=\"https:\/\/blogs.nasa.gov\/Watch_the_Skies\/2015\/12\/07\/five-fun-facts-for-the-2015-geminid-meteor-shower\/\">Bild: NASA<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Asteroiden hatte man 1983 nat\u00fcrlich schon jede Menge entdeckt. Aber dieser war der erste, der von einem Teleskop gefunden wurde, das sich im Weltall befand. Und noch dazu ein sehr interessanter Asteroid. Seine Bahn brachte ihn erstaunlich nahe an die Sonne heran. Am sonnenn\u00e4chsten Punkt ist er nur noch knapp 21 Millonen Kilometer entfernt. Das entspricht nur dem 15fachen Durchmesser der Sonne; der Asteroid kommt unserem Stern mehr als doppelt so nahe wie der sonnenn\u00e4chste Planet Merkur. N\u00e4her als all die anderen der gro\u00dfen Asteroiden deren Bahnen gut genug bekannt sind, um ihnen einen Namen zu geben. Einen Namen hat auch dieser Asteroid bekommen und er passt zu seiner speziellen Beziehung zur Sonne: <i>Phaethon<\/i>, nach dem Sohn des griechischen Sonnengottes Helios.<\/p>\n<p>Dem griechischen Mythos nach, musste Helios seinem Sohn einen Wunsch gew\u00e4hren. Phaethon w\u00fcnscht sich, einmal selbst den Wagen zu lenken mit dem Helios Tag f\u00fcr Tag die Sonne \u00fcber den Himmel transportierte. Es kam wie es kommen musste: Phaethon verlor die Kontrolle \u00fcber den Wagen und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Die Erde ging in Flammen auf, alles verbrennt, ganze St\u00e4dte und V\u00f6lker werden zerst\u00f6rt. Zeus muss eingreifen und zertr\u00fcmmert den Wagen mit einem Blitz und Phaethon f\u00e4llt tot zur Erde.<\/p>\n<p>Beim realen Phaethon muss man sich allerdings vorerst keine Sorgen um katastrophale Zerst\u00f6rung machen. Obwohl der Asteroid zu den &#8222;potenziell gef\u00e4hrlichen Asteroiden&#8220; gez\u00e4hlt wird. Zu dieser Gruppe geh\u00f6ren alle Asteroiden die gr\u00f6\u00dfer als 100 bis 150 Meter sind und deren MOID mit der Erde kleiner als 7,5 Millionen Kilometer ist. Mit MOID ist dabei die &#8222;Minimum Orbit Intersection Distance&#8220; gemeint. Das ist nicht der minimale Abstand zwischen Erde und Asteroid an sich. Sondern der minimale Abstand zwischen den beiden Umlaufbahnen. Anders gesagt: Man betrachtet die Umlaufbahn der Erde und die Umlaufbahn des Asteroids, sucht die beiden Punkte dieser Bahnen die einander am n\u00e4chsten liegen und bestimmt den Abstand. Das ist ein wichtiger Punkt: Eine MOID von 7,5 Millionen Kilometern bedeutet NICHT, dass sich die beiden Himmelsk\u00f6rper auch tats\u00e4chlich auf 7,5 Millionen Kilometer ann\u00e4hern. Sondern nur, dass die Umlaufbahnen das zumindest prinzipiell erm\u00f6glichen. Aber Erde und Asteroid erreichen nur dann den theoretisch m\u00f6glichen Minimalabstand, wenn sie beide zur gleichen Zeit an den entsprechend einander am n\u00e4chsten liegenden Punkten ihrer jeweiligen Umlaufbahnen sind. Und das kann lange dauern&#8230;<\/p>\n<p>7,5 Millionen Kilometer ist auch ein ziemlich gro\u00dfer Abstand &#8211; das entspricht knapp dem 20fachen der Distanz zwischen Erde und Mond. Und auch das Gr\u00f6\u00dfenlimit von 100 Metern ist recht weit gefasst. Ein 100 Meter gro\u00dfer Asteroid kann zwar durchaus lokale Zerst\u00f6rung verursachen, aber keine globale. Wenn ein 100 Meter gro\u00dfes Objekt zum Beispiel in Australien einschl\u00e4gt, wird man davon in Europa kaum etwas sp\u00fcren. Nur weil ein Asteroid als &#8222;potenziell gef\u00e4hrlich&#8220; klassifiziert ist, folgt daraus also noch lange nicht dass man sich akut Sorgen machen muss. Es sind einfach nur all die Asteroiden die wir langfristig im Auge behalten sollten, da sie im Laufe der Jahrhunderte vielleicht wirklich einmal gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Phaethon ist derzeit jedenfalls weit davon entfernt der Erde zu nahe zu kommen. Seine MOID mit der Erde betr\u00e4gt zwar &#8222;nur&#8220; 2,9 Millionen Kilometer &#8211; was aber immer noch mehr als der 7fache Abstand zwischen Erde und Mond ist. So nahe ist er der Erde aber schon lange nicht gekommen. Im Jahr 2007 kam er in 18 Millionen Kilometer Abstand vorbei. Am 16. Dezember 2017 betrug der Abstand zwischen Erde und Phaethon 10 Millionen Kilometer. Und erst bei der n\u00e4chsten nahen Begegnung im Jahr 2093 wird er sich der minimal m\u00f6glichen Distanz von 2,9 Millionen Kilometer ann\u00e4hern. Wir m\u00fcssen uns also keinerlei Sorgen machen, von Phaethon getroffen zu werden. Zum Gl\u00fcck &#8211; denn der Asteroid hat einen Durchmesser von 5 Kilometer! So ein gro\u00dfes Objekt w\u00fcrde bei einer Kollision definitiv eine globale Katastrophe verursachen; vergleichbar mit dem Massensterben das vor 65 Millionen Jahren beim Einschlag eines Kometen ausgel\u00f6st wurde, und zum Aussterben der Dinosaurier gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Um Phaethon m\u00fcssen wir uns keine Sorgen machen. Wir studieren ihn lieber &#8211; und da gibt es jede Menge zu sehen. Jedes Jahr im Dezember kann man ihn klaren N\u00e4chten den Sternschnuppenschauer der Geminiden sehen. Um den 14. Dezember herum sausen Sternschnuppen \u00fcber den Himmel, die aus dem Sternbild Zwillinge zu kommen scheinen. Normalerweise sind die Verursacher dieser Meteorstr\u00f6me Kometen. Bei ihrem Flug um die Sonne ziehen sie eine Spur aus Staub hinter sich her und wenn die Erde diese Spur kreuzt gibt es verst\u00e4rkte Sternschnuppenaktivit\u00e4t. Kometen sind ideale Staubproduzenten, weil sie viel Eis enthalten, das auftaut wenn sie sich der Sonne n\u00e4hern. Dann wird es gasf\u00f6rmig, entweicht und reist dabei Gestein  und Staub von der Oberfl\u00e4che des Kometen mit sich. <\/p>\n<figure id=\"attachment_26187\" aria-describedby=\"caption-attachment-26187\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/GeminidMeteorShower2012_JeffDai950-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/GeminidMeteorShower2012_JeffDai950-1.jpg\" alt=\"Die Geminiden-Sternschnuppen kommen von Phaethon. Vermutlich. (Bild: NASA)\" width=\"500\" height=\"334\" class=\"size-medium wp-image-26187\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26187\" class=\"wp-caption-text\">Die Geminiden-Sternschnuppen kommen von Phaethon. Vermutlich. (<a href=\"https:\/\/blogs.nasa.gov\/Watch_the_Skies\/2016\/12\/12\/get-ready-for-the-2016-geminids\/\">Bild: NASA<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei vielen Sternschnuppenschauern konnten die sie verursachenden Kometen identifiziert werden. Nicht aber bei den Geminidien. Hier hat man Phaethon als Verursacher in Verdacht. Asteroiden enthalten normalerweise viel zu wenig Eis als dass sie ausreichend gro\u00dfe Mengen an Staub f\u00fcr einen Sternschnuppenschauer produzieren k\u00f6nnen. Phaethons Umlaufbahn passt aber so gut zu den Geminiden, dass eine Verbindung sehr wahrscheinlich erscheint. Wie Phaethon es genau schafft, den Staub ins All zu bef\u00f6rdern ist aber noch unklar. Untersuchungen zeigen, dass seine Oberfl\u00e4che aus festem Gestein besteht. Im Gegensatz zu vielen anderen Asteroiden deren Oberfl\u00e4chenmaterial eher locker ist und die man besser als &#8222;fliegende Ger\u00f6llhaufen&#8220; beschreiben k\u00f6nnte, sieht Phaethon auf den ersten Blick nicht so aus als w\u00e4re er in der Lage f\u00fcr Sternschnuppen zu sorgen.<\/p>\n<p>Man vermutet, dass Phaethon vielleicht nur ein Bruchst\u00fcck eines urspr\u00fcnglich gr\u00f6\u00dferen Objekts war. Und dass beim Auseinanderbrechen dieses gr\u00f6\u00dferen Dings entsprechend viel Ger\u00f6ll und Staub erzeugt wurde um so den Geminiden-Sternschnuppenschauer erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Andere Astronomen vermuten, dass auch seine extreme Ann\u00e4herung an die Sonne etwas damit zu tun haben k\u00f6nnte. So wie starke Hitze Risse im Erdboden oder beispielsweise dem Lehm ausgetrockneter Flussbetten erzeugt, k\u00f6nnte die starke W\u00e4rme der Sonne die Phaethon bei seinen Vorbeifl\u00fcgen sp\u00fcrt dazu f\u00fchren, dass sich Risse in seiner Oberfl\u00e4che bilden aus denen Staub entkommen kann.<\/p>\n<p>Phaethon bleibt ein faszinierender Himmelsk\u00f6rper. Seine relative N\u00e4he zur Erde macht ihn zu einem guten Studienobjekt und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden wir seine Geheimnisse sicher noch herausfinden. Und bis dahin schauen wir uns einfach jedes Jahr im Dezember die Sternschnuppen an, die er verursacht. Vermutlich.<br \/>\n \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/66aac506d3934b68805c32583ac9ad4d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. 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