{"id":24530,"date":"2017-12-01T07:00:01","date_gmt":"2017-12-01T06:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/12\/01\/sternengeschichten-folge-262-die-kordylewskischen-wolken\/"},"modified":"2025-05-14T16:40:32","modified_gmt":"2025-05-14T14:40:32","slug":"sternengeschichten-folge-262-die-kordylewskischen-wolken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/12\/01\/sternengeschichten-folge-262-die-kordylewskischen-wolken\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 262: Die Kordylewskischen Wolken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/262-SternengeschichtenFolge262.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/RoLpbd1bQNk\">YouTube-Video<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>][<a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">Sternengeschichten-App<\/a>]<\/i><\/b><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<i>Hey! Exakt heute vor 5 Jahren ist die erste Folge des <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a> erschienen! Vielen Dank an alle, die w\u00e4hrend der ganzen Zeit immer wieder zugeh\u00f6rt (und mitgelesen) haben!<\/i><\/p>\n<p><b>Sternengeschichten Folge 262: Die Kordylewskischen Wolken<\/b><\/p>\n<p>Wolken trifft man in der Astronomie recht oft. Meistens sind es gigantische Gebilde aus Gas und Staub die sich zwischen den Sternen befinden und aus denen die Sterne erst entstehen. Manchmal sind es auch die ganz normalen Wolken am irdischen Himmel die uns Astronomen den Blick auf den Himmel verstellen, wie ich in Folge 105 der Sternengeschichten schon erz\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p>Die Wolken um die es heute geht haben aber nichts mit den gro\u00dfen Ansammlungen aus Wassertropfen zu tun die schlechtes Wetter und schlechte Laune bei den Astronomen provozieren. Es geht aber auch nicht um die fernen Geburtsst\u00e4tten der Sterne. Es geht um zwei ganz spezielle Wolken, ganz in unserer N\u00e4he. Es geht um die Kordylewskischen Wolken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26037\" aria-describedby=\"caption-attachment-26037\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kazimierz_Kordylewski_-_1964.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kazimierz_Kordylewski_-_1964.jpg\" alt=\"Lieber Kazimierz Kordylewski:So kann das ja nix werden mit der Beobachtung. Das Teleskop geh\u00f6rt auf ein Stativ!! (Bild: gemeinfrei)\" width=\"350\" height=\"527\" class=\"size-full wp-image-26037\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26037\" class=\"wp-caption-text\">Lieber Kazimierz Kordylewski:So kann das ja nix werden mit der Beobachtung. Das Teleskop geh\u00f6rt auf ein Stativ!! (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Kazimierz_Kordylewski_-_1964.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Jahr 1961 hat der polnische Astronom Kazimierz Kordylewski den Himmel beobachten. Seine Ergebnisse hat er in einem Artikel mit dem Titel <a href=\"https:\/\/adsbit.harvard.edu\/\/full\/1961AcA....11..165K\/0000166.000.html\">&#8222;Photographische Untersuchungen des Librationspunktes L5 im System Erde-Mond&#8220;<\/a> niedergeschrieben. Und gleich der erste Satz dieser Publikation erkl\u00e4rt worum es geht: <\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;4 Aufnahmen vom 6. M\u00e4rz 1961 und 6. April 1961, photoelektrisch vermessen, erlaubten die Lage zweier Erhellungen, die als Materie-Wolken in der N\u00e4he des Librationspunktes L5 anzusehen sind, zu bestimmen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Um zu verstehen was Kordylewski da beobachtet hat muss man zuerst einmal kl\u00e4ren was ein &#8222;Librationspunkt&#8220; ist. Ich habe das schon sehr ausf\u00fchrlich in Folge 31 der Sternengeschichten getan. Kurz gesagt sind die Librationspunkte im Erde-Mond-System diejenigen Punkte im Weltraum in denen sich alle wirkenden Kr\u00e4fte &#8211; also die Gravitationskr\u00e4fte von Erde und Mond und die Zentrifugalkr\u00e4fte &#8211; gegenseitig aufheben. Ein Objekt das sich in so einem Gleichgewichtspunkt befindet sp\u00fcrt keine andere Kraft und kann dort quasi in Ruhe &#8222;parken&#8220;. Es gibt f\u00fcnf dieser Librationspunkte, drei befinden sich entlang der Verbindungslinie zwischen Erde und Mond und zwei weitere direkt auf der Mondumlaufbahn, jeweils 60 Grad vor und 60 Grad hinter dem Mond. <\/p>\n<p>Diese letzten beiden Punkte, L4 und L5 genannt sind stabil. Das bedeutet das Objekte die sich dort befinden auch dort bleiben, selbst wenn sie kleinen St\u00f6rungen ausgesetzt sind. L1 bis L3 sind instabil, was so viel hei\u00dft das Objekte dort schon von kleinsten \u00e4u\u00dferen St\u00f6rungen aus den Gleichgewichtspunkten geschoben werden und sich dann immer weiter entfernen. In den Librationspunkten 4 und 5 des Sonne-Jupiter-Systems kennen wir zum Beispiel tausende Asteroiden die sich dort seit Jahrmilliarden aufhalten. Wir haben entsprechende Asteroidengruppen in den Librationspunkten des Mars entdeckt; bei Neptun und sogar wir haben einen bekannten Asteroiden der sich im Lagranpunkt des Erde-Sonne-Systems befindet.<\/p>\n<p>Kordylewski berichtet nun aber von Wolken aus kleinen Staubpartikeln die er im Librationspunkt L5 des Erde-Mond-Systems beobachtet hat. Vom Gipfel eines 1991 Meter hohen Bergs im Tatra-Gebirge hat er Aufnahmen des Himmels gemacht und in der N\u00e4he von L5 helle Regionen entdeckt. In seiner Arbeit schreibt er: <\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die \u00dcbereinstimmung der Resultate aus allen Aufnahmen mit einander ist meiner Meinung nach ein Beweis f\u00fcr die Realit\u00e4t der Existenz von Materie-Wolken in der N\u00e4he des Librationspunktes L5, die sozusagen zwei bisher unbekannte Erdmonde von etwa kometenartiger Struktur bilden.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Er schreibt au\u00dferdem, dass er die Wolken auch mit freiem Auge mehrmals beobachtet habe und weist darauf hin dass man probieren sollte ein paar der gr\u00f6\u00dferen Staubbrocken noch genauer zu untersuchen um L\u00f6sung f\u00fcr &#8222;astronautische Probleme&#8220; zu finden. <\/p>\n<p>Zwei &#8222;Kometenmonde&#8220; der Erde &#8211; das klingt schon ziemlich beeindruckend. Und warum auch nicht? Wir wissen dass es \u00fcberall im Sonnensystem gr\u00f6\u00dfere und kleinere Staubteilchen und Felsbrocken gibt die sich zwischen den Planeten aufhalten. Wenn die in die N\u00e4he der stabilen Librationspunkte kommen, dann k\u00f6nnten sie dort durchaus eingefangen werden. So w\u00fcrden sich im Laufe der Zeit solche Wolken bilden wie sie Kordylewski beobachtet hat. In der Folge beobachteten andere Astronomen ebenfalls die in Frage kommenden Regionen und fanden wie Kordylewski Bereiche mit erh\u00f6hter Helligkeit. Die beobachtete Ausdehnung der Wolken zeigte dass sie ungef\u00e4hr 14.000 Kilometer gro\u00df sein m\u00fcssten; also in etwa so gro\u00df wie die Erde selbst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4462\" aria-describedby=\"caption-attachment-4462\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/18450-500px-Lagrange_very_massive.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/18450-500px-Lagrange_very_massive.svg_.png\" alt=\"Die 5 Librationspunkte\" width=\"500\" height=\"416\" class=\"size-full wp-image-4462\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4462\" class=\"wp-caption-text\">Die 5 Librationspunkte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber nicht alle Astronomen waren von den Beobachtungen \u00fcberzeugt. 1969 beispielsweise <a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/1969Natur.224..571R\">schrieben zwei amerikanische Astronomen<\/a> vom Goddard Space Flight Center der NASA dass sie es verst\u00f6rend f\u00e4nden, dass immer noch so viele Wissenschaftler von der Existenz der Kordylewskischen Wolken \u00fcberzeugt seien. Denn es habe in den Jahren seit ihrer &#8222;Entdeckung&#8220; keine Best\u00e4tigung durch andere Beobachtungen gegeben. Auch Messungen mit Radarstrahlen verliefen erfolglos. Auch die Theorie spr\u00e4che gegen die Existenz der Wolken. Die Gleichgewichtspunkte existieren zwar in den mathematischen Modellen tats\u00e4chlich. Allerdings nur wenn man den Rest des Sonnensystems ignoriert. Das funktioniert aber nicht, denn da ist ja noch viel mehr als nur Erde und Mond. Zum Beispiel die Sonne &#8211; die mit ihre Strahlung und dem Sonnenwind kleine Staubteilchen l\u00e4ngst aus der Umgebung des Mondes entfernt haben m\u00fcsste. <\/p>\n<p>Wenn Kordylewski damals tats\u00e4chlich etwas gesehen hatte, dann w\u00e4ren es der Meinung dieser Astronomen viel eher Ansammlungen von Staubteilchen die von Kometen stammten. Solche kurzfristigen Konzentrationen von Material im Sonnensystem gibt es immer wieder, sie existieren aber nicht lange und l\u00f6sen sich bald wieder auf. <\/p>\n<p>Auch <a href=\"https:\/\/www.rfreitas.com\/Astro\/SearchIcarus1983.htm\">Beobachtungen aus den 1980er Jahren<\/a> lieferten keine Best\u00e4tigung f\u00fcr die Existenz der Wolken. Das bedeutet aber nicht dass die Wolken nicht doch existieren. Unter anderem weil andere Beobachtungen noch immer Hinweise auf die Wolken fanden. Es k\u00f6nnte sich um ein ver\u00e4nderliches Ph\u00e4nomen handeln bei dem mal mehr und mal weniger Staub in den Librationspunkten vorhanden ist. Es gab sogar<a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/1997AdSpR..20.1527M\">Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Raummissionen<\/a> um die Sache vor Ort zu kl\u00e4ren. <\/p>\n<p>Und immer noch besch\u00e4ftigen die Wolken die Astronomen. 2014 untersuchten russische Astronomen <a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/2014IAUS..310..192S\">die Stabilit\u00e4t der Gleichgewichtspunkte<\/a> unter Ber\u00fccksichtung der gravitativen St\u00f6rungen anderer Himmelsk\u00f6rper und kamen zu dem Ergebnis dass trotz allem Staubteilchen f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in den Librationspunkten des Erde-Mond-Systems \u00fcberleben k\u00f6nnten. 2015 zeigten Astronomen <a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/2016DokPh..61..243S\">dass sich Wolken wie sie Kordylewski beobachten haben wollte auch bilden k\u00f6nnten<\/a>. <\/p>\n<p>Andererseits schickte die japanische Raumfahrtagentur am 24. Januar 1990 ihre Sonde mit dem Namen <i>Hiten<\/i> zum Mond. Sie war speziell daf\u00fcr gebaut worden nach Staubteilchen zu suchen die sich zwischen der Erde und dem Mond befinden. Hiten flog dabei auch direkt durch die Librationspunkte L4 und L5 des Systems Erde-Mond und fand dort keine erh\u00f6hte Menge an Staubteilchen. <\/p>\n<p>Es sieht also nicht gut aus f\u00fcr die beiden Kometenmonde, die der polnische Astronom entdeckt haben wollte. Aber v\u00f6llig ausschlie\u00dfen kann man ihre Existenz immer noch nicht. Vielleicht \u00e4ndert sich die Menge an Teilchen ja wirklich im Laufe der Zeit und Hiten hat deswegen nichts beobachtet. Vielleicht zeigen zuk\u00fcnftige Raummissionen uns doch noch dass da zwischen Erde und Mond ein paar Staubwolken ihre Runden ziehen. Vielleicht gab es die Wolken aber auch nur in der Fantasie von Kazimierz Kordylewski.  \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/10b829b0bf8445be933212e594f9a63c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter][Sternengeschichten-App] \u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; Hey! Exakt heute vor 5 Jahren ist die erste Folge des Sternengeschichten-Podcasts erschienen! 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