{"id":24340,"date":"2017-10-24T07:00:57","date_gmt":"2017-10-24T05:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/24\/das-bierglasmodell\/"},"modified":"2025-05-14T16:36:43","modified_gmt":"2025-05-14T14:36:43","slug":"das-bierglasmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/24\/das-bierglasmodell\/","title":{"rendered":"Das Bierglasmodell"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\" alt=\"sb-wettbewerb_klein\" width=\"150\" height=\"52\" class=\"alignleft size-full wp-image-25403\" \/><\/a><i>Dieser Artikel ist Teil des <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/07\/01\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2017\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017<\/a>. Informationen zum Ablauf <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=25399\">gibt es hier<\/a>. Leserinnen und Leser k\u00f6nnen die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen &#8211; Details dazu <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=25399\">gibt es hier<\/a>. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=25387\">hier<\/a>. Informationen zu den Autoren der Wettbewerbsartikel finden sich in den jeweiligen Texten.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Das Bierglasmodell<\/b><\/p>\n<p>von Marcus Zacher<\/p>\n<p>Ich bin Ingenieur in der Batterieentwicklung f\u00fcr Elektrofahrzeuge und betreibe seit anderthalb Jahren den Blog <a href=\"https:\/\/generationstrom.wordpress.com\/\">Generation Strom<\/a>, der sich mit Themen rund um die Elektromobilit\u00e4t befasst.<\/p>\n<p>Die elektrochemische Zelle ist der wichtigste Bestandteil einer Batterie f\u00fcr Elektrofahrzeug. Doch wie funktionert so eine Zelle eigentlich und welchen Einfluss hat dies auf die Batterie? Mit Hilfe des &#8222;Bierglasmodells&#8220; m\u00f6chte ich die Funktionsweise veranschaulichen.<\/p>\n<p>Die Zukunft der (Auto-)Mobilit\u00e4t ist elektrisch. Egal ob Hybrid, Plug-In-Hybrid, Elektroauto oder Brennstoffzellenfahrzeug &#8211; alle Fahrzeuge ben\u00f6tigen einen Energiespeicher, der die notwendige elektrische Energie speichert. Dabei haben Hybride und Elektrofahrzeuge v\u00f6llig unterschiedliche Anforderungen an diesen Energiespeicher, welcher (fast) immer aus einem elektrochemischen Speicher besteht. Die wichtigsten Elemente dieser Energiespeicher sind dabei die elektrochemischen Zellen &#8211; die kleinsten Einheiten einer Batterie. Diese bedingen wesentliche Eigenschaften der Batterie und damit auch des (teil-)elektrifizierten Fahrzeugs: Leistung, Reichweite, Gewicht, Preis &#8211; um nur einige Punkte zu nennen. Aber wie funktioniert so eine Zelle eigentlich?<br \/>\nUm die Funktionsweise einer Zelle zu verdeutlichen, m\u00f6chte ich euch anhand des <b>Bierglasmodells<\/b> die wichtigsten Eigenschaften erl\u00e4utern.<\/p>\n<h3>Die Ma\u00df ist voll!<\/h3>\n<p>Fangen wir zun\u00e4chst mit einem einfachen Wert an: dem <b>Ladezustand<\/b>. Der Ladezustand &#8211; oder <b>State of Charge<\/b> (kurz: SOC) &#8211; ist sowohl f\u00fcr Elektroautos- als auch f\u00fcr Smartphone-Nutzer eines der meistbeachteten Werte. Er zeigt an, welche Restmenge an elektrischer Ladung sich noch in der Batterie bzw. der Zelle befindet.<br \/>\nAnalog dazu ist die F\u00fcllmenge eines Bierglases zu betrachten. Ist das Glas voll, spricht man \u00fcblicherweise von einem SOC von 100%. Ist das Glas leer, sind es entsprechend 0%. Dazwischen kann der SOC linear interpoliert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25794\" aria-describedby=\"caption-attachment-25794\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell1_voll_halbleer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell1_voll_halbleer.jpg\" alt=\"Das linke Bierglas weist einen SOC von 100% auf, das rechte ist noch zu ca. 50% gef\u00fcllt.\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25794\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25794\" class=\"wp-caption-text\">Das linke Bierglas weist einen SOC von 100% auf, das rechte ist noch zu ca. 50% gef\u00fcllt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Ladezustand zeigt also an, wie voll oder leer die Zelle ist. Um den Ladezustand einer Zelle festzustellen, muss ich die Spannung der Zelle ermitteln, da Ladezustand und Spannung der Zelle direkt zusammenh\u00e4ngen. Man stelle sich dazu die F\u00fcllh\u00f6he eines Bierglases vor. Dieser Zusammenhang ist normalerweise &#8211; wie bei einem konisch geformten Bierglas &#8211; nicht linear. Um den Zusammenhang aus Spannung (= F\u00fcllstandsh\u00f6he) und Ladezustand (= Restmenge im Bierglas) zu linearisieren, muss ich die F\u00fcllstandsh\u00f6he auf den relativen Wert des Ladezustands \u00fcbertragen: Man spricht von der SOC-OCV-Kennlinie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25795\" aria-describedby=\"caption-attachment-25795\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell2_SOC_OCV.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell2_SOC_OCV.jpg\" alt=\"Aufgrund der konischen Form des Bierglases kann anhand der F\u00fcllh\u00f6he nicht direkt auf die (relative) Restbiermenge geschlossen werden.\" width=\"500\" height=\"750\" class=\"size-medium wp-image-25795\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25795\" class=\"wp-caption-text\">Aufgrund der konischen Form des Bierglases kann anhand der F\u00fcllh\u00f6he nicht direkt auf die (relative) Restbiermenge geschlossen werden.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die unbelastete Spannung einer Zelle wird OCV genannt: Open Circuit Voltage. Dies bedeutet in der Sprache des Bierglasmodells, dass ich diese Spannung ermittle, wenn nicht aus dem Bierglas getrunken wird, da ich sonst keinen verl\u00e4sslichen Messwert erhalte. F\u00fcr die Zelle bedeutet dies, dass ich im Moment der Messung der Zelle keinen Strom entnehme.<\/p>\n<p>Und noch einen wichtigen Zusammenhang gibt es: Die Spannung einer Zelle darf nie 0V werden, da die Zelle sonst irreparabel defekt w\u00e4re. Lithium-Ionen-Zellen werden \u00fcblicherweise in einem Spannungsbereich von ca. 3,0 Volt (SOC = 0%) bis 4,2 Volt (SOC = 100%) betrieben. Dies ist auch der Bereich, auf den sich die weiteren Kennwerte der Zelle beziehen.<\/p>\n<p>Im Bierglasmodell w\u00fcrde das hei\u00dfen, dass ich ein Bierglas mit 0,5 Litern Fassungsverm\u00f6gen eigentlich nur im Bereich zwischen 0,3 und 0,5 Liter betreiben w\u00fcrde. \u00dcber die 0,5 Liter hinaus darf ich das Bierglas auch nicht bef\u00fcllen, da es sonst \u00dcberladen w\u00e4re In diesem Bereich w\u00fcrde ich eine Zelle ebenfalls sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Zum besseren Verst\u00e4ndnis, und weil es auch der \u00fcblichen vorgehensweise entspricht, definieren wir f\u00fcr den weiteren Beitrag das leere Bierglas mit dem SOC von 0% und das volle Bierglas mit dem SOC von 100%.<\/p>\n<p><b><i>Merke:<\/i><\/b><\/p>\n<ul>\n<li><b>State of Charge (SOC):<\/b> Status der Biermenge im Glas (linearer Zusammenhang zur verbleibenden Biermenge)<\/li>\n<li><b>Open Circuit Voltage (OCV):<\/b> F\u00fcllstandsh\u00f6he im Bierglas (nicht-linearer Zusammenhang zur verbleibenden Restmenge)<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Ma\u00df oder K\u00f6lsch?<\/h3>\n<p>Die vielleicht wichtigste Kennziffer einer Zelle betrifft die <b>Kapazit\u00e4t<\/b>, welche f\u00fcr gew\u00f6hnlich in der Einheit <i>Amperestunden [Ah]<\/i> angegeben wird. Diese beschreibt, wie viele elektrische Ladungen eine Zelle enth\u00e4lt und ich der Zelle entnehmen kann, um damit bspw. einen Motor anzutreiben. Nehmen wir einmal an, unsere Zelle w\u00fcrde \u00fcber 50 Ah verf\u00fcgen. Dann k\u00f6nnte ich dieser Zelle eine Stunde lang f\u00fcnfzig Ampere (das entspricht der Ladungsmenge) entnehmen (50Ah \/ 50A = 1h). W\u00fcrde ich 100A der Zelle entnehmen, so w\u00e4re diese nach 30 Minuten leer (50Ah \/ 100A = 0,5 h = 30 Minuten). <\/p>\n<p>Die Kapazit\u00e4t der Zelle ist somit auch gleichzeitig ein Ma\u00df (jetzt ist nicht das Bierglas gemeint \ud83d\ude09 ) f\u00fcr die gespeicherte elektrische Energie. Je h\u00f6her die Kapazit\u00e4t, desto gr\u00f6\u00dfer ist auch die gespeicherte elektrische Energie, welche in der Sprache von Batterieentwicklern <b>Energieinhalt<\/b> genannt wird. Der Energieinhalt wird in <i>Wattstunden (Wh)<\/i> ausgedr\u00fcckt und errechnet sich aus der Multiplikation der Kapazit\u00e4t mit der mittleren OCV-Spannung. Im Bierglasmodell w\u00e4re dies also ungef\u00e4hr die F\u00fcllh\u00f6he, die sich einstellt, wenn das Glas noch halb voll ist. Diese mittlere OCV-Spannung wird <b>Nennspannung<\/b> genannt und sehr h\u00e4ufig neben der Kapazit\u00e4t der Zelle angegeben. Eine Lithium-Ionen-Zelle weist hier \u00fcblicherweise Spannungen zwischen 3,6 und 3,7 Volt auf.<\/p>\n<p>Als Analogon aus unserem Bierglasmodell m\u00f6chte sich der geneigte Leser &#8211; Sie ahnen es &#8211; eine Ma\u00df und ein K\u00f6lschglas vorstellen. Das Volumen kann dabei als die Kapazit\u00e4t aufgefasst werden &#8211; also die maximale Menge an Ladungen, die ich in diesem Glas &#8211; bzw. der Zelle &#8211; speichern kann:<\/p>\n<figure id=\"attachment_25796\" aria-describedby=\"caption-attachment-25796\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell3_Kapazitaet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell3_Kapazitaet.jpg\" alt=\"Die Kapazit\u00e4t der Ma\u00df liegt deutlich \u00fcber der Kapazit\u00e4t des K\u00f6lschglases, entsprechend ist in der Ma\u00df eine gr\u00f6\u00dfere Energiemenge gespeichert.\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25796\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25796\" class=\"wp-caption-text\">Die Kapazit\u00e4t der Ma\u00df liegt deutlich \u00fcber der Kapazit\u00e4t des K\u00f6lschglases, entsprechend ist in der Ma\u00df eine gr\u00f6\u00dfere Energiemenge gespeichert.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ma\u00df entspricht dabei eher einer gro\u00dfen Zelle f\u00fcr ein Elektrofahrzeug, welches hohe Mengen an Ladungen speichern muss. Das K\u00f6lschglas kann man mit einer kleinen Zelle f\u00fcr ein Hybridfahrzeug gleichgesetzt werden.<\/p>\n<h3>Gem\u00fctlichkeit oder schneller Durstl\u00f6scher?<\/h3>\n<p>Damit kommen wir zu einer weiteren wichtigen Eigenschaft einer Zelle &#8211; der <b>Leistung<\/b>. Diese wird in <i>Watt [W]<\/i> angegeben. Die Leistung l\u00e4sst sich wunderbar an einem Ma\u00df- und K\u00f6lschglas verdeutlichen. Wie bereits erw\u00e4hnt, verf\u00fcgen Hybridfahrzeuge eher \u00fcber kleine Zellen, die \u00fcber eine vergleichsweise geringe Kapazit\u00e4t verf\u00fcgen. Im Gegenzug k\u00f6nnen diese Zellen aber sehr schnell ihre Energie abgeben oder eben wieder aufgef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Man stelle sich folgendes, zugegeben etwas stereotypisches Bild vor: Der gem\u00fctliche Bayer in seinem Bierzelt und seinem Ma\u00dfkrug in der Hand hat dieses sicherlich nicht so schnell geleert wie f\u00fcnf Kumpel, die nach einer langen Schicht mit verdorrten Kehlen aus der Grube kommen und ruck-zuck f\u00fcnf K\u00f6lsch inhaliert haben. Beide Male wurde die gleiche Kapazit\u00e4t (= die gleiche Ladungsmenge) getrunken.<\/p>\n<p>Ein K\u00f6lschglas ist nun mal schneller geleert und wieder gef\u00fcllt als eine Ma\u00df, allerdings muss hierf\u00fcr ein h\u00f6herer Aufwand betrieben werden. Um auf die gleiche Kapazit\u00e4t zu kommen, muss ich f\u00fcnf K\u00f6lschgl\u00e4ser (= 5 Leistungszellen) parallel bef\u00fcllen und habe damit auf dem Tablett (= Batterie) sicherlich mehr Platz verbraucht, als mit einem Ma\u00dfkrug (= 1 Energiezelle). Das bedeutet: Leistungszellen sind zwar kleiner und schneller gef\u00fcllt bzw. geleert als Energiezellen, aber ich muss daf\u00fcr mehr Aufwand betreiben und ben\u00f6tige mehr Platz und Gewicht. Daher ist es bei der Auslegung sehr wichtig zu wissen, was das Ziel ist: Entweder m\u00f6chte ich schnell kleine Mengen an Strom speichern und wieder abgeben &#8211; wie bspw. bei einem Hybridfahrzeug &#8211; dann nehme ich Leistungszellen (K\u00f6lschglas). M\u00f6chte ich aber \u00fcber einen langen Zeitraum kontinuierlich der Zelle Energie entnehmen &#8211; wie eben in einem Elektrofahrzeug &#8211; dann verbaue ich Energiezellen (Ma\u00dfkrug). Liegen die gew\u00fcnschten Eigenschaften irgendwo dazwischen, wie bspw. bei einem Plug-In-Hybrid, dann nehme ich entsprechend eine Zwischenl\u00f6sung &#8211; z.B. ein klassisches 0,33er oder 0,5er Bierglas.<\/p>\n<h3>Druckbetankung<\/h3>\n<p>Vor allem f\u00fcr Elektroautos spielt die <b>Schnellladef\u00e4higkeit<\/b> eine zentrale Rolle. Von einer Schnellladung spricht man normalerweise im Zusammenhang mit einer Gleichstromladung mit hohen Leistungen, die derzeit vor allem durch die <a href=\"https:\/\/www.tesla.com\/de_DE\/supercharger\">Tesla Supercharger<\/a> bekannt ist.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig wird dabei in Datenbl\u00e4ttern die Ladezeit von 0 bis 80% SOC angegeben &#8211; aber warum eigentlich nur bis 80% und nicht bis 100%? Dies liegt am <b>Innenwiderstand<\/b> einer Zelle. Jede Zelle weist einen Innenwiderstand auf, der zwar sehr niedrig ist, aber in Kombination mit einem hohen Strom dennoch entscheidende Auswirkungen auf die Nutzbarkeit der Zelle hat.<\/p>\n<p>Dazu kurz zur Theorie: Eine ideale Zelle w\u00fcrde einen Innenwiderstand von 0 Ohm aufweisen. Da wir aber nicht in einer idealen Welt leben, betr\u00e4gt dieser einige Milliohm &#8211; also tausendstel Ohm. Das ist immer noch sehr niedrig. <\/p>\n<p>Bei einem typischen Schnellladevorgang wird zun\u00e4chst versucht die maximale Menge an Strom, die meine Lades\u00e4ule hergibt bzw. meine Batterie aufnehmen kann, in die Batterie zu laden. Das Laden mit einem konstanten Strom wird dabei als <b>Constant-Current-Laden<\/b> (kurz: CC-Laden) bezeichnet.<\/p>\n<p>Nun ben\u00f6tigen wir das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ohmsches_Gesetz\">Ohmsche Gesetz<\/a>: Beim Laden mit hohen Leistungen und somit hohen Str\u00f6men (Formelzeichen: <i>I_Lade<\/i>), f\u00e4llt \u00fcber den Innenwiderstand (<i>R_i<\/i>) eine Spannung (<i>U_Ri<\/i>) ab, was sich in folgender Formel ausdr\u00fcckt: <i>U_Ri = I_Lade * R_i<\/i>. Dieser <i>U_Ri<\/i> addiert sich dabei zu meiner OCV-Spannung <i>U_OCV<\/i> meiner Zelle. Wie wir bereits festgestellt haben, steigt meine OCV-Spannung aber mit steigendem Ladezustand an. Das w\u00e4re alles nicht so schlimm, wenn nicht irgendwann durch die Summe von <i>U_OCV<\/i> und <i>U_Ri<\/i> eine so hohe Spannung erreicht w\u00fcrde, dass meine Zelle nachhaltig besch\u00e4digt oder sogar zerst\u00f6rt werden k\u00f6nnte. Da ich am Innenwiderstand nicht viel drehen kann (der ist nunmal einfach da), kann ich nur den Ladestrom verringern, wodurch sich wiederum <i>U_Ri<\/i> reduziert und somit auch meine Gesamtspannung aus <i>U_OCV<\/i> und <i>U_Ri<\/i>. <\/p>\n<p>Dieses Justieren der maximalen Spannung wird \u00fcbrigens <b>Constant-Voltage-Laden<\/b> genannt (kurz: CV-Laden). Die Kombination aus CC- und CV-Laden hei\u00dft demnach folgerichtig <b>CC-CV-Laden.<\/b><\/p>\n<figure id=\"attachment_25797\" aria-describedby=\"caption-attachment-25797\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell4_CC_Laden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell4_CC_Laden.jpg\" alt=\"Zun\u00e4chst kann das Weizenglas mit vollem &quot;Ladestrom&quot; bef\u00fcllt werden. Man spricht vom Constant-Current-Laden.\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25797\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25797\" class=\"wp-caption-text\">Zun\u00e4chst kann das Weizenglas mit vollem &#8222;Ladestrom&#8220; bef\u00fcllt werden. Man spricht vom Constant-Current-Laden.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nun zu der Bierglasanalogie: Jeder Biertrinker wei\u00df, wie er ein Weizenbier einzuschenken hat. Zun\u00e4chst kann ich eine relativ gro\u00dfe Menge aus der Weizenflasche in mein Glas gie\u00dfen (CC-Laden). Der F\u00fcllstand (OCV) steigt schnell an, allerdings bildet sich auch sofort Schaum (Spannungsabfall \u00fcber den Innenwiderstand <i>U_Ri<\/i>). Irgendwann steigt der Schaum der Bierkrone immer weiter nach oben, bis er den Bierglasrand erreicht (meine maximale Zellenspannung). Nun muss der Weizenbiertrinker den Ladestrom reduzieren und so langsam das Weizen nachf\u00fcllen, dass kein Bier aus dem Glas schwappt. Dies ist der Wechselpunkt vom CC- zum CV-Laden. Immer langsamer wird das Bier also ins Bierglas gegossen, bis es nur noch tr\u00f6pfchenweise eingef\u00fcllt werden kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25798\" aria-describedby=\"caption-attachment-25798\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell5_CV_Laden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bierglasmodell5_CV_Laden.jpg\" alt=\"Erreicht der Schaum den Bierglasrand, welcher meine maximale Zellenspannung darstellt, muss der &quot;Ladestrom&quot; reduziert werden, weshalb man hier vom Constant-Voltage-Laden spricht.\" width=\"500\" height=\"750\" class=\"size-medium wp-image-25798\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25798\" class=\"wp-caption-text\">Erreicht der Schaum den Bierglasrand, welcher meine maximale Zellenspannung darstellt, muss der &#8222;Ladestrom&#8220; reduziert werden, weshalb man hier vom Constant-Voltage-Laden spricht.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nun bemerkt man schnell die Krux an der Sache: Das letzte Quentchen Bier in das Glas zu f\u00fcllen hat fast soviel, wenn nicht sogar noch mehr Zeit gekostet, als die ersten 80% des Bieres. Aus genau diesem Grund wird die Schnellladung immer von 0 bis 80% angegeben, da dies der Bereich ist, in dem ich das Bierglas schnell bef\u00fcllen kann. Wenn die Zeit knapp ist, lohnt es sich nicht mehr ewig auf die letzten 20% zu warten, weshalb man besser weiter trinkt (oder f\u00e4hrt), um dann bei einem n\u00e4chsten Ladevorgang wieder die ersten, schnell nachladbaren 80% auszunutzen.<\/p>\n<p>Wenn ihr euch also mal wieder fragen solltet, wie eine Zelle funktioniert, dann macht euch doch einfach eine Flasche Bier auf versucht die hier dargestellten Beispiele nachzubilden.   Aber nicht vergessen: Don\u2019t drink and drive!<\/p>\n<p><b>Danksagung:<\/b> Vielen Dank an <b>Dominik<\/b> f\u00fcr die Inspiration und an <b>Kristin<\/b> und <b>Mario<\/b> f\u00fcr die Unterst\u00fctzung bei der Bier-Foto-Session.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017. Informationen zum Ablauf gibt es hier. 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