{"id":24311,"date":"2017-10-23T07:00:55","date_gmt":"2017-10-23T05:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/23\/sperlings-8-sekunden-regel-oder-why-you-cant-have-the-cake-and-eat-it-too\/"},"modified":"2025-05-14T16:36:40","modified_gmt":"2025-05-14T14:36:40","slug":"sperlings-8-sekunden-regel-oder-why-you-cant-have-the-cake-and-eat-it-too","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/23\/sperlings-8-sekunden-regel-oder-why-you-cant-have-the-cake-and-eat-it-too\/","title":{"rendered":"Sperlings 8-Sekunden-Regel oder why you can&#8217;t have the cake and eat it, too"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\" alt=\"sb-wettbewerb_klein\" width=\"150\" height=\"52\" class=\"alignleft size-full wp-image-25403\" \/><\/a><i>Dieser Artikel ist Teil des <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/07\/01\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2017\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017<\/a>. 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Informationen zu den Autoren der Wettbewerbsartikel finden sich in den jeweiligen Texten.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sperlings 8-Sekunden-Regel oder <i>why you can&#8217;t have the cake and eat it, too<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Alderamin<\/p>\n<p>Ich bin Amateurastronom seit dem 12. Lebensjahr, promovierter Informatiker und in diesem Blog seit 2011 als Kommentator und Erkl\u00e4rb\u00e4r aktiv.<\/p>\n<p>Im folgenden Artikel m\u00f6chte ich \u00fcber meine Reise zur gro\u00dfen amerikanischen Sonnenfinsternis am 21. August 2017 berichten. Ich erl\u00e4utere, wie ich mich vorbereitet habe, was ich erlebt habe und wie die Bilder entstanden sind, die ich beigef\u00fcgt habe. <\/p>\n<p><b>Prolog<\/b><\/p>\n<p>Eine totale Sonnenfinsternis ist wohl das beeindruckendste Himmelsschauspiel, das die Natur zu bieten hat. Als ich 1976 mit 12 Jahren das erste Mal dar\u00fcber las, dass <a href=\"https:\/\/www.sonnenfinsternis.org\/sofi1999t\/\">1999 eine totale Sonnenfinsternis in Deutschland sichtbar sein w\u00fcrde<\/a>, konnte ich es kaum erwarten, bis es soweit war. Als ich in den 90ern erfuhr, dass es Leute gibt, die den Finsternissen, welche im Schnitt alle 18 Monate irgendwo ihre Spur \u00fcber die Erde ziehen, tats\u00e4chlich hinterher reisen, hielt ich das noch f\u00fcr verr\u00fcckt, konnte mich aber mit der Zeit dann doch allm\u00e4hlich mit dem Gedanken anfreunden, dass man ein sch\u00f6nes Reiseziel durchaus mit einer Finsternis kombinieren k\u00f6nnte. Gleichzeitig wurden Weltreisen zunehmend Routine.<\/p>\n<p>So war meine erste totale Sonnenfinsternis dann nicht etwa die in Deutschland, sondern 18 Monate vorher auf der Karibikinsel <a href=\"https:\/\/eclipse.gsfc.nasa.gov\/SEgoogle\/SEgoogle1951\/SE1998Feb26Tgoogle.html\">Cura\u00e7ao<\/a>, wo ich auch noch die wundersch\u00f6ne Karnevalsparade mitnehmen konnte. Die Finsternis vom Strand aus gesehen bei traumhaftem Wetter war wirklich beeindruckend, ein Erlebnis, das man nicht mehr vergisst. <\/p>\n<p>Aufgrund der in Deutschland erwartungsgem\u00e4\u00df unsicheren Wetterverh\u00e4ltnisse reiste ich zur 1999er-Finsternis dann \u00fcber 1000 km weit an den ungarischen Plattensee, wo das Wetter zwischen dem ersten Kontakt von Mond und Sonne (Beginn der partiellen Phase) bis zum Ende der Totalit\u00e4t perfekt war, w\u00e4hrend es an vielen Orten in Deutschland regnete.<\/p>\n<p>Das Problem bei den Finsternissen war, dass ich sie stets auch gerne fotografieren wollte. So schleppte ich schon zur ersten ein 1000mm f\/10 Spiegeltele (Spitzname &#8222;<a href=\"https:\/\/lexikon.astronomie.info\/teleskope\/russentonne.html\">Russentonne<\/a>&#8222;), ein Stativ und eine analoge Spiegelreflex mit, aber die Ergebnisse waren nicht \u00fcberw\u00e4ltigend, die Sonne wanderte w\u00e4hrend der Totalit\u00e4t dank der Erddrehung halb aus dem Blickfeld hinaus weil ich verga\u00df, sie kurz vor der Totalit\u00e4t noch einmal zu zentrieren, und vor lauter Hantiererei mit der Optik hatte ich dann kaum Gelegenheit, die Finsternis mit eigenen Augen zu betrachten. <\/p>\n<p><i>Und dann diese entsetzliche K\u00fcrze!<\/i> Obwohl die Totalit\u00e4t \u00fcber 4 Minuten lang war, schien sie schon vorbei zu sein, bevor sie richtig angefangen hatte. In den 1980ern verbreitete der Wissenschaftsautor Norman Sperling die Floskel, die sp\u00e4ter als <i><a href=\"https:\/\/www.everythingintheuniv.com\/blog\/sperlings-8-second-law-all-total-solar-eclipses-last-8-seconds\">Sperling&#8217;s Law<\/a><\/i> popul\u00e4r wurde, dass jede totale Finsternis gef\u00fchlte 8 Sekunden dauere, und das gilt grunds\u00e4tzlich bereits, wenn man sie nur anschaut, geschweige denn, wenn man auch noch Fotos davon machen will. Im Englischen gibt&#8217;s das sch\u00f6ne Bild, <i><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/You_can%27t_have_your_cake_and_eat_it\">You can\u2019t have the cake and eat it, too<\/a><\/i> &#8211; man m\u00f6chte am liebsten den Kuchen aufessen, aber ihn trotzdem behalten. Was leider nicht so richtig funktionieren will.<\/p>\n<p>Bei der Finsternis in Ungarn war ich besser vorbereitet und da ich mit dem Auto unterwegs war, konnte ich schwereres Gesch\u00fctz auffahren und meine gro\u00dfe Teleskopmontierung auf Dreibein mitnehmen, auf der ich zwei auf einer Holzplatte montierte Kameras mit 500- und 1000-mm-Russentonnen und eine Videokamera fixieren und der Sonne nachf\u00fchren konnte, f\u00fcr Gro\u00dfaufnahmen der Sonne und mehr Blickfeld f\u00fcr die Korona. Parallel lief eine zweite Videokamera eines Internet-Bekannten mit, mit dem ich mich vor Ort getroffen hatte, und filmte die Umgebung und den n\u00e4her kommenden Mondschatten. Die Bilder wurden sehr gut, wenn die kleine Tonne auch nicht ganz perfekt fokussiert war, aber sie h\u00e4ngen heute noch zu Hause in der Diele. Nur: <i>gesehen<\/i> habe ich von der nur 2 Minuten 20 dauernden Finsternis sehr wenig.<\/p>\n<p>In der T\u00fcrkei 2006 beschr\u00e4nkte ich mich aufs Filmen statt zu fotografieren. Zum Schauen hatte ich etwas mehr Zeit, sie dauerte ca. 3&#8217;45&#8220;, aber auch die verflogen zu schnell, und ich gelobte, bei der n\u00e4chsten werde ich bestimmt nur schauen und die Kameras in der Tasche lassen. In China stand ich 2009 dann s\u00fcdlich von Shanghai auf einer Autobahn-Rastst\u00e4tte tats\u00e4chlich ohne Kamera hinter meiner statt dessen mit Okular best\u00fcckten Russentonne, aber das Wetter mochte nicht mitspielen, die eben noch gefundene Wolkenl\u00fccke zog sich kurz vor der Totalit\u00e4t zu und ich habe wieder nichts gesehen.<\/p>\n<p><b>Die gro\u00dfe amerikanische Sonnenfinsternis<\/b><\/p>\n<p>Am 21. August 2017 sollte die Folgefinsternis der europ\u00e4ischen von 1999 in den USA stattfinden. Alle 18 Jahre, 11 Tage und 8 Stunden wiederholt sich die Geometrie von Sonne, Mond und Erde und eine sehr \u00e4hnliche Finsternis findet statt, nur um 1\/3 Erddrehung nach Westen versetzt, ein sogenannter <i>Saroszyklus<\/i>, von denen mehrere parallel im Gange sind. Der Zyklus der gro\u00dfen europ\u00e4ischen und amerikanischen Finsternisse tr\u00e4gt die Nummer 145.<\/p>\n<p>Es war schon 1999 klar, dass ich unbedingt zu dieser Finsternis reisen wollte, welche die USA quer von Nordosten nach S\u00fcdwesten durchkreuzen w\u00fcrde, am liebsten verbunden mit einem Besuch im Yellowstone Nationalpark, der nahe an der Totalit\u00e4tszone lag, aber ich untersch\u00e4tzte komplett den lokalen Medienhype um die Finsternis. Leider war im Dezember 2016 schon alles in der Totalit\u00e4tszone ausgebucht, wie ich \u00fcber Twitter erfuhr. Einigen G\u00e4sten, die lange im Voraus Unterk\u00fcnfte reserviert hatten, <a href=\"https:\/\/www.kgw.com\/news\/investigations\/hotels-canceling-reservations-for-eclipse-viewing-jacking-prices\/424326842\">war gar kurzfristig gek\u00fcndigt worden<\/a>, weil sich die Zimmer sp\u00e4ter spielend f\u00fcr das Mehrfache des normalen Preises belegen lie\u00dfen. So fand ich mich damit ab, dass ich diese Finsternis wohl verpassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Da erhielt ich im M\u00e4rz eine Mail von meinem langj\u00e4hrigen Brieffreund Eric aus Fort Collins, Colorado, ob ich nicht Interesse h\u00e4tte, mit ihm und ein paar Freunden die Finsternis anzuschauen. Und ob ich hatte! Ich sagte sofort zu und begann gleich mit den Planungen. Ich kannte Eric seit vielen Jahren und das w\u00fcrde mein dritter Besuch bei ihm und seiner Frau Karla. Wir hatten uns 1991, als es schon Internet aber noch kein World Wide Web gab, kennengelernt, als ich in einer Reise-Newsgroup im Usenet nach Zielen f\u00fcr meine erste geplante Reise in den S\u00fcdwesten der USA fragte. Wir besuchten uns sp\u00e4ter mehrfach gegenseitig und hielten losen Kontakt, der sich nun auszahlen sollte.<\/p>\n<p>Die Flugm\u00f6glichkeiten waren schon stark eingeschr\u00e4nkt, aber ich erwischte noch einen bezahlbaren, z\u00fcgigen Flug von Br\u00fcssel \u00fcber Reykjavik nach Denver. Mittlerweile verf\u00fcgte ich \u00fcber eine brauchbare digitale 20-Megapixel-DSLR mit allerlei praktischen Features wie programmierbaren Intervallaufnahmen, sowie eine \u00e4ltere 12-Megapixel-DSLR, die nicht mehr mit den Autofokus-Objektiven reden mochte und daher im normalen Betrieb nicht mehr zu gebrauchen war, aber an der &#8222;dummen&#8220; Russentonne im manuellen Modus ganz normal funktionierte. Aber Moment &#8211; war da nicht Sperlings 8-Sekunden-Regel? Wollte ich nicht die n\u00e4chste Finsternis einfach nur anschauen? Schon, aber die Kameras konnten Belichtungsreihen automatisch aufnehmen, ich w\u00fcrde nur wenige Sekunden mit ihnen besch\u00e4ftigt sein und h\u00e4tte genug Zeit zum Schauen. Ein bisschen Kuchen essen und etwas \u00fcbrig lassen. Au\u00dferdem kommt immer die n\u00e4chste Finsternis, 2024 wieder in den USA, 2026 und 2027 gleich zwei in Folge in Spanien, genug Kuchen, was soll&#8217;s? Vielleicht klappt ja fotografieren <i>und<\/i> gucken, und wenn nicht, dann n\u00e4chstes Mal ganz bestimmt nur gucken. Versprochen!<\/p>\n<p><b>Vorbereitungen<\/b><\/p>\n<p>Ich war schon voll ausgestattet f\u00fcr die Finsternis, Kameras und Objektive vorhanden, mehrere Stative, Feldstecher von 10&#215;50 bis 20&#215;80, Sonnenfilter aus Baader-Folie f\u00fcr alle, Reisemontierung zur motorisierten Nachf\u00fchrung sowie ein kleines Coronado PST H-Alpha Sonnenteleskop, und brauchte mir lediglich noch einen Fernausl\u00f6ser und den passenden Koffer zum Airline-regelgerechten Transport der Ausr\u00fcstung zu besorgen. <\/p>\n<p>Um w\u00e4hrend der Finsternis keine Fehler zu machen und das optimale Setup zu ermitteln, machte ich vor der Reise noch ein paar Tests. Ich plante zwei Bilder, zum einen ein Komposit durch meine kleine, <a href=\"https:\/\/www.dvdtechcameras.com\/manuals\/lens\/rub500\/1.htm\">500mm-Russentonne<\/a>, das die Korona, Protuberanzen und vielleicht die von der Erde beleuchtete Mondfl\u00e4che zeigen sollte, so wie eine Weitwinkelaufnahme, auf der die ganze Finsternis mit Landschaft in einem Bild zu sehen sein sollte, also die partiellen Phasen mit Filter und eine Belichtungsreihe ohne Filter w\u00e4hrend der Totalit\u00e4t. Am liebsten h\u00e4tte ich die neue pixelsch\u00e4rfere Kamera an die 500-mm-Tonne geh\u00e4ngt und die alte mit Weitwinkel das Landschaftsfoto machen lassen, aber nur die neue Kamera konnte Intervallaufnahmen ohne externen Laptop machen &#8211; den wollte und konnte ich nicht auch noch mitnehmen. Also w\u00fcrde die alte Kamera an die Tonne geschraubt werden. So schlecht sind 12 Megapixel dann auch wieder nicht.<\/p>\n<p>Eine Tabelle mit den Blickfeldern verschiedener Brennweiten f\u00fcr APS-Sensoren und ein Planetariumsprogramm halfen mir bei der Auswahl der Brennweite und der Orientierung f\u00fcr das Weitwinkelbild. Die Sonne w\u00fcrde so hoch stehen, dass nur eine Hochkant-Aufnahme den Boden und den gesamten Sonnenbogen erfassen w\u00fcrde. Ca. 15 mm Brennweite f\u00fcr APS-Sensorgr\u00f6\u00dfe w\u00e4ren laut Test auf dem Tablet-Bildschirm optimal.<\/p>\n<p>Dann machte ich Ausl\u00f6setests mit der Russentonne auf der Reisemontierung und meinen beiden Stativen. Das gro\u00dfe Theodolit-Stativ (vom Flohmarkt) konnte \u00fcber Kopfh\u00f6he ausgezogen werden und war daher optimal f\u00fcr den gro\u00dfen Feldstecher geeignet. Eric hatte im Mailverkehr erw\u00e4hnt, dass er noch ein paar stabile Stative \u00fcbrig habe, von denen ich eines f\u00fcr die Reisemontierung verwenden wollte. Mein kleines Fotostativ f\u00fcr die Weitwinkelaufnahme und noch eines von Eric f\u00fcr das PST.<\/p>\n<p>Die Experimente ergaben, dass die Tiefensch\u00e4rfe der Tonne recht klein war, man musste exakt fokussieren und sie dann am besten mit Klebeband fixieren. Eigentlich hatte ich geplant, den weiten Belichtungsbereich f\u00fcr die Korona (1\/1000 bis ca. 1 s) mit nur drei Einstellungen zu erfassen, um die ich jeweils +\/- 1 Blendenstufen mittels Belichtungsreihe automatisch aufnehmen wollte, aber da die Kamera selbst mit Ausl\u00f6severz\u00f6gerung die 3 Aufnahmen unmittelbar hintereinander machte, f\u00fchrte die Ersch\u00fctterung durch den Verschluss beim ersten Bild zu einem leichten Verwackeln beim zweiten und dritten. Um die Ersch\u00fctterungen zu minimieren, erwies sich dann eine um 2s verz\u00f6gerte Ausl\u00f6sung von Einzelbildern mit Hilfe der Fernbedienung und eine Erh\u00f6hung der ISO-Zahl auf 400 als die beste L\u00f6sung. Um die Zahl der Aufnahmen und damit den Zeitaufwand zu minimieren plante ich 1,5 Blendenstufen Abstand bei Belichtungszeiten von 1\/1000s (f\u00fcr den Diamantring, wenn noch ein kleiner Klecks Sonnenlicht zu sehen war, sowie die innere Korona und Chromosph\u00e4re, nachdem der Klecks verschwunden w\u00e4re), gefolgt von 1\/250, 1\/90, 1\/30, 1\/10, 1\/4 und 0,7 Sekunden f\u00fcr die mittlere bis \u00e4u\u00dfere Korona. Die Zeiten notierte ich im Handy und w\u00fcrde sie sp\u00e4ter auswendig wissen. Die Werte galten f\u00fcr 400 ISO und Blende 5,6, die feste Blende der kleinen Russentonne.<\/p>\n<p>Zuletzt ermittelte ich an der realen Sonne und meinen Filtern die Belichtungszeit f\u00fcr die partielle Phase. 1\/2000 f\u00fcr die Weitwinkelaufnahme bei 100 ISO, 1\/6000 f\u00fcr die Aufnahmen mit der Tonne bei 400 ISO. Ich besorgte mir noch einen Satz frischer Batterien f\u00fcr die Reisemontierung und die alte batteriebetriebene Kamera und lud die beiden Akkus der neuen voll. Nun konnte es losgehen.<\/p>\n<p><b>Hinreise<\/b><\/p>\n<p>Der Flug ging am Samstag dem 19.08. um 14:00 Uhr ab Br\u00fcssel, so dass ich morgens ab 9:00 relativ gem\u00fctlich zum Flughafen fahren konnte. Ich war am Schalter etwas nerv\u00f6s wegen des gro\u00dfen Koffers mit den Stativen, aber die Dame lie\u00df ihn passieren, das Gewicht war 1 kg unter dem Limit, die L\u00e4nge (5 cm zu viel) wurde nicht nachgemessen. Das Handgep\u00e4ck, bestehend aus allen Optiken, war mit fast 3 kg zu schwer, aber gewogen wurde nur das eingecheckte Gep\u00e4ck.<\/p>\n<p>Der Flug nach Reykjavik war p\u00fcnktlich und ruhig. Vor der Landung konnte man die urt\u00fcmliche, sterile Vulkanlandschaft bewundern, aus der die junge Insel bestand. Man sah hier gewisserma\u00dfen ein St\u00fcck mittelatlantischen R\u00fccken aus dem Meer heraus ragen. Auf dem 2003 noch ruhigen, beschaulichen Flughafen war die H\u00f6lle los, mehr Betrieb als auf gro\u00dfen amerikanischen Drehkreuzen, der hatte sich ganz sch\u00f6n ver\u00e4ndert. Auf dem Weiterflug ging es \u00fcber Gr\u00f6nland hoch in den Norden, wo sich ersten Eisbergen im Meer folgend eine atemberaubende Landschaft aus Fjorden und kalbenden Gletschern auftat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25763\" aria-describedby=\"caption-attachment-25763\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild1_Groenland.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild1_Groenland.jpg\" alt=\"Fjordlandschaft an der K\u00fcste Gr\u00f6nlands, \u00a9 Autor \" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25763\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25763\" class=\"wp-caption-text\">Fjordlandschaft an der K\u00fcste Gr\u00f6nlands, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25765\" aria-describedby=\"caption-attachment-25765\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild2_Eisberg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild2_Eisberg.jpg\" alt=\"Eisberg mit Schmelzpool, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"354\" class=\"size-medium wp-image-25765\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25765\" class=\"wp-caption-text\">Eisberg mit Schmelzpool, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Flug verlief weiterhin soweit ruhig, bis der Kapit\u00e4n dann irgendwas von &#8222;leichtem Regen&#8220; auf dem Flughafen in Denver erz\u00e4hlte, und von &#8222;voraussichtlicher Landezeit in 20 Minuten, je nach dem Wetter&#8220;. Am Himmel hing eine schmale, bleigraue Wolkenwand, aus der ein Regenschleier fiel. Als wir sie passierten, wurden wir ordentlich gesch\u00fcttelt. Und anschlie\u00dfend ger\u00fchrt, weil die Maschine begann, Warteschleifen zu drehen. Es hie\u00df dann, wegen starker Bodenwinde und Turbulenzen m\u00fcsse man noch 15, dann 30 Minuten warten, bis das Wetter abz\u00f6ge. Schlie\u00dflich beendete die Maschine ihre Warteschleifen nach knapp 30 Minuten und flog weiter nach S\u00fcden. Landung in Colorado Springs. Dort wurden wir dann mit geraumer Verz\u00f6gerung betankt und flogen zur\u00fcck nach Denver. Planm\u00e4\u00dfige Ankunft 18:35, tats\u00e4chliche 22:30. Einreiseformalit\u00e4ten und vor allem die Gep\u00e4ckaufnahme dauerten dann noch einmal bis 23:30. Um 23:50 konnte ich einen Bus nach Fort Collins nehmen, den Eric f\u00fcr mich reserviert hatte. Die einst\u00fcndige Busfahrt verschlief ich. Um 1:00h am Morgen holte Eric mich vom Bus ab und gegen 2:00h konnte ich mich endlich in seinem G\u00e4stezimmer ins Bett legen, 25h nach dem Aufstehen. Puh!<\/p>\n<p><b>Scouting<\/b><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen sollte es schon um 8:00 Uhr losgehen, so stellte ich den Wecker auf 6:45. Keine 5h Schlaf, aber da die biologische Uhr nachmittags um 14:45 anzeigte, war ich noch vor dem Wecker wach. Beim Fr\u00fchst\u00fcck traf ich Erics Frau Karla und zwei junge Besucher aus D\u00e4nemark. Eric hatte Martin auf einer Fortbildung kennengelernt. Martin war mit seiner Frau Lone aus Kopenhagen angereist und am Vortag noch rechtzeitig vor dem schlechten Wetter in Denver gelandet.<\/p>\n<p>Eric plante, von Fort Collins, s\u00fcdlich der Totalit\u00e4tszone gelegen, zun\u00e4chst die Gegend um die Zentrallinie in Wyoming nahe Glendo auszukundschaften und dann weiter nach Norden zum Ferienhaus von Freunden zu fahren, von wo aus wir dann fr\u00fchmorgens zur\u00fcck zum ausgekundschafteten Beobachtungspunkt aufbrechen wollten. Die Strecke w\u00fcrde dabei von dort aus zwar nicht k\u00fcrzer sein, als von Fort Collins aus, aber er rechnete mit gro\u00dfen Staus aus Richtung S\u00fcden und deutlich weniger Verkehr von Norden aus. Er hatte sich exakte Karten von Wyoming besorgt, auf denen jeder Feldweg verzeichnet war, und einen gr\u00f6beren Atlas von &#8222;Mr. Eclipse&#8220; Fred Espenak, der den genauen Verlauf der Totalit\u00e4tszone mit lokalen Dauern der Totalit\u00e4t anzeigte. Wir kundschafteten zun\u00e4chst einen fotogenen Berg f\u00fcr die Weitwinkelaufnahme aus, aber die Weide davor geh\u00f6rte einem Farmer, der uns sehr gerne dort h\u00e4tte beobachten lassen, vorausgesetzt wir zahlten $500 pro Fahrzeug. Wir lehnten freundlich dankend ab und suchten uns einen anderen, \u00e4hnlichen Berg, dergleichen gab es hier genug. Dort campten schon ein paar Leute und hin und wieder passierte ein anderes Auto die Schotterpiste, offenbar auch die Zentrallinie auskundschaftend. Wir bef\u00fcrchteten gar, es k\u00f6nne am morgigen Finsternistag hier in der Mitte von nirgendwo wohlm\u00f6glich voll werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25768\" aria-describedby=\"caption-attachment-25768\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild3_Praerie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild3_Praerie.jpg\" alt=\" Die Weite der Pr\u00e4rie von Wyoming, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25768\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25768\" class=\"wp-caption-text\">Die Weite der Pr\u00e4rie von Wyoming, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Ort sagte uns zu, hierhin wollten wir zur\u00fcckkehren. Die Sonne schien heute von einem wolkenlosen Himmel bei fast 30\u00b0C. Die Wolkenvorhersagen im Internet verhie\u00dfen jedoch nicht unbedingten Erfolg f\u00fcr den Finsternistag, eine klare Zone sollte etwas weiter westlich liegen, w\u00e4hrend just diese Gegend bew\u00f6lkt sein sollte. Wohlm\u00f6glich w\u00fcrden wir also am Morgen improvisieren und an einen anderen Ort fahren m\u00fcssen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25767\" aria-describedby=\"caption-attachment-25767\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild4_Pferde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild4_Pferde.jpg\" alt=\"Pferde bei Fort Laramie, Wyoming, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25767\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25767\" class=\"wp-caption-text\">Pferde bei Fort Laramie, Wyoming, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir fuhren dann weiter nach Norden. Karla hatte gut f\u00fcr uns gesorgt und riesige, mit Eis gef\u00fcllte K\u00fchlboxen mit Wurst, Gem\u00fcse, Getr\u00e4nken und Obst beladen, so dass wir ein paar Tage damit h\u00e4tten \u00fcberleben k\u00f6nnen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_25769\" aria-describedby=\"caption-attachment-25769\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild5_BlackHills1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild5_BlackHills1.jpg\" alt=\"Sandsteinfelsen in den Black Hills, Wyoming, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25769\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25769\" class=\"wp-caption-text\">Sandsteinfelsen in den Black Hills, Wyoming, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach fast 4h inklusive Rast erreichten wir das in einem Tal der Black Hills gelegene Ferienhaus der Freunde von Eric und Karla. Das Tal war von roten Sandsteinfelsen begrenzt, die reichlich mit B\u00e4umen bewachsen waren. Im Tal floss ein kleiner, klarer Bach, in dem sich Forellen tummelten. Das Tal war f\u00fcrchterlich idyllisch mit Rehen, und am Wegesrand bl\u00fchten wilde Sonnenblumen mit zahlreichen kleinen Bl\u00fcten. Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch die Besitzer Cap und Cate, sowie drei weiteren Freunden, f\u00fchrten diese uns zu einer v\u00f6llig unbescheidenen Holzh\u00fctte, in der Karla, Lone, Eric, Martin und ich \u00fcbernachten w\u00fcrden. Es war ein pomp\u00f6ses zweist\u00f6ckiges Haus aus dicken lackierten Holzst\u00e4mmen mit riesigen Zimmern, darunter 6(!) Schlafzimmern, und einer Terrasse zum Bach hin. Die Mikrowelle in der offenen K\u00fcche h\u00e4tte wohl eine komplette Gans aufnehmen k\u00f6nnen. Mehr als Kaffee am Morgen kochen w\u00fcrden wir in der K\u00fcche aber nicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25770\" aria-describedby=\"caption-attachment-25770\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild6_BlackHills2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild6_BlackHills2.jpg\" alt=\"In diesem Tal bei Beulah \u00fcbernachteten wir, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25770\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25770\" class=\"wp-caption-text\">In diesem Tal bei Beulah \u00fcbernachteten wir, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25771\" aria-describedby=\"caption-attachment-25771\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild7_Holzhuette.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild7_Holzhuette.jpg\" alt=\"Unsere Unterkunft, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25771\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25771\" class=\"wp-caption-text\">Unsere Unterkunft, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Abends grillten Cap und Cate Burgerpattys f\u00fcr uns, die wir dann selbst mit Tomaten, Salat, Zwiebeln, Br\u00f6tchenh\u00e4lften und So\u00dfen zu Burgern bauen durften. Wir plauderten noch eine Weile und zogen uns dann bei einbrechender D\u00e4mmerung gegen 21:00h zur\u00fcck, um zeitig im Bett zu sein, weil es um 5:30h am Morgen losgehen sollte. Die Freunde w\u00fcrden sich uns anschlie\u00dfen und wir w\u00fcrden dann im Konvoi, ausgestattet mit Funkger\u00e4ten, Richtung S\u00fcden zum ausgekundschafteten Ort aufbrechen. Die letzten Wolkenvorhersagen prophezeiten dann tats\u00e4chlich keine Wolken mehr f\u00fcr unseren Beobachtungsort. <\/p>\n<p><b>21. August 2017, Finsternistag<\/b><\/p>\n<p>Immer noch nicht zeitadaptiert wachte ich gegen 4:30 auf und schaute aus dem Fenster. Trotz Fliegengitter war der Anblick der Milchstra\u00dfe \u00fcberw\u00e4ltigend, weit ab vom n\u00e4chsten Ort und in der Neumondnacht vor der Finsternis. Nach einer Tasse Kaffee und dem Beladen der Autos wurde es kurz nach 5:00 dann allm\u00e4hlich hell und wir machten uns auf den Weg, zun\u00e4chst zu den Freunden und dann gemeinsam Richtung S\u00fcden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25772\" aria-describedby=\"caption-attachment-25772\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild8_EclipseGang.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild8_EclipseGang.jpg\" alt=\"Die Eclipse-Gang, \u00a9 Eric &amp; Karla \" width=\"500\" height=\"345\" class=\"size-medium wp-image-25772\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25772\" class=\"wp-caption-text\">Die Eclipse-Gang, \u00a9 Eric &#038; Karla<br \/><\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr die fr\u00fche Zeit herrschte schon reger Betrieb auf der Stra\u00dfe, es fuhr praktisch alles nach S\u00fcden, aber der Verkehr floss z\u00fcgig. Der Himmel blieb wolkenlos. Nach ca. 3h erreichten wir sehr zeitig den ausgekundschafteten Ort, wir waren schon um 8:30, knapp 2h vor dem ersten Finsterniskontakt da. So konnte ich in Ruhe aufbauen. Eric, der selbst gerne fotografierte, folgte dem Rat erfahrener Finsternisbeobachter, die erste Finsternis <i>nicht<\/i> zu fotografieren(bis auf ein paar Fotos mit der Kompaktknipse), sondern nur zu beobachten. So konnte er mir zwei Stative \u00fcberlassen. Ich benutzte die Kompass-App des Handys, um die Weitwinkel-Kamera in die Richtung auszurichten, die ich zu Hause per Planetariumsapp f\u00fcr die Totalit\u00e4t ermittelt hatte. Die Sonne war bereits im Blickfeld, so dass meine vorab get\u00e4tigten Berechnungen nicht ganz verkehrt sein konnten. Es bestand Grund zur Hoffnung, dass der gesamte Bogen, den die Sonne w\u00e4hrend der Finsternis ziehen w\u00fcrde, ins Bild passen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Reisemontierung richtete ich mit der Polachse nach Norden und benutzte die Wasserwaagen-App des Handys, um sie auf 43,5\u00b0 Polh\u00f6he zu neigen &#8211; die geografische Breite von Glendo, die ich zu Hause im Web nachgeschlagen hatte. Alle Zeitangaben und Kameraeinstellungen waren als Notiz auf dem Handy, mit dem ich noch ein paar Fotos vom Setup machen konnte. Unglaublich, wie praktisch diese Smartphones heute sind!<\/p>\n<figure id=\"attachment_25773\" aria-describedby=\"caption-attachment-25773\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild9_VSTA.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild9_VSTA.jpg\" alt=\"Very Small Telescope Array, \u00a9 Eric &amp; Karla\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-25773\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25773\" class=\"wp-caption-text\">Very Small Telescope Array, \u00a9 Eric &#038; Karla<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Stimmung war ausgelassen, es wurde gefr\u00fchst\u00fcckt und \u00fcber Trump gel\u00e4stert. Zwei Hunde von Cate und Cap waren auch dabei. Ich erz\u00e4hlte den anderen von Sperlings Law, fand aber daf\u00fcr keinen rechten Glauben.<\/p>\n<p>Ich hatte mir einen Wecker f\u00fcr 10:15 im Handy gestellt, weil ich zu dieser Zeit die Weitwinkel-Serie starten wollte. Es w\u00fcrde dann alle 5 Minuten von der Kamera ein Bild gemacht, insgesamt 18 bis zur Totalit\u00e4t, beginnend mit der unverfinsterten Sonne. Dann w\u00fcrde mich ein zweiter Wecker daran erinnern, den Sonnenfilter abzunehmen und eine Belichtungsreihe von 3 Bildern +\/- 1,7 Blendenstufen um die von der Programmautomatik gemessenen Belichtungszeit zu machen. Danach sollte der Filter wieder aufgesetzt und mit der gespeicherten manuellen Voreinstellung eine weitere Serie von 18 Bildern f\u00fcr die zweite partielle Phase gemacht werden. Ich war mir nach ein paar Minuten nicht sicher, ob die Kamera auch wirklich die Serie ausf\u00fchrte, obwohl ich den vorher noch nie ben\u00f6tigten Modus zu Hause ausprobiert hatte. Ich schaltete sie ab und kontrollierte die letzte Aufnahme. Nur ein Bild war gemacht worden, zudem etwas unscharf, der Autofokus hatte mit Sonnenfilter wohl keinen Fokussierpunkt finden k\u00f6nnen, die winzige Sonne am Bildrand reichte nicht. Das h\u00e4tte ich vorher beachten m\u00fcssen, jetzt war alles ausgerichtet und d\u00fcrfte nicht mehr bewegt werden, weil die Zeit schon lief. Filter abnehmen und Autofokus wollte auch nicht funktionieren, so ging ich auf manuellen Fokus und drehte das Fokusrad einfach bis zum unendlich-Anschlag, das sollte dann eigentlich halbwegs scharf sein. War jedenfalls schon mal dumm gelaufen, h\u00e4tte nicht passieren sollen. Beim endg\u00fcltigen Bild w\u00fcrde ich dann mit rotierten Aufnahmen der zweiten partiellen Phase die fehlenden Bilder ersetzen und etwas schummeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mit der anderen Kamera lief es besser. Zwar waren die ersten Aufnahmen der partiellen Phase etwas \u00fcberbelichtet &#8211; ich hatte da wohl beim Einstellen einen Fehler gemacht, aber die waren eh&#8216; nur Beiwerk, hier ging es um die Totalit\u00e4t. Ich korrigierte den Fehler und fokussierte die Russentonne auf die gro\u00dfe Fleckengruppe auf der Sonne, worauf ich den Fokus mit Klebeband fixierte. Streng genommen h\u00e4tte ich zur Totalit\u00e4t nochmals nachfokussieren sollen, weil sich durch Erw\u00e4rmung und den fehlenden Filter der Fokuspunkt verschieben konnte, aber da es dann schnell gehen musste und man nicht auf die noch nicht komplett bedeckte Sonne schauen mochte, lie\u00df ich das lieber bleiben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25774\" aria-describedby=\"caption-attachment-25774\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild10_Warten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild10_Warten.jpg\" alt=\"Warten auf die Totalit\u00e4t, \u00a9 Eric &amp; Karla\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-25774\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25774\" class=\"wp-caption-text\">Warten auf die Totalit\u00e4t, \u00a9 Eric &#038; Karla<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Feldstecher konnte man schon nach ein paar Minuten nach dem 1. Kontakt sehen, wie die Mondscheibe einen kleinen Bissen aus der Sonnenscheibe weggenommen hatte. Die Fleckengruppe war sehr beeindruckend im 20&#215;80, der gro\u00dfe Feldstecher war wohl das ideale Ger\u00e4t zum Beobachten der Finsternis. In Ungarn hatte ich einen 15&#215;80 dabei, f\u00fcr den ich die <a href=\"https:\/\/www.baader-planetarium.de\/sektion\/s46\/download\/anleitung_astrosolar.pdf\">Aufsteckfilter aus Pappe und Baader-Folie<\/a> gebastelt hatte. Die Filter passten lose auch auf den 20&#215;80, aber der zugige Nordwind, der mir schon wegen der Reisemontierung Sorgen machte, weil er die Bilder zu verwackeln drohte, blies die Filter fast vom Feldstecher, so dass ich sie (wie auch dasjenige an der Russentonne) mit Klebeband fixieren musste.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25775\" aria-describedby=\"caption-attachment-25775\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild11_50Min.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild11_50Min.jpg\" alt=\"Nach ca. 50 Minuten ist mehr als die H\u00e4lfte der Sonne bedeckt, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"379\" class=\"size-medium wp-image-25775\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25775\" class=\"wp-caption-text\">Nach ca. 50 Minuten ist mehr als die H\u00e4lfte der Sonne bedeckt, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bis zur H\u00e4lfte der partiellen Phase passierte nichts Auff\u00e4lliges. Der Mond fra\u00df langsam die Fleckengruppe auf. Allm\u00e4hlich vermisste man ein wenig die Mittagsw\u00e4rme, die Temperatur schien stabil zu bleiben, trotz steigender Sonne, und der stetige Wind lie\u00df deutlich nach. Bei Dreiviertel Bedeckung merkte man deutlich eine Abschw\u00e4chung des Lichts. Wir sind es gewohnt, jeden Abend und Morgen D\u00e4mmerlicht zu erleben, aber dieses ist r\u00f6tlich verf\u00e4rbt. Das Licht der partiellen Finsternis hat eine seltsame K\u00e4lte, einen Gelbstich, der fremdartig, beinahe unbehaglich wirkt. Die Verfinsterung schreitet mit zunehmender Bedeckung immer schneller fort, es wird deutlich dunkler. Aber das Drama beginnt erst wirklich, wenn die Totalit\u00e4t naht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25776\" aria-describedby=\"caption-attachment-25776\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild12_EclipseHo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild12_EclipseHo.jpg\" alt=\"Eclipse ho! \u00a9 Eric &amp; Karla\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-25776\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25776\" class=\"wp-caption-text\">Eclipse ho! \u00a9 Eric &#038; Karla<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25777\" aria-describedby=\"caption-attachment-25777\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild13_-5Min.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild13_-5Min.jpg\" alt=\"Ca. 5 Minuten vor der Totalit\u00e4t, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"379\" class=\"size-medium wp-image-25777\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25777\" class=\"wp-caption-text\">Ca. 5 Minuten vor der Totalit\u00e4t, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Totalit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p>Wenige Minuten vor der Totalit\u00e4t sp\u00fcrte ich eine innere Aufregung. Meine Laufuhr, die den Puls am Handgelenk misst, zeigte mir einen Puls von \u00fcber 100 an, ich war nerv\u00f6s und kribbelig. Blo\u00df keinen Fehler machen! Ich schaltete die Kamera an der Russentonne ein und nahm den Filter ab, um die erste Aufnahme f\u00fcr den Diamantring 15 Sekunden vor der Totalit\u00e4t zu machen. Ich blickte kurz nach Westen, wo eine dunkle Wand am Himmel hing und rief &#8222;Look, there&#8217;s the shadow of the Moon coming!&#8220; <\/p>\n<figure id=\"attachment_25778\" aria-describedby=\"caption-attachment-25778\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild14_Mondschatten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild14_Mondschatten.jpg\" alt=\"Der Mondschatten kommt! \u00a9 Eric &amp; Karla\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25778\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25778\" class=\"wp-caption-text\">Der Mondschatten kommt! \u00a9 Eric &#038; Karla<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann ging alles sehr schnell. Es war buchst\u00e4blich so, als ob im Theater das Licht gedimmt wird, die Leute jubelten und riefen ein ums andere Mal das unvermeidliche &#8222;Oh my god!&#8220;, w\u00e4hrend ich das erste Bild ohne Filter machte. Dann noch eines und noch eines. Blick nach oben, da war sie wieder, die schwarze Sonne, der schwarze Punkt, eingeh\u00fcllt in den wei\u00dfen Schleier der Korona. Rechts davon die helle Venus, aber wie gewohnt kein tintenschwarzer, sondern ein dunkelblauer Himmel mit nur wenigen Sternen. Am Horizont ringsherum ein Leuchten wie D\u00e4mmerung, ein unwirkliches, au\u00dferirdisch anmutendes Bild. Die beiden Hunde fingen wie verr\u00fcckt an zu heulen, keine Chance, nach verstummenden Tierlauten zu lauschen. Ich arbeitete meine Belichtungsliste an der Russentonne ab und lief nach deren Ende zum Feldstecher.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25779\" aria-describedby=\"caption-attachment-25779\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild15_Diamantring.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild15_Diamantring.jpg\" alt=\"Diamantring, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"332\" class=\"size-medium wp-image-25779\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25779\" class=\"wp-caption-text\">Diamantring, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25780\" aria-describedby=\"caption-attachment-25780\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild16_Totalitaet-Regulus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild16_Totalitaet-Regulus.jpg\" alt=\"Totalit\u00e4t! Links neben der Sonne der Stern Regulus im L\u00f6wen, \u00a9 Eric &amp; Karla\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25780\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25780\" class=\"wp-caption-text\">Totalit\u00e4t! Links neben der Sonne der Stern Regulus im L\u00f6wen, \u00a9 Eric &#038; Karla<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25781\" aria-describedby=\"caption-attachment-25781\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild17_HimmelTotalitaet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild17_HimmelTotalitaet.jpg\" alt=\"Der Himmel w\u00e4hrend der Totalit\u00e4t, \u00a9 Eric &amp; Karla\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25781\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25781\" class=\"wp-caption-text\">Der Himmel w\u00e4hrend der Totalit\u00e4t, \u00a9 Eric &#038; Karla<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25782\" aria-describedby=\"caption-attachment-25782\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild18_innereKorona.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild18_innereKorona.jpg\" alt=\"Innere Korona &amp; Protuberanz, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"332\" class=\"size-medium wp-image-25782\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25782\" class=\"wp-caption-text\">Innere Korona &#038; Protuberanz, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25783\" aria-describedby=\"caption-attachment-25783\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild19_aeussereKorona.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild19_aeussereKorona.jpg\" alt=\"\u00c4u\u00dfere Korona, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"332\" class=\"size-medium wp-image-25783\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25783\" class=\"wp-caption-text\">\u00c4u\u00dfere Korona, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte Eric die Filter vom 20&#215;80 abnehmen und die Sonne im Blickfeld zentrieren sollen, aber in der allgemeinen Aufregung hatte er seinen kleinen Auftrag vergessen und schaute mit seinem kleinen Feldstecher nach der Sonne. Der gro\u00dfe war verwaist, so nahm ich mich seiner an, bekam jedoch die Filter nicht so recht von den Objektiven entfernt &#8211; bis mir wieder einfiel, dass ich sie mit Klebeband fixiert hatte. Als sie endlich runter waren, die Sonne zentriert und fokussiert, klingelte der Handy-Wecker und erinnerte mich daran, dass ich noch eine Weitwinkelaufnahme ohne Filter machen musste, die ich sonst garantiert vergessen h\u00e4tte. Also lief ich zur Weitwinkelkamera, nahm den Filter ab, stellte sie auf P-Modus und machte die Belichtungsreihe, unn\u00f6tigerweise zweimal. Dann setzte ich den Filter wieder auf, stellte sie wieder auf die gespeicherte Benutzereinstellung f\u00fcr Intervall, l\u00f6ste die Serie aus und lief zur\u00fcck zum Feldstecher, um endlich in Ruhe schauen zu k\u00f6nnen. Noch bevor ich hindurch schauen konnte, wurde es pl\u00f6tzlich wieder hell. Nein! Vorbei! Nie im Leben waren das 2 Minuten 20! H\u00f6chstens ein paar Sekunden! Sperlings Law hatte wieder zugeschlagen. &#8222;It&#8217;s over!&#8220; rief ich, worauf ich von Eric Antwort bekam, das seien doch nie im Leben 8 Sekunden gewesen, sondern viel weniger!<\/p>\n<figure id=\"attachment_25784\" aria-describedby=\"caption-attachment-25784\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild20_vorbei.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild20_vorbei.jpg\" alt=\"Und schon war\u2019s vorbei! \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"379\" class=\"size-medium wp-image-25784\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25784\" class=\"wp-caption-text\">Und schon war\u2019s vorbei! \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Tja, und wieder hatte ich praktisch nichts gesehen. Ich hoffte nur, dass die Bilder gut geworden sein w\u00fcrden, vor allem scharf. Ein erster Blick von unten auf den Bildschirm der Kamera an der Russentonne ergab eigentlich ganz ordentliche Aufnahmen, die nicht offensichtlich unscharf waren. Genaueres w\u00fcrde erst der Computermonitor oder das Tablet zeigen.<\/p>\n<p>Eric jubelte, sein Plan war aufgegangen, wir waren rechtzeitig und ohne Stau am Ziel gewesen und hatten die Finsternis gesehen. Das Wetter hatte mitgespielt, und alle waren happy und verabredeten sich schon f\u00fcr Dallas 2024 (&#8222;I have a daughter there&#8220;). Eric wusste von einer Finsternis bereits 2020 in Argentinien, ein Land, das er schon einmal besucht hatte und liebte. Es schienen einige vom <i>eclipse bug<\/i> gebissen worden zu sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25785\" aria-describedby=\"caption-attachment-25785\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild21_Sonnenflecken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild21_Sonnenflecken.jpg\" alt=\"Der Mond zieht sich zur\u00fcck. Sch\u00f6ne Fleckengruppe auf der Sonne. \u00a9 Autor \" width=\"500\" height=\"379\" class=\"size-medium wp-image-25785\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25785\" class=\"wp-caption-text\">Der Mond zieht sich zur\u00fcck. Sch\u00f6ne Fleckengruppe auf der Sonne. \u00a9 Autor<br \/><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie sich dann auf mein Nachhaken bez\u00fcglich der Reaktion der Hunde ergab, hatte Cate diese durch Vorheulen selbst animiert. Es bleibt also ungekl\u00e4rt, wie die Hunde von sich aus auf die Totalit\u00e4t reagiert h\u00e4tten. Sicherlich hatten sie die Aufregung der Menschen gesp\u00fcrt.<\/p>\n<p><b>Heimfahrt<\/b><\/p>\n<p>Cap und Cate verlie\u00dfen uns kurz nach der Totalit\u00e4t, ihre Freunde und die D\u00e4nen kurze Zeit sp\u00e4ter; letzrere begannen eine Rundreise durch den Nordwesten der USA. Karla, Eric und ich blieben noch bis zum Ende der Finsternis, um die Weitwinkelaufnahme abzuschlie\u00dfen, und machten uns dann auf den Heimweg nach Fort Collins.<\/p>\n<p>Kaum, dass wir die erste gr\u00f6\u00dfere Stra\u00dfe erreichten, begannen die Staus. Millionen Finsternis-begeisterte Amerikaner machten sich auf die Heimfahrt, in dieser Gegend meist nach S\u00fcden. Eric lobte ein ums andere Mal seinen Entschluss, die Finsterniszone von Norden her angefahren zu sein, und als ich ihn an die Serie A-Team erinnerte, zitierte er Colonel Hannibal mit den Worten &#8222;I love it, when a plan comes together!&#8220; Trotz Hilfe des Google Map Navigators erreichten wir mangels Alternativen erst nach 5 Stunden das 150 Meilen entfernte Fort Collins, wo ich die beiden zum Essen in einem Restaurant einlud. Wir feierten den erfolgreichen Tag mit Margarita und Corona beim Mexikaner.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25786\" aria-describedby=\"caption-attachment-25786\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild22_Stau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild22_Stau.jpg\" alt=\"Reger R\u00fcckreiseverkehr nach S\u00fcden, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"308\" class=\"size-medium wp-image-25786\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25786\" class=\"wp-caption-text\">Reger R\u00fcckreiseverkehr nach S\u00fcden, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Nachlese und Heimflug<\/b><\/p>\n<p>Zu Hause bei Eric nutzte ich einen SD-Kartenadapter f\u00fcr das Tablet, um die Bilder auf diesem zu sichten und ich war recht zufrieden. Ein sch\u00f6ner Diamantring &#8211; mein erster-, eine scharfe, zentrierte, durch die Russentonne aufgenommene Sonne und eine sch\u00f6ne, wenn auch nicht ganz scharfe Weitwinkelserie w\u00e4hrend der Totalit\u00e4t mit drei Ausf\u00e4llen am Anfang.<\/p>\n<p>Das Wetter am Tag nach der Finsternis war komplett bew\u00f6lkt, wir hatten den Hauptgewinn gezogen, das war meine Finsternis mit dem bisher besten Wetter. So hatte ich den Kuchen zwar nicht gegessen, aber wenigstens als verwertbare Aufnahmen behalten. <\/p>\n<p>Auf dem Heimflug gab es dann \u00fcber dem Nordosten Kanadas noch ein sch\u00f6nes Polarlicht, das sich sogar auf meiner rechten Fensterseite mit S\u00fcdblick beobachten lie\u00df. ich stellte die Kamera auf 25600 ISO und 2 Sekunden bei offener Blende und hielt mit dem Weitwinkel gegen das Fenster gedr\u00fcckt einfach drauf. Das war ein sch\u00f6ner Abschluss f\u00fcr diese astronomische Reise.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25787\" aria-describedby=\"caption-attachment-25787\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild23_Pseudo-Polarlicht.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild23_Pseudo-Polarlicht.jpg\" alt=\"K\u00fcnstliches Polarlicht im Flieger\u2026, \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25787\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25787\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstliches Polarlicht im Flieger\u2026, \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_25788\" aria-describedby=\"caption-attachment-25788\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild24_echtesPolarlicht.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild24_echtesPolarlicht.jpg\" alt=\"\u2026und echtes drau\u00dfen! \u00a9 Autor\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-25788\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25788\" class=\"wp-caption-text\">\u2026und echtes drau\u00dfen! \u00a9 Autor<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Bildverarbeitung<\/b><\/p>\n<p>Zu Hause fertigte ich dann die geplanten Komposite mit Photoshop an. F\u00fcr die Korona blendete ich in Ebenen von der k\u00fcrzesten (unten) zur l\u00e4ngsten (oben) Belichtungszeit den jeweils \u00fcberbelichteten Teil mittels einer Maske mit weichem Rand aus, so dass die darunter liegende Ebene die L\u00fccke f\u00fcllte. Um die Helligkeiten an den \u00dcberg\u00e4ngen anzupassen, bekam jede Ebene eine eigene Tonwertkorrektur-Einstellungsebene, bei der ich die Helligkeit nach innen mit dem Regler f\u00fcr die h\u00f6chste Helligkeit begrenzte und nach au\u00dfen mit dem Gamma-Regler anglich (und den Schwarzpunkt bei den \u00e4u\u00dferen Aufnahmen etwas h\u00f6her legte, um einen dunklen Hintergrund zu erhalten), bis ein nahtloser \u00dcbergang entstand. Dieses Bild speicherte ich zun\u00e4chst ohne Ebenen ab.<\/p>\n<p>Um die Feinstruktur der Korona herauszuarbeiten, rotierte ich das Bild mit dem radialen Weichzeichner um ca. 12\u00b0, was eine unscharfe Maske erzeugte, die ich vom nicht rotierten Bild mit 80% Deckungsgrad abzog. Damit wurde die mittlere Hintergrundhelligkeit reduziert, aber die Details blieben erhalten. Das Bild war recht jedoch dunkel. Mittels Tonwertkorrektur hob ich die Helligkeit wieder an, aber es wirkte ein wenig stufig. Dieses Bild speicherte ich ab und verwendete es dann als Aufhellungs-Ebene f\u00fcr das im ersten Absatz beschriebene Komposit. Das Ergebnis sah dann wie folgt aus:<\/p>\n<figure id=\"attachment_25789\" aria-describedby=\"caption-attachment-25789\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild25_Korona-Komposit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild25_Korona-Komposit.jpg\" alt=\"Korona-Komposit \" width=\"500\" height=\"332\" class=\"size-medium wp-image-25789\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25789\" class=\"wp-caption-text\">Korona-Komposit<br \/><\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann versuchte ich noch, aus den am l\u00e4ngsten belichteten Bildern die von der Erde beleuchtete Mondscheibe herauszukitzeln, was sich als schwierig erwies. Die Technik war die gleiche, wie bei der Korona: rotiert verschmieren und das unscharfe Bild vom Original abziehen, dann den Kontrast hochtreiben. Selbst mit voller RAW-Bittiefe war kaum Kontrast aus dem Mond herauszuholen. Ein etwas besseres Ergebnis ergab sich, wenn ich dies f\u00fcr zwei verschiedene Bilder tat und diese \u00fcberlagerte. Den \u00fcberbelichteten Rand schnitt ich per weicher Auswahl weg, kopierte das Bild vor das Korona-Komposit und vergr\u00f6\u00dferte den Mond ein wenig, bis er die schwarze Fl\u00e4che ganz ausf\u00fcllte. Seine braune Farbe korrigierte ich etwas zum Blauen hin. Man ahnt immerhin die Konturen einiger Mare:<\/p>\n<figure id=\"attachment_25790\" aria-describedby=\"caption-attachment-25790\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild26_Korona-Komposit-Mond.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild26_Korona-Komposit-Mond.jpg\" alt=\"Korona-Komposit mit Mond\" width=\"500\" height=\"332\" class=\"size-medium wp-image-25790\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25790\" class=\"wp-caption-text\">Korona-Komposit mit Mond<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einfacher war das Weitwinkel-Komposit. Im Prinzip musste man nur die Einzelaufnahmen als Ebenen \u00fcbereinander kopieren. Da das Bild nicht ganz scharf war, half es, den Gr\u00fcnkanal in Rot- und Blaukan\u00e4le zu kopieren und mit unscharfer Maske nachzusch\u00e4rfen. Die fehlenden drei Aufnahmen zu Beginn kopierte ich mir aus den letzten an die richtigen Stellen und kehrte sie um 180\u00b0 um. Den Hintergrund mit der schwarzen Sonne setzte ich aus zwei Aufnahmen zusammen, eine f\u00fcr den Himmel und eine f\u00fcr die Landschaft. Die kleine Venus, die es eben noch rechts in die obere Bildecke geschafft hatte, war stark verzerrt, da half Entf\u00e4rben und Drehen an der Tonwertkorrektur, um den zentralen Teil zu betonen. Alles zusammen wurde dann in einem Bild vereint:<\/p>\n<figure id=\"attachment_25791\" aria-describedby=\"caption-attachment-25791\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild27_Weitwinkel-Komposit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild27_Weitwinkel-Komposit.jpg\" alt=\"Weitwinkel-Komposit\" width=\"500\" height=\"689\" class=\"size-medium wp-image-25791\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25791\" class=\"wp-caption-text\">Weitwinkel-Komposit<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Bei meiner n\u00e4chsten Finsternis &#8211; in den USA oder Spanien &#8211; m\u00f6chte ich nicht mehr eine oder gar zwei Kameras bedienen, sondern <i>falls<\/i> ich Bilder mache, muss das automatisch gesteuert sein. Vielleicht einen zweiten Versuch eines Weitwinkelbilds, dazu braucht es nur sehr wenig Ger\u00e4t. Bei der \u00fcbern\u00e4chsten dann vielleicht mal eine Gro\u00dfaufnahme der Protuberanzen durch ein richtiges Teleskop, deren ich ja auch noch zwei habe. Aber eines ist &#8211; entweder essen oder behalten, beides geht nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017. Informationen zum Ablauf gibt es hier. Leserinnen und Leser k\u00f6nnen die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen &#8211; Details dazu gibt es hier. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es hier. 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