{"id":24307,"date":"2017-10-31T08:00:54","date_gmt":"2017-10-31T07:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/31\/gruene-gentechnik-und-warum-man-vor-ihr-keine-angst-haben-sollte\/"},"modified":"2025-05-14T16:36:28","modified_gmt":"2025-05-14T14:36:28","slug":"gruene-gentechnik-und-warum-man-vor-ihr-keine-angst-haben-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/31\/gruene-gentechnik-und-warum-man-vor-ihr-keine-angst-haben-sollte\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Gentechnik und warum man vor ihr keine Angst haben sollte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\" alt=\"sb-wettbewerb_klein\" width=\"150\" height=\"52\" class=\"alignleft size-full wp-image-25403\" \/><\/a><i>Dieser Artikel ist Teil des <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/07\/01\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2017\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017<\/a>. 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Informationen zu den Autoren der Wettbewerbsartikel finden sich in den jeweiligen Texten.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Gr\u00fcne Gentechnik und warum man vor ihr keine Angst haben sollte<\/b><\/p>\n<p>von CC-103<\/p>\n<p>Ich bin ein deutscher Sch\u00fcler, der allerdings momentan in Frankreich zur Schule geht. In meiner Freiziet besch\u00e4ftige ich mich viel mit Mathematik und Naturwissenschaften. Man findet mich auch unter dem Pseudonym <i>Gelbstern<\/i>.<\/p>\n<p>Jeder hat vermutlich schon einmal von Gentechnik geh\u00f6rt und viele haben auch eine klare Meinung zu ihr: Gentechnik, den Schei\u00df brauchen wir nicht. In diesem Artikel m\u00f6chte ich darlegen, warum diese Ablehnung, teilweise auch Angst, vermutlich in vielen F\u00e4llen ungerechtfertigt ist. Konzentrieren werde ich mich dabei auf die gr\u00fcne Gentechnik, also die Gentechnik, die in der Landwirtschaft verwendet wird, da diese deutlich st\u00e4rker abgelehnt wird als die rote Gentechnik, die in der Medizin verwendet wird, oder die wei\u00dfe Gentechnik, die in der Industrie Anwendung findet.<\/p>\n<p>Gentechnik genie\u00dft in Europa kein hohes Ansehen, w\u00fcrde man verschiedene Leute die Wahl zwischem genmanipuliertem und konventionellem Essen geben, die meisten w\u00fcrden vermutlich letzteres nehmen, auch wenn das erste f\u00fcr sie billiger w\u00e4re und sonst keine merkbaren Unterschiede gegen\u00fcber dem konventionellen aufweist. Auch darf genmanipuliertes Essen nicht als <i>Bio<\/i> verkauft werden, selbst wenn es ges\u00fcnder und umweltfreundlicher ist. Um zu verstehen, warum diese Hysterie in der Regel unberechtigt ist sollte man aber vielleicht erst einmal verstehen, worum es sich bei der Gentechnik konkret handelt.<\/p>\n<p>Im Grunde wird Gentechnik schon seit der Entwicklung der Landwirtschaft verwendet, wenn auch nicht in der heutigen Form, die man normalerweise unter dem Begriff <i>Gentechnik<\/i> versteht. Die Rede ist nat\u00fcrlich von Kreuzung, also der kontrollierten Fortpflanzung von Tieren und Pflanzen, bei der man Abk\u00f6mmlinge mit den bestm\u00f6glichen Eigenschaften erhalten m\u00f6chte. Ein klassisches Beispiel hierf\u00fcr ist der Mais, der aus der Teosinte entstanden ist, eine Pflanze, die dem heutigen Mias kaum \u00e4hnlich sieht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25845\" aria-describedby=\"caption-attachment-25845\" style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Teosinte.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Teosinte.png\" alt=\"Gentechnik: von der Teosinte (links) zum heutigen Mais (rechts) (von (Photo courtesy of John Doebley.) [CC BY 2.5], via Wikimedia Commons)\" width=\"256\" height=\"385\" class=\"size-full wp-image-25845\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25845\" class=\"wp-caption-text\">Gentechnik: von der Teosinte (links) zum heutigen Mais (rechts) (von (Photo courtesy of John Doebley.) [<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.5\">CC BY 2.5<\/a>], <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ATeosinte.png\">via Wikimedia Commons<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Verst\u00e4ndlicherweise gilt jegliche Aufregung \u00fcber die Gentechnik nat\u00fcrlich nicht der Kreuzung und es ist auch klar, dass Gentechnik-Gegener nicht gegen Kreuzung sind, da Kreuzung letztendlich doch konventionelle Z\u00fcchtung ist. Trotzdem ist es aber interessant, zu wissen, dass auch Kreuzung nicht immer ungef\u00e4hrlich ist. Ein klassische Beispiel ist die Lenape-Kartoffel, welche konventionell gez\u00fcchtet wurde, deren Zulassung aber aufgrund eines <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/050\/1605011.pdf\">zu hohen Solanidinglycosiden-Gehalts zur\u00fcckgezogen wurde<\/a> (Frage 13)<sup>[1]<\/sup>. Nat\u00fcrlich bedeutet das nicht, dass Kreuzung grunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrlich ist, aber es k\u00f6nnen eben auch bei dieser konventionellen Z\u00fcchtung Gefahren auftreten.<\/p>\n<p>Eine andere Form der Gentechnik ist die Mutagenese, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gro\u00dffl\u00e4chig Anwendung findet, auch wenn die Idee schon deutlich \u00e4lter ist. Aus irgendeinem Grund ist diese Technik im Gegensatz zur modernen Gentechnik und der Kreuzung recht unbekannt. Bei der Mutagenese nimmt man im Grunde Saatgut einer Pflanze und bestrahlt sie mit ionisierender Strahlung oder setzt sie mutagenen Chemikalien aus. Das ver\u00e4nderte Saatgut pflanzt man dann an und guckt, ob sich irgendwo Eigenschaften verbessert haben. Auch wenn diese Art der Pflanzenz\u00fcchtung der modernen Gentechnik deutlich st\u00e4erker \u00e4hnelt, als die klassische Kreuzung, werden mithilfe von Mutagenese gez\u00fcchtete Pflanzen in Europa nicht anders behandelt als konventionell gez\u00fcchtete Pflanzen, sie m\u00fcssen also nicht die gleichen langwierigen und teuren Zulassungsprozesse durchlaufen, wie Pflanzen, die mithilfe der modernen Gentechnik gez\u00fcchtet wurden. Au\u00dferdem hat die Mutagenese einen gro\u00dfen Nachteil: Die Mutationen sind unkontrolliert, neben der gew\u00fcnschten Mutation hat man noch zahlreiche ungew\u00fcnschte, die man erst auskreuzen muss, bevor man die ver\u00e4nderte Pflanze ernsthaft verwenden kann, weswegen die moderne Gentechnik im Grunde besser f\u00fcr die Pflanzenz\u00fcchtung geeignet ist.<\/p>\n<p>Die moderne Gentechnik ist im Grunde das, woran die meisten Leute denken, wenn sie <i>Gentechnik<\/i> h\u00f6ren. Die gr\u00f6\u00dften Unterschiede zu den vorher beschriebenen Methoden sind, dass die Mutationen kontrolliert sind und die Artenbarriere \u00fcberwunden werden kann, es k\u00f6nnen also Gene aus anderen Arten in die manipulierte Art eingef\u00fcgt werden. W\u00e4hrend bei Mutagenese und konventioneller Kreuzung keine &#8222;fremden&#8220; Gene in die Pflanzen kommen. Diese \u00dcberwindung der Artenbarriere und die Kontrolle \u00fcber die Mutationen er\u00f6ffnen zahlreiche M\u00f6glichkeiten. So k\u00f6nnen Pflanzen ganz einfach auf verschiedene Arten und Weisen verbessert werden, man kann sie zum Beispiel resistent gegen Herbizide oder Sch\u00e4dlinge machen, man kann Allergene entfernen, man kann daf\u00fcr sorgen, dass sie auf salzigen B\u00f6den oder bei h\u00f6herer Temperatur wachsen k\u00f6nnen, und so weiter und so weiter. Man kann zum Beispiel das Gen eines <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/biologie-kompakt\/bt-toxin\/1962\">Bakteriums, das ein nat\u00fcrliches Insektizid produziert<\/a><sup>[2]<\/sup>, in Mais oder Baumwolle einbauen, sodass diese Pflanzen das Insektizid selber produzieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25843\" aria-describedby=\"caption-attachment-25843\" style=\"width: 376px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Gene.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Gene.png\" alt=\"Nichts wovor wir Angst haben m\u00fcssen: Gene (von Courtesy: National Human Genome Research Institute ([1] (file)) [Public domain], via Wikimedia Commons \" width=\"376\" height=\"301\" class=\"size-full wp-image-25843\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25843\" class=\"wp-caption-text\">Nichts wovor wir Angst haben m\u00fcssen: Gene (von Courtesy: National Human Genome Research Institute ([1] (file)) [Public domain], <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AGene.png\">via Wikimedia Commons<\/a><br \/><\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber was ist jetzt das gro\u00dfe Problem der Gentechnik? Eigentlich gibt es keins. Verschiedene Argumente werden gerne gegen die Gentechnik ins Feld gef\u00fchrt, allen voran nat\u00fcrlich das Argument, dass gentechnisch modifiziertes Essen gesundheitlich sch\u00e4dlich oder eine gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht ausreichend gesichert sei. Im Grunde ist diese Sorge unbegr\u00fcndet, da, obwohl bei Gentechnik durchaus gesundheitssch\u00e4dliche Effekte auftreten k\u00f6nnen, gentechnisch manipulierte Lebensmittel vor der Zulassung genauestens gepr\u00fcft werden, in diesem Punkt hat die Hysterie sogar einen Vorteil. Au\u00dferdem ist eine Pflanze nicht potenziell weniger gesundheitssch\u00e4dlich, nur weil sie konventionell gez\u00fcchtet wurden (man betrachte das vorher genannte Beispiel der Lenape-Kartoffel). Ein anderes Argument, das man gelegentlich zu h\u00f6ren bekommt, ist, dass Bauern, besonders in Entwicklungsl\u00e4nder, nicht von Gentechnik profitieren w\u00fcrden, wobei diese Aussage <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article\/file?id=10.1371\/journal.pone.0111629&#038;type=printable\">nicht stimmt<\/a><sup>[3]<\/sup>. Tats\u00e4chlich verdienen Bauern, besonders in Entwicklungl\u00e4ndern, mehr an gentechnisch modifizierten Pflanzen, als an nicht gentechnisch modifizierten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Ertr\u00e4ge h\u00f6her und die Kosten f\u00fcr Spritzmittl geringer sind. Dann gibt es noch das Argument, dass sich der Anbau gentechnisch modifizierter Pflanzen negativ auf die Artenvielfalt auswirkt. Dies stimmt nat\u00fcrlich insofern, als sich jede Art der Landwirtschaft negativ auf die Artenvielfalt auswirkt, allerdings wirkt sich der Anbau gentechnisch modifizierter Pflanzen <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/pdf\/10.4161\/gmcr.2.1.15086?needAccess=true\">weniger negativ auf die Artenvielfalt aus als konventionelle Landwirtschaft<\/a><sup>[4]<\/sup>.<\/p>\n<p>Zusammenfassen kann man sagen, dass die gr\u00fcne Gentechnik extrem spannend ist und uns in Zukunft noch viele weitere M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen wird. Leider wird das Thema h\u00e4ufig mit einer oft sachlich nicht haltbaren Hysterie \u00fcberschattet, die in der Gesellschaft recht weit verbreitet ist. Wir sollten keine Angst vor der gr\u00fcnen Gentechnik haben, sondern uns lieber \u00fcber die M\u00f6glichkeiten freuen, die sie uns er\u00f6ffnet, was aber nat\u00fcrlich nicht hei\u00dft, dass wir jegliche kritische Distanz verlieren sollten.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich mich noch bei Grzegorz Nieksche f\u00fcr seinen kritischen Blick beim Korrekturlesen dieses Artikels bedanken.<\/p>\n<p>Referenzen:<\/p>\n<ul>\n<li>[1] <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/050\/1605011.pdf\">Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Dr. Edmund Peter Geisen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP \u2013 Drucksache 16\/4889<\/a><\/li>\n<li>[2] <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/biologie-kompakt\/bt-toxin\/1962\">Bt-Toxin auf Spektrum.de<\/a><\/li>\n<li>[3] <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article\/file?id=10.1371\/journal.pone.0111629&#038;type=printable\">Klumper W, Qaim M (2014) A Meta-Analysis of the Impacts of Genetically Modified Crops. PLoS ONE 9(11): e111629. doi:10.1371\/journal.pone.0111629<\/a><\/li>\n<li>[4] <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/pdf\/10.4161\/gmcr.2.1.15086?needAccess=true\"> Janet E. Carpenter (2011) Impact of GM crops on biodiversity, GM Crops, 2:1, 7-23<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017. Informationen zum Ablauf gibt es hier. Leserinnen und Leser k\u00f6nnen die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen &#8211; Details dazu gibt es hier. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es hier. 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