{"id":24259,"date":"2017-10-13T07:00:40","date_gmt":"2017-10-13T05:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/13\/kuenstliche-intelligenz-ein-job-killer\/"},"modified":"2025-05-14T16:36:08","modified_gmt":"2025-05-14T14:36:08","slug":"kuenstliche-intelligenz-ein-job-killer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/10\/13\/kuenstliche-intelligenz-ein-job-killer\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz, ein Job-Killer?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\" alt=\"sb-wettbewerb_klein\" width=\"150\" height=\"52\" class=\"alignleft size-full wp-image-25403\" \/><\/a><i>Dieser Artikel ist Teil des <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/07\/01\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2017\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017<\/a>. Informationen zum Ablauf <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=25399\">gibt es hier<\/a>. Leserinnen und Leser k\u00f6nnen die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen &#8211; Details dazu <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=25399\">gibt es hier<\/a>. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=25387\">hier<\/a>. Informationen zu den Autoren der Wettbewerbsartikel finden sich in den jeweiligen Texten.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>K\u00fcnstliche Intelligenz, ein Job-Killer?<\/b><\/p>\n<p>von Marc Schanz<\/p>\n<p>Ich wette gerne mit Experten \u00fcber \u00f6konomische Themen. Mein Punktekonto betr\u00e4gt derzeit 4:1 und dieser Beitrag soll mir den 5. Punkt sichern.<\/p>\n<p>Welche Auswirkungen wird die k\u00fcnstliche Intelligenz haben? \u00dcber die Chancen und M\u00f6glichkeiten des Fortschritts muss man sich wenig Gedanken machen, sie werden genutzt werden. Mein Schwerpunkt sind daher die Gefahren des technologischen Wandels, insbesondere f\u00fcr die Arbeitswelt und neue Strategien zu ihrer Abwehr. Sich allein auf die unsichtbaren H\u00e4nde des freien Markts zu verlassen, so wie es die \u00d6konomie derzeit propagiert, finde ich zu naiv.<\/p>\n<p>Industrialisierung, Massenproduktion und Digitalisierung haben unsere Arbeitswelt revolutioniert, sie hat sich so grundlegend ver\u00e4ndert, dass sie nichts mehr mit der vorindustriellen Subsistenzwirtschaft zu tun hat. Doch der technologische Fortschritt kennt keine Pause, virtual Reality und k\u00fcnstliche Intelligenz stehen bereits in den Startl\u00f6chern, um unsere Arbeit erneut grundlegend umzuw\u00e4lzen. Gef\u00fchlt scheint sich der technologische Fortschritt immer weiter zu beschleunigen. Dieser Effekt zeigt sich in TV-Sendungen oder Kinofilmen, die erst wenige Jahre alt sind. Sie wirken durch die Verwendung smarter Ger\u00e4te, die heute bereits hoffnungslos veraltet sind, merkw\u00fcrdig anachronistisch. Konnte man Handies fr\u00fcher wirklich aufklappen? Ja, das habe ich sogar auch mal gemacht.<br \/>\nWagen wir einen Blick auf die Arbeit nach den kommenden Umw\u00e4lzungen. Wie wird sich durch die k\u00fcnstliche Intelligenz die Zusammenarbeit mit der Maschine ver\u00e4ndern? Sicherlich, sie wird vor allem einfacher, menschlicher werden. Sprachbasierte Mensch-Maschine-Interaktion, die auf intelligenten Systemen beruht, geh\u00f6rt bereits heute zum modernen Leben und hat auch schon in der Berufswelt Einzug gehalten. Die k\u00fcnstliche Intelligenz wird neue Berufsfelder erschaffen, das Modellieren, Trainieren und Kontrollieren der KI-Programme wird neue Spezialisten ben\u00f6tigen. Die Produktivit\u00e4tssteigerung durch diesen Technologiesprung wird jedoch zahlreiche Arbeitspl\u00e4tze \u00fcberfl\u00fcssig machen. Die entscheidende Frage ist, welcher Prozess \u00fcberwiegt, werden <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Weltwirtschaftsforum-Millennials-sehen-Roboter-nicht-als-Jobzerstoerer-3814971.html\">mehr neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen<\/a> als <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/zukunft-der-arbeit-kollege-computer-und-die-angst-vor-dem-maschinenwinter-a-1163946.html\"><br \/>\nvernichtet<\/a>? Die derzeitige Mode in der \u00d6konomie sagt, der freie Markt l\u00f6st solche Probleme durch seine geisterhaften H\u00e4nde von allein. Alte M\u00e4rkte verschwinden, neue entstehen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saysches_Theorem\">schaffen sich ihre Nachfrage selbst<\/a> und alles wird gut. Laut diesem Dogma wird die k\u00fcnstliche Intelligenz die Arbeitswelt einfach nur bereichern. Dieses blinde Vertrauen in die Magie des Marktes k\u00f6nnte sich als ein verh\u00e4ngnisvoller Trugschluss herausstellen. <\/p>\n<p>Die Nachfrage nach kostenfreier Arbeit ist unendlich, die Angebote f\u00fcr bezahlte Arbeit sind jedoch begrenzt. Menschen k\u00e4mpfen auf dem Arbeitsmarkt um dieses begehrte und knappe Gut, w\u00e4hrend Maschinen ihre F\u00e4higkeiten anbieten, um den Bedarf an bezahlter Arbeit zu senken. Hierdurch entsteht eine Konkurrenz-Situation zwischen Mensch und Maschine. Die Marktkr\u00e4fte sorgen f\u00fcr eine m\u00f6glichst effektive Produktion. Ein Unternehmen, dessen St\u00fcckpreis bei vergleichbaren Eigenschaften letztendlich n\u00e4her bei Null ist, kann sich mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit am Markt durchsetzen. Da Arbeit einer der gr\u00f6\u00dften Kostenfaktoren darstellt, wird sie, falls es m\u00f6glich ist, durch Investitionen in maschinelle Ausr\u00fcstung ersetzt, die sich langfristig immer rentieren.<br \/>\nDieser Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Maschine findet auf vielen Ebenen statt, Bauarbeiter konkurrieren mit Baumaschinen, Mechatroniker mit Fertigungsroboter und bald Taxifahrer mit autonomen Autos. Es ist es ein ungleicher Kampf, denn eine Maschine muss weder ein Haus bauen bzw. Miete zahlen, noch eine Familie ern\u00e4hren, ein Freizeitleben f\u00fchren oder f\u00fcr die Rente vorsorgen, sie muss nur wie gew\u00fcnscht funktionieren. Dieser verlorene Kampf zeigt sich in einer immer weiter fortschreitenden Automatisierung: 1960 ben\u00f6tigte man f\u00fcr eine Jahresproduktion von ca. 500.000 Tonnen Stahldraht in etwa 1.000 Mitarbeiter, <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2017-06-21\/how-just-14-people-make-500-000-tons-of-steel-a-year-in-austria\">heute kann ein \u00f6sterreichisches Stahlwerk die gleiche Menge Stahldraht mit gerade einmal 14 Mitarbeitern herstellen<\/a>.<\/p>\n<p>Die technologische Fortschritt hat es geschafft, f\u00fcr fast jede physische Arbeit eine Maschine zu entwickeln. F\u00fcr rein physische T\u00e4tigkeiten werden kaum noch Mitarbeiter ben\u00f6tigt, einzig noch zur Steuerung und \u00dcberwachung der Maschinen. Doch gerade dies wird sich bald \u00e4ndern, dank der k\u00fcnstlichen Intelligenz werden demn\u00e4chst viele Maschinen vollst\u00e4ndig autonom arbeiten k\u00f6nnen, ein menschliche Eingriff wird somit \u00fcberfl\u00fcssig. <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/AS_5X9jNu7c?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nBeispiel einer hochautomatisierten Fertigung im Automobilbau mit vielen vollautomatisierten Abschnitten.<\/p>\n<p>Zudem werden organisatorische T\u00e4tigkeiten, die bisher zu komplex f\u00fcr eine maschinelle Bearbeitung waren, mit Hilfe der k\u00fcnstliche Intelligenz problemlos und vor allem effektiv bew\u00e4ltigt werden. Diese neuen \u201ek\u00fcnstlichen Mitarbeiter\u201c werden das Angebot an Arbeitskr\u00e4ften f\u00fcr Bereiche, wie Verwaltung, Finanzierung, Marketing, unternehmerische T\u00e4tigkeiten usw., schlagartig erh\u00f6hen. Ein einzelnes KI-Programm wird aufgrund seiner enormen Kapazit\u00e4ten mit ganzen Abteilungen konkurrieren, ebenso wie eine Maschine bisher mehrere Arbeiter ersetzen konnte. Nach den strengen Gesetzen des Marktes f\u00fchrt eine solche Erh\u00f6hung des Angebots an Arbeitskraft zu einem sinken des Preises f\u00fcr die Arbeitst\u00e4tigkeiten, d.h. der Lohn f\u00fcr Menschen wird in den Bereichen, in denen die k\u00fcnstliche Intelligenz Fu\u00df fasst, zwangsl\u00e4ufig sinken, menschliche Arbeit wird durch steigende Konkurrenz durch die Maschine immer mehr entwertet. Bisher f\u00fcr den Menschen reservierte Arbeiten werden in Zukunft wesentlich effektiver von intelligenten Systemen erledigt werden. Technologisch sind demn\u00e4chst Unternehmen ohne einen einzigen Mitarbeiter m\u00f6glich und der Effizienzdruck der M\u00e4rkte wird daf\u00fcr sorgen, dass solche mitarbeiterfreie Unternehmen auch Realit\u00e4t werden. Wenn die Produktion g\u00e4nzlich ohne menschliche Arbeit funktioniert, dann kann sie niemals die Nachfrage der eigenen Produkte \u00fcber das Leistungsprinzip generieren, das ist eine logische Unm\u00f6glichkeit. An diesem m\u00f6glichen und auch realistischen Extremfall erkennt man, dass das Vertrauen in den freien Markt, selbstst\u00e4ndig f\u00fcr eine stabile Nachfrage sorgen zu k\u00f6nnen, ein gef\u00e4hrlicher Irrglaube ist. Zentrale Postulate der Neoklassik treffen f\u00fcr eine hoch automatisierte Wirtschaft nicht mehr zu.<\/p>\n<p>Der freie Markt \u00fcbt nicht nur einen st\u00e4ndigen Innovationsdruck aus, sondern zwingt zugleich zu einer effektiven Herstellung. Unternehmen sparen auf diese Weise Geld, Energie und andere Rohstoffe. Diese Art des Wirtschaftens ist auch gesamtgesellschaftlich effektiv, das Sparen von Ressourcen ist ein \u00fcberaus willkommener Effekt. F\u00fcr nahezu alle Kostenfaktoren liegt das gesamtgesellschaftliche und das unternehmerische Optimum bei Null. Das Erfolgsgeheimnis der kapitalistischen Marktwirtschaft ist der Druck, gute und zugleich billige Produkte herzustellen.<br \/>\nDoch die menschliche Arbeit unterscheidet sich in der Betrachtung der Effektivit\u00e4t grunds\u00e4tzlich von anderen Ressourcen. W\u00e4hrend f\u00fcr den Unternehmer das Optimum wie gewohnt bei Null liegt und der technologische Fortschritt immer n\u00e4her an dieses Ziel gelangt, ist das Optimum f\u00fcr die Gesellschaft eine Vollbesch\u00e4ftigung. Der freie Markt hilft mit seinem Zwang zur Reduzierung der Arbeit somit dem Unternehmer, w\u00e4hrend die Gesellschaft darauf hoffen muss, dass der tats\u00e4chliche Bedarf \u00fcber dem der Vollbesch\u00e4ftigung liegt. Dieser Punkt k\u00f6nnte jedoch in Europa bereits durchbrochen worden sein. Ein Indiz daf\u00fcr ist die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/hintergrund-aktuell\/225124\/jugendarbeitslosigkeit-in-europa\">seit Jahren anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit<\/a>, die selbst durch einen Aufschwung <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/74795\/umfrage\/jugendarbeitslosigkeit-in-europa\/\">nicht mehr nennenswert sinkt<\/a>. Das w\u00fcrde bedeuten, dass der freie Markt in Zukunft mit einer stetig steigenden Arbeitslosigkeit daf\u00fcr sorgt, dass sich die Arbeitsmarktentwicklung immer weiter vom gesellschaftlichen Optimum entfernt.<\/p>\n<p>Wenn in Zukunft nur noch Maschinen und intelligente Computer arbeiten m\u00fcssen, k\u00f6nnen wir ja alle kollektiv Urlaub machen! Theoretisch w\u00e4re es durchaus m\u00f6glich, in der Realit\u00e4t nicht. Sollten alle G\u00fcter ausschlie\u00dflich maschinell erstellt werden, k\u00f6nnte die Nachfrage nicht mehr nach dem Leistungsprinzip gesteuert werden, da keine ausreichende Entlohnung menschlicher T\u00e4tigkeit vorhanden w\u00e4re. Ein Kollaps der Produktion w\u00e4re die unausweichliche Folge. Es handelt sich hierbei zum Gl\u00fcck noch um ein weit entferntes Schreckens-Szenario. Es gibt leider eine n\u00e4her liegende, weitaus realere, aber ebenso heftige Gefahr. Es reicht aus, dass w\u00e4hrend eines Technologiesprungs der Prozess des Abbaus der Arbeitspl\u00e4tze viel schneller verl\u00e4uft als die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze. Die Folge w\u00e4re ein explosionsartiger Anstieg der Arbeitslosigkeit, die in einer gef\u00e4hrlichen, \u00f6konomischen Abw\u00e4rtsspirale m\u00fcnden kann. Eine dadurch ausgel\u00f6ste fl\u00e4chendeckende Verarmung hat das Potential, eine Gesellschaft zu zerrei\u00dfen. Dazu gen\u00fcgt ein Blick in die Geschichtsb\u00fccher oder man schaut sich eine drittklassige Hollywood-Dystopie an.<\/p>\n<p>Ist dieser Horror alternativlos? Nein, nat\u00fcrlich nicht, denn die Aussagen betreffen nur den industriellen Sektor unter dem Worst-Case-Szenario eines unkontrollierten Kollapses. Au\u00dferdem ist es eine sehr eingeschr\u00e4nkte Analyse, die zahlreiche Effekte ausblendet, wie die nach g\u00e4nzlich anderen Regeln funktionierende Selbstst\u00e4ndigkeit. So gibt es auch positive Effekte, denn die maschinell erstellten G\u00fcter k\u00f6nnen durch den Wegfall menschlicher Arbeit wesentlich kosteng\u00fcnstiger produziert werden. Die Lohnsumme sinkt zwar, aber gleichzeitig steigt die Kaufkraft. Zudem k\u00f6nnen Strategien angewandt werden, die den negativen Entwicklungen entgegenwirken. Eine M\u00f6glichkeit besteht im Export der Arbeitslosigkeit, indem man die Produktion vom Ausland importiert und die zu viel erstellten Produkte als \u00dcberschuss exportiert. Die bew\u00e4hrte L\u00f6sung f\u00fcr innere Katastrophen ist und bleibt jedoch der Krieg mit einem externen Feind.<br \/>\nIch m\u00f6chte jedoch eine weniger destruktive, daf\u00fcr eine etwas ungew\u00f6hnliche Strategie hinzuf\u00fcgen. Die Idee ist, die menschliche T\u00e4tigkeit bewusst ineffizient zu machen. Ineffizienz bedeutet n\u00e4mlich nichts anderes, als den Ressourceneinsatz, in diesem Fall menschliche Arbeit, zu erh\u00f6hen und durch den k\u00fcnstlich gestiegenen Bedarf ihren \u00f6konomischen Wert wieder zu steigern. Durch geschickte Manipulation kann die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze gezielt gesteuert werden, um wieder eine Vollbesch\u00e4ftigung zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nSchadet dieses Vorgehen nicht unserer Wettbewerbsf\u00e4higkeit? Wenn man es an der falschen Stelle macht, sicherlich. Wenn f\u00fcr ein Produkt die doppelte Anzahl an Arbeitsstunden ben\u00f6tigt wird, verteuert sich das Produkt entsprechend und es ist nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig. Daher sollte man den industriellen Sektor mit seinen Exporten nicht zur Ineffizienz zwingen, sondern es empfiehlt sich ein anderer Wirtschaftsbereich: Der Dienstleistungssektor mit seinem Fokus auf dem Binnenmarkt, der gr\u00f6\u00dftenteils nicht der Globalisierung ausgesetzt ist. Das Paradebeispiel einer ineffizienten und national agierenden Organisation ist der \u00f6ffentliche Rundfunk, seine Funktion als Arbeitsbeschaffer ist zweifelsfrei, die Qualit\u00e4t seines Produktes weniger. Die Kr\u00f6nung ist jedoch, mit gezielten Ineffizienzen die Qualit\u00e4t der Dienstleistungen zu erh\u00f6hen. Wie soll das bitte gehen? Betrachten wir hierzu den Gesundheitssektor. Wenn 20 Patienten von zwei statt von einer Krankenschwester betreut werden, dann ist es \u00f6konomisch ineffizient, bietet aber aus medizinischer Sicht eine qualitative Verbesserung. Ein hochwertiges Gesundheitssystem wiederum spart zum Beispiel Kosten durch eine Verringerung der krankheitsbedingten Fehlzeiten oder durch die Vermeidung von Behandlungsfehlern. Weitere Bereiche, die mit einer gezielter Ausweitung der Ineffizienz eine Qualit\u00e4tsverbesserung erlauben, sind der Bildungs-, Wissenschafts- oder der Kultursektor. \u00c4hnlich funktionieren auch der Sicherheitsbereich oder das Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>Die Frage aller Fragen lautet: Wie soll man diese Ineffizienzen finanzieren? Merkw\u00fcrdigerweise wird diese Frage in Zusammenhang mit Kriegen, Milit\u00e4r und Sicherheitstechnik eigentlich nie gestellt, bei Fragen der Wissenschaft oder anderen zivilen Projekten steht sie immer auf Platz eins. Im Grunde stellt sich diese Frage nicht, denn gezielt provozierte Vollbesch\u00e4ftigung ist ja nichts anderes als das Erzielen des gesamtgesellschaftlichen Optimums. Dieses erm\u00f6glicht die Produktion der meisten G\u00fcter und Dienstleitungen und verursacht die geringsten Kosten. Eine verhinderte Arbeitslosigkeit vermeidet unermessliche gesellschaftliche Sch\u00e4den, die z.B. durch hohe Sozialausgaben oder steigende Kriminalit\u00e4t verursachen werden. Ob wir die zur Steuerung der Vollbesch\u00e4ftigung notwendigen Ineffizienzen im zivilen oder milit\u00e4rischen Bereich einbauen, ist keine \u00f6konomische, sondern eine rein gesellschaftspolitische Entscheidung. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der freie Markt f\u00fcr den industriellen Sektor segensreich ist, kann er f\u00fcr den Dienstleistungssektor zum Desaster f\u00fchren. Der industrielle Sektor wird seine Effizienz weiter steigern, aber zuk\u00fcnftig als Jobmotor ausfallen. Im Gegenteil, die Zahl industrieller Arbeitspl\u00e4tze wird bei gleichen oder vergr\u00f6\u00dferten Output sich rapide der Null ann\u00e4hern. Der freie Markt wird diesen Wandel mit seinen unsichtbaren H\u00e4nden nicht orchestrieren, da er den Dienstleistungssektor nicht f\u00f6rdert, wie es im Grunde n\u00f6tig w\u00e4re, sondern ihn ebenfalls zum Jobabbau mit einem einhergehenden Kollaps des Outputs zwingt. Nur ein Markteingriff, der gezielt den Dienstleistungssektor sch\u00fctzt und ihn bewusst ineffizient gestaltet, kann einen Arbeitsplatzkollaps kompensieren, wie ihn die k\u00fcnstliche Intelligenz verursachen kann.<br \/>\nWeitere Technologiespr\u00fcnge stehen bevor und es sind alle Voraussetzungen vorhanden, dass sie extrem schnell und gewaltig \u00fcber uns hinweg rollen werden. Die Infrastruktur zur Einf\u00fchrung der k\u00fcnstlichen Intelligenz ist mit der Cloud-Technologie bereits vorhanden, extrem skalierbar und nahezu weltweit per Knopfdruck verf\u00fcgbar. Die Anpassung an die unterschiedIichsten Bereiche ist ja gerade eines der Features intelligenter Systeme, sie erwerben w\u00e4hrend der Lernphase die spezifischen F\u00e4higkeiten f\u00fcr ihr Einsatzgebiet. Das Potential der Skalierbarkeit von KI-Systemen ist daher erschreckend gro\u00df.<br \/>\nSollten die unsichtbaren H\u00e4nde des Marktes keine Lust haben, den auf uns zukommenden Wandel f\u00fcr uns Menschen ertr\u00e4glich zu gestalten, w\u00e4re es eine \u00fcberaus sinnvolle Strategie, sich darauf vorzubereiten, um im Fall der F\u00e4lle mit echten H\u00e4nden anpacken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017. Informationen zum Ablauf gibt es hier. Leserinnen und Leser k\u00f6nnen die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen &#8211; Details dazu gibt es hier. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es hier. 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