{"id":24113,"date":"2017-09-12T07:00:02","date_gmt":"2017-09-12T05:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/09\/12\/dumm-aus-bequemlichkeit-oder-die-such-nach-der-weltformel\/"},"modified":"2025-05-14T16:35:18","modified_gmt":"2025-05-14T14:35:18","slug":"dumm-aus-bequemlichkeit-oder-die-such-nach-der-weltformel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/09\/12\/dumm-aus-bequemlichkeit-oder-die-such-nach-der-weltformel\/","title":{"rendered":"Dumm aus Bequemlichkeit oder die Suche nach der Weltformel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb_klein.jpg\" alt=\"sb-wettbewerb_klein\" width=\"150\" height=\"52\" class=\"alignleft size-full wp-image-25403\" \/><\/a><i>Dieser Artikel ist Teil des <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/07\/01\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2017\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017<\/a>. 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Informationen zu den Autoren der Wettbewerbsartikel finden sich in den jeweiligen Texten.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Dumm aus Bequemlichkeit oder die Suche nach der Weltformel<\/b><\/p>\n<p>von Tamara Schmidt<\/p>\n<p>Ich bin Amateurastronomin und befasse mich allgemein mit solchen sch\u00f6nen Sachen.<\/p>\n<p><i>Gott ist tot\/wir m\u00fcssen Verantwortung \u00fcbernehmen\/Verantwortung bedeutet Freiheit (Nietzsche\/Camus)<\/i><\/p>\n<p>\u201cGott ist tot\u201d hei\u00dft es bei Nietzsche, der aber gleichzeitig seine Zweifel daran hegte. Und mit Recht, denn an der Tatsache, dass Gott noch lange nicht tot ist, hat sich fast 150 Jahre sp\u00e4ter nichts ge\u00e4ndert: Auch heute noch, nachdem der Mensch Raumsonden Milliarden von Kilometern weit in das All schickt, im Innersten des Gehirns die Funktionen der unendlich vielen Zellen erforscht, die Relativit\u00e4tstheorie durch den Nachweis von Gravitationswellen best\u00e4tigen konnte etc., also, w\u00e4hrend die Wissenschaft st\u00e4ndig nach vorne schreitet, verlassen sich erwachsene Menschen immer noch auf \u201eG\u00f6tter\u201c; angefangen vom \u201ebekannten\u201c Gott und den entsprechenden Religionen, \u00fcber Sekten und Pseudowissenschaften, vielversprechende Theorien und anderen M\u00e4rchen, bis hin zu einheimischen und weithergeholte Methoden, die Lebenshilfe und \u2013Freude garantieren. Mit Wissenschaft hat das alles allerdings kaum etwas zu tun und nachweisbar ist davon sowieso nichts, auch wenn bei der Vorstellung und Erkl\u00e4rung dieser, reichlich mit W\u00f6rtern aus der Wissenschaft, bzw. wissenschaftlich, oder exotisch klingende Ausdr\u00fccken jongliert wird. Das dient nur dazu, zu Imponieren und in die Irre zu f\u00fchren. Denn, verstehen, worum es wirklich geht, kann man meistens gar nicht &#8211; je mehr man sich anstrengt, desto weniger. <\/p>\n<p>In letzter Zeit sind z.B. allerlei &#8211; sehr wissenschaftlich klingende &#8211; \u201eQuanten-Hilfs- und Heiltechniken\u201c angesagt: Von \u201eQuantenheilung\u201c und \u201eQuantentherapie\u201c, \u00fcber \u201eMatrixquantenheilung\u201c und \u201eHeilung durch Licht und Information\u201c bis hin zu \u201eheilen und gesund sein durch Quantenphysik\u201c!<\/p>\n<p>Ohne Bedenken verlassen sich so viele Menschen auf leere Versprechen und halten sich daran fest, weil L\u00f6sungen zu allen Problemen garantiert,  Hoffnung und Trost zugesichert werden; das alles, ohne dass man sich besondere M\u00fche zu geben braucht oder gar viel nachdenken muss. Hauptsache es klingt seri\u00f6s und gleichzeitig sch\u00f6n und verlockend und spricht einen nat\u00fcrlich pers\u00f6nlich an; oder wie Richard Feynman es formulierte: \u201eWas wir als Parawissenschaften oder Pseudowissenschaften bezeichnen, sind Gedankengeb\u00e4ude, die sich parallel zu den heute etablierten Wissenschaften entwickelt, aber den Ausweg aus der Falle der Selbstt\u00e4uschung nicht gefunden haben. Es sind Systeme der kollektiven Selbstt\u00e4uschung, und sie sind viel weiter verbreitet, als man gemeinhin meint.\u201c<\/p>\n<p>Dabei dreht sich alles sch\u00f6n im Teufelskreis: die einen spendieren  \u00c4ngste und Stress \u2013 die anderen bieten die Gegenmittel und (Er)l\u00f6sungen an. Einmal in diesen Sog geraten, ist das Entrinnen \u00e4u\u00dferst schwierig, denn der Nebel, der einen umgibt und die \u201eBenebelung\u201c werden dann immer dichter bzw. st\u00e4rker. <\/p>\n<p>Ich frage mich nun, warum dieses Bed\u00fcrfnis, sich in Traumwelten zu st\u00fcrzen \u00fcberhaupt besteht, oder anders, warum tappen so viele Menschen in diese Fallen? <\/p>\n<p>Zuerst einmal ist es gar nicht so einfach den Bl\u00f6dsinn zu ignorieren, oft sogar ihn gleich als solchen zu erkennen. Ob im Internet, in privaten Unterhaltungen oder bei Werbungen jeder Art, \u00fcberall trifft man drauf. Die ersten Seiten, die man auf Anhieb im Internet findet, sind meistens die \u201eunseri\u00f6sen\u201c. Auch bei Privatunterhaltungen kann man dem schwer entkommen: \u201eWas f\u00fcr ein Sternzeichen bist du?\u201c wird man fast \u00f6fter gefragt, als \u201ewie hei\u00dft du?\u201c Ferner trifft man, ob im Internet, in Radio oder Fernsehen, oder auf der Stra\u00dfe selten auf Werbungen, die mit echten Wissenschaften zu tun haben, z.B. in denen wissenschaftliche Seminare oder Vortr\u00e4ge angek\u00fcndigt werden; mit \u201eFakes\u201c wird man dagegen tagt\u00e4glich geradezu \u00fcbersch\u00fcttet.<br \/>\nEs gilt auch hier das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Pseudowissenschaften vermehren sich und breiten sich aus \u2013 alles, was im Weg steht vernichtend &#8211; wie Viren, und dies nur um zu \u00fcberleben, aus purem Eigennutz! Die Realit\u00e4t, mit der sich die Wissenschaften befassen, ist dagegen da und wird immer existieren, auch ohne Werbung, es liegt an uns, sie wahrzunehmen. <\/p>\n<p>Doch der Grund daf\u00fcr, dass so viele Menschen auf den ganzen Betrug hineinfallen, kann unm\u00f6glich ausschlie\u00dflich ihre Ausbreitung und Werbung sein.<br \/>\nVielleicht veranlassen \u00c4ngste Menschen dazu, sich an leere Versprechen zu klammern. Angst ist im Stande jedes Urteilsverm\u00f6gen zu \u00fcberdecken und zu gro\u00dfer Gedankenlosigkeiten zu f\u00fchren. <\/p>\n<p>Aus Furcht vor dem Unbekannten ziehen viele ein Dasein, das f\u00fcr alles  Antworten bietet \u2013 egal ob richtige oder falsche \u2013 dem Leben in Zweifel und Ungewissheit vor. Sie versuchen erst gar sich anzustrengen, selber Antworten zu finden, um sich dann \u00fcber jeden selbserlangten Fortschritt zu freuen und dies zu genie\u00dfen; sowie auf geistige, als auch emotionaler Ebene.  Wenn man allerdings schon soweit ist, dies erkannt zu haben, gibt es sowieso keinen Weg mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie die Angst vor der Ungewissheit, so \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich auch mit der Angst vor dem Alleinsein: Wenn ich bei Gruppen mitmache oder \u201eAngebote\u201c wahrnehme, genau wie andere das auch tun, was sowieso schon als \u201eQualit\u00e4tsgarantie\u201c gilt, f\u00fchle ich mich nicht alleine; wir haben und tun etwas gemeinsam. Aber das ist doch schon wieder so ein Pseudogef\u00fchl. Muss man nicht irgendwann merken, dass da etwas nicht stimmt? &#8211; die meisten suchen sich dann eben eine andere Pseudol\u00f6sung. <\/p>\n<p>Wie auch immer \u2013 die Furcht vor der Ungewissheit und dem Alleinsein ist auch nicht der tiefere Grund, daf\u00fcr, dass so viele Menschen Utopien nachrennen, nach L\u00fcgen greifen. Und solche Alibis f\u00fcr unseren Widerstand gegen alles Wahre und Reelle gibt es noch viel mehr: unsere Erziehung, unser Umfeld, die Gesellschaft das Milieu und dgl.: Gesetze und Gebote zu befolgen, die einem sagen, was man tun und lassen soll, was man im Grunde aber gar nicht zu wollen glaubt, wobei man in innere Konflikte zwischen Pflicht und Willen ger\u00e4t und gar nicht mehr in der Lage ist, klar zu denken. <\/p>\n<p>Es ist nicht leicht, sich in dem Chaos der vielen Gebote und sich so oft widersprechenden Informationen, zurechtzufinden und sich frei zu f\u00fchlen selber Entscheidungen zu treffen. Mit anderen Worten, mit den menschlichen Voraussetzungen und F\u00e4higkeiten, die uns die Natur mitgegeben hat, in der Allt\u00e4glichkeit zu experimentieren und dabei gegen die existenten Gegebenheiten anzuk\u00e4mpfen, um durch Gleichberechtigung und Mitverantwortung eben autonom zu sein. <\/p>\n<p>Da also \u00c4ngste, Bef\u00fcrchtungen, Erziehung, Gesellschaft etc. nicht der eigentliche Grund daf\u00fcr sind, dass wir uns st\u00e4ndig Traumwelten beschaffen und nicht verantwortungsvoll und frei unser Leben verwalten wollen, dann muss die Ursache unseres \u201efalschen Benehmens\u201c wohl Faulheit, oder, ganz einfach unsere Bequemlichkeit sein. Wobei einem auch noch geholfen wird, denn das Denken sowie die Art zu f\u00fchlen erledigen gerne andere f\u00fcr uns.<br \/>\nAber man kann doch auch trotz Bequemlichkeit selber denken und dem, was man denkt vertrauen; man muss sich doch nicht gleich auf andere verlassen. Das kostet doch schlie\u00dflich auch M\u00fche: Wir halten uns an Vorschriften, d.h. wir bem\u00fchen uns, zu praktizieren, was gerade angesagt ist, also nachzuahmen, ohne selber zu entscheiden: wie und wo Urlaub zu machen ist, wie und wo auszuspannen, feiern, arbeiten, Karriere machen, lieben, hassen, Familie gr\u00fcnden etc.;  alles nach Programm und Vorschriften, blo\u00df nicht in der Realit\u00e4t leben und das tun was man wirklich will, um somit voll dabei zu sein. Dann k\u00f6nnten wir n\u00e4mlich auch ganz ungezwungen und jederzeit, wenn wir n\u00e4mlich gerade das Bed\u00fcrfnis dazu versp\u00fcren, spontan abschalten. Denn wenn ich mir alles richtig einrichte, dann bleibt mir auch Zeit zum Faulenzen: Einfach nichts tun und \u201ein die Luft starren\u201c \u2013 ohne Schuldgef\u00fchle. Doch nicht einmal das gelingt uns, denn es beginnen Gedanken durch den Kopf zu sausen, die dann auch noch unangenehm werden: pl\u00f6tzlich findet man sich ganz auf sich gestellt, man muss selber und eigenst\u00e4ndig denken, also Verantwortung \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Ist es demnach die Angst vor Verantwortungen, die uns davon abh\u00e4lt selber \u00fcber unser Leben zu bestimmen? Ohne fertige Antworten, muss ich ja selber die Verantwortung \u00fcbernehmen, um Entscheidungen zu treffen und mein Leben, mein Denken, meine Lebensanschauung selber zu bestimmen!<br \/>\nIch muss urteilen, welche Antworten zu akzeptieren oder zu verwerfen, ohne fertige L\u00f6sungen und Rezepte zu suchen und ohne zu versuchen Philosophien, die ich nicht verstehe, zu befolgen. <\/p>\n<p>Denn wenn man nicht selber darauf kommt, hilft auch \u201eFremdproduziertes\u201c nicht. Keine Methode kann \u00c4ngste, Phobien, Neurosen oder gar Psychosen, die sich in uns \u00fcber Jahre entwickelt haben, in ein paar Seminaren ausl\u00f6schen. Wir m\u00fcssen schon selber durch Zeit- und Kraftaufwand etwas tun. Diese vielverbreiteten \u201eSchnell-Psychoabfertigungen\u201c k\u00f6nnen au\u00dferdem gef\u00e4hrlich sein.<\/p>\n<p>Kein anderer als man selber, vermag die einzigen, individuellen und richtigen Entscheidung zu treffen. Jeder einzelne Mensch ist anders, jeder nimmt die Welt auf unterschiedliche Weise wahr, und verarbeitet und kombiniert alles, gem\u00e4\u00df seiner eigene Auffassungsweise, und nach seinen eigenen Methode. Erfahrungen und im Bewusstsein bereits Vorhandenes sowie momentane Gegebenheiten f\u00fchren dazu. Das Bewusstsein ist subjektiv, also ist jede Entscheidung bei jedem anders und hat die entsprechenden pers\u00f6nlichen Folgen. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich soll man sich informieren und neue Sachen lernen und erleben. Denn nur so kann man sich weiterentwickeln. Aber nur wenn man das Neuerfahrene verarbeiten \u2013 sowohl logisch als auch emotional \u2013 es in sich einwirken l\u00e4sst,  es sozusagen verdaut &#8211; und nicht unzerkaut runterschluckt nachplappert und nachahmt. <\/p>\n<p>Als Beispiel daf\u00fcr, will ich hier die, meistens aus Asien, weithergeholten \u201eexotischen\u201c Praktiken nennen, die k\u00f6rperliches und seelisches Wohlsein garantieren. Gegen die Philosophien, die dahinter stehen, will, und kann ich nichts einwenden \u2013 es sind schon gro\u00dfe Philosophen nach jahrelangem Forschen daran gescheitert, sie zu verstehen. <\/p>\n<p>Es geht hier auch nicht um die \u00f6stlichen Philosophien selbst, sondern vielmehr um die Art und Weise, wie Praktiken, die aus diesen hervorgehen, hier im Westen gehandhabt werden: ohne die geringste Ahnung von der \u00f6stlichen Lebensauffassung zu haben, die \u00fcber Jahrhunderte die Menschen dort gepr\u00e4gt hat, sollen wir, mit der westlichen Weltanschauung, die uns hier im Laufe von Jahrhunderten zu denen gemacht hat, die wir sind &#8211; wie wir f\u00fchlen, denken und handeln -, durch diese Methoden zu all unseren Problemen L\u00f6sungen und Heilung finden und gl\u00fccklich werden! Die ganze Philosophie dahinter, wird uns irgendwie dabei gleich eingehaucht.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zur urspr\u00fcnglichen Frage, um die es hier geht, n\u00e4mlich warum wir Menschen uns st\u00e4ndig etwas vormachen und es vorziehen uns selber zu bel\u00fcgen, statt uns an die Tatsachen zu halten und der Wahrheit, der Realit\u00e4t ins Auge zu schauen. Stattdessen laufen wir vor der Realit\u00e4t weg, als f\u00fcrchteten wir sie. <\/p>\n<p>Wie es scheint k\u00f6nnen wir uns nicht an die Tatsachen, an die Wirklichkeit halten um ganz einfach mit unserem Wissen und allem was wir laufend dazulernen \u2013 ob durch allt\u00e4gliche Erfahrungen oder Bildung aller Art &#8211; individuelle Fortschritte zu machen.<\/p>\n<p>Wenn wir vor der Verantwortung \u00fcber unser Leben zur\u00fcckschrecken, dann auch vor der Freiheit. Denn Freiheit bedeutet Verantwortung, und verantwortlich sein hei\u00dft frei sein. Man ist alleine auf sich selber gestellt, um auf eigene Verantwortung, richtig und wirklich zu leben und zu erleben. Das hei\u00dft, die innere Verantwortung, die allein von einem selber kommt. Und dies, weil man es wirklich will, weil man frei dazu ist und nicht weil man blind Gesetze und Vorschriften befolgt. Gewissenhaft frei sein und ohne uns durch Oberfl\u00e4chlichkeiten, wie \u00c4ngste und Faulheit in die Irre f\u00fchren zu lassen, indem wir mitdenken und miterleben und gleichzeitig immer auf der Hut sind. <\/p>\n<p>Warum schaffen wir es blo\u00df nicht, wie Camus\u2019 Sisyphos, wirklich frei zu leben, n\u00e4mlich voll dabei zu sein wenn wir den Stein immer wieder auf den Berg rollen, und ohne dabei irgendeine Absurdit\u00e4t sehen zu glauben, die wir erst besiegen m\u00fcssen? Es gibt keine Absurdit\u00e4ten, es gibt nur die Wirklichkeit, die Realit\u00e4t, die wir nicht im Stande sind voll wahrzunehmen. <\/p>\n<p>Doch die Ursache, daf\u00fcr, dass wir es nicht bewerkstelligen, liegt sicherlich auch nicht an Dummheit. Denn es ist erwiesen, dass Dummheit nur in seltenen F\u00e4llen angeboren sein kann, es kommt also fast keiner dumm zur Welt. Demnach sind wir gewiss in der Lage, mitzudenken und uns selbstst\u00e4ndig weiter zu entwickeln, da uns die Natur alle Voraussetzungen dazu auf unseren Lebensweg mitgegeben hat.<br \/>\nDabei beziehe ich mich auf unseren Verstand, nicht auf Bildung und Wissen; das kann man sich mit dem Verstand aneignen, und dann entscheiden wie man es weiterverwendet. <\/p>\n<p>Es gibt Menschen, die zwar kaum Schulbildung genossen haben, mit denen man sich aber hervorragend unterhalten kann, weil sie mitdenken und so verstehen k\u00f6nnen, was man meint, und wenn n\u00f6tig, richtige Fragen stellen.<br \/>\nAndererseits gibt es Menschen, die jahrelang Wissen gesammelt haben und es mit Diplomen, Papers, und Titeln zu beweisen suchen, aber die nicht in der Lage sind, zu kommunizieren. Statt der Unterhaltung und dem Gespr\u00e4chspartner, mit Hilfe ihres Wissens besonders gut zu folgen, versuchen sie Ihr Gelerntes zu demonstrieren, ohne auch nur im Geringsten mitzudenken und zu verstehen wie ihr Gespr\u00e4chspartner \u00fcberhaupt funktioniert. <\/p>\n<p>Hei\u00dft das, dass wir im Grunde alle Idioten sind? Voll- oder Fachidioten. Wobei ich in diesem Zusammenhang als Vollidioten, diejenigen bezeichne, die es mehr oder weniger aus Bequemlichkeit nicht fertig bringen, durch klares Denken ihr Leben zu bewerkstelligen und daf\u00fcr ihre \u00c4ngste, Erziehung etc. als Alibi benutzen, statt sich eben M\u00fche zu geben und etwas dagegen tun.<br \/>\nFachidioten dagegen nenne ich Gelehrte und Wissenschaftler, oft Genies, die sich trotz und bei all ihrem theoretischen Wissen schwer tun, emotional und\/oder praktisch zu funktionieren und dies oft durch verschiedene Taktiken \u201eunterdr\u00fccken\u201c oder \u201ebet\u00e4uben\u201c, oder ganz daran scheitern normal zu leben. F\u00e4lle ber\u00fchmter Alkoholiker, Heroins\u00fcchtiger, psychisch labiler bis hin zu unter Psychosen leidender oder gar in vollem Wahnsinn endender und dgl. sind ja bekannt. <\/p>\n<p>Kurz: Vollidioten neigen zu Schwierigkeiten geistiger, Fachidioten haben Probleme emotionaler Natur. <\/p>\n<p>Es scheint als ob uns st\u00e4ndig etwas blockiert. Als w\u00e4re da eine L\u00fccke, eine Kluft zu \u00fcberwinden, um die Wirklichkeit zu erfassen, uns ihr zu bem\u00e4chtigen, sie voll und ganz wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Unsere Emotionen hindern uns daran klar zu denken und unsere Logik erschwert uns, unseren Emotionen zu folgen. Es gelingt uns einfach nicht, beides geleichzeitig und in gleichen Teilen zu befolgen, zu verbinden, zu vereinigen. <\/p>\n<p>Vielleicht bereitet uns genau diese \u201eVerbindungsstelle\u201c oder Grenze zwischen den \u2013 wie wir sie empfinden \u2013 Gegens\u00e4tzen Schwierigkeiten. Der un\u00fcberschreitbare Graben, die Kluft, die die Menschen spaltet, so dass sie unf\u00e4hig sind alles in einem Einzigen zu erfassen. Hin und hergerissen zwischen Gef\u00fchlen und Verstand, hinkt quasi unsere Wahrnehmungsf\u00e4higkeit unserem Wissen hinterher. Das Theoretische will erlebt werden. Und dieser Wettlauf besteht schon seit der Mensch denkt. <\/p>\n<p>Es ist eine Frage der richtigen Kombination, der Verkn\u00fcpfung, der Vereinheitlichung. Wie beim sog. \u201eschwierigen Problem\u201c, also dem Bewusstsein, oder wie aus Prozessen im Gehirn subjektive Wahrnehmung entsteht, aus einem St\u00fcck Fleisch Vorstellungskraft.<br \/>\nIn dem Moment, in dem wir etwas entscheiden oder beschlie\u00dfen, z.B., die Hand zu heben oder ein Haus zu kaufen, kollabieren Trillionen M\u00f6glichkeiten, die in unserem Bewusstsein vorhanden sind, in eine einzige, die in die Praxis bef\u00f6rdert wird. Daf\u00fcr muss in genau diesem Augenblick allein diese einzige Option existieren. Und in dieses unser subjektives Bewusstsein haben wir selber \u2013 geschweige denn andere \u2013 keinen Einblick. Es fehlt uns die Verbindung dazu, der \u201eDraht\u201c, der von uns in unser Bewusstsein f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und genau wie es sich mit der Emotion und der Logik, und dem Gehirn und dem Bewusstsein verh\u00e4lt, ebenso suchen wir Menschen, auch nach den Beziehungen, zwischen Energie, Materie und Information: wie genau sich Informationen und Energie materialisieren, wie Materie zu Energie oder Information wird usw. Wo und welches sind die \u00dcberg\u00e4nge vom einen zum anderen? Oder wie sich die Theorien der Wechselwirkungen in der Natur erkl\u00e4ren lassen und wie sie zusammenh\u00e4ngen, was Quantentheorie mit Gravitationstheorie verbindet, wie alle Kr\u00e4fte miteinander und untereinander funktionieren&#8230;<\/p>\n<p>Das Problem des Bewusstseins zusammen mit der Frage nach der Entstehung des Universums wird allgemein als die \u00e4u\u00dferste Grenze des menschlichen Strebens betrachtet, wobei es doch um ein und dasselbe geht. Immer und \u00fcberall, im Kleinen (Elementarteilchen) und im Gro\u00dfen (Universum): die Eigenschaften aller Bestandteile sowie aller Kr\u00e4fte zwischen ihnen zu verstehen und zu erkl\u00e4ren. <\/p>\n<p>Ist somit die Antwort auf alle Fragen, im gesamten Kosmos, das ersehnte Modell, das alles vereinen soll, mit anderen Worten, die \u201eTheorie von Allem\u201c, die \u201eWeltformel\u201c?<\/p>\n<p>Also versuchen wir, als Gefangene im Dualismus, die Verbundenheit, die Einheitlichkeit, die Zusammengeh\u00f6rigkeit, die Ganzheit zu erfassen! Zwischen den Elementarteilchen, in uns selber, im Universum.<\/p>\n<p>Doch bis uns das gelingt, sollten wir uns, ob Voll- oder Fachidioten, ein Bisschen mehr M\u00fche geben, und uns nicht verblenden lassen. Am Ende verpassen wir noch alles und bekommen \u00fcberhaupt nichts von der ganzen Sch\u00f6nheit mit.<\/p>\n<p>Denn, das Universum schert sich einen Dreck darum ob der Mensch denkt oder nicht denkt, ob er sich selber samt seinem Planeten unvertr\u00e4glich macht oder gleich v\u00f6llig zerst\u00f6rt! Das Universum wird auch ohne uns weiterfunktionieren, ob wir es je verstehen oder nicht. <\/p>\n<p>Aber das faszinierender und gro\u00dfe Gl\u00fcck f\u00fcr uns, ist, dass wir mit unserem Menschendasein, frei sind teilzuhaben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2017. Informationen zum Ablauf gibt es hier. Leserinnen und Leser k\u00f6nnen die Artikel bewerten und bei der Abstimmung einen Preis gewinnen &#8211; Details dazu gibt es hier. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle am Bewerb teilnehmenden Artikel gibt es hier. 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