{"id":23719,"date":"2017-06-08T08:04:19","date_gmt":"2017-06-08T06:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/06\/08\/die-sternschnuppen-am-himmel-fremder-planeten\/"},"modified":"2025-05-14T16:31:22","modified_gmt":"2025-05-14T14:31:22","slug":"die-sternschnuppen-am-himmel-fremder-planeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/06\/08\/die-sternschnuppen-am-himmel-fremder-planeten\/","title":{"rendered":"Die Sternschnuppen am Himmel fremder Planeten"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt im Sommer kann man wieder wunderbar in den lauen N\u00e4chten nachts zum Himmel schauen und auf die Suche nach Sternschnuppen gehen. Wenn man ein wenig Geduld hat und der Himmel klar ist sieht man eigentlich immer ein paar davon. Und wenn man Gl\u00fcck hat und gerade ein Meteorstrom die Bahn der Erde kreuzt, kann man die kleinen Feuerb\u00e4lle in Scharen \u00fcber den Himmel huschen sehen. Bald werden wir wieder die <i>Perseiden<\/i> beobachten k\u00f6nnen, aber solche &#8222;Sternschnuppenschauer&#8220; gibt es eigentlich immer wieder (und ich habe <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/08\/10\/die-perseiden-kommen-mehr-sternschnuppen-dank-jupiter\/\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2015\/08\/12\/perseiden-und-mehr-alexander-stewart-herschel-und-die-sternschnuppen\/\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/08\/09\/perseiden-co-alles-uber-sternschnuppen-und-meteorstrome\/\">vor allem hier<\/a> sehr ausf\u00fchrlich dar\u00fcber geschrieben).<\/p>\n<p>Aber auch andere Planeten haben einen Himmel und wenn wir auch bis jetzt noch auf keinem anderen Planeten als unserer Erde zu Besuch waren m\u00fcsste man auch dort Sternschnuppen sehen k\u00f6nnen. &#8222;M\u00fcsste&#8220; reicht uns in der Wissenschaft aber nicht; die Astronomen wollen es genau wissen! Wie viele Sternschnuppen gibt es dort, wo am Himmel kann man sie sehen? Um das herauszufinden k\u00f6nnen wir entweder warten bis wir all die anderen Planeten des Sonnensystems besiedelt haben und lange genug in deren Nachthimmel gestarrt haben. Oder aber wir sind kreativ und nutzen die Methoden die uns <i>jetzt<\/i> schon zur Verf\u00fcgung stehen!<\/p>\n<figure id=\"attachment_22829\" aria-describedby=\"caption-attachment-22829\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Leonid_Meteor_Storm_1833.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Leonid_Meteor_Storm_1833.jpg\" alt=\"Sternschnuppen sind toll - aber gibt es sie auch anderswo? (Bild: Public Domain)\" width=\"500\" height=\"725\" class=\"size-medium wp-image-22829\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22829\" class=\"wp-caption-text\">Sternschnuppen sind toll &#8211; aber gibt es sie auch anderswo? (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Leonid_Meteor_Storm_1833.jpg\">Bild: Public Domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das haben <i>Paul Wiegert<\/i> von der Western Ontario London Universit\u00e4t in Kanada und seine Kollegen getan (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">&#8222;Measuring the Meteoroid Environments of the Planets with Meteor Detectors on Earth&#8220;<\/a>). Sternschnuppen sind ja nichts anderes als die sichtbaren Spuren einer Kollision zwischen der Erde und winzigen interplanetaren Staubk\u00f6rnern. Wenn die mit mehreren Kilometern pro Sekunden durch die Atmosph\u00e4re der Erde rauschen regen sie Molek\u00fcle der Luft kurzfristig zum Leuchten an. Die Sternschnuppen der Meteorstr\u00f6me sind die \u00dcberbleibsel von Kometen die bei ihrem Flug um die Sonne quasi eine Dreckspur hinterlassen und wenn die Erde sie kreuzt dann gibt es einen Sternschnuppenschauer. Es fliegt aber auch so jede Menge Staub durchs Sonnensystems und erzeugt die sporadischen Sternschnuppen die man immer sehen kann. W\u00fcssten wir wo es \u00fcberall im Sonnensystem Staub gibt dann k\u00f6nnten wir auch berechnen wann und wo mit Sternschnuppen zu rechnen ist; nicht nur auf der Erde sondern auch auf den anderen Planeten. <\/p>\n<p>Das wissen wird aber nicht. Wir haben zwar Messinstrumente auf Raumsonden die genau so etwas messen k\u00f6nnen &#8211; zum Beispiel auf der Saturnsonde Cassinie oder New Horizons die auf dem Weg zum Pluto nach Staub gesucht hat. Aber diese Daten  sind nur sporadisch und die Instrumente auch nicht so genau wie man sie gerne h\u00e4tten. Solange der Staub durchs All fliegt ist er ja auch nur Staub und macht sich nicht auf eine besondere Art bemerkbar. Auf der Erde haben wir es leichter, da k\u00f6nnen wir die leuchtend helle Spur der Kollision beobachten. Das passiert regelm\u00e4\u00dfig mit speziellen Kameras die den gesamten Himmel beobachten, zum Beispiel beim <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/European_Fireball_Network\">European Fireball Network<\/a> oder dem <i>Canadian Meteor Orbit Radar (CMOR)<\/i> das auch die Grundlage der Arbeit von Wiegert und seinen Kollegen ist.<\/p>\n<p>Und die sieht so aus: Die kanadischen Astronomen haben anhand der von der Erde aus beobachteten Spuren am Himmel berechnet von wo die kleinen Staubk\u00f6rner gekommen sind. Ein Teil davon wird irgendwo aus den Tiefen des Alls zur Erde geflogen sein; ein Teil aber auch vorher in der N\u00e4he anderer Planeten. Und wenn sie <i>ausreichend<\/i> nahe an anderen Planeten vorbei fliegen, dann k\u00f6nnen sie auch dort Teil von Sternschnuppenschauern gewesen sein. Dieser Ansatz bietet nat\u00fcrlich kein komplettes Bild. Man kann sich zwangsl\u00e4ufig nur mit einem kleinen Teil aller vorhandenen Sternschnuppen besch\u00e4ftigen. Aber es ist ein Anfang und irgendwo muss man ja anfangen.<\/p>\n<p>Wiegert und seine Kollegen haben zuerst einmal theoretisch berechnet was alles m\u00f6glich w\u00e4re. Per Computersimulation haben sie berechnet was zu beobachten m\u00f6glich w\u00e4re. Also alle Regionen an den Himmeln anderer Planeten bestimmt an denen Sternschnuppen sichtbar sein k\u00f6nnten die aus einer Population stammen die sp\u00e4ter auch auf der Erde als Sternschnuppen am Himmel vergl\u00fchen. Das sieht dann zum Beispiel so aus, f\u00fcr Mars, Venus und Jupiter:<\/p>\n<figure id=\"attachment_24727\" aria-describedby=\"caption-attachment-24727\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironmars.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironmars.jpg\" alt=\"Bild: Wiegert et al, 2017)\" width=\"500\" height=\"298\" class=\"size-medium wp-image-24727\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24727\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">Bild: Wiegert et al, 2017<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_24726\" aria-describedby=\"caption-attachment-24726\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironvenus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironvenus.jpg\" alt=\"Bild: Wiegert et al, 2017)\" width=\"500\" height=\"282\" class=\"size-medium wp-image-24726\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24726\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">Bild: Wiegert et al, 2017<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_24725\" aria-describedby=\"caption-attachment-24725\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironjupiter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironjupiter.jpg\" alt=\"Bild: Wiegert et al, 2017)\" width=\"500\" height=\"272\" class=\"size-medium wp-image-24725\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24725\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">Bild: Wiegert et al, 2017<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Farben geben an, wie viele Sternschnuppen sichtbar sein k\u00f6nnten; der Punkt in der Mitte des Bildes ist der sogenannte &#8222;Apex&#8220;, also der Punkt des Himmels der genau in Flugrichtung des Planeten liegt (die Sonne findet sich  auf den Bildern immer links der Mitte bei einer ekliptikalen L\u00e4nge von -90 Grad). Dort wo die Bilder wei\u00df sind findet man Regionen aus denen keine Sternschnuppen zur Erde gelangen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Nach der Theorie kommt die Praxis. Beziehungsweise die etwas praktischere Theorie. Aus 4,3 Millionen Sternschnupppen die CMOS zwischen 2011 und 2014 beobachtet hat haben Wiegert und seine Kollegen 38178 identifiziert die f\u00fcr die oben beschriebene Analyse in Frage kommen. Also Sternschnuppen die bei der R\u00fcckverfolgung ihrer Bahn dem Mars auf 1,5 Millionen Kilometer nahe kommen und Teil dessen Sternschnuppenpopulation sein k\u00f6nnen. Das ist weniger als 1 Prozent und gerade so an der Grenze f\u00fcr eine brauchbare Statistik. Aber es ist ein Anfang. Und f\u00fcr Mars sieht der so aus:<\/p>\n<figure id=\"attachment_24724\" aria-describedby=\"caption-attachment-24724\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironmars2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironmars2.jpg\" alt=\"Bild: Wiegert et al, 2017)\" width=\"500\" height=\"283\" class=\"size-medium wp-image-24724\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24724\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">Bild: Wiegert et al, 2017<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was die Wissenschaftler ebenfalls berechnen konnten war die Geschwindigkeit mit der die Staubteilchen auf die Atmosph\u00e4re der Planeten treffen. Die sind mal schneller und mal langsamer aber schnell sind sie eigentlich immer. Auf den Mars treffen die meisten mit circa 20 Kilometern pro Sekunde; bei der Venus (die ja auch deutlich mehr Masse hat als der Mars) sind sie schneller:<\/p>\n<figure id=\"attachment_24722\" aria-describedby=\"caption-attachment-24722\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironvenus3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironvenus3.jpg\" alt=\"Bild: Wiegert et al, 2017)\" width=\"500\" height=\"474\" class=\"size-medium wp-image-24722\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24722\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">Bild: Wiegert et al, 2017<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_24723\" aria-describedby=\"caption-attachment-24723\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironmars3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/meteoenvironmars3.jpg\" alt=\"Bild: Wiegert et al, 2017)\" width=\"500\" height=\"421\" class=\"size-medium wp-image-24723\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24723\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1706.01413\">Bild: Wiegert et al, 2017<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ergebnisse und die Daten an sich sind aber eigentlich gar nicht so wichtig. Also sind sie nat\u00fcrlich schon und Wiegert und seine Kollegen haben  sich alle acht Planeten des Sonnensystems angesehen und noch viel mehr Daten produziert als ich hier vorgestellt habe. Sie im Detail zu verstehen ist allerdings nicht so wichtig; zumindest dann nicht, wenn man nicht zuf\u00e4llig als Spezialist auf diesem Gebiet arbeitet. Das was ich <i>wirklich<\/i> beeindruckend finde ist die Art und Weise wie die Ergebnisse zustande kommen!<\/p>\n<p>Mit der simplen Beobachtung des irdischen Himmels k\u00f6nnen wir &#8211; zumindest teilweise &#8211; herausfinden wie es am Himmel fremder Planeten aussieht. Sternschnupppen die hier auf der Erde durch die Nacht sausen k\u00f6nnen uns etwas dar\u00fcber verraten was uns erwarten w\u00fcrde wenn wir auf dem Mars oder dem Merkur stehen w\u00fcrden oder in einem Raumschiff durch die \u00e4u\u00dfere Atmosph\u00e4re eines so fernen Planeten wie Neptun reisen. Ich wiederhole es noch einmal weil ich es wirklich so beeindruckend finde: Wir blicken hier auf der Erde zum Himmel und k\u00f6nnen daraus ableiten was am Himmel eines entfernten Ortes wie den Neptun stattfindet der bisher nur ein einziges Mal vor vielen Jahrzehnten kurz von einer Raumsonde besucht worden ist!<\/p>\n<p>Wenn man eine Sternschnuppe sieht, dann darf man sich laut des \u00fcblichen Aberglaubes ja etwas w\u00fcnschen. Ich w\u00fcnsche mir, dass sich viel mehr Menschen der beeindruckenden Ph\u00e4nomene unseres Sonnensystems bewusst werden! Die Sternschnuppen stellen eine Verbindung zwischen den unvorstellbar weit voneinander entfernten Himmelsk\u00f6rpern unseres Sonnensystems dar. Die kurzen Lichtblitze an unserem Himmel tragen Informationen mit sich die uns etwas \u00fcber den Himmel auf Planeten verraten die wir vielleicht nie besuchen werden. Sternschnuppen erf\u00fcllen keine W\u00fcnsche. Aber sie erweitern unser Wissen \u00fcber das Universum!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/7bbd32809bd74e3e9b389d2e4f202f48\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt im Sommer kann man wieder wunderbar in den lauen N\u00e4chten nachts zum Himmel schauen und auf die Suche nach Sternschnuppen gehen. Wenn man ein wenig Geduld hat und der Himmel klar ist sieht man eigentlich immer ein paar davon. 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