{"id":23655,"date":"2017-05-16T13:24:46","date_gmt":"2017-05-16T11:24:46","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/05\/16\/kommt-unser-wasser-von-verschiedenen-welten\/"},"modified":"2025-05-14T16:30:31","modified_gmt":"2025-05-14T14:30:31","slug":"kommt-unser-wasser-von-verschiedenen-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/05\/16\/kommt-unser-wasser-von-verschiedenen-welten\/","title":{"rendered":"Kommt unser Wasser von verschiedenen Welten?"},"content":{"rendered":"<p><i>Ich habe letzte Woche in Wien einen <a href=\"https:\/\/www.wtz-ost.at\/veranstaltungen\/bloggen-in-den-natur-und-lebenswissenschaften\/\">Workshop \u00fcber Wissenschaftsblogs<\/a> gehalten und den Teilnehmern angeboten, ihre dort verfassten Texte als Gastbeitrag in meinem Blog zu ver\u00f6ffentlichen um &#8222;echtes&#8220; Feedback sammeln zu k\u00f6nnen. Dieser Artikel ist einer der Gastbeitr\u00e4ge und wurde von <b>Thomas Weninger<\/b> verfasst.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nDass Wasser nicht gleich Wasser ist, wird einem sp\u00e4testens dann klar, wenn man unfreiwillig einen Schwall Adriawasser schluckt und sich denkt, dass der erfrischende Schluck aus dem Gebirgsbach bei der letzten Wanderung doch eine ganz andere Wirkung hatte. Gut, klar, da ist Salz drin. Abseits davon soll auch jedes Leitungswasser zum Allheilmittel werden, wenn es in richtig energetisierter und belebter Form eingenommen wird. Nicht erwiesen, m\u00f6glicherweise esoterische Gesch\u00e4ftemacherei? Wissenschaftlich etwas fundierter wird nach einer neuen These das Wasser in unserer Umwelt in zwei verschiedene Bereiche getrennt, die ganz unbescheiden &#8222;Welten&#8220; genannt werden. Das Wasser aus der ersten Welt bef\u00e4nde sich danach im Boden, nahe an der Pflanzenwurzel, und in Pflanzen &#8211; das aus der anderen in Wolken, Regen, gro\u00dfen Poren im Boden, B\u00e4chen und Fl\u00fcssen. Die Unterschiede liegen in der Zusammensetzung und eine Best\u00e4tigung dieser Hypothese br\u00e4chte ein neues Verst\u00e4ndnis der Trinkgewohnheiten von Waldb\u00e4umen, Ackerpflanzen und auch des Gummibaumes am Wohnzimmerk\u00e4stchen mit sich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24622\" aria-describedby=\"caption-attachment-24622\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/feld.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/feld.png\" alt=\"Bild: Alupus, CC-BY-SA 3.0\" width=\"500\" height=\"330\" class=\"size-medium wp-image-24622\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24622\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=15152105\">Bild: Alupus<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend eines spannenden Arbeitstages, den ich wie die meisten mit der Frage verbrachte, wohin, warum und wie schnell sich denn nun das Wasser im Boden bewegt, stie\u00df ich auf die plakative \u201eTwo Water Worlds Hypothesis\u201c. Kanadische Hydrologen um Jeffrey J. McDonnell von der Universit\u00e4t Saskatchewan haben beschrieben (&#8222;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/ngeo\/journal\/v3\/n2\/full\/ngeo722.html\">Ecohydrologic separation of water between trees and streams in a Mediterranean climate<\/a>&#8222;), dass Wasser, das von Pflanzen aufgenommen und verdunstet wird, schon viel l\u00e4nger im Boden verweilt hatte, als der letzte ausgiebige Regen zur\u00fccklag. Dieses Wasser hatte sich am Ende des Winters (Schneeschmelze) oder im Herbst (Einstellung des Pflanzenwachstums) im Boden eingelagert und danach nicht mehr wesentlich mit dem Niederschlagswasser vermischt. Auch nach Regenf\u00e4llen, die auf l\u00e4ngeren Trockenperioden folgten, blieb das aufgenommene Wasser in seiner Zusammensetzung unterschiedlich zum Niederschlagswasser. Es wird hier also nicht, wie man vermuten k\u00f6nnte, das neue, leicht verf\u00fcgbare Regenwasser von der gierigen, austrocknenden Pflanze mit Hochdruck aufgesogen, sondern nur durch den Nachschub die Aufnahme des bereits vorhandenen Bodenwassers erleichtert. Das Niederschlagswasser hingegen flie\u00dft recht rasant durch den Boden und findet sich bald im Grundwasser oder in Fl\u00fcssen wieder. Bis jetzt wurde meist davon ausgegangen, dass sich das Wasser im Boden recht schnell mischt und in dessen von Pflanzen aufnehmbaren Anteil keine wesentlichen Unterschiede in der Zusammensetzung bestehen.<\/p>\n<p>Ich finde es dann interessant, wie man zu Daten und Messwerten kommt, die solche Thesen begr\u00fcnden k\u00f6nnen. In den hier angef\u00fchrten Publikationen st\u00f6\u00dft man da auch gleich auf eine besonders interessante und vielf\u00e4ltige Technik. Die M\u00f6glichkeit, das &#8222;Alter&#8220; des Wassers im Boden zu messen, ergibt sich aus der Bestimmung seiner Isotopenzusammensetzung. Wasser besteht bekannterweise aus Sauerstoff und Wasserstoff &#8211; in der Natur treten diese beiden Stoffe ganz gehorsam in ihrer im Periodensystem vorgeschriebenen Konfiguration von Elementarteilchen (Elektronen, Protonen, Neutronen) auf, aber auch in davon leicht abweichenden Formen, als sogenannte stabile Isotope. Ist in einem Wassermolek\u00fcl ein solches Isotop eingebaut, ist es schwerer, verdunstet weniger leicht und kondensiert eher (in Wolken) als das Norm-Molek\u00fcl. Aus den Gehalten an solchen schweren Wassermolek\u00fclen kann recht genau nachvollzogen werden, aus welcher Wolke ein untersuchter Wassertropfen stammt, wann er auf die Erde niederfiel und welche Wege er schon im Boden oder in Pflanzen ging.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24621\" aria-describedby=\"caption-attachment-24621\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/heavy-evapo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/heavy-evapo.png\" alt=\"Bild: Thomas Weninger CC-BY-SA 3.0 \" width=\"500\" height=\"603\" class=\"size-medium wp-image-24621\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24621\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Thomas Weninger <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Was bedeutet das nun f\u00fcr Deinen Gummibaum? Zugegebenerma\u00dfen wenig. Viel wichtiger ist eine m\u00f6gliche Anwendung dieses Prinzips zum Beispiel bei der Planung von D\u00fcngereinsatz in der Landwirtschaft &#8211; wie bekomme ich den D\u00fcnger dazu, von der Pflanze aufgenommen zu werden und nicht im Grundwasser Unheil anzurichten? Wie lange braucht ein Wassertropfen bis er in einem Fluss angekommen ist? Viele Wassertropfen zusammen ergeben ein Hochwasser &#8211; die Absch\u00e4tzung des Ausma\u00dfes einer \u00dcberschwemmung kann ebenfalls durch die tiefgehende Kenntnis der ablaufenden Flie\u00dfprozesse verbessert werden. Um solche Fragestellungen konkret zu beantworten, bedarf es jedoch noch ausgiebiger Untersuchung der vorgestellten Hypothese. Die zwei Wasserwelten sind zur Zeit noch nur als solche zu verstehen, werden laufend kritisch diskutiert und in verschiedensten \u00d6kosystemen weltweit gepr\u00fcft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24623\" aria-describedby=\"caption-attachment-24623\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/erosion.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/erosion.jpg\" alt=\"Bild: Lynn Betts, public domain\" width=\"500\" height=\"357\" class=\"size-medium wp-image-24623\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24623\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Runoff_of_soil_%26_fertilizer.jpg\">Bild: Lynn Betts, public domain<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Weiterf\u00fchrende Information:<\/b><\/p>\n<p><i>Quellen<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/ngeo\/journal\/v3\/n2\/full\/ngeo722.html\">Brooks R, Barnard R, Coulombe R, McDonnell JJ. Ecohydrologic separation of water between trees and streams in a Mediterranean climate. Nat Geosci 2010, 3:100\u2013104. doi: 10.1038\/NGEO722.<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.usask.ca\/watershed\/pdf\/McDonnell_2014_2WW.pdf\">McDonnell, JJ. The two water worlds hypothesis: ecohydrological separation of water between streams and trees? WIREs Water 2014. doi: 10.1002\/wat2.1027<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/313496120_The_two_water_worlds_hypothesis_Addressing_multiple_working_hypotheses_and_proposing_a_way_forward_The_two_water_worlds_hypothesis\">Carter Berry, Z., et al. The two water worlds hypothesis: Addressing multiple working hypotheses and proposing a way forward: The two water worlds hypothesis. Ecohydrology. 2017;e1843. doi.org\/10.1002\/eco.1843<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere einf\u00fchrende Infos zu Wasser im Boden gibt\u2019s auf Wikipedia, z.B. unter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bodenwasser\">Bodenwasser<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hydrologie\">Hydrologie<\/a> und <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ecohydrology\">Ecohydrology<\/a>.<\/p>\n<p><i>Youtube-Videos<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vmo0FRAVgkM\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vmo0FRAVgkM<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=N7FvPDNDTOA\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=N7FvPDNDTOA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ph-7tQuIbz4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ph-7tQuIbz4<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GWyXzCT9fJM\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GWyXzCT9fJM<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>\u00d6ffentlichen Stellen<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.umwelt-im-unterricht.de\/hintergrund\/boden-als-wasserspeicher-und-lebensraum-fuer-pflanzen-und-tiere\/\">www.umwelt-im-unterricht.de\/hintergrund\/boden-als-wasserspeicher-und-lebensraum-fuer-pflanzen-und-tiere\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Und wenn man`s gern etwas fortgeschrittener hat:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.soil.tu-bs.de\/lehre\/Bachelor-WaBoLu\/Literatur\/\">www.soil.tu-bs.de\/lehre\/Bachelor-WaBoLu\/Literatur\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>Oder gern auch beim Autor \ud83d\ude09<\/i><\/p>\n<p>Thomas Weninger<br \/>\nBOKU Wien<br \/>\nthomas.weninger@boku.ac.at<br \/>\n<a href=\"https:\/\/spordyn.boku.ac.at\">spordyn.boku.ac.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe letzte Woche in Wien einen Workshop \u00fcber Wissenschaftsblogs gehalten und den Teilnehmern angeboten, ihre dort verfassten Texte als Gastbeitrag in meinem Blog zu ver\u00f6ffentlichen um &#8222;echtes&#8220; Feedback sammeln zu k\u00f6nnen. 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