{"id":23544,"date":"2017-04-21T06:00:00","date_gmt":"2017-04-21T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/04\/21\/sternengeschichten-folge-231-ein-planet-namens-george\/"},"modified":"2025-05-14T16:29:42","modified_gmt":"2025-05-14T14:29:42","slug":"sternengeschichten-folge-231-ein-planet-namens-george","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/04\/21\/sternengeschichten-folge-231-ein-planet-namens-george\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 230: Ein Planet namens George"},"content":{"rendered":"<p>70 Jahre lang gab es im Sonnensystem einen Planet, der &#8222;Georg&#8220; hie\u00df. Echt jetzt! Und warum hei\u00dfen die Planeten eigentlich so, wie sie hei\u00dfen? Im Sternengeschichten-Podcast  schlagen sich heute die G\u00f6tter und die Menschen um die besten Namen! Und ich erkl\u00e4re, wo die Namen der Planeten herkommen und wie heftig dar\u00fcber gestritten wurde.<\/p>\n<p>Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-12938\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/X5bjuT4SZqk\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/230-SternengeschichtenFolge230.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/X5bjuT4SZqk?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 231: Ein Planet namens George<\/p>\n<p>Die Namen der Planeten unseres Sonnensystems lernt jeder in der Schule: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Aber warum hei\u00dfen die Planeten so, wie sie hei\u00dfen? Und wieso gab es eine Zeit lang einen Planeten, der George genannt wurde? Die Namen der Himmelsk\u00f6rper machen deutlich, dass hier die Mythologie eine wichtige Rolle spielt. Wie genau alles angefangen hat, l\u00e4sst sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Aber schon die Babylonier haben den hellen, sich am Himmel bewegenden Lichtpunkten die Namen ihrer G\u00f6tter gegeben und die Griechen haben dieses Konzept bei ihrer Betrachtung des Nachthimmels \u00fcbernommen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_24437\" aria-describedby=\"caption-attachment-24437\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Raffaello_concilio_degli_dei_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Raffaello_concilio_degli_dei_02.jpg\" alt=\"Am Himmel ist alles voll mit G\u00f6ttern! (Bild: gemeinfrei)\" width=\"500\" height=\"298\" class=\"size-medium wp-image-24437\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24437\" class=\"wp-caption-text\">Am Himmel ist alles voll mit G\u00f6ttern! (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Raffaello,_concilio_degli_dei_02.jpg\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sonne und Mond waren und sind die auff\u00e4lligsten Himmelsk\u00f6rper und wurden in so gut wie allen fr\u00fchen Kulturen direkt als Gottheiten verehrt. Bei den Griechen waren das <i>Helios<\/i> der Sonnengott und <i>Selene<\/i>, die Personifikation des Mondes. Der deutsche Name &#8222;Sonne&#8220; stammt aus der nordischen Mythologie wo die Sonneng\u00f6ttin auf altnordisch <i>S\u00f3l<\/i> und auf althochdeutsch dann <i>Sunna<\/i> genannt wurde. Das Wort &#8222;Mond&#8220; stammt vom indoeurop\u00e4ischen &#8222;*menes&#8220; ab, das &#8222;messen&#8220; bedeutet und zeigt, dass der Mond schon von Anfang f\u00fcr die Zeitmessung verwendet wurde wie man ja auch am verwandten Wort &#8222;Monat&#8220; sehen kann. Heute wissen wir, dass Sonne und Mond keine Planeten sind &#8211; aber die echten Planeten haben alle ebenfalls mythologische Namen.<\/p>\n<p>Der sonnenn\u00e4chste Planet hie\u00df bei den Griechen <i>Hermes<\/i>, nach dem flinken G\u00f6tterboten der vermutlich ein gutes Symbol f\u00fcr den sich schnell bewegenden Planeten war. Der sonnennahe Nachbar der Erde war <i>Aphrodite<\/i>, die G\u00f6ttin der Liebe und <i>Ares<\/i>, der Kriegsgott wurde der rot leuchtende zweite Nachbarplanet der Erde zugeordnet. <i>Zeus<\/i> bekam den gro\u00dfen und hellen Lichtpunkt der sich langsamer als die anderen \u00fcber die Himmel bewegt und noch langsamer war <i>Kronos<\/i>, Sohn von Erde und Himmel und Vater des Zeus. Diese griechischen Namen verwenden wir heute allerdings nicht mehr; wir benutzen die G\u00f6tternamen die die R\u00f6mer verwendet haben, als sie sich mit den griechischen Texten besch\u00e4ftigt haben. Hermes wurde zu Merkur; Aphrodite zur Venus, Ares zum Mars; Zeus zu Jupiter und Kronos zu Saturn. Und die Erde? Die erkannte man lange Zeit auch nicht als Planet und sie hat auch keinen mythologischen Namen &#8211; sonst m\u00fcsste sie entweder <i>Gaia<\/i> nach der griechischen Personifikation der Erde hei\u00dfen oder <i>Tellus<\/i> nach der r\u00f6mischen G\u00f6ttin der Erde. Die Erde war das, was schon immer schon da war und das zeigt sich auch daran, dass dieses Wort in allen Sprachen der indoeurop\u00e4ischen Sprachfamilie gleich klingt: Erde auf deutsch, &#8222;Aarde&#8220; auf niederl\u00e4ndisch, &#8222;Earth&#8220; auf englisch, &#8222;jord&#8220; auf d\u00e4nisch und so weiter &#8211; all diese Wort kommen von der indoeurop\u00e4ischen Basis &#8222;er&#8220;, die den<br \/>\nBoden unter unseren F\u00fc\u00dfen beschreibt. In den romanischen Sprachen kann man die \u00c4hnlichkeit in den franz\u00f6sischen Begriff &#8222;terre&#8220; oder dem italienischen &#8222;terra&#8220; finden. Selbst die semitischen Sprachen klingen \u00e4hnlich, zum Beispiel &#8222;ard&#8220; in arabisch oder &#8222;arets&#8220; auf hebr\u00e4isch, was darauf hindeutet, dass dieses Wort schon <i>wirklich<\/i> alt ist und die Grundform schon lange existiert hat bevor sich die modernen Sprachen herausgebildet haben. \u00dcbrigens: Es gibt keinen offiziellen, international verbindlichen Namen f\u00fcr Sonne, Mond und Erde. Die oft geh\u00f6rte Behauptung, man w\u00fcrde sie &#8222;Sol&#8220;, Terra&#8220; und &#8222;Luna&#8220; nennen entstammt der Science-Fiction-Literatur. In der Astronomie tauchen diese Bezeichnungen f\u00fcr die Himmelsk\u00f6rper nicht auf &#8211; beziehungsweise h\u00f6chstens dann wenn sich spanische und italienische Astronomen unterhalten&#8230;<\/p>\n<p>Aber richtig interessant wird die Namensgebung der Planeten bei denen, die nicht schon immer bekannt war. Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sind ja diejenigen der Himmelsk\u00f6rper, die man mit freien Auge sehen kann. F\u00fcr den Rest des Sonnensystems brauchte man Teleskope die gut genug sind und die gab es erst im 18. Jahrhundert. Da entdeckte der britische Astronom Wilhelm Herschel im Jahr 1781 einen bis dahin unbekannten Planeten. Das war etwas, mit dem man nicht wirklich gerechnet hatte &#8211; man ging davon aus, dass das Sonnensystem hinter dem Saturn zu Ende sei. Dass da jetzt noch weiter noch ein Planet seine Runden zieht war \u00fcberraschend &#8211; aber trotzdem brauchte der neue Himmelsk\u00f6rper einen Namen. Es gab nat\u00fcrlich jede Menge Vorschl\u00e4ge. <i>&#8222;Hypercronius&#8220;<\/i> zum Beispiel, was so viel hei\u00dft wie &#8222;\u00fcber Saturn&#8220; und beschreiben sollte, dass der Planet sich hinter Saturn befindet. Der damalige k\u00f6nigliche Astronom in England, Nevil Maskelyne bat Herschel, er solle selbst einen Namen aussuchen und Herschel tat genau das. Er nannte Himmelsk\u00f6rper <i>&#8222;Georgium Sidus&#8220;<\/i> was soviel wie &#8222;Georges Stern&#8220; bzw. &#8222;Georges Planet&#8220; bedeutet. &#8222;George&#8220; war dabei der K\u00f6nig George III der Herschel nach der Entdeckung des Planeten finanziell unterst\u00fctze. Herschels Namenswahl war also dazu gedacht, seinen Geldgeber zu ehren; er f\u00fchrte aber auch ideologische Gr\u00fcnde an. Ja, die restlichen Planeten wurden nach G\u00f6ttern benannt, aber jetzt w\u00fcrde man in einem aufgekl\u00e4rteren, wissenschaftlichern Zeitalter leben und sollte das auch in der Wahl der Planetennamen ber\u00fccksichtigten. Also entschied er sich gegen die G\u00f6tter und f\u00fcr die Monarchie (der Text der &#8222;Internationalen&#8220; war damals noch nicht geschrieben&#8230;) &#8211; und wies noch darauf hin, dass mit diesem Namen jeder sofort wissen w\u00fcrde, wann der neue Planet entdeckt wurde: W\u00e4hrend der Regierungszeit von George, dem Dritten.<\/p>\n<p>In England war man durchaus nicht unzufrieden, den neuen Planeten George zu nennen. Die anderen L\u00e4nder, allen voran die Franzosen fanden es dagegen nicht so berauschend, den K\u00f6nig von Gro\u00dfbritannien f\u00fcr alle Zeiten am Himmel verewigt zu sehen. Der franz\u00f6sische Astronom J\u00e9r\u00f4me Lalande schlug daher vor, den Planeten doch einfach nach seinem Entdecker &#8222;Herschel&#8220; zu nennen. Andere Vorschl\u00e4ge griffen wieder auf die Mythologie zur\u00fcck; der Name des Meeresgottes &#8222;Neptun&#8220; wurde ins Spiel gebracht &#8211; was den Engl\u00e4nder auch gefiel, aber gleich in &#8222;Neptun Great Britain&#8220; abwandelt wurde um die Siege der britischen Marine im amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg zu feiern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Engl\u00e4nder und Franzosen sich stritten, schlug derweil der deutsche Astronom Johan Elert Bode den Namen &#8222;Uranus&#8220; vor. Er war der Ansicht, man sollte vom mythologischen Konzept der Namensgebung nicht abweichen und was w\u00e4re besser, als die Verwandtschaftsbeziehungen am Himmel einfach fortzusetzen. Saturn ist der Vater von Jupiter &#8211; und Uranus, die Verk\u00f6rperung des Himmels, der Vater des Saturn. Dabei brachte er allerdings die r\u00f6mischen und griechischen G\u00f6tter ein wenig durcheinander. Uranus bzw. eigentlich &#8222;Uranos&#8220; ist in der griechischen Mythologie der Vater von Kronos; die korrekte r\u00f6mische Entsprechung w\u00e4re <i>Caelus<\/i> gewesen. Aber egal &#8211; der Name nahm Fahrt auf. Als der Chemiker Martin Klaproth 1789 ein neues Element entdeckte, nannte er es in Unterst\u00fctzung von Bode &#8222;Uran&#8220; und immer mehr Astronomen verwendeten es. Am l\u00e4ngsten dauerte es nat\u00fcrlich in England, bis sich der neue Name durchsetze. Dort hat man noch bis 1850, also fast 70 Jahre lang, &#8222;Georgium Sidus&#8220; anstatt &#8222;Uranus&#8220; verwendet.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert stand dann auch gleich die n\u00e4chste Planetentaufe auf dem Programm. Der Franzose Urbain Le Verrier sagte die Existenz eines weiteren Planeten voraus der dann vom deutschen Johann Gottfried Galle gefunden wurde. Galle wollte ihn dann auch benennen und schlug &#8222;Janus&#8220; vor. In England war man f\u00fcr &#8222;Okeanus&#8220;, dem griechischen Verk\u00f6rperung der Meere. Le Verrier, der Hauptverantwortliche f\u00fcr die Entdeckung war eher f\u00fcr die griechische Entsprechung, n\u00e4mlich &#8222;Neptun&#8220;, \u00e4nderte dann aber schnell seine Meinung und wollte den Planeten lieber nach sich selbst, also &#8222;Le Verrier&#8220; benennen. Daf\u00fcr fand er Unterst\u00fctzung in Frankreich, aber &#8211; wenig \u00fcberraschend &#8211; nicht in England. Um Le Verrier zu unterst\u00fctzen \u00e4nderte man in den franz\u00f6sischen Nachschlagewerken sogar den Namen von Uranus wieder auf &#8222;Herschel&#8220; um so klar zu machen, dass Planeten nach ihren Entdeckern benannt werden sollten. Damit kamen sie aber nicht durch und Le Verriers urspr\u00fcnglicher Name &#8222;Neptun&#8220; setzte sich international durch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21379\" aria-describedby=\"caption-attachment-21379\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pluto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pluto.jpg\" alt=\"Pluto! Super Himmelsk\u00f6rper, aber st\u00e4ndig Anlass f\u00fcr Streit... (Bild: NASA\/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory\/Southwest Research Institute)\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"size-medium wp-image-21379\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21379\" class=\"wp-caption-text\">Pluto! Super Himmelsk\u00f6rper, aber st\u00e4ndig Anlass f\u00fcr Streit&#8230; (<a href=\"https:\/\/pluto.jhuapl.edu\/Multimedia\/Science-Photos\/image.php?gallery_id=2&#038;image_id=243\">Bild: NASA\/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory\/Southwest Research Institute<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bleibt noch Pluto. Der ist zwar seit 2006 kein Planet mehr &#8211; und warum das gut so ist habe ich unter anderem in Folge 90 der Sternengeschichten erz\u00e4hlt &#8211; wurde aber 1930 im Jahr seiner Entdeckung so bezeichnet. Auch hier hat es ein wenig gedauert, bis er zu seinem Namen kam. Entdeckt hat ihn der amerikanische Astronom Clyde Tombaugh an der vom Astronomen Percival Lowell gegr\u00fcndeten Sternwarte. Lowell war selbst lange auf der Suche nach einem weiteren Planeten gewesen, starb aber ohne Erfolg gehabt zu haben. Lowells Witwe war eine der ersten die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen Namen machte. Sie probierte es mit &#8222;Zeus&#8220;, dann mit &#8222;Percival&#8220; und schlie\u00dflich sogar mit &#8222;Constance&#8220;, ihrem eigenen Vornamen. Am Ende gab es drei Vorschl\u00e4ge unter denen die Mitarbeiter der Lowell-Sternwarte abstimmten. &#8222;Minerva&#8220;, nach der r\u00f6mischen G\u00f6ttin der Weisheit, was eigentlich ein recht sch\u00f6ner Name gewesen w\u00e4re &#8211; wenn da nicht ein schon zuvor entdeckter Asteroid mit genau diesem Name existieren w\u00fcrde. Der zweite Vorschlag lautete &#8222;Kronos&#8220;. Das w\u00e4re einerseits verwirrend gewesen, weil es ja die griechische Entsprechung des r\u00f6mischen Saturn ist und den gab es ja schon. Au\u00dferdem stammt der Vorschlag von Astronom Thomas Jefferson Jackson See, der aufgrund seiner vielen spektakul\u00e4ren Entdeckungen die sich alle als Einbildung erwiesen haben relativ unbeliebt war. Blieb der dritte Vorschlag: &#8222;Pluto&#8220;. Dieser Vorschlag stammte von einem elfj\u00e4hrigen M\u00e4dchen, Venetia Burney, die am 14. M\u00e4rz (\u00fcbrigens dem Geburtstag von Albert Einstein und dem internationalen Pi-Tag) 1930 in einer Zeitung einen Artikel \u00fcber die Entdeckung des Planeten las. Sie interessierte sich f\u00fcr die Mythologie der R\u00f6mer und Griechen und kam auf die Idee, den Planeten &#8222;Pluto&#8220; zu nennen. So hei\u00dft in der r\u00f6mischen Mythologie der Gott der Unterwelt und das ist durchaus passend f\u00fcr einen Planeten der sich so weit von der Sonne entfernt im dunklen All befindet. Der Gro\u00dfvater von Venetia hatte gl\u00fccklicherweise ein paar Astronomen in der Bekanntschaft und so gelangte der Vorschlag an die Lowell-Sternwarte, wo er dann auch angenommen wurde.<\/p>\n<p>Ganz aus dem Nichts kam der Name aber nicht. Schon vor der Entdeckung des Pluto hatten Astronomen \u00fcber die Existenz von Planeten au\u00dferhalb der Neptunbahn spekuliert und diesen damals noch hypothetischen Planeten auch Namen gegeben. Vor allem in deutschen B\u00fcchern taucht da oft der &#8211; mythologisch naheliegende &#8211; Name &#8222;Pluto&#8220; auf. Davon wird Venetia aber vermutlich nichts gewusst haben und ob die amerikanischen Astronomen die alten Texte ihrer deutschen Kollegen kannten ist unklar.<br \/>\nOhne Zweifel dagegen steht aber fest, dass der Planet NICHT nach dem ber\u00fchmten Hund von Mickey Mouse benannt wurde. Der bekam seinen Namen erst nach der Entdeckung des Planeten.<\/p>\n<p>Nach Pluto hat man keinen weiteren Planeten im Sonnensystem mehr entdeckt. Es kann durchaus sein, dass wir irgendwann in der Zukunft noch ganz weit au\u00dfen in den fernsten Region des Sonnensystems einen gr\u00f6\u00dferen Himmelsk\u00f6rper identifizieren und ihm einen Namen geben m\u00fcssen. Wie der lauten wird, wei\u00df jetzt nat\u00fcrlich keiner. Aber es w\u00fcrde mich \u00fcberraschen, wenn der Name dann nicht aus der griechisch-r\u00f6mischen Mythologie stammen w\u00fcrde. Manche Traditionen kann man eben nicht so einfach \u00e4ndern&#8230; \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f2f745a81bf44b60b01ad523f6569895\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>70 Jahre lang gab es im Sonnensystem einen Planet, der &#8222;Georg&#8220; hie\u00df. Echt jetzt! Und warum hei\u00dfen die Planeten eigentlich so, wie sie hei\u00dfen? Im Sternengeschichten-Podcast schlagen sich heute die G\u00f6tter und die Menschen um die besten Namen! Und ich erkl\u00e4re, wo die Namen der Planeten herkommen und wie heftig dar\u00fcber gestritten wurde. 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