{"id":23436,"date":"2017-02-03T07:00:51","date_gmt":"2017-02-03T06:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/02\/03\/sternengeschichten-folge-219-wetterkrieg-und-wettermanipulation\/"},"modified":"2025-05-14T16:28:56","modified_gmt":"2025-05-14T14:28:56","slug":"sternengeschichten-folge-219-wetterkrieg-und-wettermanipulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/02\/03\/sternengeschichten-folge-219-wetterkrieg-und-wettermanipulation\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 219: Wetterkrieg und Wettermanipulation"},"content":{"rendered":"<p>Das Wetter k\u00fcnstlich zu beeinflussen ist ein alter Traum der Menschen. Es w\u00e4re toll, wenn wir Sonne und Regen haben k\u00f6nnten, wann immer wir das wollen. Und es ist kein Wunder, das sich auch Wissenschaftler immer wieder mit der Frage nach der Wettermanipulation besch\u00e4ftigt haben. W\u00e4hrend des kalten Kriegs gab es sogar ein regelrechtes Wettr\u00fcsten im &#8222;Wetterkrieg&#8220; zwischen Ost und West. Funktioniert hat das ganze nie &#8211; und heute sind von all den Bem\u00fchungen um die Wettermanipulation nur jede Menge Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcbrig geblieben&#8230;<\/p>\n<p>Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-12938\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/y5_VPJ7s6B0\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/219-SternengeschichtenFolge219.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/y5_VPJ7s6B0?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 219: Wetterkrieg und Wettermanipulation<\/p>\n<p>Meteorologie ist keine Astronomie. Aber eine gewissen Grundkenntnis \u00fcber das Wetter muss man auch als Astronom besitzen. Ein Planet wie Jupiter ist zum Beispiel ein einziges riesiges Wettersystem; die Eigenschaften von unseren Nachbarn Mars und Venus k\u00f6nnen wir nur verstehen, wenn wir auch die Vorg\u00e4nge in deren Atmosph\u00e4ren verstehen. Bei der Suche nach den lebensfreundlichen Planeten anderer Sterne m\u00fcssen wir uns selbstverst\u00e4ndlich auch Gedanken \u00fcber das dortige Wetter machen. Und wenn die Astronomen in den Himmel blicken wollen, dann k\u00f6nnen sie das nur, wenn keine Wolken den Blick auf die Sterne versperren. Das Wetter ist also von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Astronomie. Und wenn der Nachthimmel wieder einmal voll Wolken h\u00e4ngt, dann w\u00fcnscht sich so mancher Astronom, dass man dem Wetter nicht nur passiv ausgeliefert ist, sondern es auch ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Mit diesem Wunsch sind die Astronomen nicht alleine. Seit es Menschen gibt spielt das Wetter eine gro\u00dfe Rolle in ihrem Leben und sie denken dar\u00fcber nach, wie sie es beeinflussen k\u00f6nnen. Als man Donner und Blitz; Sonne und Regen noch dem Wirken der G\u00f6tter zugeschrieben hat, hat man versucht das Wetter mit religi\u00f6sen Ritualen und Opfergaben zu beeinflussen. Als man dann anfing die Vorg\u00e4nge in der Atmosph\u00e4re der Erde ein wenig besser zu verstehen, ging man dazu \u00fcber, sich auch auf wissenschaftliche Art und Weise Gedanken \u00fcber die Wettermanipulation zu machen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_24108\" aria-describedby=\"caption-attachment-24108\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Cloud_Seeding-Public-Domain.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Cloud_Seeding-Public-Domain.png\" alt=\"Wettermanipulation! Sieht einfach aus, ist es aber nicht... (Bild: Public Domain)\" width=\"500\" height=\"261\" class=\"size-medium wp-image-24108\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24108\" class=\"wp-caption-text\">Wettermanipulation! Sieht einfach aus, ist es aber nicht&#8230; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Cloud_Seeding.svg\">Bild: Public Domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Den Beginn der wissenschaftlichen Erforschung der Wettermanipulation k\u00f6nnte man auf den 24. Juni 1942 datieren. Nat\u00fcrlich gab es auch schon fr\u00fcher diverse Leute (und sehr viele davon echte Scharlatane) die mit verschiedenen dubiosen Methoden probierten Regen zu machen oder Wolken zu vertreiben. Aber an diesem Tag demonstrierten Irving Langmuir und sein Assistent Vincent Schaefer vor einem Publikum aus Politikern und Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen, dass sie in der Lage waren ein ganzes Tal hinter einer k\u00fcnstlichen Nebelwand zu verstecken. Es waren keine echten Wolken die sie erzeugt hatten; es war eine Art sehr fr\u00fche Nebelmaschine aber es war schnell klar, wozu man so etwas brauchen konnte. Immerhin herrschte damals Krieg auf der Welt und wenn man einen Angriff der eigenen Soldaten mit k\u00fcnstlichen Nebel vor dem Feind verstecken konnte, war das keine schlechte Sache. Langmuir und seine Kollegen besch\u00e4ftigten sich von da an weiter mit der Erforschung von Wolken, deren Eigenschaften und der Frage, wie man das Wetter im milit\u00e4rischen Sinne beeinflussen kann. <\/p>\n<p>Und Irving Langmuir war nicht irgendwer! Er war Chemiker und erfand zum Beispiel eine neuartige Vakuumpumpe. Er fand heraus, dass man die Lebensdauer von Gl\u00fchlampen verl\u00e4ngern konnte, wenn man sie mit bestimmten Gasen f\u00fcllte. Er entwickelte eine neue Schwei\u00dftechnik. Er arbeitete als einer der ersten Forscher \u00fcberhaupt mit Plasma, also Gasen die so hei\u00df sind, dass sich die Elektronen aus der Atomh\u00fclle von den Atomkernen trennen und er war derjenige, der das Wort &#8222;Plasma&#8220; gepr\u00e4gt hatte. Er trug zum Verst\u00e4ndnis von Atomen bei und beschrieb die Oberfl\u00e4chen von Molek\u00fclen und Materialien auf eine ganze neue Weise. Und 1932 bekam er f\u00fcr seine  \u201eEntdeckungen und Untersuchungen zur Oberfl\u00e4chenchemie\u201c den Nobelpreis f\u00fcr Chemie. Langmuir war also einer der besten Chemiker seiner Zeit. Und \u00fcberzeugt davon, dass er es schaffen k\u00f6nnte, das Wetter zu manipulieren. <\/p>\n<p>Sein Kollege Vincent Schaefer entdeckte 1946, dass man mit Trockeneis das Wasser in der Luft dazu bringen kann, sich in Eiskristalle zu wandeln. Die Entdeckung war Zufall: Der Kuhlschrank mit dem Schaefer seine Experimente durchf\u00fchrte war nicht kalt genug und deswegen schmiss er einfach ein St\u00fcck gefrorenes Kohlendioxid hinein. Die Temperatur der Luft sank schlagartig und ebenso schlagartig entstanden jede Menge Eiskristalle. Schon ein winziges St\u00fcck Trockeneis reichte aus um eine gro\u00dfe Anzahl an Eiskristallen zu erzeugen.<\/p>\n<p>Langmuir und Schaefer wollten sofort wissen, was Trockeneis mit nat\u00fcrlichen Wolken anstellen w\u00fcrde. Wolken bestehen ja aus Wassertropfen (wie ich in Folge 105 der Sternengeschichten ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt habe). Wenn Trockeneis in der Luft daf\u00fcr sorgen kann, dass sich das Wasser in Eiskristalle verwandelt, kann es das in Wolken vielleicht auch. Und wenn es in einer Wolke Eiskristalle gibt, k\u00f6nnen sich um diese Kristalle herum immer mehr Wassertropfen anlagern &#8211; es entsteht Schnee und wenn der tief genug f\u00e4llt, wird aus dem Schnee Regen. Man m\u00fcsste also nur ein wenig Trockeneis in die Wolken werfen und k\u00f6nnte sie so dazu bringen, abzuregnen und sich aufzul\u00f6sen. <\/p>\n<p>Entsprechende Versuche mit echten Wolken und Flugzeugen wurden durchgef\u00fchrt. Und lieferten Ergebnisse, die nicht wirklich eindeutig waren. Langmuir und seine Kollegen waren \u00fcberzeugt davon, dass sie tats\u00e4chlich Regen machen konnten. Andere Meteorologen wandten ein, dass man aus den Versuchen keine brauchbaren statistischen Daten ableiten k\u00f6nne. Man wei\u00df ja nicht, was die Wolke gemacht h\u00e4tte, wenn man sie <i>nicht<\/i> mit Trockeneis behandelt h\u00e4tte. <\/p>\n<p>Trotzdem: Die milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Verlockungen der Wettermanipulation waren zu gro\u00df. Langmuir forschte weiter. Immer wieder wurden Wolken mit Trockeneis behandelt. Man versuchte sogar, den Weg von Hurrikanen durch die Beigabe von Trockeneis zu ver\u00e4ndern. 1947 entdeckte Bernard Vonnegut, ein weiterer Kollegen von Langmuir, dass man mit Silberjodid noch bessere Ergebnisse erreichen kann als mit Trockeneis. Es bildeten sich noch schneller und noch mehr Eiskristalle, da die Struktur der Silberjodidkristalle den Kondensationskernen von Schneeflocken sehr \u00e4hnlich war. Au\u00dferdem l\u00f6ste sich das Silberjodid nicht einfach auf, wie das Trockeneis sondern blieb lange in der Atmosph\u00e4re bestehen. Es gab weitere Versuche mit beeindruckenden Namen wie &#8222;Project Cirrus&#8220; oder &#8222;Operation Cumulus&#8220; und weiterhin keine eindeutigen Ergebnisse. Davon wollte Langmuir allerdings nichts h\u00f6ren. Er war zum Beispiel fest davon \u00fcberzeugt, dass seine Experimente mit Trockeneis dazu gef\u00fchrt hatten, dass der Hurrikan King im Jahr 1947 seinen Kurs ge\u00e4ndert hatte &#8211; und als Meteorologen ihn darauf hinwiesen, dass diese Kurs\u00e4nderung schon vor seinen Experimenten von ihnen prognostiziert wurde, wurde er nur w\u00fctend und beleidigte sie. <\/p>\n<figure id=\"attachment_24109\" aria-describedby=\"caption-attachment-24109\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Cloudseedingimagerevised-Smcnab386-CC-BY-SA-3.0-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Cloudseedingimagerevised-Smcnab386-CC-BY-SA-3.0-scaled.jpg\" alt=\"Die Idee war gut, hat aber nicht funktioniert (Bild: Smcnab386, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"755\" class=\"size-medium wp-image-24109\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24109\" class=\"wp-caption-text\">Die Idee war gut, hat aber nicht funktioniert (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Cloudseedingimagerevised.jpg\">Bild: Smcnab386<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Problem an der Sache war die Statistik. Es war nicht m\u00f6glich, irgendetwas verbindliches aus all den Experimenten mit Trockeneis und Silberjodid abzuleiten. Mal passierte etwas; mal passierte nichts und niemand wusste, was passiert oder nicht passiert w\u00e4re, wenn es keine Experimente gegeben h\u00e4tte. Langmuir war ein guter Chemiker und seine Arbeit an der Wettermanipulation erfolgte nach wissenschaftlichen Ma\u00dfst\u00e4ben und mit wissenschaftlichen Methoden. Er war allerdings kein Experte f\u00fcr Meteorologie und er lie\u00df sich bei der Interpretation der Ergebnisse von seinem Wunschdenken leiten und nicht der Realit\u00e4t der Daten. Andere und echte Experten f\u00fcr das Wetter wiesen darauf hin, dass die Vorg\u00e4nge in der Atmosph\u00e4re komplex sind. Prozesse auf mikroskopisch kleinen Skalen beeinflussen das Wetter ebenso wie Prozesse in globalem Ma\u00dfstab. Und alle treten miteinander in Wechselwirkung. Das ganze System des Wetters ist ein <i>chaotisches<\/i> System und es ist so gut wie unm\u00f6glich einen einzigen Faktor herauszugreifen und ihn f\u00fcr ma\u00dfgebliche Ver\u00e4nderungen  verantwortlich zu machen. Das, was Langmuir tat, war sogenannte <i>pathologische Wissenschaft<\/i>. Er verwendete wissenschaftliche Methoden um etwas zu erforschen, was unwissenschaftlich war. Andere erkannten das, Langmuir selbst aber nicht. Was umso tragischer war, da es niemand anderer als Langmuir selbst war, der 1953 den Begriff &#8222;Pathologische Wissenschaft&#8220; erfand und einf\u00fchrte um Dinge wie die Erforschung von fliegenden Untertassen oder Telepathie zu beschreiben. Dass auch seine Arbeit zur Wettermanipulation darunter fiel, merkte er nicht.<\/p>\n<p>Vor allem auch, weil es immer noch genug einflussreiche Leute gab, die ihm sehr genau zuh\u00f6rten. W\u00e4hrend des Kalten Krieges gab es zwischen den USA und der UdSSR nicht nur ein Wettr\u00fcsten in Sachen Nuklearwaffen. Auch die milit\u00e4rische Wettermanipulation besch\u00e4ftigte beide Nation. Man stellte sich vor, wie man mit gezielter Wettermanipulation eine D\u00fcrre \u00fcber Feindesland ausl\u00f6sen k\u00f6nnte. Oder sintflutartigen Regen \u00fcber der Armee des Gegners niedergehen lassen k\u00f6nnte um ihn so zu immobilisieren. Man k\u00f6nnte Hurrikans zum Feind umleiten, seine Schiffe in die H\u00e4fen und die Flugzeuge auf den Boden zwingen. Das alles klang zu verlockend f\u00fcr die Gener\u00e4le und Politiker und niemand wollte das Risiko eingehen, beim &#8222;Wetterkrieg&#8220; ins Hintertreffen zu geraten. All die Experimente die schon fr\u00fcher durchgef\u00fchrt worden sind, wurden weitergef\u00fchrt und die Ergebnisse waren genau so wenig eindeutig wie zuvor. <\/p>\n<p>Das hinderte aber zum Beispiel die USA nicht daran, in den Jahren von 1967 bis 1972 die &#8222;Operation Popeye&#8220; durchzuf\u00fchren. Dieses damals und auch noch lange danach streng geheime Programm war daf\u00fcr ausgelegt, das Wetter in S\u00fcdostasien zu modifizieren, wo sich die USA gerade in ihrem tragischen Krieg mit Vietnam befand. Man wollte die Stra\u00dfen und Wege des Ho-Chi-Minh-Pfades durch k\u00fcnstlich erzeugten Regen unpassierbar machen und so den Vietnamesen den Transport von Material und Truppen erschweren. F\u00fcnf Jahre lang gab man jedes Jahr 3,6 Millionen Dollar aus um w\u00e4hrend mehr als 2600 Fl\u00fcgen Wolken mit Silberjodid zu behandeln. Gebracht hat es nichts, weder gewannen die USA den Krieg noch gab es irgendwelche brauchbaren Daten die belegten, dass das ganze irgendeinen messbaren Effekt auf den Regen in der Region hatte. <\/p>\n<p>Die Situation hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert. Es gibt immer noch keinerlei Daten die belegen, dass man das Wetter tats\u00e4chlich gezielt und reproduzierbar beeinflussen kann. Was aber nat\u00fcrlich nichts daran \u00e4ndert, dass es nicht immer noch probiert wird. W\u00e4hrend der olympischen Sommerspiele des Jahres 2008 in Peking verk\u00fcndete China zum Beispiel, dass es die Wolken manipulieren wolle um Regen w\u00e4hrend der Veranstaltungen zu verhindern. In \u00d6sterreich, Deutschland und anderswo auf der Welt fliegen Kleinflugzeuge durch die Wolken um Hagelsch\u00e4den in der Landwirtschaft zu verhindern oder Regen zu provozieren. Aber dass all diese Bem\u00fchungen auch funktionieren: Daf\u00fcr gibt es keinen verl\u00e4sslichen Nachweis.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24110\" aria-describedby=\"caption-attachment-24110\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/googlechemtrails3-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/googlechemtrails3-scaled.jpg\" alt=\"Chemtrails... gibt&#039;s nicht\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-24110\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24110\" class=\"wp-caption-text\">Chemtrails&#8230; gibt&#8217;s nicht<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist immer noch ein wenig so wie fr\u00fcher: Damals haben wir den G\u00f6ttern Opfer gebracht in der Hoffnung, dass sie uns Regen oder Sonnenschein schicken. Jetzt schie\u00dfen wir aus Flugzeugen auf die Wolken und bilden uns ein, dass wir so Kontrolle \u00fcber das Wetter haben k\u00f6nnten. Oder entwickeln Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber b\u00f6se Regierungen oder Geheimorganisationen, die unser Wetter heimlich durch <i>Chemtrails<\/i> aus geheimen Chemie-Spr\u00fchflugzeugen manipulieren. Und mit gro\u00dfen Radioanlagen mysteri\u00f6se Strahlen in den Himmel schicken um so Wolken zu erzeugen oder zu vertreiben. Die Geschichte der Wettermanipulation ist voll von Scharlatanen, Betr\u00fcger und esoterischem Unsinn. Sie ist aber auch voll von echten Wissenschaftler die ihr bestes getan haben, um die chaotischen Vorg\u00e4nge in unserer Atmosph\u00e4re zu verstehen und zu kontrollieren. Das mit der Kontrolle hat nicht geklappt, aber das Verst\u00e4ndnis des Wetters wird immer besser. Am Ende m\u00fcssen wir uns aber immer damit abfinden, dass das Chaos eben nunmal das Chaos ist. Es l\u00e4sst sich verstehen, aber nicht beliebig genau vorhersagen. Und noch schwerer manipulieren. Auch wenn ich mir als Astronom durchaus manchmal w\u00fcnschen w\u00fcrde, man k\u00f6nnte die Wolken einfach vom Nachthimmel blasen und den Blick auf die Sterne freigeben: Es wird weiterhin ein Wunsch bleiben.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/da76b29ab14646548f1466bd49f65ba8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wetter k\u00fcnstlich zu beeinflussen ist ein alter Traum der Menschen. Es w\u00e4re toll, wenn wir Sonne und Regen haben k\u00f6nnten, wann immer wir das wollen. Und es ist kein Wunder, das sich auch Wissenschaftler immer wieder mit der Frage nach der Wettermanipulation besch\u00e4ftigt haben. 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