{"id":23400,"date":"2017-01-12T08:15:15","date_gmt":"2017-01-12T07:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/01\/12\/schweinetampons-gegen-nasenbluten\/"},"modified":"2025-05-14T16:28:48","modified_gmt":"2025-05-14T14:28:48","slug":"schweinetampons-gegen-nasenbluten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/01\/12\/schweinetampons-gegen-nasenbluten\/","title":{"rendered":"\u201eSchweinetampons\u201d gegen Nasenbluten?"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Artikel ist Teil eines Projekts einer <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/01\/11\/wissenschaftsbloggen-fuer-studenten-eine-einfuehrung-mit-live-feedback\/\">Lehrveranstaltung an der Universit\u00e4t Graz<\/a>. Studierende sollten einen Blogartikel \u00fcber eine wissenschaftliche Facharbeit schreiben. Ich w\u00fcrde euch bitten, den Artikel der Studierenden zu lesen und zu kommentieren. Was fehlt euch bei der Lekt\u00fcre? Was findet ihr super? Was interessant; was unverst\u00e4ndlich? Und so weiter &#8211; Je mehr Feedback, desto besser!<\/p>\n<p>Um die Vielfalt an M\u00f6glichkeiten zu demonstrieren, mit der man \u00fcber Forschung schreiben kann, habe ich au\u00dferdem ebenfalls einen Artikel zum gleichen Thema verfasst, den ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=23990\">hier finden k\u00f6nnt<\/a>.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte sich jemals gedacht, dass man seinen leckeren morgendlichen Fr\u00fchst\u00fccksspeck auch anderweitig benutzen kann? Man stelle sich nur mal vor, man hat gerade ne echt fiese Erk\u00e4ltung und schon eine ganz trockene Nasenschleimhaut\u2026. Da kann es nat\u00fcrlich schon mal passieren, dass man Nasenbluten bekommt! Doch was machen, wenn gerade keine Taschent\u00fccher in Reichweite sind und man gerade beim duftenden Speckfr\u00fchst\u00fcck sitzt? Ganz einfach: Man stopfe sich das geile Zeug in die Nase!!! <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/nasenschwein-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/nasenschwein-scaled.jpg\" alt=\"nasenschwein\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-24001\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Jahr 2011 gewann das Team um Ian Humphreys den Ig- Nobelpreis f\u00fcr ihren wissenschaftlichen Artikel zur Benutzung von Nasentamponaden aus gep\u00f6keltem Schweinefleisch zur Behandlung eines Patienten mit Glanzmann-Thrombasthenie. Glanzmann-Thrombasthenie ist eine seltene Blutgerinnungsst\u00f6rung, die als erstes vom Schweizer Kinderarzt Eduard Glanzmann im Jahr 1918 beschrieben wurde. Die Krankheit tritt nur in etwa bei 1 von 1. 000 000 Personen auf. Erw\u00e4hnenswert ist, dass die Krankheit sogar t\u00f6dlich verlaufen kann. Sie stellt eine besondere Gefahr f\u00fcr erkrankte Kinder da, weil diese ein h\u00f6heres Verletzungsrisiko haben. Ein Hauptproblem ist vor allem schwer zu stoppendes Nasenbluten, das im Zuge der Krankheit auftritt.<\/p>\n<p>Das \u201cHausmittel\u201d gep\u00f6keltes Schweinefleisch wurde schon im 19. bis Mitte 20. Jahrhundert zur Behandlung von Nasenbluten verwendet. Allerdings wurde diese groteske Idee nie bei wirklich ernsthaften Blutungen eingesetzt; doch die Geschichte des M\u00e4dchens aus Michigan sollte dies \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Bei einem vier Jahre alten M\u00e4dchen aus Michigan wurde bereits im Alter von drei Monaten Glanzmann-Thrombasthenie diagnostiziert. Lustigerweise halfen ihr bei zwei lebensbedrohlichen Episoden von Nasenbluten Streifen aus gep\u00f6keltem Schweinefleisch. Nachdem die Anwendung verschiedenster Methoden und sogar auch eine Operation noch nach 5 Tagen keine Besserung brachte, hielt sich der Enthusiasmus des \u00c4rzteteams f\u00fcr chirurgische sowie medizinische Therapiem\u00f6glichkeiten in Grenzen. Zus\u00e4tzlich f\u00fcrchteten sie m\u00f6gliche Komplikationen. Aus diesem Grund entschieden sie sich f\u00fcr die \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnliche Interventionsm\u00f6glichkeit mit den gep\u00f6kelten Schweinefleischstreifen. Diese setzte man der jungen Patientin zur Blutstillung in die Nasenh\u00f6hlen ein. Ihr wurden bei der ersten Anwendung nach drei Tagen und bei der zweiten Anwendung nach zwei Tagen die Schweinefleischstreifen entfernt. Bei beiden Anwendungen stellte sich das Nasenbluten der Patientin innerhalb von 24 Stunden ein. Nach circa 72 Stunden der Behandlung konnte sich das M\u00e4dchen endlich erholen, weil alle Beschwerden vor\u00fcber waren.<br \/>\n Wir wissen nicht, ob wir gerne so lange mit Schwein in der Nase herumlaufen w\u00fcrden. Zwar k\u00f6nnen wir von uns behaupten, voll die \u201cSpecklover\u201d zu sein, aber ob unsere Liebe soweit ginge, das wagen wir zu bezweifeln.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt kommt es bei Menschen mit Glanzmann-Thrombasthenie zu Problemen bei der Blutgerinnung. Um zu verstehen, wie das passieren kann, ist es hilfreich sich zu \u00fcberlegen, wie es denn eigentlich im gesunden Menschen zur Blutgerinnung kommt.<br \/>\nStell dir vor, du schneidest dich aus Versehen in den Finger (keine Sorge, nichts Lebensbedrohliches, eigentlich nur ein Kratzer \u2013 aber eben tief genug dass es blutet). Da Blut ja fl\u00fcssig ist, tropft es zun\u00e4chst aus offenen Wunden heraus. Aber: auch wenn es noch durch den K\u00f6rper gepumpt wird anstatt Krusten \u00fcber Wunden zu bilden, ist Blut nie vollkommen fl\u00fcssig. Es schwimmen eigentlich allerhand Teilchen darin herum, z.B. Zellen und Molek\u00fcle. Einige davon werden genau f\u00fcr diese Situation ben\u00f6tigt, angefangen mit den kleinsten Zellen im Blut: den Blutpl\u00e4ttchen. Durch das Loch im Blutgef\u00e4\u00df kommen diese nun in Kontakt mit Proteinfasern, die sich au\u00dferhalb der Blutgef\u00e4\u00dfe im Bindegewebe befinden. Mit der Hilfe einiger ebenfalls im Blut vorhandener Molek\u00fcle k\u00f6nnen die Blutpl\u00e4ttchen mit diesen Fasern und im Anschluss auch untereinander vernetzt werden. In mehreren Schritten mit unterschiedlichen Netzkn\u00fcpfer-Molek\u00fclen wird die gebildete Schicht immer dicker und bildet letztendlich eine Kruste, die die Wunde verschlie\u00dft.<br \/>\nNat\u00fcrlich sollen die Netzkn\u00fcpfer-Molek\u00fcle nicht einfach willk\u00fcrlich alles miteinander verkn\u00fcpfen was ihnen so unterkommt. Wir wollen ja, dass unser Blut im K\u00f6rper fl\u00fcssig bleibt! Sie werden daher nur eingeschalten, wenn wirklich eine Wunde da ist und brauchen zudem noch bestimmte Angriffspunkte damit sie eine Verbindung aufbauen k\u00f6nnen. Und genau da liegt das Problem der Glanzmann-Thrombasthenie: ein solcher Angriffspunkt auf den Blutpl\u00e4ttchen ist kaputt oder fehlt \u00fcberhaupt komplett. Das verhindert den vollst\u00e4ndigen Aufbau des Netzes und f\u00fchrt zu einem schw\u00e4cheren Verschluss der Wunde. <\/p>\n<p>Warum jedoch helfen ausgerechnet Streifen von gep\u00f6keltem Schweinefleisch? Ganz im Klaren sind sich die Forscher dazu selbst nicht; es fehlen noch wissenschaftliche Nachforschungen zur Thematik. Sie spekulieren jedoch, dass m\u00f6glicherweise der hohe Salzgehalt des Fleisches eine wichtige Rolle spielt. Eine weitere Vermutung ist, dass das Fleisch vielleicht gro\u00dfe Menge von \u201cGewebefaktor\u201d, eines der f\u00fcr die Blutpl\u00e4ttchenvernetzung notwendigen Molek\u00fcle, vorhanden sind.<br \/>\nAuch uns stellen sich dazu noch einige Fragen. Ist etwa die Art des Fleisches von Bedeutung? Was wenn man nur Rindfleisch bei der Hand gehabt h\u00e4tte? Und \u2013 wenn nun wirklich das Salz die Wirkung ausmacht, k\u00f6nnte man dann eventuell den eigenen Finger mit Salz bedecken und einfach in die Nase stecken? Was w\u00e4re, wenn man das Schweinefleisch an anderen Stellen des K\u00f6rpers benutzt, z.B. gegen Zahnfleischbluten? Schmeckt sicher nicht schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil eines Projekts einer Lehrveranstaltung an der Universit\u00e4t Graz. Studierende sollten einen Blogartikel \u00fcber eine wissenschaftliche Facharbeit schreiben. Ich w\u00fcrde euch bitten, den Artikel der Studierenden zu lesen und zu kommentieren. Was fehlt euch bei der Lekt\u00fcre? Was findet ihr super? Was interessant; was unverst\u00e4ndlich? 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